Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 25 (19.5.1903)
- Article
- Késmárk
- Date
- 1903-05-19
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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.Vit« 10 „Die £ Welt" Nr. 25 griffen sind, hier. Die Erzählungen Moser armen Leute machen imb*»Hinpt <1wi Eindruck der traurigen Wahrheit uml sind, durchaus geeignet, da« Blut des Zuhörers zum Erstarren zu bringen. Nebst d^r Bestätigung der sction vielfach gehörten Greueltaten erzählen die Leute auch bisher unbekannte Momente, so unter anderem die grausamen Torturen eines Rabbiners und piths Tempeidieneiv, die sich weigertet?, auf Befehl ihrer Marterer die heiligen Ge^etzesrollen mit den Füssen zu traten, wofür d'-m letzteren di^ Alleren ausgestochen wurden, der e?stere aber mit. den Füssen an einem hängenden Kandelaber gebunden und über einem Petroleumfeuer förmlich gebraten wurcK Zboro. Juden aus diesem slovakischen Städtchen (Komitat Sarosi die nach Eperjes zu Markte kamen, erzählten in höchster Besorgnis, dass die Judenschaft des Ortes und seiner Umgebung stets in berechtigter Furcht vor Judenkrawallen lebe. Der Pfarrer, ein t fanatischer Judenhasser, verleumdet seit Wochen die Juden, von der Kanzel herab, gibt den Kischenewer Mördern recht und nennt sie „Vollbringer einer heiligen Sache1'. Er scheut sich nicht, die Zboroer zu gleichem Vorgehen gegen die Juden aufzufordern!! Sein Partner ist das antisemitische Blättchen „Uj Lap", das ungeheuere Verbreitung gefunden hat, seit es gegen die Juden loszieht. Was Wunder, dass die Juden fortwährend mit Todschlag bedroht werden und die Wirtshausgespräche meist von Kischenew handeln! Die panikartige Angst der Juden wurde noch durch die Worte des zufällig durchreisenden Stuhlrichters vermehrt, der eine Deputation von ihnen zu sich beorderte, um sie aufzufordern, gegenüber der gereizten Bevölkerung mit grösster Vorsicht vorzugehen. (Ein ganz neuer Standpunkt der gerühmten „liberalen" ungarischen Regjerungskreise das! Statt den Hetzern das Handwerk zu legen, ermahnt man die Juden zur Vorsicht. Wir werden die Nachricht einem ungarisch-jüdischen Abgeordneten geben. Hoffentlich wird sich die Regierung eines konstitutionellen Staates veranlasst fühlen, zu antworten. D. Red.) Das ganze ist. eine der vielen geheimen Idyllen aus dem Judeneldorado Ungarn — längst nur ein Eldorado für ein paar hauptstädtische Schreier, nicht aber für den kleinen Mann in der Provinz. Die Juden von Zboro fordern wir aber auf, energische Massregeln zum Schutze des Lebens und des Eigentums zu treffen, das heisst, die Behörden aus ihrer Lethargie aufzurütteln. A. A. Serajewo. Bei einer im Tempel veranstalteten Trauerfpier für r?fp K'snhonpwpr Opfer hielt Herr Rabbiner Dr. W e « 7 e 1 eine ornrroif^r de Rede. Berlin. Die Bibliothek des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat von der Witwe Vircho vs alles, was sich in dessen nachgelassenen Bücherschränken und Maopen auf das Judentum bezog, zürn Geschenk erhalten. — Als Opfer der Wissenschaft ist der iunge Eorscher Dr. Milan Sachs der Pest zum Opfer gefallen. Berlin- Man muss konstatieren, dass die Juden Deutschlands ihren sittlichen Pflichten gegenüber ihren armen Brüdern relativ sehr gut zu entsprechen wissen. Wir haben zum Vergleiche hauptsächlich die armseligen österreichischen Verhältnisse vor Augen. Wenn