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Die Welt · 1903-05-15 · 20 (15.5.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
20 (15.5.1903)
Article
Sehr geehrter Herr Redakteur!
Date
1903-05-15
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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ffr. 20 „Die $ Welt" Seite 9 sind trotz glühender Begeisterung für de» zionistischen Gedanken einerseits durch . schwere Berufspflichten, andererseits durch HausfiUirung etc. zu s&lir in Anspruch genommen, um uns einer gedeihlichen Erziehung der Kinder für den Zionismus genügend hingaben zu können. Auch die sehr nachahmenswerte Oründung von Sektionen für;Kindernachmittage, wie solche der zionistisches Frauen- und MädcheiTereine in Wien, XV. geschaffen, würde der gedachten Erziehung nicht genügen. Wenn nun «ine leicht fassliche Schilderung der Grundideen und Ziel« des Zionismus in Mm einer nett ausgestatteten BrooMre geschaffen würdfr, die von Kindermund zu Kindermund getragen, so könnte nicht allein der Erziehung uns er er Kinder, sondern auch einer sich fortpflanzenden Förderung des Zionismus ein grosser Dienst erwiesen werden. Der Preis der Brochare soll möglichst 50 Heller betragen, wodurch dieser eine grosse Verbrühung gesichert wäre; den Absatz denke ich in der Weise, dass jeder Abonnent Ihres Blattes ein bis zwei Exemplare mit der zu »dieser Zeit erscheinenden Nummer der „Welt" erhalte. Der weitere Absatz wäre durch die Buchhandlungen, sowie durch Reklame in den unsere Ziele vertretenden Blättern zu fordern; ich habe die LJeberzeugung, dass es mehr und empfänglichere Leser im Kinderkreis als unter den nie Zeit; habenden Eltern geben wird. Mit Zionsgruss Josef Barkau. * Euer HochwohLgeboren! In unserer Gemeinde ist ein Talmud-TItora-Gymnasium eröffnet worden, in welcher die Zöglinge in allen Lehrgegenstämden des Gymnasiums, wie auch in den Fächern des jüdischen Wissens unterrichtet werden und erhalten dieselben nach abgelegter Prüfung stäatsgiltige Zeugnisse. Durch Errichtung dieser Schule, in welcher die jungen Seekn zu den Quellen der Erleuchtung und Religiosität zugleich hingeführt werden, glauben wir einem der dringendsten, imimcr mehr in weiten Kaisen empfundenen Bedürfnisse unserer Gemeinschaft entgegenzukommen. Das Judentum kennt nur eine Gefahr im Innern, die der Prophet bereits als verhängnisvoll bezeichnet hat, das ist die Unkenntnis der Hoheit unseres Glaubensinhalles. Der religiöse Indifferesitismus unserer Jugend hat in der Unkenntnis des Judentums seine Wurzel, denn während ihr in den Mittelschulen alles Schcne und Herrliche auf dem Gebiete der profanen Wissenschaft ununterbrochen zuströmt, bleibt ihr die Erkenntnis der hohen Idealität und der tiefe Ideengehalt des Judentums verschlossen. Mehr als alle betrübenden Erscheinungen der Zeit muss daher den wahren Freund Israels die Wahrnehmung entsetzen, dass die Kenntnis unserer Religion immer mehr aus unseren Refihen schwindet. Was soll der Jugend Stolz und - Selbst1>e\vusstsein verleihen, was die Treue und den Duldermut nähren und anfeuern, wemn die Quellen in unserer Mitte versiegen, die uns seit Jahrtausenden gespeist haben, wenn wir den Jungbrunnen aller religiösen Innigkeit und gesinnungsvollen Entschlossenheit, die Knude unserer Religions-Urkunden, unter um verfallen lassen. Nicht Schulen für Rabbiner, sondern Schulen zur Heranbildung glaubensstarker und überzeug«ngstreuer Gemein demitglie-der tun uns not. Nicht Seelsorger fehlen uns, die in begeisterten Worten die Ideale des Judentums im Gotteshause verkünden, unsere Gemeinschaft braucht jüdisch denkende und fühlende,-Männer in allen Schichten des Volkes, in deren mannigfaltigen Berufsarten auf dem bewerten Marktplatze des Lebens der Geist des Judentums in opferfreudigen Taten zur Geltung kommen soll. Wollen wir nicht Führer ohne Soldaten -erziehen, Gotteshäuser ohne Andächtige, Gemeinden ohne Mitglieder aufriefeten, dann ist es die-höchste Zeit, eine Schule zu eröffnen, in der eine Jugend herangebildet wird, die Kultur und Judentum, Bingertugend und Glaubeiistreue, Religiosität und