Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 26 (26.6.1903)
- Article
- Russland in Palästina [Kommentar]
- Date
- 1903-06-26
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 16 „Die # Weit" Nr. 26 Plänen nicht entgegengetreten. Daher kam es, dass die Griechen, nicht genügend geschützt von der türkischen Regierung, das griechische Patriarchat in Damaskus verloren haben. Die russische Palästina-Gesellschaft leitet die kirchlichen Angelegenheiten, da das eingeborene Patriarchat nur ein Werkzeug in ihren Händen ist. Die rührige Tätigkeit dieses Vereins und die zahlreichen Piigerzüge bringen Russland seinem nächsten Ziele, dem Protektorat über die orthodoxe Kirche, merklich näher. Das beweisen am sprechendsten die Klagen der treuen Bundesgenossen, der Franzosen. Die griechischen Mönche in Jerusalem tun ihr Möglichstes und kämpfen gegen die unterirdischen Wühlereien, werden aber weder von der türkischen Regierung, noch von denjenigen Mächten, die gleich den Griechen bedroht sind, unterstützt. Fällt die griechische Grabeskirche in russische Hände, so wären die Folgen für die Lateiner, wie für die Griechen gleich. Da die griechischen Mönche fast alle türkische Untertanen sind, so kommt es natürlich nur der hohen Pforte zu, sie zu beschützen und zu unterstützen, das amtliche Griechenland hat nicht das Recht dazu. Materiell gesprochen wird das griechische Kloster gar nicht durch die russische Regierung unterstützt, wie das russische Volk es wohl in der Regel glaubt. Es ist genugsam bekannt, dass seit Jahrhunderten die Griechen der Moldau und Walachei wie auch in Russland grosse Ländereien zugunsten des griechischen Klosters testamentarisch vermacht haben. Neuerdings haben die Russen alle diese Güter mit Beschlag belegt und für sich drei Fünftel der Einkünfte, die sich auf etwa 260 000 Mark belaufen, behalten, während sie dem griechischen Patriarchen in Jerusalem nur zwei Fünftel schicken. Die russischen Pilger machen nun jedem Heiligtum in der griechischen Grabeskirche bei der Anbetung kleine Geschenke. Die Griechen schulden daher Russland gar nichts. Wenn es aber manchmal wichtige Streitfragen zwischen Griechen und Lateinern gibt oder mit den Armeniern, dann ist die russische Diplomatie gezwungen, für die Griechen Partei zu nehmen im eigenen Interesse, denn, wenn jemals die heiligen Stätten in andere Hände fielen, könnten sie niemals mehr russisches Eigentum werden, so lange sie aber in griechischem Besitz sich befinden, betrachten sich die Russen als Nachfolger. " Der Kustos der Grabeskirche, der bekannte Astimios, erhält mit jedem Schiffe aus Russland 8000 Rubel, das macht bei 48 Schiffen jährlich 384 000 Rubel, abgesehen von den sonstigen milden Gaben. Vor seiner Abreise nach dem Ueberfall auf die Franziskanerpatres im Vorhofe der Grabeskirche, nach Konstantinopel, soll er zwei Millionen Franken auf seinen Namen im Credit Lyonnais haben eintragen lassen. Es war seit undenklichen Zeiten Gebrauch, dass der Kustos der Griechen die Gelder für das heilige Grab nach Belieben verwenden konnte. Man will das dahin ändern, dass der Patriarch der eigentliche Kustos des heiligen Grabes wird. Die griechische Kirche in Jerusalem ist vollständig unabhängig und autonom und mit den anderen griechischen orthodoxen Kirchen nur durch das Band des Dogmas verbunden. Der Patriarch von Konstantinopel wird nur in spiritualibus als der Patriarch der älteren Kirche betrachtet, er hat aber keine sonstige Vorrangstellung. Die russische Palästina-Gesellschaft, die eine grosse Rolle als Werkzeug des Panslavismus in Syrien und Palästina spielt, besteht seit beinahe 25 Jahren. Sie zählt unter ihren Mitgliedern die grossen Häuptlinge des Panslavismus und hat zum Vorsitzenden den Grossfürsten Sergius. Die russische Regierung weigerte sich lange Jahre hindurch, dieser Gesellschaft ihren Schutz zu gewähren, aber langsam gewann die Gesellschaft das amtliche Russland für sich. Bedeutende Geldsummen bringt sie zusammen, um damit eine grosse Anzahl Schulen in Syrien und Palästina zu unterhalten. Ein anderer Teil des Geldes dient zu politischen Zwecken, wie es bei der Wahl des Patriarchen