Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 21 (22.5.1903)
- Article
- Für Kischenew
- Date
- 1903-05-22
- Page
- 16 (sequence 2)
- Language
- German
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v sm w #elt« * m?M waren überfüllt. Jung und Alt, Gläubige und Freidenker, alle strömten mit wehem Herzen in das einzige Heim des jüdischen Volkes im Golus — in die Synagoge, und aus allen Augen flössen Tränen und alle fühlten wie ein Mann das grosse Weh .... Auch jenseits des Ozeans, in dem gewaltigen New-York undin Philadelphia hat die Kischenewer Geschichte ihr Echo gefunden. Die Aufregung der Juden ist grenzenlos. Trauerand achten werden veranstaltet, Geld wird gesammelt. Nur zwei Klassen des jüdischen Volkes bleiben indifferent und teilnahmslos. Das sind dieJ>€hassidim<l in Polen und diejneisten russischen Studenten, die im Auslände wohnen. Ihr Indifferentismus ist geradezu empörend — und diese degenerierte Jugend bildet die Intelligenz des jüdischen, oder wie sie -es meint, des „russischen" Volkes! Die beiden Gegensätze reichen einander die Hände. Die Chassidim wollen nichts für Kischenew spenden, verhindern sogar andere an dieser heiligen Arbeit, da die Juden von Kischenew „Littwakes" seien, d. h. solche, die an keine Wunderrabbis glauben. — Die „Intelligenz", die „russische" Studentenschaft meint ihre Pflicht getan zuhaben, wenn sie überhaupt darum sich kümmert, wenn sie einige tönende Phrasen vom Klassenkampf, von der jüdischen Bourgeoisie und dergleichen Abgeschmacktheiten mehr, an die niemand mehr glaubt, herunterleiert und ihr Gemüt beruhigt. Aber noch peinlicher ist jene Jugend, die, sogar manchmal sich den Namen von Juden beilegend, von dem Unglück des jüdischen Volkes nichts wissen will. Als markantes Beispiel könnte uns ein Vorfall unter den „russischen* Studenten in Wien dienen. An dem Abende, der am 15. LM. von ihnen veranstaltet wurde, sollte nach dem Programm getanzt werden. Viele Studeaaten, darunter auch „Bundisten" machten das Ballkomitee darauf aufmerksam, dass in einer solchen trüben Stunde, vor dea frischen Gräbern in Kischenew, das Tanzen nicht am Platze sei. Das „Komitee" widersetzte sich und erklärte davon nichts wissen zu wollen. Daraufhin entfernten sich viele Studenten aus dem Saale. Die übrigen aber haben demonstrativ getanzt. . . Chassidim und Studenten! Les extremes se touchent! Parte. Montag veranstaltet die zionistische Association des Etudiants eiLe Konferenz von Georg B r an d e s, der .zugunsten der Unglücklichen von Kischenew über „Les petits Romans de la Bible" sprechen wird. Wir hoffen auch damit ein schönes Reinerträgnis zu erzielen. Der Appell, den wir Zionisten hier an unsere Genossen gerichtet haben, hat bereits über 600 Francs ergeben. Die erste Sendung geht morgen an die „Welt* ab. A. M. Kischenewer Flüchtlinge. In Wien sind bereits einige jüdische Familien, die sich aus Kischenew nach Wien geflüchtet haben, eingetroffen. Ihrer ganzen Habe beraubt, verfolgt von den Bildern der schrecklichen Szenen, die sie in Kischenew erlebt haben, ohne Vertrauen auf eine bessere künftige Zeit in Russland, Irabensie zum Wanderstabe gegriffen. Sie wollen nach Amerika. Da sie ganz mittellos sind — vor den Exzessen, lebten sie in bürgerlichem Wohlstand — so wird ihr Los auch in Amerika ein schweres sein, Noch ist das Mitleid für die Opfer der Kischenewer Exzesse rege. Aber Mitleid wird stumpf und erlahmt, wenn es andauernd in Anspruch genommen wird. Sollte dies aber der Beginn einer grösseren Emigration sein, dann werden die