Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 26 (26.6.1903)
- Article
- Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis
- Date
- 1903-06-26
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 26 „Die $l Welt" Seite 9 2 Lederzurichter, 5 Lehrlinge, 4 Magazineure, 2 Maschinisten und Heizer, 1 Metallarbeiter, 8 Monteure, 38 Schlosser, 25 Schneider, 3 Schriftsetzer, 6 Schuhmacher, 31 Spengler, 4 Steinmetze, 5 Tapezierer, 1 Taschner, 8 Tischler, 5 Uhrmacher, 3 Zeichner, 7 Zimmermaler, 3 Zuckerbäcker, tüchtige und verlässliche Hausbesorger. II. Klasse. Kaufmännische Angestellte: 4 Branntweinverschleisser, 23 Buchhalter und Korrespondenten, 103 Kommis diverser Branchen, 65 Kontoristen und Strazzisten, 4 Inkassanten, 3 Kanzlisten und Schreiber, 6 Manipulanten und Expedienten, 6 Platz-Agenten und -Vertreter, 12 Praktikanten, 11 Reisende. Weibliche Abteilung: 1 Bonne, 31 Kontoristinnen und Kanziistinnen, 13 Expedientinnen und Manipulantinnen, 1 Hilfsarbeiterin, 1 Kassafräulein, 1 Näherin, 14 Praktikantinnen, 52 Verkäuferinnen, 11 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. III. Klasse. Geistige Arbeit: 40 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 2 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Das Bureau des Vereines hat seit seiner Eröffnung im November 1899 bis inklusive 20. Juni 1903 6649 Vermittlungen durchgeführt, und zwar: 3115 Vermittlungen in der I. Klasse (manuelle Arbeiter), 1551 in der II. Klasse (Handelsangestellte), 1851 in der weiblichen Abteilung und 132 in der III. Klasse (geistige Arbeit). Korrespondenzen. Wien. Aus Pilsen kommt uns die tiefbetrübende Nachricht zu, dass unser braver Gesinnungsgenosse, der Obmann des erst kürzlich gegründeten, doch überaus rührigen „Zion"-Pilsen, Herr Em. Maesarek, am 21. Juni plötzlich verschieden ist. Zum Leichenbegängnis, das Dienstag den 23. Juni stattfand, hat das österreichische D.-K. einen Delegierten entsendet. Wien- (Die Sammlung der „Israelitischen Allianz in Wien) für die Opfer der Massacres von Kischenew hat bis beute einschliesslich der avisierten Beträge zirka 175.000 Kronen erreicht. Unter den ausserhalb Wien veranstalteten und der „Israelitischen Allianz" zugeführten Sammlungen sind ausser den bereits mitgeteilten folgende zu nennen: Prag (durch Herrn Doktor Arnold Rosenbacher) vorläufiges Ergebnis eines Konzertes unter Mitwirkung der Frau Lucy Bönnecken, k. k. Universitäts - Professorsgattin K 5000; Prag (durch Herrn Dr. Arnold Rosenbacher), weitere Sammlungen K 933.20; 694.26; 643.90; Brünn: A. Witrofsky, weitere Sammlung K 1029; K r e m s i e r : Dr. A. Fr an kl, Sammlung K 64; Wagstadt: L. F r i e d, Sammlung K55;Jechnitz: Dr. Hugo K o h n, Sammlung K 50; W o dni an : Rabbiner Kraus, Sammlung K 48 \ Kultusgemeinden (darunter teilweise Sammlungen), Tri est: K 1600; Budweis: K. 1502: Neu-Sandec: Hilfs-Komitee für Kischenew), K 1500: Gab lo nz K 1105; Nach od: K 660; Olmütz: K 500; ßoskowitz: K 470; Koprivnica: K 404; R a k o n i t z : K 302; Nikolsburg: K 300; K r o a t. - K r e u z : K 290 Diakovär: K. 227; Steyr: K 213; Z a b 1 o c i e : K 200; L e i p n i k : K 176; Eiwanowitz: K 155; Neugedein: K 130; Unter-Kralowitz K115: Bäcs-Almäs (Ungarn): K110; S o b e sl a u : K 103; K a n i t z : K 91; Luze: K80; Lubenz: K60;Hotzenplotz:K57; Brüx (Frauenverein): K 50. Mährisch-Schönberg. Das Gründungsfest des „Jüdisch-literarischen Gesel1igkeitsVereines" in Mähr.-Schönberg. An der Hand des Namens der Vereines legte der Festredner Herr Rabbiner Dr. P r o s s n i tz, nach herzlicher Begrüssung der Herren Rabbiner Doktor Oppenheim und G i n z i g, sowie der aus der Umgebung erschienenen Festgäste, die Ziele des Vereines in geistreichen und eindringlichen Worten dar. Nach der Festrede erfolgte durch Herrn Ignaz Glas die Konstituierung des Vereines, beziehungsweise die Wahl des siebengliedrigen Vereinsausschusses. In denselben wurden gewählt: die Herren Ingenieur F.Glas zum Obmann, S. Berg er, Obmannstellvertreter, Friedrich Woissbart, Kassier, Arnold Blum zu dessen Stellvertreter, zum Schriftführer Karl Bock, Alfred Schild, Schriftführer und Doktor Prossnitz zum Bibliothekar. Hierauf wurde ein Dreiakter, in einer weit über Dilettantenmass hinausgehenden trefflichen Darstellung zur Aufführung gebracht. Wir nennen von den Mitwirkenden; die Damen Frau Berta B erger, Frau Auguste Löwy und die Fräulein Berta Stern, Auguste Zenzinger, Irma Aufre cht, Jenny Wohryzek und Frieda Guttmann; die Herren Oskar Knina, Maurus Müller, Edgar Schild, Adolf Stern und Arnold Ziegler. Möge der Verein den Juden Mähr.