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Die Welt · 1903-05-19 · 25 (19.5.1903) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
25 (19.5.1903)
Article
Judenexzesse in London [Nachricht] / L. L.
Date
1903-05-19
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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«r. 25 Die # Welt" Suite 13 V^elt*<ibPOi)ili. Judenexzesse in London. Am 8. d. M. fanden in Bethnal Green judenfeindliche Krawalle statt. Man muss konstatieren, dass sie wahrscheinlich nur Exzesse einiger Burschen waren, die zuerst einem jüdischen Jr/ruchthändler Obst gestohlen haben und dann zum Steinewerfen und Fenstereinschlagen übergingen. Die Juden der Nachbarschaft kamen, mit Stöcken bewaffnet, herbei und gaben den Angreifern eine gute Lektion. Die Polizei, die zu diesem Streite kam, brachte Angreifer und Angegriffene zu Gericht, wo der Streit geschlichtet wurde. „Daily Exp r e s s'4 brachte am nächsten Tage einen Leitartikel gegen die Fremden und die Raufbolde kündigten an, dass sie am 14. Juni ein neues Kischenew inszenieren werden. Die Massregeln der Polizei verhinderten aber jede derartige Absicht. — Diese Kämpfe zwischen den Juden und den benachbarten Andersnationalen dauern bereits lange Jahre. Aus Furcht, dass grosse Ausschreitungen entstünden, wenn wir öffentliche Meetings über diese Sache abhalten sollten, haben wir bisher nichts unternommen. L. L. Ein Abgesandter der Wiener Allianz in Kischenew. Wie wir erfahren, hat die Wiener israelitische Allianz ihren Sekretär Dr. Kaminka nach Kischenew entsendet, um an Ort und Stelle über die dortigen Vorkommnisse sowie über den Stand der Hilfsaktion Informationen einzuholen. Derselbe hat die Rückreise über Rumänien genommen und trifft in den nächsten Tagen in Wien ein. Das Hilfswerk in Kischenew. Die Stadt ist zum Zwecke der Hilfeleistung in 24 Bezirke geteilt, von denen jeder einem Kurator unterstellt ist. Gesuche an die Hilfskornmission werden dem Kurator des Bezirkes, in dem der Petent seinen Wohnsitz hat, zur Untersuchung überwiesen. Der Kurator des Bezirkes bildet mit drei Kuratoren anderer Bezirke eine Subkommission, die auf Grund der Untersuchung Bericht zu erstatten und Vorschläge zu machen hat. Diese Vorschläge gehen an eine zweite Kommission, die zur Hälfte aus Kuratoren, zur anderen Hälfte aus angesehenen Bürgern besteht, die Sachkenntnis besitzen, um die verursachten Schäden zu schätzen etc. Diese zweite Kommission bestimmt, in welcher Weise die Hilfe zu erfolgen hat, und weiche Beträge hierfür auszusetzen sind. Der Besch luss dieser Kommission bedarf noch der Genehmigung der schon früher in Kischenew in Tätigkeit gewesenen ständigen Kommission für Wohltätigkeitsangelegenheiteii, die unter dem Vorsitz des Dr. Mutschnik tätig ist. Jede der 46 Familien, denen der Ernährer geraubt ist, hat ihren Kurator. Es ist das eine Stelle, um die sich die angesehensten Mitglieder der Gemeinde gedrängt haben. Ein besonderes Damenkomitee, dem aus Russland Spenden an Kleidungsstücken zukommen und dem zur Ergänzung auch gewisse Beträge vom Hauptkomitee zur Verfügung gestellt sind, befasst sich mit der Verteilung dieser Kleidungsstücke und unterhält für Kinder ein Tagasyl. Eine besondere Kommission besteht für die indirekt Leidenden (Fuhrleute, Handwerker etc.), die durch das vollständige Darniederliegen