Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 23 (5.6.1903)
- Article
- Zuviel
- Date
- 1903-06-05
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nlp 23 „Die & Welt« Seite 13 absolute Sicherheit vor fremdem Mitbewerb ums liebe Brot nabelt den alten Satz umstossen können: „Wo das jüdische Element und wäre es noch so harmlos und gut, auffällig wird, wird es misslielng.* Wieder einmal werden wir vom Gnade und Ungnade Abhängen, werden mehr oder weniger LehrftT Licht ins finstere Ghetto tragen,mehr oder weniger unserei jungen Leute den Weg aus diesem Ghetto herausfinden. Volksküche in Saffed. Den Bemühungen der rumänischen Gemeinde in Saffed und des Eabbiners Dr. M. Winkler in Berlin gelang es, ein» Volksküche für dia armen Juden zu gründen, die sehr notwendig ist. Die Volksküche trägt den Namen „Beth Lehern Haglili.* Ihre bisherige Tätigkeit erwies sich als segensreich, mehr als 150 Arme werden dort gespeist. Die Anstalt aber braucht Unterstützung und erwartet sie von den mildherzigen Jude» in allen Ländern. Spenden werden entgegengenommen von EabMner Dr. M. S. W Ln k 1 e r-Holsteiner in BferJin, Ufer 4 (für das Hilfs-Komit&e für die rumänischem. Juden) oder von H. M. Tan benstumm La Saffed, Syrien, Via Beyrouth, Türkei (für Allg. Isr. Volksküche: „Beth Lehern Haglili"). Die derzeitige Lag» der marokkanischen Juden. In Marokko geht «s jetzt drunterund drüber. Der fortdauernde Kampf um <Un Thron hat die Zügellosigkeit d«r räuberischen Beduine isstänime entfesselt und beutelustig umlagern sie die Stadt« ihrer Gebiete, wobei sie es vorne bmlich auf die JudenvierfcaL abgesehen haben. So wird übeir Madrid aus Tetu&n gemeldet, dass die spanische Regierung zum Schutze ihrer dortigen Landesangehörigen, darunter 200 Juden, die sich schon seit Wochen mit den Waffen in der Hand verteidigen, zwei Kriegsschiffe abgesendet hat. Und in Tanger ist am 3. Mal ist ein englischer Dampfer mit 250) Juden angekommen, welchen in Arzila Munition und Lebensmittel ausgingen, worauf sie gegen ein Lösegeld von 10,000 Fr. an die belagernden Mauren freien Abzug erhielten. Schluss der Sitzungen der englischen Alien-Kommission. Die Untersuchungen der englischen Frei» den ein wand erungs- Kommnission, die über ein Jahr tagte, sind nun zu Ende. Viele Aussagen sind während dieser Zeil vernommen worden, viele Vorurteile sind zerstreut und NCissverständnisse beseitigt worden, Es lehrte die genaue und ins Detail gehende Forschung, dass die Anzahl der jüdischen Einwanderer in London gar nicht so gross ist, wie man glaubte; dass die Zahl der Fremden in ganz Britannien eine verschwindend kiek * ist. Es stellte sich heraus, dass die Gefahr des „Pauperismus", den die Einwanderer mit»ringen sollten, und der das Schlagwort und das Steckenpfeid aller Antialienisien war, bloss eine erdichtete ist; es zeigte sich auch, dass die jüdischen Einwanderer in England sich den Landesveihältitissen sehr rasoh anzupassen verstehen und den Gang der Entwicklung der Kultur durchaus nicht hemmen. Die Reise des Majors JSvans Gordo» nach Russland und Galiai^n belehrte ihn auch über die -tatsächliche Lage der Juden in Russland und verbreitete sehr viel Licht über die Frage. Der Saulus der Einwanderung ist hoffentlich zu ihrem Paulus geworden. Die jüdischen Mitglieder der Kommission, Lord Rot schild und Mr. Emanuel haben mit Hingebung der Sache gedient «nid verdienen Dank dafür, — Wie wird min die Entscheidung der Kommission ausfallen? Mit pochendem Herzen blicken Tausende von unglücklichen russischen Juden auf England .... losef Israels in London. Der beriiHimte Altmeister, das Haupt der holländischen Malerschule, umser Stammesgenos&e Josef Israels, is1 vor einigen Tagen zur Eröffnung der holländischen Ausstellung in Guiihall in London angelangt. Bestürmt von den Reportern und Korrespondenten der Londoner Zeitungen, hat der alte Künstler keinen Interriewer empfangan wollen, nur für den Korrespondenten der „Jewish Chronicle" hat er eine Ausnahme gemaclrt „Wir sind alle in sagte er, und müssen unser bestes tun, um einander beizustehen. Das ist mein Prinzip.