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Die Welt · 1903-05-15 · 20 (15.5.1903) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
20 (15.5.1903)
Article
Paris [Nachricht]
Date
1903-05-15
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Mtf 20 „Die $s Welt* Seite 11 samkeit zugewendet habe. Ueber die Wirksamkeit dei „Alliance" seit 1895 erstattete der Generalsekretär einer Bericht, in dem er besonders betonte, dass die?Alliance" auf die religiöse Erzi&Jiung ihr Augenmerk richte. Aus dem Berichte des Kassiere geht hervor, dass die Zahl der Mitglieder der „Alliance* eine bedeutende AbDahme erfahren habe, Grand-Rabbin Zadoc Kahn wies in einer Ansprache auf den universellen Charakter der „Alliance" hin, Winniza. (Gouvernement Podolien.) Der „Kiewljanin" berichtet über folgenden Fall, welcher vor kurzem im Gerichtshofe zu Kiew die Richter beschäftigte. Im Dorfe S t e p a s ch k i, im Kreise Gaissin, beschlossen die Bauern, die dort lebenden Juden gewaltsam zu entfernen und sie auf das gegenüberliegende Ufer des Bugflusses zu bringen. In dei Ansicht, dass Frauen, ihre Weiber und Kinder nicht strafbar sind, betrauten die Bauern Weiber und Kinder mit der Ausführung ihresBeschlusses, was diese auch gewissenhaft erfüllten. Hab und Gut der Juden wurden auf Wagen verladen, die Juden selbst umringt und aus dem Dorfe entfernt. Die Ortspolizei wollte zwar eingreifen, wurde aber von den Bauern daran gehindert. Vor Gericht standen 150 Angeklagte, durchwegs Frauen und Kinder. Fast alle wurden freigesprochen, nur einige Anführer zu Tiermonatlicher Arreststrafe verurteilt ... Pogost. (Gouvernemerrt Minsk,) Das jüdische Städtchen Pogost wurde, einer Depesche der „Nowosti* zufolge, infolge einer Feuersbrun st völlig eingeäschert. Beinahe zweihundert Familien blieben ohne Obdach und in grösstei Armut zurück. Urga. (An der russisch-chinesischen Grenze.) Wie die Zeitschrift „Sabaikalje" meldet, beschlossen die in Urga lebenden Christen, um sich der Konkurrenz der dortigen jüdischen Händler zu entledigen, den Juden keine Wohnungen zu vermieten. Die einheimische Bevölkerung trat diesem Beschlüsse bei, und zwar unter Androhung einer Geldstrafe von 300 Rubeln .für jeden, der einem Juden eine Wohnung vermietet. Infolgedessen mussten die Juden sich in den Jurten (Hütten) der Mongolen einquartieren .. . Das russische Blatt selbst betont, dass die Juden in Urga den russischen Handel mächtig gefördert haben ... Gt. Petrowsk. Die in Petrowsk lebenden Juden aus Temir-Chan Schura haben a.n den Gemeinderat von Petrowsk, wie die Zeitschrift „Baku" meldet, folgendes charakteristische- Gesuch gerichtet: „Die meisten von uns leber bereits seit vielen Jahren* in Petrowsk, wo wir Handel treiben, unseren Hausstand besitzen und durch ehrliche Arbeit nicht wenig zum Aufblühen 6er Stadt beitragen, Wir schmeicheln uns mit der Annahme, dass weder die Stadtverwaltung noch die Administration irgend welchen Grund hat, um zu bedauern, dass sie uns Vertrauen geschenkt und dieselben Buchte wie den übrigen Nationalitäten, des Russischen Reiches eingeräumt hat. Bis jetzt konnten wir unbehindeit in Petrowsk unserem Handel nachgehen, in jüngster Seit werden aber auf die Verfügung des Kameralhofs Handelskonzessionen an Juden nur dann erteilt, wenn sie Zeugnisse darüber beibringen, dass sie das Recht besitzen, sich in Petrowsk aufzuhalten, während die Polizei die Ausfertigung derartiger Zeugnisse verweigert. Diese Weig&rung kommt una umso unerwarteter, als die nahe Entfernung der Stadt Petrowsk von Temir-Chan Schura uns ias;Recht giebt, in Petrowsk sogar ohne Pass zu leben. Von unserer Berechtigung in Petrowslt zu leben überzeugt, haben-wir dort nach Möglichkeit unseren Handel erweitert. Indem wir an dem Endpunkte einer Eisenbahn leben, von dem aus ein Schienenweg ganz Dagestan durchschneidet} unterhalten wir ausgedehnte Handelsbeziehungen, die sich einerseits bis nach Moskau, andererseits bis in den entferntesten Winkel Dagestans erstrecken. In Petrowsk selbst und in vielen anderen Punkten haben wir Schuldner oder Gläubiger. Die Notwendigkeit, den Handel in Petrowsk einstellen zu müssen, würde uns nicht nur ruinieren, sondern auch der Möglichkeit berauben, unseren Verpflichtungen Anderen gegenüber nachzukommen, so dass unser Ruin den Zusammenbruch vieler anderer Geschäfte nach sich ziehen würde. Wir wenden uns daher an die Stadtverwaltung mit der ergebenen Bitte, unsere Interessen wahrzunehmen. Der Charakter unserer Tätigkeit, der Nutzen, den wir der Stadt und ihrer UmgebiiBg bringen, und die Ehrlichkeit unserer Geschäftspraxis sind der Stadtverwaltung am besten bekannt und wir richten daher an sie das Ersuchen, bei der Obrigkeit darüber Twstellig zu werden, dass uns