Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 22 (29.5.1903)
- Article
- Die Opfer von Kischenew
- Date
- 1903-05-29
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 22 „Die & Welt" Seite 7 schreckliche Blumen, blühen, Blumen des Vorwurfes, der Verachtung uuser selbst, und in unseren Herzen wird ein s crhr ecklich er Wurm der Selfcßtverachtung nistaa. So soll das Bewusstsein, dass wir nicht unser Leben, sondern das, was maß teuerer, als das Leben sein sollte, unsere freie Seele, una^ere Ehre verteidigen müssen, uns neue Kräfte geben und z ur Befreiung anspornen! Wir müssen unser Volk lehren, seine Ehre in der (Gegenwart zu beschützen, den n nur dasjenige VoLk, welches sc fort auf jeden Schlag antworten kann — kau» sich auch eine neue, helle Zukunft bauen. Dann werden wir siegln, wir müssen si«gen, denn sonst wird mit uns alles a«rtreten, unser Glauben und Hoffen, unsere Ehre und Zukunft. Einj schreckliches Schweigen herrscht jetzt in unsarem Lager. Sei es das Schweigen Ter dem Gewitter, xaag es auch umseres Lebens letztes' Gewitter sein. Nur durch den Tod des Kämpfers können wir uns das Leben der Freiheit erringen! Eine Zionistin. An die Vereine und Vertrauensmänner in Wien. Das in der letzten Vertrauensmannereitzung beschlossene Requiem für die Opfer von Kischenew kann nicht stattfinden, da dem geiertigten Distriktskomitee die Benützung der in Betracht kommenden Wiener Tempel seitens der betreffenden Vereins vorstände verweigert wurde. Die vom Tempelverein des IX. Bezirkes am uns erg»DgeneEinladung, an einem am verflossenen Donn «rstag, den 21, d. M. abgehaltenen Requiem teilzunehmen, wurde abgelehnt, da die Form der Einladung und die mit ihr verknüpfte seltsame Bedingung eine nicht unbeabsichtigte HfiDtansetzung der Partei involvierten. Innerösterr. D. K des Verbandes „Zion* Wien, IX., Türkenstrasse 9. * Aufruf! Sehr geehrte Gesinnungsgenossinnen und Gesinnungsgenossen! Unser Ritus hat uns verboten, Denkmäler zum Andenken unserer grossen Männer aufzustellen. Wir Jaden dürfen da_s Andenken unserer Grossen weder in Bronze, noch in Stein, soaidern in unseren Herzen verewigen. Der Nationalfonds hat um die Möglichkeit gegeben, die Namen unserer Grossen in dem „Goldenen Buche"* zu verewigen. Die Kischenewer Märtyrer müssen wir oltite Zweifel zu unseren grossen Männern zählen. Schwestern und Brüder! Wir wollen das Andenken dieser Märtyrer tief in unseren Herzen, und deren Nameix im „Goldenen Buche44 verewigen. Ich schicke hiermit eine Krone für diesen Zweck und hoffe, dass jecter Jude, besonders aber jeder Gesinnungsgenosse diesem Zwecke sein Scherfleir spenden werde. Hochachtungsvoll und Zionsgruss L. J. K a h a n. M i t a u , 17. Mai 1903. 4 Da nach den vom Inmrösterr. Distrikß - Komitee ausgegebenen Sammelbogen, welche dermalen fast gänzlich vejgriffen sind, sehr grosse Nachfrage herrscht, werden jene Gesinnungsgenossen, welche Samaielbogen erhalten haben und nicht benützen können, dringend ersucht, selbe sofort an Herrn Rudolf Pick, I, Jasomirgotttstrasse 6, zurückzusenden. Die zu Geldsendungen verwendeten Bogen sind innerhalb 14 Tagen zu Händen des gefertigten Kassieis zu verrechnen. Da.sInnerösterr,Distrikts-Komlke als Wiener Hilfs-Xomitee Der Kassier: R u d o 1 f P i c k, m. p. Wien, L, Jasomirgottstrasse 6. * Hilferuf für Kischenew! Seit der Veröffentlichung unseres ersten Aufruies sind erschütternde Notrufe der nun durch die unerhörten Greueltaten fast gänzlich ruinierten» über 40 000 Seelen zählenden jüdisch en Gemeinde in Kischenew zu uns gedrungwa. — Nach den uns zugegangenen zuverlässigen Nachrichten haben die planmässig, infolge einer systematischen, judenfeinilichen Verhetzung des Pöberls am Osterfeste unter den Augen der Behörde