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Die Welt · 1903-05-29 · 22 (29.5.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
22 (29.5.1903)
Article
Baden [Nachricht]
Date
1903-05-29
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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»Oie..fr Weit'' Seit? 9 Siegmiind Werner und. Dr. Leopold Kahn fanden für ihre Ausfült nuifgen lebhaften Beifall. Ein überaus zahlreiches Publikum füllte den Sitzungssaal und die anstossenden Räumlichkeiten, Der Rabbiner von Baden, Herr Dr. Wilhelm Reich, Rabbiner Dr. Bardo\ritz, der Präsident der Gemeinde, Herr Moritz Lei tu er, der Vizepräsident Herr Anton S ch n e i der, Vorstand Mandl und noch viele andere angeseheaie Mitglieder der Badener Gemeinde nahmen an der Versammlung teil und folgten den Ausführungen der Referenten mit de* grössten Aufmerksamkeit. Nachdem die Versammlung durch Iiiren stürmischen Beifall gezeigt hatte, dass (Sie Referate auch i%re Begeisterung mächtig erregt hatten, ft-rgriff Herr Rabbia*er R e i c h'das Wort, um den Referenten füir ihre begeisterten und begeisternden Reden zu danken. Als strenggläubiger Rabbiner hob e r verschiedene Bedenken Itervor und verlangte einige Aufklärungen, bevor er sich dieser heiligen und erhabenen Bewegung anschliesse, als welche jeder fromme Jude äen Zionismus anerkennen müsse. Die ausgezeichnete Rede tfles Rabbiners, die sich durch ihre innige Hersenswärme und ilir±e vornehme Ruhe so vorteilhaft von den Reden unterschied, die ganz in der Nähe von Baden von gewissen Berufskollege in „oberen'* Stellungen gehalten werden, machte tiefen Eindruck und war fast wie eine zionistische Programmrede, allerdings eine noch bedingte, anzuhören. Dr. Kahn wusste auch alle Bedenken des Herrn Rabbiners zu entkräften iund als am Schlüsse der Versammlung der Präsident der Badener Gemeinde Herr L e i t n e r den Referenten nochmals ii herzlichster Weise dankte und sie einlud, recht bald und recht oft Wiederau kommen und ihnen das Entgegenkommen d«er Badener Gemeinde versprach, erliob sich nochmals jubelnder Beifall. Am Abend wurde bei der geselligen Zusammenkunft im Restaurant Rausnitz von den Wiener Gästen, namentlich den Mitgliedern der Studentenvereine „Leo Pinsker", „Bair Kochba" und Dr. Kahn noch mancties zionistische Wort gespiochen und gesungen. Herr Rabbiner Reich und mehrere VoTstandsmitglieder mit dem Präsidenten Leitner nahmen an der Zusammenkunft teil. Für die Kischuiewer Opfer wurden ca. 100 Kronen gesammelt. Den Herren G e w i t s c h , jur. Breuer und jur. Kür ti gebührt besondere Anerkennung für diese Veranstaltung. Neunkirchen. Letzten Dienstag den 21. v. M. fregab sich eine Anzahl von Gesinnt] n erschossen aus Wien, verstärkt durch solch« aus Bader und Wr.-Neudorf zu einer Volksversammlung in unsere Stadt, d^r ersten zionidischen in Neunkürchen. Es referierten die Herren : Dr. Kahn und Dr. Bernhardt über -das Thema „Die Greueltaten von Kischonew und was sie lehren". Den Vorsitz fChrte zuerst Herr ICul tus vorsteh er Dr\ Wolf, dann Gsr. Lehrer Heinr. M o s o &. Nach dem Referafte der Wiener Gesinnungsgenossen entspann* sich eine lebhafte Debatte, in welche Dr. Wolf aus Nminkirehen, Dr. J. W. Marmorek aus Wien, Dr. Leopold Kahn und Dr. Mayer ans Reichenau und Herr Mo sog