von Handel und Verkehr in Bedrängnis geraten sind und sich in höchst kritischer Lage befinden. Endlich hat das Komitee auch für eine Anzahl von Juden aus den umliegenden Dörfern zu sorgen, die ebenfalls durch die dortigen Ereignisse indirekt betroffen sind. — Bei dem Kischenewer Komitee sind bisher 450 000 Rubel eingegangen. Bis zum 28. Mai waren 2216 Gesuche um Hilfe eingereicht worden, in denen die Petenten den ihnen erwachsenen Schaden auf 1 897 040 Rubel angegeben haben. Von diesen Gesuchen waren 1316 bis zum 28. Mai beglaubigt und an 853 besonders arme und bedürftige Familien, die ihren Verlust auf 387 198 Rubel angegeben hatten, ist der Betrag von 116 000 Rubel gezahlt worden. Indessen sind in den geltend gemachten Anträgen lange nicht alle erlittenen Schäden enthalten, da vielfach mit Angaben über die Verluste zurückgehalten wird. Die jüdische Bevölkerung ist teilweise noch zu sehr eingeschüchtert, um an neue Tätigkeit zu denken, und glaubt, dass die Gelder beim Komitee ihnen auch später zur Verfügung stehen würden. Teils mag auch wohl die Hoffnung bestimmend gewesen sein, grössere Beträge bewilligt zu erhalten, wenn erst dem Komitee grössere Summen zur Verfügung stehen. Endlich haben sich Leute nicht gemeldet, die grosse Verluste erlitten haben, weil sie keine Entschädigung erhalten können, die ihnen annähernd das Verlorene wiedergibt, und ihrer auch nicht direkt bedürftig sind. Zu den Beträgen, die in Kischenew zur Verfügung stehen, sind in Kischenew selbst über 40 000 Rubel aufgebracht worden. Unsere Patrizier. In der Hof- und Stadtpfarrkirche zu St. Augustin in Wien fand Dienstag vormittags um halb 12 Uhr die Trauung des Fräulein Maria Hermine Kohn, Tochter des Grossindustriellen und Vizepräsidenten des Zentralverbandes der Österreichischen Industriellen Herrn Kohn mit dem Fabriksbesitzer Herrn Wilhelm Fundulus statt. Den feierlichen Trauungsakt vollzog Prälat Dörfler unter grosser geistlicher Assistenz. Die Sprache der Ziffern. In Oesterreich gibt es eine sogenannte deutschlibcrale Partei, auch Freisinnige Partei44 genannt. Wer das eigentlich in Wien wenigstens ist, geht aus folgender Tatsache hervor: Bei den Wahlen in den Bezirksrat der inneren Stadt in Wien wurden 1019 jüdische Stimmen abgegeben. Wenn man hiervon die Zahl der ungiltig erklärten Stimmzettel abzieht, so kommt genau die Stimmenzahl der gewählten liberalen Kandidaten heraus. Da nicht anzunehmen ist, dass Juden den antisemitischen Kandidaten ihre Stimmen geben, so ergibt sich, dass kein einziger Christ für die liberale Liste gestimmt hat. Dein Juden teutscher Nation, Herrn Auspitz und Konsorten zur gefälligen Notiz! Antisemitische Badeorte. In folgenden Orten und Häusern sind weder Juden noch judisches Gtdd erwünscht: Augustusbad. Bansin. Boz->n : „Zur weissen Ro?e", „Zum Reussen". Braunhge (Braunschweig). (Bruchhausen (Bad. Schwarzow). Borkum. Chiemsee: „Die Frauenchiemsee". Einöd b. Priesach (Steierm ). Ebbs u. Erl am Inn. GaisenstHin. Gealberger Mühle b Oberhof in Thüringen. Grahl bei Ribnitz Grosstabarz (Thüringen). Hahnenklee: „Pension Burgfriede". Heiligenhafpn. Innsbruck : „Zum weissen Kreuz", rZum goldenen Adler, „Roten Adlei ". Im st. Karlsbad : „Hotel Morgenstern". „Hot.pl National", „HoteJ de Russie", „Residenz Hotel", „Gate Schweizerhof", „Haus GrilJparzer", „Alte Wiese", „Haus Rom. Feldherr", „Neue