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Die Welt · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Article
Zürich [Nachricht] / M. F.
Date
1903-06-26
Page
15 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Nr. 26 „Die & Welt" Seite 15 Herr Dr. Littmann, der gleichzeitig Präsident des Localcomites Zürich der Alliance ist, gab die Versicherung ab, dass in dem Moment, da der Zionismus an die praktische Lösung seiner Idee herantreten werde, er der intensivsten Mitarbeit der gesammten Judenheit versichert sein könne. Nach einer kurzen Replik des Referenten wurde die Versammlung um halb 1 Uhr geschlossen. M. F. Kursk. Der zionistische Verein hielt in der Synagoge Askenasi eine Trauerfeier wegen der Kischenewer Vorfälle ab und wird ein solcher Gottesdienst an jedem Jahrestage stattfinden. Für das Projekt Ussischkin wurden 120 Rubel gesammelt und viele Mitglieder verpflichteten sich zu Jahresbeiträgen für denselben Zweck. Bradfort Im Verein „Montefiore" sprach am 14. d. M. Herr Dr. med. U m a n s k i-Leeds über das Thema : Von Kischenew über Basel nach Zion. Seine ausgezeichneten Ausführungen fanden reichen Beifall. Den Vorsitz führte Herr Rabb. Dr. S t r a u s s. Prätoria. Im Namen der „Pretoria Zionist Ladies Society" hat vor wenigen Tagen die Schriftführerin Miss Gertrude Friedmann, das Wiener A.-C. verständigt, dass der Verein, der während des Krieges seine Tätigkeit einstellen musste, nun wieder von neuem eine rege Tätigkeit entfaltet. Am 24. Mai wurde nach mehrjähriger Unterbrechung die Rekonstruktion des Vereines vorgenommen. Die Bewegung in Transvaal wird dadurch um eine wertvolle Organisation bereichert. Mitteilungen des Distrikts-Komitees für Mähren und Schlesien. Das IV. Zirkular ist an die Einzelvereine und die Vertrauensmänner abgegangen* Wir fordern dieselben zur umgehenden Erledigung unser Zuschrift auf. Gleichzeitig geben wir bekannt, dass Sonntag den 28. d. M. um 8 Uhr früh in Wien, also unmittelbar vor dem Parteitage, die Distriksversammlung der rxiähr.-schles. Organisationen eröffnet wird mit folgender Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des D.-K. °2. Vorschläge für die Wahl eines neuen D.-K. 3. Stellung zum Parteitage. 4. Vorschläge für die Wahl von Kongressdelegierten. 5. Eventualia. Wir fordern die Vereine zur sofortigen Zahlung der rückständigen Schekel- und Parteisteuer auf. Der Ort für die Verhandlungen des Distriktstages wird bekanntgegeben. Berichtigung. Im Artikel „Die Juden in Bosnien und der Zionismus" (Nr. 25) haben sich mehrere Fehler eingeschlichen. Es muss heissen: Seite 3, 2. Spalte, Zeile 6: Dr. Kobler statt Dr. Kohn; Seite 4, 1. Spalte, Zeile 11: Chevre bene Zion statt Cheore bene Zion. Ebendaselbst Zeile 24: Poljokan statt Poljokar. Feuilleton- Russland in Palästina. Anfang März d. J. erschien vor Jaffa ein russisches Geschwader unter dem Kontreadmiral Krieger, bestehend aus einem Kreuzer, zwei Kanonenbooten und einem Torpedoboot. Die Schiffe blieben eine Woche lang vor der Stadt, und der Admiral fuhr mit dem grössten Teil der Mannschaft per Bahn nach Jerusalem.. Seit vorigem Jahre erscheinen zur Ostermesse russische Kriegsschiffe. Das hat etwas mehr als einfache Frömmigkeit zu bedeuten. Der russische Einfluss ist heutigen Tages in Palästina mächtig geworden! Wer heute nach Syrien und Palästina kommt, wundert sich, wie sehr von allen verschiedenen religiösen christlichen Gemeinschaften das heilige Russland im ganzen Lande, besonders in Jerusalem, sich hervortut in Erwerbungen von Grund und Boden und in der Gründung von Missionen, Schulen, Hospitälern und klösterlichen Genossenschaften. Wir Deutsche haben erst in neuerer Zeit angefangen, uns mehr um Jerusalem und Palästina zu kümmern. Die modernen Bauten, die Russland in Palästina aufführen lässt, sind in der Tat grossartig, sie bilden in gewissem Sinne eine Stadt für sich, eine Art Festung, die als Neu-Jerusalem, mit welchem Namen die Russen das Ganze benannt haben, das alte Jerusalem unter Umständen beherrscht und eines Tages neben ihrer religiösen