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Die Welt · 1903-06-26 · 26 (26.6.1903) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
26 (26.6.1903)
Article
Ein sinniges Denkmal für eine jüdische Dichterin [Nachricht]
Date
1903-06-26
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 26 „Die # Welt*» Seite 13 heitsbildsäule ist, — so schreibt die „Illinois Staatszeitung* in Chicago — eine in jeder Beziehung wohlvei diente. Jüdische Statistik und Zionismus. Die I. Zionistische Landeskonferenz in Sibirien fasste nachstehende Resolution: „Eine allseitige jüdische Statistik ist die erste Basis einer rationellen zionistischen Arbeit.44 Diese Resolution, auf Grund deren eine statistische Kommission gewählt wurde, die sich mit dem „Verein für judische Statistik44 (Berlin) in Verbindung setzte, entspricht durchaus der Stellung, die berufene Vertreter des Zionismus der wichtigen Frage der jüdischen Statistik gegenüber von Anfang an eingenommen. Dr. Max N o r d a u äusserte bekanntlich auf dem V. Zionistenkongress: „Wir müssen mehr wissen. Wir müssen zuverlässig erfahren, wie das Volksmaterial beschaffen ist, womit wir zu schaffen haben werden. Wir brauchen eine ganze anthropologische, biologische, ökonomische und intellektuelle Statistik des jüdischen Volkes." So lange man sie nicht hat, „ist alles, was man für das Volk tun will, ein Tappen im Dunkeln ...44 Im „Jüdischen Almanach44 schrieb dann Leo M o t z k i n : „Für die Zionisten ist das Studium des jüdischen Volkes als solchen Selbstzweck. Es soll das grosse Material zusammengetragen werden, das uns dazu dienen soll, die Lage unserer Nation zu analysieren. Wir wollen nicht die Not des jüdischen Volkes durch Trivialitäten entweihen; Ziffern sollen sprechen, sollen denen ins Ohr gellen, die für die Nationalindividualität der Juden kein Verständnis besitzen ... So geht aus dem Ganzen mit Klarheit hervor, dass vor allem die Zionisten berufen sind, sich der Aufgabe der jüdischen Statistik zu widmen.4' Der sog. Kleine Kongress hat demgemäss die Förderung der jüdischen Statistik beschlossen. Mehrere zionistische Organisationen haben dem „Verein für jüdische Statistik44 namhafte Subventionen gewährt oder sind demselben korporativ als Mitglieder beigetreten. Gegenwärtig, wo der Verein nach Veröffentlichung seiner ersten, gehaltvollen Publikation für seine weiteren Arbeiten einer ausgedehnteren Organisation und einer entsprechenden finanziellen Basis bedarf, ruht auf allen zionistischen Organisationen sowie auf allen einsichtsvollen Mitgliedern derselben die Pflicht, die jüdische Statistik, dieses vom nationalen Standpunkte so eminent wichtige Unternehmen, durch Teilnahme an den Arbeiten und Vergrösserung des Fonds des Vereines für jüdische Statistik nach Kräften zu fördern. Anmeldungen tätiger und unterstützender Spender sind zu richten an die Zentrale des Vereines für jüdische Statistik, Berlin-Halensee. Jüdische Statistik. Der Verein für jüdische Statistik (Berlin-Halensee, Mitgliedsbeitrag 6 Mark) lässt eben im Jüdischen Verlag (Berlin) und unter der Redaktion von Dr. Alfred N o s s i g seine jüngst angekündigte erste Publikation erscheinen. Das umfang- und inhaltsreiche Werk („Jüdische Statistik44) zerfällt in vier Teile. Eröffnet wird es durch die Bibliographie der jüdischen Statistik, eine Arbeit grossen Fleisses, welche die in den verschiedenen Ländern begründeten Sektionen des V. f. j. St. hergestellt haben, um die erste Grundlage für eine jüdische Gesamtstatistik zu schaffen. Es folgen die offiziellen Berichte der jüdischen Organisationen über ihre statistischen Arbeiten, schon darum bemerkenswert, weil es zum erstenmal gelungen ist, diese Institute und Gesellschaften zu einer gemeinsamen Arbeit zu vereinigen. Die Jewish-Colonization-Association hat mit grossem Aufwand an Mühe und Kosten eine Statistik der Juden in Russland aufnehmen lassen, deren erste Ergebnisse hier zur Veröffentlichung gelangen. Grosses Interesse verdienen auch die zahlreichen Arbeiten des Ordens Bnei Brith, die von der Oesterr.-Israel.-Union unternommene Enquete über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Galizien, die Erhebungen des Deutsch-Israel.