Gesittung als leuchtendes Muster und vorleuchtendes Beispiel hinaustragen soll in, die Mitte unserer Gemeinden und d e r Jugend, die ihre-Ausbildung , an interkonfessionellen Schulen, empfängt. Die in dieser Schule herangebildeten, mit der Kenntnis der hohen Idealität und der welthistorischen Mission des Judentums ausgerüsteten und von glühender Begeisterung für unsere Religion erfüllten Jünglinge sollen später, wenn, sie zu Männern herangereift sind, im öffentlichen Leben überall da als feurige Ainvälte für das Judentum, auftreten, wo es aus Böswilligkeit entstellt oder aus Unkenntnis verkannt wird, Aus alldem werden Euer Hochwohlgeboren die hohe Bedeutung, uaserer..Schule,, dk berufen ist, eine Lücke im jüdischen Scliuiwesen unseres Vaterlandes auszufüllen, zur Genüge erkennen und die Grösse imd; Heiligkeit des -uns gesteckten Zieles zm würdigen wissen. Wir sind yqn der tief innersten' UeberzeiLgung durchdrungen, dass die Zukunft unserer Schule gehört, <Lie sicher bald aus eigener Kraft sich erhaltoi und bestehen wird. Alle=üi die Schwierigkeiten des Anfanges sind -gross und fordern die tatkräftige Unterstützung von Gönnern und Freundem. Wir gestatten uns destiaib, Euer Hochwohlgebnren höflichst zu ersuchen, uns in unserem Bestreben durch Ihren Beitritt zu unserem Ung.-Br-o-der Gyrnnasial-Verein gefälligst unterstiiizen zu wollen, unier dessen Aegide die verleissungsvolle Aufgabe ihrer befriedigenden Lösung entgegengeführt werden soll.*) Dr. M, J u n g, Rabinner. * Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, IL, Taborstr. 59 (Tel. 13 920] bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Briefliclier oder telephoniselier Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 9. Mai 1903 standen in Vormerkung: L Klasse« Manuelle Arbeiter: 12 Anstreicher, 5 Aufpapper, 4 Bäcker, 11 Buchbinder, 3 Buchdrucker^ 1 Kartonnagearbeiter, 4 Drechsler, 2 Elektrcjinonteurc, 4 Fleischhauer, 3 Friseur«., 5 Gläser, 6 GoldarliciteK 31 Hausknechte, Geschäftsand Bureaudiener, 34 Hilfsarbeiter, 1 Hutrnsicher, 11 Kellerarberter, 8 Kellner, 7 Kutscher, 4 Laufburschen, 7 Lehrlinge, 3 Magazineure. 4 Maschinisten und Heizer, 6 Metallarbeiter, 12 Monteure, 30 Schlosser, 15 Schneider, 14 Spengler, 13 Tapezierer, 4 Taschner, 3 Uhrmacher, 10 Zimniermaler, 4 Zuckeiläcker sowie tüchtige und' verlässliche Hausmeister. IL Klasse. Kaufmännische Angestellte: 4 Braimiweinverschleisser, 17 Buchhalter und Korrespondenten,. 1?8 Kommis diverser Branchen, 50 Kontoristen und Strazzisten, 3 Inkassanten, 13 Kanzlisten und Schreiber, 6 Mani^iilanten und Expedienten, 8 Platz-Agenten und -Vertrete l, 7 Reisende. Weibliche Abteilung: 4 Bonnern, 52 Kontoristinnen und Kanziistinnen, 12 Kxpcdientinnenmid Manipulantinnen, 2 Hllfsarbeiterinnen, 1 Kassafraulein, 2 Näherinnen, 15 Praktikantinnen, 49 Verlciäuferinnen, 1 Verschleisserin, 10 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. - III. Klasse, Geistige Arbeit: 43 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschulen, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 3 Lehrerinnen und Erzieherinnen. Das Bureau des Vereines hat seit seiner Eröffnung bis inklusive 9. Mai 1903 6376 Vermittlungen durchgeführt, und zwar: 2950 Vermittlungen in der I. Klasse (manuelle Arbeiter), 1507 in der II. Klasse (Handelsangestellte), 1790 in der weiblichen Abteilung, 129 in der III. Klasse (geistige Arbeit).' Achtung! Berichte über Versammlungen und Vorgänge in der Bewegung >y ordert nur dann publiziert, wenn sie mit einer Vereinsstampiglie (Vertrauensmännersigiiatm) und Nationalionds-Marke verseien sind. Andere Berichte werden nicht mehr veröffentlicht. Die P. T, Vereine uiuL Veranstalter von Versammlungen, Festen «tc. werden dringendst gebeten, bei allen Veranstaltungen eine Präsenzliste aller Teilnehmer (mit möglichst g«aiauer Angabe der Adressen) aufzunehmen und selbe behufs agitatorischer Verwendung an die Administration der „Welt", I£M Türkenstrasse 59 einzusenden.;*) Beitrittserklärunge-iB übermittelt auch die-„Weif au Herrn Rabbiner Jung.

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