leicht eine noch unberechenbare politische Bedeutung erlangen kann. Die ganze Anlage besteht aus: Missionshaus mit Schule und Spital, einer Pilgerherberge, Wohnungen für geistliche und weltliche Beamte, dem Palast des künftigen russischen Patriarchen und des Generalkonsuls und den beiden Kirchen, deren eine, die Kathedrale, ganz Jerusalem überragt. Alles dieses ist umgeben von einer Festungsmauer. Ein Drittel des Oelberges hat Russiand angekauft und samt der Gethsemanekirche mit einer Mauer umschlossen. Oben auf der Spitze des Berges, nahe bei der Himmelfahrtskirche, ragt der hohe Russenturm empor, weithin sichtbar im Lande, selbst jenseits des Jordans. Die ganze kirchliche Politik des Christentums im Orient hat in Jerusalem ihren Mittelpunkt. Auch findet man nirgends so viele Sekten zusammen wie hier. Nirgends blüht die Proselytenmacherei so stark wie in Palästina. Dies ist umso leichter, weil Palästina nicht mehr das Land ist, wo Milch und Honig fliesst, sondern das Betteiland par excellence. Alle christlichen und nichtchristlichen Gemeinschaften, die Juden nicht ausgenommen, leben hier vom Betteln, das heisst von den aus dem Auslände, hauptsächlich aus Europa, kommenden Geldern. Dies sieht man besonders zur Osterzeit an den vielen Bettelbriefen, die aus Jerusalem geschrieben werden. Allein die russische Post hat im vorigen Jahre um diese Zeit für 700 Napoleons Briefmarken verkauft. Allen voran betätigt sich Russland in der Gründung von Kirchen und Schulen. Die russischen Kirchen und die russischen Schulen nehmen seit Jahren in Syrien und Palästina so sehr an Einfluss zu, dass selbst der französische Botschafter Constans bereits vor drei Jahren, als er den Lehrkörper einer französischen Jesuitenschule in der türkischen Hauptstadt empfing, den Herren u. a. sagte: „Wir haben furchtbare Gegner zu bekämpfen, Nebenbuhler, die unseren Einfluss untergraben und uns verdrängen wollen. Die Protestanten geben viel Geld aus, doch ohne Erfolg. Für uns sind nur die Russen gefährlich. In Syrien besuchten vor drei Jahren 9000 Kinder russische Schulen, jetzt sind es 15 000. Wenn dieser Fortschritt andauert, so werden sie vielleicht in zehn Jahren unserem Schutz den Todesstoss versetzt haben." Man zählt in Syrien und Palästina an 155 russische Schulen. Die in Palästina, hauptsächlich in Galiläa, sind erst neuerdings durch Irade des Sultans bestätigt worden. Die Russen entwickeln besonders in Nazareth eine grosse Tätigkeit. Auffallend ist, dass seit dem türkisch-französischen Streite im vorigen Jahre alle Bau-Erlaubnisse, die bisher nicht gegeben wurden, auf einfaches Ansuchen bei der Stadtverwaltung erteilt werden. Nicht allein Frankreich, sondern sämtliche christliche Staaten werden durch die russische Minierarbeit eines Tages an Einfluss und Macht verlieren. Zur Zeit ist es hauptsächlich die griechische Kirche, auf die Russland es besonders abgesehen hat. Die Angst der Griechen ist daher berechtigt, Russland wird allmählich ohne Zweifel die Oberhand bekommen und die ganze griechische Erbschaft wird ihm zufallen. Man wird erst trachten, einen arabischen Patriarchen einzusetzen, und eines Tages wird diese Marionette verschwinden und der allmächtige russische Patriarch in Jerusalem residieren. Dass die Griechen auch seit ein paar Jahren angefangen haben, zu Ostern ein Kriegsschiff nach Jaffa zu senden und den grössten Teil der Mannschaft nach Jerusalem zur Grabeskirche zu schicken, wird ihnen nichts nützen. In griechischen Kreisen weiss man zur Genüge, dass Russland nur auf den Augenblick wartet, um die Hand auf die griechische Grabeskirche und die griechischen Klöster in Jerusalem zu legen, denn die Russen besitzen in der Grabeskirche nichts. Diese Minierarbeit geschieht durch die Societe russe de Palestine, die nur darauf ausgeht, den Einfluss des griechischen Klosters zu vernichten und sich zur Herrin des Sanktuariums zu machen, das sich in den Händen der Griechen befindet. Von Konstantinopel aus wird den geheimen russischen

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