-Gemeindebundes in Deutschland und die Enquete unter den jüdischen Studierenden der europäischen Hochschulen, durchgeführt vom Bureau Jüdische Hochschule44. Der dritte Teil „Beiträge zur Statistik der Juden in einzelnen Ländern44 ist so zusammengestellt, dass er ein übersichtliches Bild der Lage jener bedrängten Massen des jüdischen Volkes ergibt, die in ihren Heimatsländern den furchtbarsten Katastrophen ausgesetzt sind, ihre Existenzgrundlagen verlieren und sich zur Auswanderung gezwungen sehen. Kenner der Verhältnisse, wie L. Wengierow, Eduard Bernstein, Joseph Jacobs, G. Halpern, Dr. Rimalovsky, Dr. Fishberg u. v. a., schildern hier das mobile jüdische Proletariat auf seiner Wanderung aus dem europäischen Osten nach England, Nordamerika und dem Orient. Den Abschluss bilden Beiträge zur jüdischen Weltstatistik, in denen die physischen Rasseneigenschaften der Juden sowie ihre Zahl, Verteilung und Zunahme auf der Erde untersucht werden (Dr. Ruppin, Rev. Harris, Dr. Barnett, Dir. Zeller). Ueber Bedeutung, Aufgaben und Organisation der jüdischen Statistik schreibt der Herausgeber Dr. Alfred Nossig. Die Publikation, welche als erste authentische Informationsgrundlage über die Verhältnisse des Judentums nicht nur die jüdischen Kreise, sondern auch die Männer der Wissenschaft und die praktischen Sozialpolitiker lebhaft interessieren dürfte, ist zum Preise von 7 Mark beim Jüdischen Verlag (Berlin SW. 47) sowie durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Statistisches über Mischehen. Die neue Ausgabe des Handbuchs für den preussischen Staat bietet über die jüdischchristlichen Mischehen neue Ziffern, Es waren danach : ohne Kinder Mischehen 1885 1890 1895 1900 1895 1900 evang. Mann jüdische Frau 703 956 1147 1326 398 464 kathol. „ „ „ 166 215 251 335 81 119 sonstig. „ , 72 86 132 149 44 49 jüdisch. „ evangel. „ 916 1255 1452 1855 519 708 „ kathol. „ 130 210 253 335 94 J41 „ „ sonst. „ 54 40 52 52 20 19 2111 2762 :!2ö7 4U52 1156 1500 Mehr als ein Driitel der Mischehen sind also ganz kinderlos. Das konfessionelle Verhältnis der Kinder aus diesen Mischehen ist folgendes; überhaupt 1885 1890 1895 1900 evangelischer Vater, jüdische Mutter 1199 1426 1874 1890 katholischer „ „ „ i06 316 406 503 sonstiger „ „ „ 136 121 207 230 jüdischer „ evangel. „ 1152 1789 2242 2620 „ „ kathol. „ 166 272 385 457 sonstige „ 94 66 88 74 3115 3991 5202 5783 davon jüdisch 181 212 295 315 101 99 141 115 52 39 84 99 318 515 571 682 62 97 120 145 58 55 55 45 evangelischer Vater, jüdische Mutter katholischer „ „ „ sonstiger „ , „ jüdischer „ evangel. „ „ kathol. „ „ sonstige „______ 772 1017 1265 1401 Wir sehen den Anteil der jüdischen Religion an dem Bekenntniss der Kinder sich ständig verringern. Statt dass, wie es eigentlich sein müsste, von den 5583 Kindern aus jüdisch-christlichen Mischehen 2892 zum Judentum gehören, sind es nur noch 1401, nicht ganz die Hälfte. Es betrug der Anteil des Judentums 1885 25 °/0 1890 25 „ 1895 24l/a „ 1900 24 „ Aeusserst interessant ist die Kontrole des Kinderreichtums bei den jüdisch-christlichen Mischehen. Die Ziffern aus dem Jahre 1895 und 1900 zeigen, dass 30 resp. 37% der Mischehen kinderlos sind. Auf 100 Ehen kamen 1885 1890 1895 1900 148 144 159 143 Kinder Da im Durchschnitt des deutschen Reiches auf jede Ehe 4,5 Kinder kommen, so leuchtet ein, wie gering der Kindersegen der Mischehen ist, Luigi Luzzatti. In einem Artikel, den der ehemalige italienische Finanzminister Luzzatti jüngst in der „N. F. Pr." über die augenblickliche Lage im internationalen Handelsverkehr veröffentlichte, schreibt er unter anderem: „Ein Strassburger Agrarierblatt mutete dem in Rom versammelten landwirtschaftlichen Kongresse zu, mich von seinen Beratungen auszuschliessen. Der Kongress hat durch die einhellige Zustimmung, die er mir zuteilwerden Hess, der wissenschaftlichen Bedeutung dieses Blattes ein gebührendes Zeugnis ausgestellt. Das Urteil über dessen religiöse Billigkeit, da es mich als Juden der Verachtung der Welt preisgeben will, überlasse ich den anständigen Menschen. Meine Ueberzeugung und meine Studien haben mich in die reinen Höhen philosophischen Denkens emporgehoben; gegenüber den tollen Wüterichen, die mit ihren hasserfüllten Worten der wilden Hetzjagd in Bessarabien die Wege ebnen, bekenne ich mich mit Wollust zu den Juden. Ich bin wieder Jude, wenn man mir vorwirft, ein Jude zu sein. Der Geist Gottes ist bei den Verfolgten, nie und nimmer bei den Verfolgern." Personalnachrichten. Das Mitglied des Aktions-Komitees für Rumänien, unser geschätzter Gesinnungsgenosse Herr Dr. Hermann Moscowitz (Braila) hat sich mit Fräulein Fridda Strass verlobt. — Unser Gg. Berthold Singer wird Freitag den 26. Juni im Festsaale der Wiener Universität zum Doktor der Rechte promoviert werden. — Unser Gg. Ch. Wortsmann hat sein Examen zum Dr. phil. an der Universität Basel cum laude bestanden.

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