Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-05-15 · 20 (15.5.1903) · p. 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
20 (15.5.1903)
Article
Berlin
Date
1903-05-15
Page
14 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316041-3332500--40230-3332623
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 14 #>ie fr Welt" Nr. 20 meinde zu Berlin gerichteten Eingabe betreffend die Massacres in Kischinew zu behändigen uiid bitte Sie höflichst, für eine dringende Erledigung dieser Sache im Sinne der Eingabe einzutreten. "' In grösster Hochachtung ergebenst Ludwig Behr. In der Sitzung am 10. ds. berichtete der Vorsitzende, Herr Löwenbers, dass er die Absicht hatte, einen Antrag einzubringen wegen des Kischinewer Unglückes und dass inzwischen auch seitens der Berliner Zionistischen Vereinigung ein Antrag eingelaufen wräre, der sich mit dem von ihm beabsichtigten decke. Von der Verlesung des jedem Mitgliede des Kollegiums bekannt gewordenen Antrages wurde Abstand genommen. Es wurde daraufhin einstimmig der Beschluss gefasst, der Vorstand solle 10 000 Mark für Kischinew zur Verfügung zu stellen. War bei den Repräsentanten wirklich die Absicht vorhanden, einen solchen Antrag auch ohne die B. Z. V. zu stellen, so ist es doch deren Verdienst, diesem Antrage durch ihre Petition einen grösseren Nachdruck gegeben zu haben. Die B. Z. V. ladet zu einer grossen öffentlichen Versammlung auf Dienstag den 12. Mai abends im Handwerkerverein ein, in welcher Herr Dr. Klee über das Thema „Die Exzesse in Kischinew — ein Mene Tekel" referieren wird. Wir werden auf den Verlauf der Versammlung noch zurückkommen. Goldingen (Kurland). In der letzten Zeit wurde hier ein zionistischer Damenverein unter dem Namen „B n o i s Zion" gegründet. Dieser Verein kommt einmal wöchentlich zusammen und ist jedes Mitglied verpflichtet, entweder aus der jüdischen Geschichte oder aus der hebräischen Literatur etwas vorzutragen. Unlängst hat der Verein ein Fest veranstaltet, dessen Ertrag zur Bekleidung armer Schulkinder verwendet wurde. Jetzt beabsichtigen die Damen wieder einen Ball zu veranstalten, um von dessen Einnahme sich ins „Goldne Buch" einzutragen. Viele von den Damen haben sich vorgenommen, ein ganzes Jahr nicht das Theater zu besuchen, um das ersparte Geld dem Nationalfonds zukommen zu lassen. Den Damen ist es auch gelungen, viele Herren, welchen der Zionismus fremd war, für die Idee zu gewinnen. Rischon le Zlon, am 28. April 1903. Den Herren Dr. Friedemann und Hermann Struck aus Berlin, die gegenwärtig die jüdischen Kolonien bereisen, wurde hier gestern Abend im „Beth,haama von den Kolonisten ein äusserst warmer Empfang bereitet. Die Kolonistenkapelle, die aus den älteren Söhnen der Bauern sich zusammensetzt, spielte zur Einleitung eine jüdische Weise. Dann begrüsste der Vorsitzende des zionistischen Vereins, Herr Freimann, die Gäste mit herzlichen Worten. Herr Dr. Friedemann ergriff darauf das Wort zu einer längerenitede, die grossen Enthusiasmus hervorrief. Nunmehr bestiegen eine ganze Reihe von Kolonisten die Rednerbühne, um — grösstenteils in hebräischer Sprache, die Gäste ihrer Begeisterung und ihrer warmen Anhänglichkeit an die nationale Sache zu versichern. Wieder und wieder betonte man, das es in den Kolonien ausschliesslichZionisten gebe, und dass man voller Vertrauen in die Führer die Erfüllung der zionistischen Hoffnungen erwarte. Auf den Vorschlag des Herrn Dr. Friede mann wurde beschlossen, Herrn Dr. Herz 1 eine Ergebenheitsadresse zu übersenden, die sich schnell mit den Unterschriften aller Anwesenden bedeckte. Insbesondere wurde auch betont, dass „Altneuiand" den Beifall alier Kolonisten gefunden habe. Zum Schluss der Versammlung brachte man zahlreiche Hedadrufe auf Dr. Herzl, die Gäste und den Zionismus aus, und es wurde die dringende Bitte an die Gäste gerichtet, einige Tage in den Kolonien zu verweilen. Mitteilungen des österreichischen Landeskomitees. Die D.-Ks. und alle Parteigenossen seien dringend gemahnt, unseren unglücklichen Brüdern in Kischenew und Uhnöw Solidaritäts- und Mitgefühl zu erweisen und namentlich auch unterNichtzionisten Sammlungen einzuleiten, dies aber stets unter Hinweis auf den politischen Zionismus als einzige wahre Hilfe. Das L.