Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 20 (15.5.1903)
- Article
- Nachahmenswertes Beispiel [Nachricht]
- Date
- 1903-05-15
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Sei|e > Ote & wett*. ffr. 20 Nachahmenswertes Beispiel In Odessa haben die Juden gelobt, zum Zeichen der Trauer über das Unglück von Kischenew, wahrend dreier Monate weder ein Theater noch sonstige Belustigungslokale zu besuchen. Die Entführung ins Klöster. Im Frühjahr vorigen Jahres rief das Verschwinden eines Judenmädchens, Rosalia Frostig, aus dem gaiizischen Städtchen Rozanka Aufsehen hervor, zumal man erfuhr, dass die Genannte in einem Krakauer Nonnenkloster getauft wurde. 'Schliesslich wurde ermittelt, dass das Mädchen am 12. Mai v. J. gegen Mitternacht mittelst eines ausserhalb des Ortes bereitgestandenen Wagens nach Lemberg gefahren war, dass der 23jährige Müllerssohn Josef Feuerle den Wagen zur Verfügung gestellt, das Mädchen begleitet und sich in Lemberg als Gatte, das Mädchen als seine Gattin gemeldet habe. Er brachte sie zuerst zu seinen Verwandten und dann ins Krakauer Kloster, wo sie unter dem Namen Angela getauft wurde. Auf Grund dieses Tatbestandes erhob die Lemberger Staatsanwaltschaft gegen Feuerle die Anklage wegen Entführung. Der Angeklagte gab an, er habe nicht gewusst. dass das Mädchen ohne Einwilligung abreisen und ihren Glauben wechseln wollte; erst während der Fahrt habe ihm das Mädchen erzählt, dass es zum Uebertritt zum Christentum fest entschlossen sei und dass die Eltern dies nie erlauben werden; nur um ihr den Glaubenswechsel zu ermöglichen, habe er sie begleitet und die Kosten der Fahrten, des Unterhaltes etc. für sie bestritten. Das Lemberger Landesgericht fand Feuerle bloss der Falschmeldung schuldig und verurteilte ihn hiefür zu drei Tagen Arrest, sprach ihn aber von der Entführung frei, da er . ursprünglich nicht wusste, dass die Abreise gegen den Willen der Eltern erfolge, das nachträglich Geschehene aber nicht in Betracht kommen kann, weil die 19jährige Rosalia Frostig zum Glaubenswechsel gesetzlich berechtigt war, er ihr also nur zur Ausübung eines Rechtes und nicht zu etwas Ungesetzlichem Beihilfe leistete. Gegen das Urteil brachte die Staatsanwaltschaft die Nichtigkeitsbeschwerde ein, die jüngst vor dem Kassationshofe unter Vorsitz des Hofrates Kossovic vom Hofrat R. v. Girtler vertreten wurde. R. v. Girtler bezeichnete den Freispruch als aufliegenden Rechtsirrtum, denn wenn auch vielleicht der Angeklagte bei der Beistellung des Wagens noch nicht Kenntnis gehabt haben sollte, dass es sich um eine mitternächtliche Flucht der Tochter gegen den Wiflen der Eltern handle, so.habe er dies ja seinem eigenen Geständnis nach während der Fahrt erfahren und dennoch dazu beigetragen, dass die Tochter dem Machtbereich der Eltern entzogen werde — hierin liege aber das Verbrechen der Entführung. Um die Forschungen der Eltern zu vereiteln, habe er gemeinsam mit dem Mädchen ein Zimmer gemietet und sich als Gatten gemeldet. Das freisprechende Urteil sei daher aufzuheben und in der Sache selbst sofort mit der Verurteilung vorzugehen. Entgegen den Ausführungen des