der Aufenthalt in Petrowsk auch für die Zukunft gestattet werde.' New-Yorfo Die jüdische K«oloni< W o o d b i n e in New-Yersey ist soeben von der Gesetzgebung mit Stadtrechten ausgestattet worden und sie soll jetzt der rinzige Ort der Weit sein, dei ausschliesslich von Juden verwaltet wird. Die Kolonie besteht nunmehr zwölf Jahre und hat ihre Gründung der Einwanderung russischer Juden zuzuschreiben, die sich vor den Verfolgungen anfangs der Neunzigerjahre nach Amerika retteten. Es wurden aus dem Barom Hirsch-Fonds Mittel zum Ankauf eines Landkomplexes mit einem Fiächenraum von etwa 6000 Morgen bewilligt, der jetzt zum grössten Teilurbar gemacht worden ist. Die ersten Ansiedler hatten in der Wildnis viel auszustehen, sie haben den von so vielen amerikanischen Ansiedlern geführten Kampf mit dein Wald indessen sehr gut bestanden und finden sich jetzt durchweg in recht behaglichen Verhältnissen. Der Ort hat eine Ackerbauschule gegründet, es besteht schon Industrie dort und die gedeihliche Fortentwicklung 6er Kolonie scheint ausser Frage zu stehen. Die Kolonisten müssen natürlich dem Baron Hirsch-Fonds den Einkaufspreis des Landes erstatten und viele luaben dies schon lange getan. Andrere haben die betreffenden Hypotheken nur zum Teil abgetragen. Unter dem Einfluss der „amerikanischen Luft" entfaltet siel ein reges geselliges und geistiges Leben, wie daraus hervorgeht, dass der verhältnismässig doch recht kleine Ort ein Dilettantentheater und einen literarischen Verein hat. Ausserdem fanden sich dort ein Turnverein, ein Frauen- Turnverein, ein politischer Klub und eine freiwillige Feuerwehr. (Frkft. Ztg.) W^^@bFOi)ik- Dr. A. Berliner. Am 10. d. M. feierte der bekannte Gelehrte und fleissige Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft Dr- Abraham Berliner seinen siebzigsten Geburtstag. Der .greise Gelehrte kann auf ein fruchtbares und tatenreiches Leben zurückblicken. Gehören im Jahre 1833 in einem kleinen Städtchen in der Prowinz Posen, von frommen Eltern stammend, ein Nachkomme des berühmten Rabbiners und Sohriftgelehrter. R Jesaia Berlin, wurde er im Geiste des traditionellen Judentums er sogen und zum Rabbinerstande bestimmt. Nachdem er zonm Doktor der Philosophie promoviert hatte, wurde er Prediger in Arnswalde. Im Jahre 1866 zog er nach Berlin, wo er im Jahre 1873 Lehrer am Rabliinerseminar des Dr. Hildesheimer wurde, welche Stellung er bis auf den heutigen Tag bekleidet. Er war der eigentliche Gründer der jüidischen orthodoxen Gemeinde in Berlin, obwohl nomimeli als solcher Dr. Hildesheimer galt. Seine Verdienste um die Wissenschaft des Juden In ms, in welcher er sich rastlos beinahe ein halbes Säkuhmi betätigt, sind gross Er kann an die Seite des grossem Forschers David Kauft» ann, der uns leider zu früh entrissen wurde, gestellt werden. Seine Leistungen sind verschiedener Art und bewegen sich auf verschiedenen Gebieten. Am bekanntesten ist sein Werk über die Geschictile der Juden in Rom, sowie seine Studien über die Geschichte der Juden in Italien, das er sehr gut kennt. Ausserdem ist er ein bewährter Bibliograph und Exeget. Als Mensch ist er edel und makellos, seine Anhänglichkeit an das jüdische Volk ist sehr gross und er ist vielleicht der eins ige unter den jüdischen GeLehrten Deutschlands, der sich unserer nationalen Bewegung gegenüber sympathisch verhält. Wir wünschen ihm nc-ch lange Jahre zu seinem Heile und zu dem der Wissenschaft;«des Judentums. Die Maikurse der Universite Populaire Juive an Paris (8., Rue de Jarente). 10. Mai: Französisch von Lose hack, S. Halphen, Rabbiner: Die Juden von Marokko. 11. Mai: Französisch von J. Stourdze. 12. Mai: Hygiene von Dr. Kritchevsky, 13. Mai: M. J. Leben soll i von Poliakoff. 14. Mai': Raschi und seine Epoche von Jacobsohn. 16. Mai: Generalversammlung und gemütlicher Abend. 17.Mai: Geschichte des Sozialismus von Plato bis Karl Marx von Da*. Ch. Rappaport. 18., 19. u. 20. Mai: Kurse in Hebräisch. Französisch und Naturgeschichte. 20. Mai: Surinam von Dr. N. Slouschz. 24. Mai: Weill Rabb.: Der Geist in der hebräischen Literatur. c26. Mai: Madame Dr. Kritchevsky: Hygiene. 28. Mai: Jacobsohn: Die Inquisition. 29. Mai: Madame Dr. Kritchevsky: Neues aus dem jüdischen Leben. 30. Mai: Versammlung des Vereines „M'wassereth Zion". Die Zahl der Juden in Petersburg. Nach der letzten Volkszählung in Petersburg im Jahre 1900 giht es dortselbt 1,439.613 Einwohner, darunter 20.385 Juden (19.279 in der Stadt, 1106 in den Vorstädten), also 1 -54 Prozent der Gesammtzahl. Von diesen Juden haben 12.535, d. i. 62 Prozent, Jargon als ihre Muttersprache angegeben. Elaraiten befinden sich in Petersburg in der Anzahl von 317 Personen,

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