-K. hat ein diesbezügliches Flugblatt in 11.000 Exemplaren ä 2 Heller ediert und den D.-Ks. zugeschickt, an die man sich um Bezug wenden wolle. Der Reinertrag für Kischenew und Uhnöw. Auch an alle österreichischen Kultusgemeinden versendet das Lu-K. einen geeigneten Aufruf. Die Zionisten von Brzezany, Gliniany, Przemyslany, Pomorzany und Zloczöw tagen am 17. Mai in Pomorz a n y. Der III. österreichische Zionistentag findet am 28. und 29. Juni in Wien statt. — Aus der provisorischen Tagesordnung seien hervorgehoben : 4. Aenderung der Statuten des Verbandes „Zion" und Organisation der D,-Ks. Referent Dr. Max Bernhar dt-Wien; 5. Gründung eines Zentralorganes der österreichischen Zionisten, Referent Dr. Sal. Krenberger- Wien; _ 6. Kulturelle Fragen, Referent Michael Berkowic z- Wien; 7. Gestaltung und Zukunft der österreichischen Kultusgemeinden: a) Programm, Referent Dr. C. M. Zwei g-Wien; b) Taktische Fragen, Referenten: Kultusvorsteher Julius Bondy-Horowitz und Dr. Ludwig Goldw a s s e r■ K^rakau * 8. Agitation, Referent Nathan Gross-Wien; 9. Stellungnahme zum Kongress und seinen Organen, Referent Alfred Weissber g er-Wien, > Auf der zweiten Vorkonferenz, die am 24. Mai in Wien stattfindet und zu der die D.-Ksaus ihrer Mitte oder aus den Wiener Gesinnungsgenossen Delegierte entsenden wollen, sind von den Referenten bereits die Thesen vorzulegen; Anregungen und Anträge für die Referenten sind an das L.-K. zu leiten. Die D.-Ks haben bis20. Mai ihre genauen Schlussberichte (§ 16 Org.-Stat.) zu erstatten. Die Wahlenzum Parteitag finden zwischen dem 10. und 18. Juni statt. § 17 des Bielitzer Org.-Stat. bestimmt: An dem Parteitage nehmen nur Personen von mindestens 20 Jahren teil und zwar a) mit Sitz und Stimme. 2. Die Delegierten der Vereine mit einer st eu er n d en Mitgliederzahl bis 50 einen, über 50 bis 100 zwei, über 100 bis 200 drei und über 200 vier Delegierte beziehungsweise deren Ersatzmänner. Ferner wurde in Bielitz auf Grund des Referates „Budget und Parfceisteuer" beschlossen: „6. Jeder Parteigenosse hat jährlich eine Krone Parteisteuer zu zahlen. 10. Die Vereine berechnen die Parteisteuer nach der Zahl ihrer Mitglieder zur Zeit des letzten Parteitages." Die Entrichtung der Parteisteuer (des Landesbeitrages) ist also unbedingte Voraussetzung der Wahlberechtigung. Den D.-Ks. sind die Blocks zur energischen Eintreibung der Parteisteuer bereits zugegangen. Mitteilungen des innerösterreichischen D.K. Die Delegiertenkonferenz der Wiener Vereine. Die verflossenen Mittwoch stattgefundene Delegierten - Konferenz der Vertreter von Organisationsgruppen des I., IL, III., IV., V., VI., VII., IX., XL-XV., XVI, und XVII Bezirkes, der beiden Frauenvereine, des allgemeinen jüdischen und jüdisch-nationalen Arbeitervereines, des Vereines jüdischer Handelsangestellter und der Studentenvereine Ivria, Unitas, BarKochba, LeoPinsker, Makkabaea, Kadimah, Zionistische Vereinigung und Bar Giora gestaltete sich zu einer einhelligen Sympathiekundgebung für unsere russischen Brüder. So verschiedenartig auch der Standpunkt war, von dem aus die zahlreichen Redner zu den Kischenewer Vorgängen Stellung nahmen, so einmütig gaben alle ihrem innigen Mitgefühl und ihrer schmerzlichen Entrüstung Ausdruck. Als selbstverständliche Ehrenpflicht aller Parteigenossen wurde es ausgesprochen, dass die Geldsammlungen mit aller Energie durchzuführen seien, und die Verwendung derselben im Sinne des Vorschlages des Gg* Ussischins (siehe Nr. 19 der „Welt") dem D.-K. empfohlen! Provinz. In den letzten Tagen konferierte Gg. Is. Ge witsch in Baden, vergangenen Sonntag Gg. Hönigsberg in Neunkirchen, letzten Mittwoch Gg. Dr. Bernhardt in Floridsdorf mit den Kultusvorstehern und Vertrauensmännern der Partei. In allen Orten werden dem Zionismus vom überwiegenden Teile der jüdischen Bevölkerung Sympathien entgegengebracht, und finden demnächst Agitationsversammlungen statt. In den nächsten Tagen fährt Gg. Alfred W ei s s b e r g e r nach Krems und Klosterneuburg, Gg. Dr. Bernhardt nach Mödling. Auch dort hat unsere Partei bereits verlässliche Anhänger und dürfte voraussichtlich noch viele Freunde gewinnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.