Verteidigers Dr. Ritter von Orlowski gab der Kassationshof der Beschwerde Folge, hob den freisprechenden Teil des Urteil als rechtsirrtürnlich auf und erkannte, Feuerle sei auch der Entführung schuldig, und wurde zu einem Monat schweren Kerkers, verschärft durch zwei Fasttage, verurteilt. Die Begründung schloss sich vollkommen den Ausführungen der Generalprokuratur an. Die Damaskus—Mekka - Bahn. Ein vor einigen Tagen erschienenes kaiserliches Irade befiehlt den Ankauf der Kaiffa— Damaskus-Bahn für den Betrag von 155 000 Pfd. Sterl., zahlbar innerhalb zweier Jahre in Monatsraten, und zwar in Anweisungen auf die Schafsteuer. Die Regierung beabsichtigt, diese Strecke zu einer Zweiglinie der Damaskus—Mekka-Bahn auszubauen und in Kaiffa einen Hafen anzulegen, der auch für grössere Schiffe tief genug ist. Auf diese Weise bekäme die Damaskus—Mekka-Bahn zwei Kopfstationen am Meere: Beirut und Kaiffa. Die Linie Kaiffa—Damaskus wurde 1891 einem Hcnn PiUing konzessioniert, dem Vertreter eines englischen Syndikats, Mit vielen Mühen gelang es dem Konzessionär, eine Gesellschaft mit 600 000 Pfd. Sterl. Kapital zu gründen; die „Syria Ottoman railway Co.4', welche auch bald mit den Erdarbeiten begann, dieselben aber nach Vollendung von mehreren Kilometern-wieder einstellte. Das ganze Unternehmen .war nur dazu bestimmt der französischen Bahn Beirut—Damaskus Konkurrenz zu machen, und nur daraus erklärt sich die merkwürdige Trassenführung. Die Engländer wollten vom Meer aus eine Bahn nach Damaskus bauen, zuerst versuchten sie es von Saida aus, schliesslich wählten sie Kaiffa. Die Trasse führt zunächst nach Beisan am Jordan, 25 Kilometer südlich vom See von Tiberias; von da geht sie das Jordantal aufwärts an den See und erreicht Damaskus als Parallelbahn zu der bereits gebauten französischen Linie Damaskus—Muzerib. Die Trassierung war, wie ersichtlich, ganz widersinnig; überdies seilte die Spurweite der neuen Bahn die der englischen Eisenbahnen sein, nämlich 4 Fuss 8.5 Zoll (engl.). Merkwürdig ist die Konzession dieser Linie; sie enthält alle möglichen Verbote für Konkurrenten, welche von der syrischen Küste ins Innere vordringen möchten, und räumt der englischen Gesellschaft Vorzugsrechte ein für alle Linien an der Küste und im Innern Syriens, ausserdem gewährt sie ihr das Schiffahrtsmonopol aui dem See von Tiberias. An Zweiglinien waren vorgesehen eine nach Hasbayah und eine nach Bosrah; die erstere sohle den Jordan hinaufgehen bis an seine Quelle, fast in die Mitte der Linie Beirut—Damaskus, die zweite kreuzte die Hauranbahn und beraubte ihr dadurch die Möglichkeit, sich über Mezrib hinaus zu verlängern. Richtig wäre es. gewesen, die Bahn von Baisan ab den Jordan abwärts zu führen, am Toten Meere vorbei bis an den Golf von Akabah, eine Idee, die jetzc aber weiter östlich und, ohne sich dem Meere zu nähern, die Damaskus—Mekka-Bahn zu verwirklichen sucht. Kaiffa, wohl geschützt durch ein Vorgebirge gegen die Südwinde, hat als Hafenplatz dem einst so hochberühmten Akka (Saint-Jean d'Acre) den Rang abgelaufen, welches letztere nur mehr 10 000 Einwohner zählt. Kaiffa wird heute von den christlichen