* Die Unteiredung, die darauf folgte, war sehr interessant und beleuchtete in viele» Punkten die grosse Kunst IsraeLe, in dar er beinahe unerreichbar dasteht. Donnerstag, am 14. Mai, fand bei den Maccabeans ein Diner zu Ehren Israels statt. Den Vorsitz führte Israel Z ang will. Es waren die grössten Künstler Londons anwesend, auch isr Lord-Mayor mrt seinen Sherifitep der soeben von seiner Triumphreise aus Belgien zurückgekehrt war, war gekommen. In einer geistreichen und humorvollen 3egrüssungsrede schilderte Mr. Zangwill die Bedeutung Israels, zog eins Parallele zwischen ihm und dem grössten holländischen Maler Rembrandt, zeigte ihxe - gemeinschaftlichen Züge und wies auch den EinfLuss des Jüdischen in der Kunst von Ls r a e 1 & nach. H. Joseph Israels dankte in schlichten und schönen Worten und sagte, dass ei* seinerseits an der Uetorzeugung festhalte, dass Remt>iandt ebenfalls ein Jud^e, oder ein Judenstämmling wäre. Es waren noch andere schöne Reden gehalten, wie zum Beispiel die von Solomon J. Salomon, auch eine von Mr. Joseph, in der er Z an g will feierte ... Für die jüdische Gesinnung von Israels ist die Tatsache charakteristisch, dass er in seinem Buche „die Reise in Spanien", welches er dem Lord-Mayor Mr. Marcus Samuel schenkte, mit einem hebräischen Motto versah, «j&g d'OID 7T)*6« — Der Sohn Israels — Isaak isi aels, ist auch ein bedeutender und vielversprechender Künstler, und wohnt gegenwärtig in Paris. Juden in London. Die jüdische Bevölkerung der englischen Hauptstadt zihLt insgesamt 105 000 Indivih en, von denen 70 000 der armen öasse angehören und von Jenen 10 000 von der Wohltätigkeit der Gemeinden leben. Die Sjuagogen-Vereinigung bringt jährlicli eine Summe von 2 400 000 Mark auf, um bedürftige Stammes-genossen zu unterstützen. Jeder arme Jude erhält jährlich durchschnittlich 40 Mark. Die höflichsten Omnibuspassagiere. „Wer sind die höflichsten Omnibuspassagiere?* fragt <in Mitarbeiter des „Morning Leader". „Ich glaube", antwortet er, „keine Unwahrheit &u sagen, wenn ich behaarte, dass die Juden es sind, die am sanftesten sprechen and am besten sich akkomodieran. Wenn zwei oder drei miteinander sind, sind sie so Ii&rzlich gegeneinander, di<e Männer so galant den Frauen gegenüber, auch den alten un dhässJichen, und die Frauen untereinander so liebevoll und mild. Ich denke, ein jüdisches Heim muss ein glückliches sein". So sagt ein Brite, das loisst ein Muster von Höflichkeit und Ruhe! Was werden wohl dazu unsere östlichen, und sogar wenn man es durchaus will, westlichen Nach barn sagen? Aus jüdischer Erde durch jüdische Arbeit. Als ein erfreuliches Zeichen für den wachsenden Absalz, den die Palästina- Weine auch Ln Deutschland finden, dürfte es von Interesse sein zu erfahren, dass die Import-Gesellschaft Palästina in Berlin imstande wai, für das Geschäftsjahr 190.2 eine Dividende von 6 Prozent zu zahlen und einen namhaften Betrag dem Reservefonds zu überweisen. Wallfahrt- Der „Haschofar" belichtet, dass einige jüdische Jünglinge aus Philipoppel eine Fussrei^e nach Basel unternehmen wollen, um zum bevorstehenden Kongress zu kommen. Der Sammelpunkt ist Sophia. Als Zeit des Aufbruches zur Reise war der 23. Hai festgesetzt. Auswanderung der Juden aus Oesterreich. Nach einem Bericht der „Narodni Noviny" beträgt dte Zahl der amerikanischen Einwanderer aus Oesterreich 171Leute. Davon sind 7 Prozent Juden. Eine Stiftung iür Juden. Eine Stiftung von 25 000 Mark hat Justizrat Apolant in Berlin begründet; es sollen daraus Juristen jüdischen Glaubens unterstützt urerden. Vereine für jüdische Krankenpflegeriiiiien. Bekanntlich ist es unserer Gig. Frau Weiss trotz ihrer rastlosen Bestrebungen nicht getanen, in Wien eine jüdische Pflegerinnenschule ins Leben zu ruf en. Dass Deutschlands Judei die Pflicht der Menschenliebe ernster nehmen als die führende österreichische Kultusgemeitide, beweist folgende Aufzählung seiner diesbezüglichen Anstalten: 1. Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin. Adresse: An die Oberin Frl. R. Blau, Auguststrasse 17, Berlin. 2. Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Frankfurt a. M,. Adresse: An die Oberin Frl. Minna Hirsch, Königswarterstrass & 26. 3. Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Köln a. 5h., Adresse: An die Oberin Frl. Frieda Brüll, Köln a. Rh., Sylvanstrasse 12. Ferner lässt die Stuttgartloge in Stuttgart Krankenpflegerinnen unentgeltlich ausbilden. Aufnahmegesuchie sind zu richten an Herrn Dr. med. Feldmann in Stuttgart, Jägerstrasse 12. Wegen der Aufnahmebedingungen wende man sich an die angeführten Vers ine! In Stuttgart z. B. müssen die Bewerberinnen gesund, aus anständiger Familie, nicht unter 20 und nicht über 30 Jahre alt sein. Auszehrung. Dem Dr. Ä. Berliner (Berlin)istanlässlioh seines sie b&igj ährigen Jubiläums vom Minister für Kultus und Unterricht der Ehrentitel „Professor" verlithen worden. Personalnachricht. Herr Klemens Fiiedmann in Sereth hat sich mit Fräulein Hermine Pimeles, der Tochter unseres bewährten Gesinnungsgenossen Herrn Samuel Pineles ans Galatz, verlobt.