Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 24 (12.6.1903)
- Article
- Mischehen in Budapest
- Date
- 1903-06-12
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 J0le £ Welt** Nr. 24 Glauben des nichtjüdischen Ehegatten ei zogen werden. Aus amtlichen Ausweisen sind folgende Daten über die Eheschliessungen in Budapest während des Zeitraumes von sieben aufeinander folgenden Wochen in den Monaten Jänner bis Juni dieses Jahres entnommen: Eheschliessungen, in denen beide Gatten Juden sind 130; der Ehegatte Jude und die Gattin römisch-katholisch 8; der Ehegatte römischkatholisch und die Gattin Jüdin 8; der Ehegatte evangelisch und die Gattin Jüdin 2; das macht 11.Gl) Prozent gemischter Ehen .... J. Th, Fatal. Der Abgeordnete Ve sz i in Budapest hat dem Zionismus in Reden und Schriften Vernichtung geschworen. Seiner Liebe Müh' war darauf gerichtet, bei seinen christlichen Kollegen Dank und Anerkennung seines Magyarenstandpunktes zu erwerben. Einsichtslose Leute! Gerade .hielt, Herr Veszi eine übernationale Rede, als ihn ein; Volksparteiler mit dem Zwischenruf aus der Fassung .brachte: „Wandern Sie nach Palästina aus!" Aus dem liberalen Ungarn. Die ungarischen Juden sind bekanntlich magyarischer als Arpad und preisen aus voller Brust die Liebe der Ungarn, Hoch und Niedrig, zu ihnen. Die Wahrheit ist anders, wie ein Vorfall aus neuerer Zeit nebst vielen anderen beweist: In Zenta lief ein Christenmädclien mit einem Krug, fiel und zerschlug sich das Gesicht mit den Scherben. Ein jüdischer Lehrer ging vorüber und wischte dem weinenden Kinde aus Mitleid das Blut aus dem Gesichte. Wie das die Bauern sahen, ergriffen sie Stöcke und Heugabeln und unter dem Rufe: „Er will sie erschlagen, er braucht Blut für die Feiertage!" schlugen sie den Lehrer so, dass er jetzt schwer verletzt im Spitale liegt. Man sieht also, welche Erbkräfte selbst im liberalsten Volke schlummern. Die Juden in Serajewo. Unter den 42 000 nichtmilitärischen Einwohnern dieser Stadt befinden sich nach Reclams Universum (19. Jahrgang, 12. März) 4000 Juden. Die meisten sind Spaniolen. Ihre Lage wird durch die Mannigfaltigkeit der Religion bei den vielen Völkern Bosniens günstig beeinflusst. Die Juden in Makedonien. Die „Münchener Allgemeine Zeitung" vom 1. Mai bringt in einem Artikel von Dr. H. Grothe folgende Angaben über die makedonischen Juden : Im Jahre 1890 schätzte man ihre Zahl auf 40.000, im Jahre 1894* auf GG.000. Heute ist infolge relativ günstiger Erwerbsverhältnisse ihre Zahl auf 90.000 gestiegen. Davon leben nach Dr. Grothe in Salonichi 80000, im Vilajet Kossowo 2000, im Vilajet Monastir 5500 (die meisten in der Hauptstadt M o n a s t i r und im Vilajet Salonichi 2000, Vereine für jüdische Krankenpflege. Bezugnehmend auf die gleichnamige Notiz in unserer letzten Nummer teilt uns Herr S. Herzog, Ehrenpräses des Pressburger Zionistenvereines, mit, dass in seiner Stadt ein gleicher Verein existiert. Er wurde von Herrn Primararzt des Landes- und des jüdischen Spitals Dr. J. Fische r ins Leben gerufen, der die Ausbildung der jüdischen Krankenpflegerinnen überwacht die einen theoretischen und am Landesspital einen praktischen Kurs mitmachen müssen. Am 21. d. findet zugunsten des Vereins ein grosses Gartenfest statt. Personalnachricht. Unser Gesinnungsgenosse Herr Leopold Bäsch aus ßoskowitz wurde in Basel insigni cum laude zum Doktor der Philosophie promoviert. Todesfall. Am 18. Mai starb plötzlich in Triest der Redackteur des „Corriere israelitico", Herr A. di S. Cariel, ein wackerer Zionist und Verbreiter unserer Idee in Italien, ^»j Jüdischer Nationalfonds. Das Goldene Buch. Frau Pauline Wilbuschewitz, z. Eintragung ihres verewigten Gatten, Herrn Josef Wilbuschewitz (durch Herrn H. Warschawitz) •.............. .Kronen 240.— „Bne Zion Kadimah" in Frumosica (Präsident Herr Ab. Zeharia (durch J. Silberstein .................Francs 250.— „Tifereth Zion" in Jurjew (Präsident J. Salmanowitz.............. . Pf. Sfcerl. 