eingriffen. Die Angriffe Dr. Wolfs, der den nationalen Charakter dei* zionistischen Bewegun g perhorreszierfa und sie auf das Niveau eines Wohltätige Mtssportes herab(hrücken wollte, wurden von Dr. Kahn und Dr. Marmor«*k unter grossen Beifall widerlegt. Nach S^hiuss der Versammlung, erklärten alle Anwesenden den. Schekel zahlen zu wollen und sich an finer Vereins grün dung zu beteiligen. Als Vertrauensmann derPartei fungiert bis zur Genehmigung der Statuten Herr Lehrei- Heinrich Moses. Sielitz. (Jüdisch - akademische Fe rialverbi n dau g „E raun ah«.] Das Ergebnis der für das sechste Verbind ungsjahr stattgefunden en Ch argen wahl&ii ist folgendes : Präses cand. ru«e-ch. Ludwig Tram er, Vizepräses stud. ing. Josef Thieb-erger, Schriftführer stud. phil. Michael Steuer, Kassier cand. mech. Moriz Deutsch. Ejer. Samstag den 2. Mai hielt G.-G. Herr JUC Leopold Lemberger im Vereine „Ahawath Zion"" einen öffentlichen Vortragüber das Thema: „ Neu e JB ahn em im Judentümer, Der Eeferent wejsst zunächst nach, dass das Judentum au Grunde gehen müsse, wenn es fortfahre, auf den alten Bahnen zu schreiten. Ohne leidenschaftlich zu werden, erbrachte er den Beweis, dass alle Anstrengungen des Judentums, in den unleidlichen Verhältnissen, unter denen wir schmachten, Wandel zu schaffen, ohne Erfolg bleiben müssen, wenn man sich nicht entschLtesst, den einzigem Weg, der zur Lesung der Judenfrage fiiliren kann, einzuschlagen, wenn man sich nicht entschliesst, die Bahnen des Zionismus zu gehem- Insbesondere erörterte Referent das Programm der in Deutschland und Oesterreich gegründ&ien Hilfsvereine und beweist, das3 diese Vereine, trotz ihres theoretisch nichtigen Programmes und trotz des guten Willens nicht imstande sein können, eine heilbringende Tätigkeit zu entfalten, es wäre denn als Supplemente des Zionismus. Hierauf bespricht der Eeferent eingehend die nationalen^ wirtschaftlichen und kulturellen Verhaltnisse im Judentum, die zur schleuni pen Lösung der Judenfrage durch las einzige Mittel, d«ai Zionismus, drängen. Jetzt erst kommt Redner auf Zionismus selbst zu sprechen, slrizziert dessen Programm und die Mittel seiner Durchführung, erläutert das Wesen des Nationalfonds und den Zweck der Kolonialfcank. Zum Schluss appeliert er an die Zuhörer, mit der alten als schlecht und unmoralisch erwiesenen Taktik endlich zu brechen und mutig den neuen Bahnen des Zionismus zu folgen. — Herr Lemberger verstand es, dmch deutliche und volkstümliche Vortragsweise die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft auf sieh zu lenken und ernete am Schlüsse seines Vortrages vielen und wohlverdientem Beifall. An de» Vortrag schloss sich eine kurze Debatte. Rzeszöw. Aus Rzaszöw wird uns berichtet: Eine Deputation des hiesigen Zionsvereines waihdte sich an den Rabbiner von Rzeszöw, Herrn Wasser Stimmer, mit der Bitte, einen Traueigottesdienst für j die Opfer von Kischenew zu veranstalten und bei dieser Gelegenheit an alle Glaubensgenossen zu appellieren, sich an den Sammlungen eifrig zu beteiligen. Herr Wassel' stimmer lehnte dies Ansuchen energisch ab mit der ^Begründung, dasa er ohne den Vorstand (einen bekannten JWntizionisten) nichts machen könne. Da erscheint es nun doppelt bemerkenswert, dass Seittfe Ehrwürden im vorigen Jahre, ohne irerendjemanden zu