unsere Herren resp. Damen etwas für Arme tun. so tun sie es gewöhnlich für solche ohne Unterschied der Konfession mit Ausnahme der jüdischen. In christlichen Settlements bisschen praktischen Sozialismus treiben, in christlichen Krankenhäusern hisschen Diakonissin spielen ist ihr sehr, sehr teurer Snort. Inzwischen schickt das jüdische Annenamt die Leute zur Allianz und die Allianz zum Armenrmit. Da sind die deutschen Assimilanten wenigstens in diesem Punkte nicht schäbig. Sie haben u. a. ein jüdisches Tauhstu.rnmeninstitut. (Verein zur Förderung jüdischer Taubstummen, Vorsitzender Herr W. Opoenheimer, Heim in Neu-Weissensee) und ein jüdisches Genesungsheim (in Lehnitz. Vorsitzender L. M. Simon. Oberin Frau Herzfeld-Heimann, 321 ZöeJinee im letzten Jahre). Wir verzeichnen diese lobenswerten Schöofun- "pn des Gilten jüdischen Herzens, die unter klarem Schilde stehen, mit Vergnügen. Berlin. Auf Einladung des Vorstandes der Synagogen- Gemeinde Breslau trat dieser Tage das Komitee für die Organisation der Rück wand ererfrage im Sitzungssaal der Armenkonimission in Berlin zusammen. Die Aufgabe dieser Organisation ist. rückwandernden Leuten, die von Uebersee kommen oder von Hafenorten, wo sie für Uebersee ungeeignet befunden wurden, die Heimreise zu ermöglichen. Hern in dieser Sitzung von Herrn Oschinsky-Breslau erstatteten Kassenbericht zufolge betrug die Einnahme 4884,55 M.. die Ausgabe 2027.60 M., somit gibt es einen Barbestand von 2856.95 M. Der Berichterstatter bedauert, dass von 85 Gemeinden. Instituten und Lochen, an die der Aufruf zum Beitritt oder zur Unterstützung der Organisation ergangen ist nur einige geantwortet haben. — Herr Laskar-Hamburg meint, man müsse sich nicht an die einzelnen Logen, sondern an die Grossloge wenden, dass sie dem Komitee beitrete. Es wird darauf beschlossen, dass Herren des Komitees dem Grossmeister der Loge einen Besuch abstatten und ihm die Wünsche des Komitees unterbreiten sollen. — Der Antrag Laskar-Hamburg, den Vorort der Organisation von Breslau nach Berlin zu verlegen, da fast alle Rückwanderer über Berlin reisen müssen, wird unter Hinweis auf die vorzügliche Führung der Geschäfte in Breslau, sowie in Anbetracht des Umstandes, dass Berlin schon ohnedies mit Geschäften belastet sei, abgelehnt. — Herr Dr. Cohn-Kattowitz führt aus, dass bei den knappen Mitteln immer noch sehr viel Geld vergeudet werde und zwar, weil Ungarn und Rumänen nach Kattowitz geschickt werden, um sie von dort aus weiterzusenden, statt sie gleich nach Oderberg zu befördern, welches die richtige Grenze wäre, ebenso sollten Rückwanderer nach Posen und Thorn geschickt werden, wenn sie nach Lodz oder Warschau wollen. Ferner sei es nicht angebracht, den Rückwanderern das Reisegeld einzuhändigen, sondern ihnen die Fahrkarten zu kaufen, denn es wären Fälle vorgekommen, dass sie das Geld zu anderen Zwecken verwertet hätten und nicht weggefahren seien. Wie mitgeteilt wird, wird diese Praxis in Hamburg z. B. schon längst geübt. Sodann wird beschlossen, die Gemeinden Thorn, Allenstein, Königsberg, Prostken und Oderberg, die als Stationen für die Repatriierung überaus wichtig sind, aufzufordern, der Organisation beizutreten. —- Herr Laskar klagt darüber, dass bei der Zurückbeförderung in den meisten Fällen nicht nach einer festgesetzten Norm verfahren werde, worauf Herr Simon-Berlin, erwidert, dass