- Schönbergs in glänzender Weise die Wahrheit der variierten Worte des Dichters beweisen. „Alles kann der Jude entbehren, nur den Juden nicht!" F. G. Hussiatyn. Am 18. Juni überfielen betrunkene Bauern das einsam stehende Wirfchaus des Nuchim Altschüler, zertrümmerten alle Fensterscheiben, brachen die rasch verschlossene Tür auf und gingen mit Stuhlfüssen auf die Wirtsfamilie los. Auf die Hilferufe eilte unser Gesinnungsgenosse J. Steinig aus seiner in der Nähe befindlichen Holzwarenfabrik herbei und es gelang dem berühmt starken Manne, die Bauern für diesmal zu vertreiben. Brody. Am 26. Mai fand auch h'ier eine Trauerkundgebung für die unglücklichen Brüder von Kischenew statt. Ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden. Nach den Gesängen des Oberkantors und Chores sprachen der Maggid A. Kluger und Dr. Leop. Herzl. Die Wirkung war ergreifend. Czortkow. Eine Trauerfeier für die Kischenewer Opfer fand hier am zweiten Tage Schewuoth statt. Herr Rabbi J. Land au hielt die Predigt. Der Herr Rabbiner sprach auch in einer Volksversammlung, die der Verein „Bnei Ziontt am 5. d. M. in die Synagoge einberufen hatte. Nach ihm sprachen Herr L. Taubes und Herr H. Hillel. Kossow. Am 24. Mai veranstalteten die Vorstände der Kultusgemeinde und des Vereines „Zion" in der Haupt-Synagoge eine Trauerandacht für die Märiyrer von Kischenew. Eine tausendköpfige Menge war in der dekorierten und hell beleuchteten Synagoge versammelt. Die Trauerrede hielt der aus Kolomea berufene Maggid, Herr I. Weber. Nach einer packenden Schilderung der Katastrophe sprach er in beredten Worten für das einzige Rettungsmittel des Judenvolkes, für die Heimstätte in Palästina. Die dem Zionsideale fernstehenden Chassidim griff er scharf an und stellte die Grundlosigkeit ihrer Einwendungen mit Belegen aus Werken grösster jüdischer Autoritäten fest. Schliesslich verrichtete er das a^ry*. mit von Tränen erstickter Stimme und kein Auge blieb tränenleer. S. A. H. Solotwina. Am 14. d. M. fand in der hiesigen Synagoge eine Trauerfeier für die Kischenewer Märtyrer statt. Sämtliche Läden der Stadt waren gesperrt. Im Tempel sang die Jugend der Hirsch-Schule Trauerchöre und der Schulleiter hielt eine ausgezeichnete Bede. Herr Händler las aus der Geschichte Stellen über die Judenmetzeleien der Kosaken Chmielnickis vor. Sammlung K 161-94. Zbaraz. Auch hier fand eine Trauerfeier für die Kischenewer Opfer statt. Die Rede hielt Herr Rabbiner G. Rubinstein, der eindringlich Hilfe für die Hinterbliebenen verlangte. Zurawno. Auf Veranlassung der hiesigen Kultusgmneinde wurde am 11. d. M. eine Trauerandacht für die gemordeten Juden in Kischenew abgehalten. Die Kultusgemeinde hatte zu diesem Zwecke Dr. Bernhard Hausner aus Lemberg eingeladen, welcher eine ergreifende Rede in deutscher Sprache hielt. Ausserdem sprach auch (hebräisch) der hiesige Rabbiner Herr P. Horowitz. Das „Slowo polskie" ist darüber aufgeregt, dass die erste Rede nicht in polnischer Sprache gehalten wurde. Wir können dem Blatte antworten, dass es deshalb geschah, weil die überwiegende Majorität der dortigen Juden polnisch überhaupt nicht versteht. Den Kultusvorstand möchten wir darauf aufmerksam machen, dass der Trauergottesdienst allein nicht genug ist, er möge auch eine Geldsammlung für die unglücklichen Hinterbliebenen einleiten. J. H. Lemberg. Ueber die Lage der galizischen Juden schreibt der „Wschod" beiläufig folgendes: Noch immer ist unsere Mission nicht erfüllt, noch ist das Mass unserer Leiden nicht voll und der Becher unserer Schmerzen nicht zur Neige geleert, noch immer sind wir vom Schicksal nicht geschont und noch immer und fortwährend fliesst unser Blut. Und die Täuschung von Jahrhunderten macht der Wahrheit, der grausamen und furchtbaren, Platz. Die einstigen Judenmorde, die Verfolgungen der Vergangenheit schrieb man einem wilden Fanatismus, einem tierischen, kulturwidrigen Instinkte zu. Nach dem sie vorüber waren, schob man die Schuld auf das Mittelalter. Anders jetzt. Die Menschheit ist fortgeschritten, die Zivilisation verbreitet, die Wissenschaft vertieft und damit auch die edle Nächstenliebe, Mildtätigkeit, Humanität, Aufrichtigkeit und Offenheit. Ja, jetzt ist es anders. Wir werden nicht mehr plötzlich überfallen, sondern offen und öffentlich wird