westlichen Juden wieder einmal mit Schrecken erkennen, dass alle Wohltätigkeit ohnmächtig ist gegen das grosse nationale Unglück der heimatlosen Juden. Wir wagen es gar nicht auszudenken, wie dann selbst von jüdischer Seite unseren armen Volksgenossen gegenüber gehandelt werden wird. Die letzte rumänische Emigration ist uns noch in schrecklicher Erinnerung. Eine Heimstätte! Eine Heimstätte! Eine Heimstätte! Kein ehrlicher Jude, kein fühlender Mensch, darf uns Zionisten seine Hilfe versagen! Sonst tragen sie die ganze Verantwortung für all das Unglück, das riesengross emporwächst. Jüdische Nationalfonds. Das Goldene Buch. Verein „Zion* in Orscha durch Hr. L. Zlatin Kronen 240.— Verein „Chowewei Zion* in Columbia, Ohio (Sekretär E. M. Gordon). . . . . ■ . . Doli. 50.— Prof. Richard Gottheil zur Eintragung des verew. Dr. Gustav Gottheil in New-York „ 50.— Societatea Timirimea Sionista, Sectia Dr. Herzl in Tg. Ocna......... Lei 239.85 Verein „Esra*in St. Petersburg durch Herrn A. Goldsfcein . . .........Kronen 252.— Daughters of Zion in Pittsburg, Pa. U. S. A. Doli. 50.— Verein „Zecrei Zion" in Buczany .... Kronen 239.40 J. M. .Rubinstein in Schaulen zur Eintragung des Vereines „Scharei Zion" in Schaulen „ 240,— H. S. Dangilsjcky in Eydkuhnen zur Eintragung „Die jüdische Gemeinde in Wirballen............. Pf. St. 10,10 SPENDEN. Für den jüdischen Nationalfonds: K Aus Krechowice: 1). Zimmermann anlässlich Verlobung mit Frl. Mina Stökl, Czortkow 1.—, S. Wolisch 0.60, K. Knoll 5.—.................... 6-60 Bei Brith Milan im Hause Lewkowicz, Gzenstochau: I. Lewkowicz R. 1 —, M. Mokrauer 0,85, M. Lewkowicz 0.50, N. Gerichter 0.50, W. Gostynski 0.50, A. Golomb 0,rü, J. Sybirski 0.50, N. Fischamann 0.30, L Goldberg 0.25, M. Schwarzberg 0.10; zusammen R. 5.— 12.60 Das Organisations-Komitee der Föderation der politischen Zionisten in Odessa zur Eintragung des Jacob Goldstein, eines der besten und ergebensten Arbeiter für die Sache des jüdischen Volkes.......... 252.— Schlome Huispisin, Lodz R. 10.—........... 25.20 M. Rabinowicz, Zdunska Wola, auf nb^JD JV*13, TlTttn J"D^S R. 14.20................35.78 JB'nei Zion", Odessa: Rosenstein R. 3,20, Ruchomowsky 2.70, Jakers 1.50, Mme. Weintraub 0 60, Mme. Gecht anlässlich Trauung Frl. Ita Sobel 0.50, Feldblum 0.50, Gedritsch 0.50................... 24.— Aus Pardubitz: „Der Nationalfonds ist die einzige mögliche Hilfe für unsere bedrängten Brüder", Dr. Bergmann, Landesadvokat K 240.—, Josef Namer 2.—, Josef Pecowsky 4.—................... 246.— Sendung J. Raigrodsky, Pinsk: A. Stillermann R. 0.50, M. D. Resnik 0.40, R. Feigenholz, 5.--, A. O. Feinstein 2.—, Sammlung Chawa Rosenberg bei Verlobung H. Elmann mit Fil. M. Eisenberg 4.50, H. Müller, 1.- , A. Rubinstein, 10.-, K. Eisenberg, 1.—, L. Pawlowitz, Lewin für den durch Frl. Mina Weitz - mann gestohlenen „Afikojmon* 5.—, Sammlung F. Weitzmann 1.35, Sammeloüchse: im Hause J. Freinkel 1.29, im Hause M. M. Soloweitzik 2.60, im Geschäfte J. A. Mmkowitz 0.30, A. K. Bassewitz 0.50, D. L. filuscher 0.40, im Hause Sch. M. Rabinowitz 0.48, A. D. Kreinjuk 1.58, in der Fabrik Halpern unter Aufsicht des Herrn Serzuk 2.85, im Hause M. Romm 0.50, B. G. Poritzki 1.49, im Geschäfte Sch. Halper 0.09, der „Gesellschaft gegenseitigen Kredits" 13.—, im Hause Dr. Chasanowitz, 1,51,. M. Liebermann 1.—, im Geschälte Scheinfinkel & Piness 7.49, im Kontor Gebr. Solz (Agent Rossja) 2.66 im Hause M. J. Lifschitz 3.65, M. M. Zemirinski 0.05, Dr. Bockschitzki 0.40, Baschkin Albrechtowo 0.50, der „Vorschusskasse* 3.33,