Pilgern vielfach benützt, um ans Land zu gehen, einmal um die schwielige Ausschiffung in Jaffa zu vermeiden, dann, um von hier aus das Karmelgebirge, den Berg Tabor und vor allem Nazareth zu besuchen. Man reist von Kaiffa über Djenin, Nabu lus nach Jerusalem. Ist Kaiffa erst einmal mit der Damaskus—Mekka-Bahn verbunden, dann wird es auch von zahlreichen mohammedanischen Pilgern benützt werden. Nach einer Depesche des Generaldirektors der Arbeiten der Damaskus—Mekka-Bahn, Kiazim Pascha, haben zwei Bataillone Soldaten mit den Trassierungsarbeiten von Kilometer 112 ab begonnen. Die Schienen sind auf eine Länge von 40 Kilometer gelegt. Um den Bau zu beschleunigen, wird die Bevölkerung der angrenzenden Gebiete ,zur Arbeit herangezogen, und um die Kosten für den Bahnbau aufzutreiben, wurde beschlossen, eine Anleihe von einer Million Pfd. Sterl. aufzuneh/nen und durch eine Karte mit der Trasse der Bahn Propaganda bei allen Gläubigen zu machen. Später soll auch noch ein kleines Schriftchen zu demselben Zwecke herausgegeben werden. Nach der genannten Karte berührt die Damaskus—Mekka-Bahn folgende wichtigeren Orte: Mezrib, Kala-Tell-Hassa, Muan, Akibet-ül-Schamieh, Bereket-ul-Moaszaneh, Schak-el-Addschus, Medina und Mekka, (£fts der Zeitschr. „Palästina", Heft 5/6.) Personalnachricht. Unser Gesinnungsgenosse Marek S c h e r 1 a g wird Freitag, ,den 15. Mai 1903, präzise 1/4e\2 Uhr mittags, im grossen Festsaale der k. k. Universität in Wien zum Doktor der Rechte promoviert. Jüdischer Nationalfonds. Das Goldene Buch. Young-Men Zionist Assoc. in Liverpool . . Pfd. Sterl. 10.-— Verein „Zion* in Mühlhausen i. E..... Kronen 240.— Ahawath Zion in Tomaszow zu Ehren des Hrn. N. Sokolow in Warschau .... „ 240.— Verein Zion in Przemyslary....... „ 240.— Zion. Mädchen verein „Benoth Zion "in Jassy „ 240.— Leib Luxenberg in Bialystock.....'. \ 240.— Standerton Branch South Africa Fe deration Pfd. Sterl. 24, 2,— Vereenigung „ „ T 20.— M. Osrin Vereenigung Branch...... „ „ 10.— Rev. Dr. Hertz in Capte Town ....... „ 10.— Bulawayo branch............ . „ „ 10.— Harrismith branch............ „ „ 26,5.— Standerton branch............ „ „ 20.— Grahamstown branch........... „ „ 21, 14, 6 King Wiliamstown brauch ........ „ „ 15.— Verein „Jehuda Macabea* durch Herrn M. Lazar, Bukarest .......... Lei 250.— Verein „Misruchim" in Proskurow . . . . Kronen 252.— Verein „B'nei Zion" in Nowo Alexandrowsk „ 240.— Verein „Techias Zion* in St. Petersburg durch Hrn. KrassiltschikofT zur Eintragung des Hrn. Grigory Alexandrowitz und Hrn. J. Judowice Neifach .... „ 516.60 Verein „Agudas Zion* in Sepna durch Gebrüder Bachrach........... „ 252.— Verein „Agudas B'nei Zion" in Est Basavilbosa (Südamerika)........ . „ 252.— Verein „Benoth Zion* Wilkowischki zur Eintragung des Hrn. Rabb. S. J. Rabbinowitsch in Sopotzkin........ „ 240.— Achtung Gesinnungsgenossen! Nationalfondsraarken sind-erhältlich über briefliche Bestellung bei Dr. J. Benedikt, L, Tiefer Graben Nr. 25. Ferner im Kongressbureau bei Herrn A. H.Reich (in Beträgen über K 6.—), Herrn Te i t e 1 b a um {unter K 6.—>, bei allen Vereinskassieren und den Vertrauensmännern;