man bei Wohltätigkeitsangelegenheiten nicht strikte nach Instruktionen handeln könne. — Herr J. Borchardt-Berlin will, dass jun°:e Leute nicht ohne" weiteres nach Hause geschickt werden, er meint, man müsste ihnen vielmehr Arbeit verschaffen und sie eventuell in die Arbeiterkolonie schicken. — Herr Dr. Cohn-Kattowitz meint, es müsste versucht werden. Leute zu ihren Angehörigen, wenn auch nach England und Amerika, zu befördern, ebenso müsste es jenen Frauen, die zu ihren Männern nach Uebersee wollen, ohne deren nähere Adressen zu wissen, möglich gemacht werden, dorthin zu gelangen. — Herr Oschinsky-Breslau teilt mit, dass Köln sich der Organisation anschliessen will. Diese Nachricht wird von der Versammlung mit Freuden begrüsst. — Herr Dr. Cohn- Kattowitz bittet, die Rückwanderer nicht an Tagen vor den Sonnabenden und Feiertagen befördern zu lassen. — Herr Laskar-Hamburg berichtet, dass der Hamburger Verein im vergangenen Jahre 23770,75 Mk. für Durchreisende ausgegeben habe. Frankfurt a. ]VL Der Verein „Lemaan Zion" hat im Jahre 1902 eine segensreiche humanitäre Wirksamkeit in Palästina entfaltet. Wir erwähnen, dass auf seiner Klinik 23 500 Kranke (darunter 10 500 Augenkranke) behandelt und 8000 Kranke auf seine Kosten besucht worden sind. Die Cholera (November-Jnnner) rief eine intensive Hilfstätigkeit hervor. (Teeküchen. Nahrung. Heizung.) Fs werden höchst lobenswert Schulen erhalten. Die guten Ziele des Vereins werden leider zu schwach unterstützt. Florenz. Am Schewuothfeste hielt der hiesige Oberrabbiner, Dr. M a r g u 1 i e s , eine tief ergreifende Predigt, die sich auch mit den Kischenewer Greueln beschäftigte. Dr. Margulies kam auch auf den Zionismus zu sprechen und führte unter anderem folgendes aus: „Wer würde heute noch den traurigen Mut besitzen, sie ihrem Schicksal zu überlassen, diese Millionen unserer Brüder, welche anstatt in einem Vaterlande in einer Löwengrube wohnen, in einem feindlichen, barbarischen Lande, in steter Gefahr, mit Weib und Kind vergewaltigt und niedergemetzelt zu werden. Wer hätte noch den Mut, sich gleichgiltig oder gar feindselig zu zeigen gegenüber jener grossartigen und providentiellen Bewegung, dem Zionismus, welche seit mehreren Jahren der Judenheit der ganzen Welt sich bemächtigt hat und die edelsten Herzen und vornehmsten Geister beherrscht. Diese Bewegung erstrebt, wie ihr wisst, die Mehrheit unserer Brüder aus den Händen, ihrer Henker zu befreien und ihnen ein eigenes Land zu verschaffen, in welchem die Früchte ihres Schweisses, das Leben und die Ehre ihrer Familie gesichert sind. Wir. geliebte Brüder, in den Ländern, welche uns ein wirkliches Vaterland sind, ein liebevolles und gerechtes, wo es uns gegönnt ist. frei und glücklich zu leben, wollen wie bisher treue Bürger bleiben, zu jedem Opfer für unser Vaterland bereit! Aber eben diese Freiheit und dieses Glück, das wir gemessen, legen uns die heilige Pflicht auf, aus allen Kräften mitzuarbeiten an der Erlösung unserer unglücklichen Brüder, welche kein Vaterland haben; sonst würden wir ihr Schicksal verdienen und. unsere eigenen Mitbürger hätten das Recht, uns zu verachten als Menschen, welche ihr eigen Blut und die heiligsten menschlichen Bande verleugnen. Geliebte Brüder! Der Geist unseres grossen Meisters, der heute durch die Erinnerung an die Offenbarung am Sinai heraufbeschworen wird, ruft