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Die Welt · 1903-06-12 · 24 (12.6.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
24 (12.6.1903)
Article
Sehr geehrte Redaktion!
Date
1903-06-12
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24 „Die # Wdt" Seite 7 an einzelne Arme ausgestellten Empfehlungen machen den Eindruck, a1 ob der Zionismus ein neuer „Hilfsverein" im Sinne der vielen Armenvereine werden sollte. Ich sehe schon davon ab, dass durch diese Empfehlungen das Schnorrertum genährt wird. Gewiss ist das Los der armen Schnorrer ein bedauernswertes. Wir Zionisten bilden aber keine Armenvereine, Die Armen müssen wir an die Armen- Unterstützungsvereine der Gemeinde weisen. Wenn Jdie Empfehlungen nicht aufhören sollten, so wird es dazu kommen, dass mancher Schnorrer nur deswegen den Schekel oder den Vereinsbeitrag zahlen wird, um dann die Schekelquittung als Legitimationskarte zu brauchen, um bei Zionisten zu betteln. Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass einzelne bei mir vorsprechende Schnorrer schon jetzt der Ansicht sind, dass die Schekelquittung sie berechtige, zu fordern, dass man ihnen die Namen und Adressen sämtlicher Zionisten angebe, damit sie aufgesucht werden können. Als Privatpersonen ist es unsere Pflicht, den einzelnen Armen nach Möglichkeit zu helfen. Als Zionisten wollen wir daran denken, dass wir eine politische Bewegung verfechten, die sozialpolitische Ziele anstrebt und die nicht eine internationale Aermen-Unterstützungsgesellschaft werden kann und darf. Zürich, im Mai 1903. Dr. Färb stein. Ein Parteitag der jüdischen Arbeiterschaft. Wir erhalten folgendes Zirkulär, das an viele Gesinnungsgenossen verschickt wurde und strikte beantwortet werden sollte: Lemberg, Datum des Poststempels. Geehrter Gesinnungsgenosse! Mit Erlaubnis des österreichischen Landeskomitees in Wien und im Einvernehmen mit den drei Distriktskomitees Gaiiziens, beabsichtigen die unterfertigten Vereine für den Monat Juni 1. J. einen Parteitag der jüdischen Arbeiterschaft nach Lemberg einzuberufen, behufs Schaffung einer festen jüdisch-nationalen Organisation, deren Zweck sein soll: 1. Die Lage der jüdischen Arbeiterschaft Gaiiziens zu verbessern, 2. die jüdische Arbeiterschaft für den Zionismuszugewinnen. Eine solcheOrganisation wurde seitLangem von allen zionistischen Vereinen als eine Notwendigkeit erkannt und braucht nicht erst besonders begründet zu werden. Die Unterstützung, welche uns von offizieller zionistischer Seite gewährt wird, berechtigt uns zu der Hoffnung, dass auch Sie, werter Herr Gesinnungsgenosse, uns Ihre Unterstützung nicht versagen werden. Wir richten daher an Sie die Bitte, uns binnen 8 Tage folgende Fragen beantworten zu wollen. 1. Wie verhält sich die Arbeiterschaft ihrer Stadt zum Zionismus? 2. Gehören dem dortigen Vereine auch Arbeiter an, welche und wie viele? 3. Sind in der Leitung des Vereines auch Arbeiter tätig? 4. Ist eine Möglichkeit vorhanden in Ihrer Stadt eine zionistische Arbeiterorganisation (Verein oder Klub) zu gründen? 5. Können wir wenigstens auf einen Delegierten aus Ihrer Stadt zum Parteitage bestimmt zählen? Indem wir Sie nochmals dringend ersuchen, obige Fragen ehestens zu beantworten, hoffen wir auch, daiss Sie uns auch weiterhin in unserer Arbeit für die gemeinsame Sache unterstützen werden. Mit herzlichen Zions.grüssen Die Einberufer des Parteitages der Handelsangestellten und Arbeiter. „Achwah" „Achdus" „Achwah" Lemberg. Krakau. Stanislau. Sämtliche Briefe sind an den Verein „Achwah", Lemberg, Ringplatz 12, II. St. zu senden. * Werte Gesinnungsgenossen! Das unterfertigte Komitee der Vereine „Achwah* Lemberg, „Achdus" Krakau, „ Achwah" Stanislau, beruft für den 27. und 28. d. M. nach Lemberg eine Konferenz der jüdisch-nationalen Handelsangestellten und Arbeiter Gaiiziens behufs Schaffung einer festen Organisation der jüdisch-nationalen Arbeiterschaft unseres Landes ein. Die Tagesordnung der Konferenz ist vorläufig wie folgt zusammengestellt. 