10 — ftus der» J|e^eg(ii)ä- Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. (Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein. IL, Stefaniestrasse 8.) Samstag, den 13. Juni d. J. findet im Vereinslokale ein Vortrag des Gesinnungsgenossen, Ingenieurs B e n j a m i n aus Odessa, statt. Thema: „Die Entwicklungsgeschichte des Zionismus". Mit Rücksicht auf die Perou des Referenten und das wichtige Thema erwartet zahlreiche Beteiligung Die Vereinsleitung. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter. Zentrale, II. Stefaniestrasse Nr. 8.) Sonntag, den 14. Juni grosser Ausflug nach Hütteldorf- Hack in g, verbunden mit Gesellschaftsspielen, Wettlaufen, ernsten und heiteren Vorträgen, Aufführung einps Einakters von der Theatersektion des Vereines etc. Zusammenkunft der Teilnehmer °2 Uhr nachmittags bei der Station Schottenring oder ßrigittabrücke (Stadtbahn). Gäste herzlich willkommen. Wien. (Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter Leopoldstadt. IL S t e f a n i e s t r. Nr. 8.) Mittwoch, den 17. Juni Vereinsabend. Thema: Unsere Stellung zum Parteitag. Referent Samuel Heller. Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Verein j ü d. Handelsangestellter.) Jeden Mittwoch und Samstag treffen sich die Mitglieder abends im Vereinslokal, 2. Bezirk, Stefaniestrasse Nr. 8, zu einer zwanglosen Zusammenkunft. Samstag den 20. d., um präzise halb 8 Uhr findet im Vereinslokale eine Vorlesung „Das neue Ghetto" statt. Die weiblichen Rollen liest Fräulein Bertha Westreich, die männlichen Herr Samuel Strauss. Regiebeitrag 20 h. Sonntag den 21. d. Ausflug auf die Hochrahmalpe. Zusammenkunft 2:tA Uhr bei der Stadtbahnhaltestelle Schottenring. Abfahrt 2 Uhr 51 Min. Gäste willkommen. Draussen Vorträge etc. Teilnehmerkarten ä 20 h erhältlich im Vereinslokal und bei allen Mitgliedern. Berichte. Wien. (Verein jüdischer H an dels an gestellter. Montag, den 25. Mai, fand im Vereinslokale, IL, Stephaniestrasse 8, die ausserordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Nachdem der Obmann, Kollege Kohn, zur allgemeinen Befriedigung der anwesenden Mitglieder den Rechenschaftsbericht "über die bisherige Tätigkeit der Vereines erstattet hatte, beantragte Kollege Epstein, dem scheidenden Ausschusse Dank und Anerkennung für seine Tätigkeit auszusprechen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl wurden folgende Kollegen in die Vereinsleitung gewählt: Zum Obmann Samuel Strauss, zum Obmann- Stellvertreter Robert M. Korn, zum Kassier Alfred Neumann, zum ersten Schriftführer Isidor Grobtuch, zum zweiten Schriftführer Saul Suchestow, zum Bibliothekar Benno Rosenzweig, zu Ausschussmitgliedern Gustav Kohn, Josef Wassermann, Moses S c hmidt, Wilhelm Epstein; zu Kassarevisoren Sigmund N e u m a n n und David Beif. Beifcrittsanmeldungen sind an den Schriftführer des Vereines, Isidor Grobtuch, Wien, IL3, Herminengasse 13, zu richten. Eperjes, Unter dem Einflüsse des Nagy-Saroser und des Hethärser Vereines bildete sich hier vor einigen Wochen ein provisorisches Komitee zwecks Gründung eines zionistischen Vereines. Am 16. April fand unter riesigem Andränge und in Anwesenheit von Deputationen aus vier Nachbarstädten in den Räumen der orthodoxen Gemeinde eine Volksversammlung statt. Herr S. Altmann, von dem der schwungvolle Aufruf auf den Einladungen herrührt, präsidierte und hielt die Eröffnungsrede. Hierauf sprach unser Gesinnungsgenosse A. Reichenthal mit tiefer Wirkung über den Zionismus, den er unter grossem Beifalle gegen religiöse Bedenken verteidigte. Herr Kopp und J.Rosenb e r g unterstüzten ihn. Es sprachen noch die Herren Barkany, Russnyak, Herskovits und A. Altmann unter starkem Beifalle. Das Resultat war eine erfolgreiche Versammlung und die Gründung eines Vereines „Ahavath Zion" auf Grundlage der Satzungen des Misrochi. In den Vorstand wurden gewählt die Herren : M, Rubin (Präses), E. Hartmann (Kassier), A. Altmann (Schiiftführer). In den Ausschuss ausser den Genannten die Herren: J. Hart mann, M. Grün, L. Tydor, E. Reiss, S z e k e y, für Sebes L. B a r k a n y, H. Kopp für Hethärs, Wi 11 n er für N.-Saros, die Herren Russniak und S p i e 1 b erger für Kassa* A. A.