in Antiochien sich zeigte,, wo grosse Summen verausgabt wurden, um einen eingeborenen Beamten anstatt des griechischen durchzusetzen. Verschiedene Anstalten wurden auch eingerichtet, um das eingeborene Element heranzuziehen, und das alles geschieht gegen die griechischen Interessen in Syrien und Palästina. Die Anstalten, welche die russische Palästina-Gesellschaft in Jerusalem besitzt, wachsen von Tag zu Tag an, so dass sie darin heute bereits ein Bollwerk gegen die Interessen der ganzen Welt besitzt. Aus den Schulen für Einheimische werden die besseren Schüler nach Russiand gebracht, wo sie zwei bis drei Jahre in einem Seminar verbleiben, dann werden sie in der Regel, mit einer Russin verheiratet, in ihre Heimat als Lehrer zurückgeschickt. Daher sieht man in den russischen Schulen nur arabische, natürlich russifizierte Lehrer. So schreitet von Tag zu Tag der russiche Einfluss in Syrien und Palästina unbemerkbar, aber sicher vor. Das Merkwürdigste ist, dass die Russen für ihre eigenen Kinder keine Schulen im Lande haben; sie sind gezwungen, ihnen entweder zu Hause Privatunterricht zu geben oder sie nach Russland zu schicken. („Kölnische Zeitung".) SPENDEN. Für den jüdischen Nationalfonds: K Sammlung H. Nagelberg, Jarczowce und A. Pineles, Krakau anlässlich der Hochzeit L. Bergmann mit Frl. R. Reischer, Toporowce : Rabb. M. Aschkenazy K 0.50, Rosenblatt 0.30, J. Bergmann 0.40, Frau Bergmann 0.40, Frau Brandel 0.10, N. Spund 0.40, Wieselberg 0.20, Szerzer 0.40, Stern 0.20, Fritz 1.—, Diamantstein 0.40, Frl. Reischer 0.20, Bergmann 0.40, Frau Biermann 0.50, Frl. Stefaniuk 0.40, Nutas 0.60, Goldschlag 0.50, Szerzer 0.50, Reischer 0.40, Ch. Reischer 1.—, R. Ochshorn 1.—, A. Wieselberg 0.40, Narnik 1.—, L. Bergmann 1__, M. iNeamann 0.50, B. Fleschner 0.50, Rosenkranz 0.00. I. Reischer 1.—, A. Pineles 1.—, H. Nagelberg 1.—, Frl. Z. Nagelberg 0.50 Herbst 0.50, L. Bergmann 1—, D. Schatz 0.50, Frau Aschkenazy 0.50, Nagelberg 0.40, Frl. Bergmann 0.40, Sperber 0.50; zusammen K 21.10; ab Porto 0.30; verbleiben .... 20.80 Neubauer, Bolechow................. 1.— „ Allgemeiner jüdischer Arbeiter-Verein Wien"..... 2 70 Sammlung anlässlich der "Wiederkehr des Absolvierungstages ihrer Matura: Dr. J, Littmann, H. Bloch und B. Bresner, Brody.................. 5.— Gabor Deutsch, Gyula Fehervär............ 10.— L. Rauscher und Frau anlässlich Verlobung Kern, Woloszkowee, zur Eintragung F. Schreier......... 1.— Emunah, Bielitz, zur Eintragung Bardachs...... 5.— Frl. Elsa Steuermann, Drohobycz............ 10.— R. Mazin, London zur Hochzeit Alexander Matz mit Frl. Emma Todtengräber, Wilna............ 2.52 Elija Avin zur Hochzeit Käthe Schellevitsky mit Salomon Evner ...................... 1.20 Neumann, Busk zur Verlobung Kirszner-Winkler und Adler-Krieger................... 0.50 Treller, Krakau zur Hochzeit Lieblich-Cellnik..... 0.60 W. Gross, Lemberg zur Verlobung Mermelstein-Lempert 1.— Sammlung B. Lehrer und M. Präger auf der Hochzeit Torczyner-Tennenbaum.............. 5.78 Aus Cöthen: Kupferbüchse des Vereines „Tchio" M. 11.—, Mitglieder des Vereines 6.25 ............ 20.17 Enkler, München.................. 0.56 Neutra zur Eintra gung des Vereines „Ahawath ZionK: Felsner jun. K 0.36, Lessner jun. 1.72, M. Frischer 1. —, M, König 0.36, L. König 1.—, V. Krausz jun. 1.—, Z. Krausz 2—, Dr. A. Zoltän 1.—-, E. Neumann 3.—, S. VVeisz 0.72, I. Hoff 1.—, M. Krassnianszky 0.72, S. Herzi 2.35; zusammen............. 16.23 St. Gallen : Perlitz Frcs. 0.50, Frisch 0.50; zusammen M. 1.—..................... 0.95 E. David, Bern für Renschen beim Dr. Schmaus Klein . 13.30 Dr. H. Klein, Bern anlässlich bestandenen Examens Summa cum laude................. 4.75 Für Benschen am 1. Tag Schewuoth in der Pension Held, Bern, die Mitglieder der Zion-Vereine „Kadimah* und „Achdus*................„ . . 14.24 Zur Vermählung Damm-Herer, Rohatyn: A. Weidmann, Dr. M. Stern, S. Melzer, S. Margulies, N. Schumer, S. Reischer, S. Horowitz, M. Weingarten, F. Zierler, L. Mandel, M. Rottenberg, B. Weiland, N. Leiner, J. Seidler. A. Rüde, S. Bernstein........... 8.40 „Daughters of Zion", Louisville............ 247.50