1. Begrüssung und Wahl des Bureaus. 2. Die Lage der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter Gaiiziens. 3. Unsere Stellung zur sozial-demokratischen Partei. 4. Organisation. 5. Das Verhältnis der zionistischen Intelligenz zum jüdischen Proletariat. 6. Stellenvermittlung und Konditionslosenfonds. 7. Agitation Jund Presse. 8. Eventuelles. Die Tagesordnung kann auch geändert werden, Anträge zur Tagesordnung, wie auch Anmeldungen von Referaten werden bis zum 19. d. M. entgegengenommen. Die Gesinnungsgenossen, welche an dieser Konferenz teilnehmen wollen, werden ersucht, ihren Namen, Stand und genaue Adresse bis zum obigen Termin anzugeben, damit dieselben rechtzeitig ^zur Konferenz eingeladen werden. Indem)wir hoffen, dass Ihr, werte Gesinnungsgenossen, für die Verbreitung dieses Zirkuläres Sorge tragen werdet, zeichnen wir Mit herzlichen Zionsgrüssen für das Komitee: A.Eisenstein, Samud Schorr, Sekretär. Obmann. * Offener Brief. An das löbliche Präsidium des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung Gaiiziens"! Sehr geehrter Herrr Präsident! Im Tnterese eines gedeihlichen Zusammenwirkens mit ihrer sehr geschätzten Korporation, deren erspriessliche Wirksamkeit für das jüdische Volk wir stets mit Freude konstatierten, können wir nicht umhin, Ihnen die Klagen zahlreicher Vertrauensmänner unserer Partei aus der Provinz, insbesonders aus Linz, über das Gebaren Ihres Vereinssekretärs Dr. Pollak zur Kenntnis zu bringen. So gleichgiltig uns auch die Meinung Ihres Herrn Sekretärs als Privatperson ist, so sehr ändert sich die Sache, wenn er im Namen Ihres Vereines, als dessen offizieller Vertreter, wiederholt in öffentlichen und nomine Ihres Vereines einberufenen Vorsammlungen, und zuletzt in Linz, statt für unsere armen Brüder in Galizien zu sprachen und au wirken, gich nach Angabe zahlreicher, durchaus glaubwürdiger Herren, in heftigen und brüsken Beleidigungen und Angriffen gegen die zionistische Idee und ihre Vertreter ergeht und dadurch den Anschein hervorruft, als ob Ihr Verein nicht zu dem Zwecke geschaffen wurde und auch von Zionisten Mitgliedsbeiträge einhebt, damit er den armen Juden Gaiiziens Hilfe bringt, sondern um gehässig» Angriffe auf eine ansehnliche Gruppe unseres Volkes und deren heiligste Gefühle in systematischer Weise au organisieren und in die Provinz zutragen. Herr Dr. P o 11 a k könnte dadurch dem Aufblühen des Vereines nur Abbruch tun und hat in der Tat in Linz durch sein oben gekennzeichnetes Auftreten allgemeinen Unwillen, selbst in völlig parteilosen Kreisen erregt. Wir sind allerdings dessen gewiss, dass Herr Dr. Pollak den Namen d§s Vereines und seine Stellung ohne Ihr Wissen und wider Ihren Willen dazu missbraucht, um einem Privatsporte zu fröhnen und dass Sie selbst das Aufkommen parteitendenziöser, gehässiger Angriffe im Namen Ihres Vereines, der als rein humanitäre Institution Judan aller Schattierungen und auch Mitglieder unserer Partei umfasst, niemals dulden werden. Wir sehen darum Ihrer geneigten Benachrichtigung mit grösstem Interesse entgegen und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung .Innerösterreichisches Distrikts-Komitee. * Arbeitsvermittlung des Allgemeinen Jüdischen Arbeitervereines* Wien, IL, Stefaniestrasse 8. In unserer Vermittlung sind nachstehende Arbeitskräfte vorgemerkt: 2 Schmiede, 1 Tischler, 2 Elektromonteure, 12 Geschäfts- oder Bureaudiener, 1 Hausmeister, 10 Hilfsarbeiter, 1 Anstreicher, 1 Schuhmacher, 2 Buchbinder. Die P. T. jüdischen Arbeitsgeber werden höflichst ersucht, im Bedarfsfälle sich gefälligst unserer Vermittlung zu bedienen.

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