fragen, dem Komitee; der polnischen Nationalfeier „Pogrom pod Grumwaldem" beitrat, sehr eifrig mit dem Vorsitzenden des Komitees, einem christlichen Geistlichen, konvertikelte und schliesslich durch seine rühmenswerte nationalpolnische Tätigkeit auch zu dem famosen Beschlüsse beitrug, dass jeder Jude, Her s<ein Fenster nicht illuminiert, 10 Heller für den Nationalfonds (n a tü r Ii c h ni«cht den jüdischen) zahlen müsse, woferne er nicht lieber die Scheiben eingeschlagen halen möchte. Ja die Polen können ihre Freuie an diesem strebsamen Sohne ihrer Nation haben. Przemysl. Bei der am 26. April 1. J. stattgefunden en Generalversammlung des hiesigen Vereines „Zion" wurden folgende Herren gewählt: Dr. Arthinr Trieb er, Adv.-Kand., Obmann, Di-Ignaz R e i s s Adv.-Kaß-d. Obmann- Stellvertreter, die Herren Samuel Wittmamn Schriftführer für die Landessprachen, Avigdor Mermelstein Schriftführer für die hebräische Sprache, Heimich G o d e 1 Kaufmann, Dr. Josef Kibitz Adv.-Kand., EsraelMaus stui, iur., Sigmund Wi nter stud. iur., Dauid Rosenzweig Kaufmann, Jakob Oehlenberg Kaufmann, Samuel Kantan Lehrer als Ausschussmitglieider. M. Lemberg. Unter denuNamen „Judaea" trat km 15. d. M. eine Vereinigung zionistischer Hochgchüler ins Leben. Wiederbelebung der hebräischen Sprache, Studium der jüdischen Geschichte süi-d der Zweck des rein zionistischen Vereines. Die Chargen für das Sommersemester sind folgende: Präses: jur. D. Erb, Vizepräses: ju*. D. Horn, Schriftführer: techn. F. Kasler. Berlin. Am Dienstag, den 5. Mai, feierte dfer Verein jüdischer Studenten zu Berlin seine Semester-Antrittskneipe. X cand. mwl. Leo Cohn eröffnet;» mit einem Sala-aiander auf Se. Majestät den deutschen Kaiser die Kneipe und begrüsste <üe zahlreich erschienenen Gäste, Als das Farbenlied verklungen war, entwickelte Bundesbruder Witkowski in begeisterter Weise die Tendenzen des Vereines, schilderte die Arbeit im Innern, das Wirken nach aussen und betomte, dass alle Student e-n, welcher Parfeeirichtung sie auctn angehören mögen, £m Vereine jüdischer Studenten wiLlkommen wären, sofern sie etwas für das Judentum übrig hätten. Redner schloss mit einem Salamander auf die Gäste. Zeugnis für die Sympathien, die der Verein in weitesten Kreisen geniesst, uni die freundlichen Beziehungen, die er zu anderen jüdisehen Verbindungen unterhält, gab die stattliche Korona* der Gäste, insbesondere die Vertreter verschiedener Korporationen, so der freien Verbindung „Hasmonäa" und des Vereines „Dibuk Chawerim". Nachdem diese, sowie einige andere Herren ihre Sympathien für den Verein in Ansprachen kundgegeben hatten, hielt eine fröhliche Fideldtät alle Anwesenden noch lange zusammen. — Zu Chargierten für das So immer-Semester 1903 wurden im V. J. St. B(silin gewählt: Cand. med. Leo Cohn X> stud. jur.. Richard Witkowski XX» stud. me«d. Sam. We iss XXX- Zürich. Auch in der Schweiz hat der J*Ci s r a c h 1" ein Echo gefunden. In Zürich wurde , ein Verband der Misraohisten unter dem Namen „Misrachi", "Vereinigung orthodoxer Zionisten d(rr Schweiz, gegründet Der Verein hat bereits Mitglieder in Luzern, Basel, Badete und Genf. Der Verein besitzt eine eigene Lesehalle „Beth-Hamidrascha und 3,Talmud-Thora". Der Vorstand des Vereines besteht

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