ausgeführten Morde und Plünderungen eine so sc bäuerliche Verwüstung angestiftet, dass es einer Hilfsaktion in grossem Massstabe bedarf, um den Jammer der unschuldigem Opfer des Glaubens- und Rassenhasses auch nur einigennasseai zu lindern. Ausser den vielen Hunderten von Frauen und Kindern, deren Ernährer in bestialischer "Weise niedergemetzelt oder zu Krüppeln gemacht worden siii-d, sind Tausende von Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten durch gänzliche Zertrümmerung ihrer Wolinungen, Raub oder Zerstörung ihier Habseligkeiten und Werkzeuge, für larg-e jZeit mit ihren gesamten Familien dem furchtbarsten Elende preisgegeben; h u ilgernd und obdachlos rufen sie d-^s Mitleid de r gesamten, gesitteten Menschheit an. Die israelitische Allianz zu Wien hat bereits zirka 30 OOD K dem Hilfskomitee in St. Petersburg übersendet, dieser Beitrag ist jedoch nur wie ein Tropfen im Meere und steht einstweite» weit hinter den Hilfsleistungen zurück, welche bereits in anderen europäischen Hauptstädten zugunsten der Unglücklichen!! ausgewiesen werden. Jede Gabe ist zugleich auch ein Ausdruck der Entrüstung über die barbarische Hetze, die diesen Jammer geschaffen. Wir richten an alle edlen Menschen, insbesondere aber an unsere Glaubensgenossen die dringendste Bitte, durch eine möglichst ausgiebige Beteiligung an unserer Sammlung den Hinterbliebenen de-r Märtyrer ihr Mitgefühl zu bezeugen und zur Linderung der Not unzähliger Familien beizutragen. Gütige Spenden sind an unser Präsidium, Wien, L, Weihburggasse 10, zu adressieren. Der Vorstand der Israel. AlLsanz zu Wien. * Löbliche Redaktion deT „ W e 11". Als guter Jude und Zionist erlaube ich mir Ihr« Aufrn«rksarjakeit auf Folgendes zu lenlren : Die Wiener Kultusgemeinde halle vorigen Sonntag einen Festtag. In allen Gemeindetempeln war „Firmung" oder wi« es umschreibend genannt wird, Mä ichen-Konfirmatioa. So schön und nützlich auch an sich diese Feier sein mag, durch die Art der Inszenierung a±>er vermag sie ehei* die „Assimilation" zu heben als das religiöse Gefühl zu wecken. "Warum muss es gerade zu einker Zeit sein, wenn auch in den Kirchen gefirmt wird, *ind warum Sonntag vormütags, wenn die Kircheng]ocken läuten? Sur Pfingstzeit ißt man ja gewohnt „Firmlinge" weissgeklei4et mit gekraustem Haare zu sehen, merkwürdig waren nur die Jüdischen Physiognomien*. "Unsere Religion, die so reich ist an schönen Gebräuchen, hat es gewiss nicht nötig, solche „Anleihen* zu machen, die an Chükas hagoj grenzen. Hoehachtun gsvoll Einer für Viele. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, iL, Taborstr. 59 (Tel. 13 920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an- Brieflicher oder teiephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. iVrn 23. Mai 1903 standen in Vormerkung: I. Klasse. Manuelle Arbeiter: 7 Anstreicher, 7 Aufpapper, 5 Bäcker, 10 Buchbinder, 4 Buchdrucker, 2_ Kartonnagearbeiter, 3 Drechsle r9 9 Elektromouteure„ 5 Fleis-chhauer, 3 Friseure, 5 Glaser, 8 Goldarbeiter, 36 Hausknecht«, Geschäfts- und Bureaudiener, 39 Hilfsarbeiter, 1 Hutmachei1, 2 Kellerarbeiter, 9 Kellner, 8 Kutscher, 6 Laufburschen, 5 Lederzurichter, 8 Lehrlinge, 3 Magaziiieure, 4 Maschinisten und Heizer, 9 Metallarbeiter, 6 Monteure, 41 Schlosser, 1(5 Schneider, 4 Schuhmacher, 18 Spengler, 2 Steinmetze, 9 Tapezierer, 4 Taschner, 8 Tischler, 4 Uhrmacher, 2 Zeichner, 6 Zimtierjrnaler, 1 Zuckerbäcker, tüchtige und verlässliche= Hausbesorger. IL Klasse. Kaufmännische Angestellte: 4 BraJimtweinverschleisseT, 19 Buchhalter imd Korrespondenten, 123 Koimmis diverser Branchen, 61 Kontoristen und Strazzisten, 3 Inkassanten, 12 Kanzlisten und Schreiber, 4 Manipuianten und Expedienten, 8 Platz-Agenten und -Vertreter, 7 Reisende.