Wiese", „Haus üelzweig", Marienbaderstr asse, „Haus Italia", Schlossberg, „Haus Pr. Krön-.", „Haus Florenz", „Haus Stadt Warschau", Kaiserstrasse, „Haus Malta", Kaiserstrasse, „Haus ßrandenburgertor", Kreuzstrasse, „Haus Germania", Schlossberg, „Haus Egeria"\ Egerstrasse, „Haus Diamant", Egerstrasse, „Haus Englische Krore", Egerstrasse, „Haus Schubert", .Parkstrasse. Kieferfelden a. Inn: „Gasthof zur Gräfin v. Kufatein". Kiesingen: Logierhaus Renner. Kitzbühel (Tirol). Klausen: „Gasthof zur Post". Kufstein: „Gasthaus zur Schanz bei K.u, „Sandwirt zum Sparchen bei K." Lakolk auf Rom. Langhampfen. Ligau bei Dresden. Melisalp (Berner Oberland) Mezzellombardo: „Rest. Gröbner". Montavon. Inner Bariholomä und Bandaus (Vorarlberg). Mühlenthal (Ferienheim bei Wernigerode). Mühlgraben bei Oberaudorf (Tirol). Müritz. St. Nikolai bei Ebbs. Oberaudorf a. Inn. Oberbozen. Oberweiler: Kurhaus im Schwarzwald. Pyrmont: Richters Pension. Prag. Altstadt: Katholisches Kasino. Rensch bei Bozen. Rupolding in Oberbayern. Schierke (Harz): „Hotel Hoppe" und „Haus Tannerheim". Schärding a. Inn: Kuranstalt Ebenhecht. Schliersee: Hofhaus. Sellin. Sermione a, Gardasee : „Hotel promessi sposi". Swinemünde: B r i 11 er s Strandhotel. Thiersee. Unterriss (Bavern): Forsthaus. Vilm. Insel auf Rügen. Volderbad bei Hall in Tirol. Walchsee. Wildbühl (Tirol). Zinnowitz. — Damit ist die Liste noch lange nicht erschöpft. Vom jüdischen Studenten. Eine allgemein verbreitete und erst jüngst von Ruppin in seinen bekannt gewordenen Abhandlurgen : „Die sozialen Verhältnisse der Juden in Preussen und Deutschland1' (Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik) vertretene Meinung ist, dass der unverhältnismässig starkeZudrang von Juden an die Hochschulen durch den allgemeinen Wohlstand der Juden begründet sei. Die richtige Meinung der Sachverständigen wird jetzt durch einen amtlichen Beleg erhärtet. Es ist dies die „Statistik der preussischen Landesuniversitäteu". Diese Statistik stellt die Zahl der in Anspruch genommenen Vergünstigungen seitens der Katholiken. Protestanten und Juden zusammen. Solche Vergünstigungen können bekanntlich nur auf Grund behördlicher Armutszeugnisse in Anspruch genommen werden. D^r Perzentsatz von Stipendisten ist überall ungefähr gleich, dagegen haben Nachlass im Stundengeld in Anspruch gerommen von 100 Juristen: 5 Protestanten, 7 Katholiken. 13 Juden; von 100 Medizinern : 20 Protestanten, 33 Katholiken. 33 Juden. Der amtliche Bericht schliesst bei aller Trockenheit mit der offenbar ihm ganz neuen Erkenntnis: „Ueberraschend ist, dass die jüdischen Studenten zu den ärmeren gehören." So steht es mit den Mitteln der jüdischen Studenten in Preussen, dessen Juden im Rufe der Wohlhabenheit stehen. In allen anderen Ländern ist das Verhältnis bekanntlich weit ärger. Jüdischer Wissensdrang. Aus amtlichen Ausweisen entnehmen wir, welchen Anteil die Juden in Kroatien-Slavonien an der Volksbildung nehmen. Berücksichtigt ist hier das Schuljahr 1901/02 und sämmtliche Mittelschulen: Römisch-katholisch: 1,710.545 Einw., 4118 Schüler 0-24 % Griechisch-oriental.: 612.075 „ 1193 „ «=0-19°/, Evangelisch: 42,733 „ 61 „ =0*14% Juden: 20,166 „ 544 „ =2*79% Gnechisch-kathol.: 12.724 „ 42 „ =0*30% Wenn man bedenkt, dass die Juden kaum 1 °/0 (0.84 %) der

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