Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 19 (8.5.1903)
- Article
- Die Eröffnung des Karlsbader Kaiser Franz Joseph-Regierungsjubiläums-Hospizes für arme Israeliten
- Date
- 1903-05-08
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316040-3332171--39987-3332349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Pinsk 1× ep/1045440
OCR text
Seite 10 „Die 2^ Wm» Ni. 19 Ermöglicht wurde dieser Bau durch die geradezu beispiellose Opferfreudigkeit jüdischer Wohltäter aus allen Ländern Europas. Dr. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad, versuchte schon den seligen Baron Hirsch für die Sache zu interessieren, doch der frühe Tod des Philantropen verschob die Angelegenheit für längere Zeit. Die edle Frau Baronin Hirsch ging nach einiger Prüfung des ihr von Dr. Ziegler unterbreiteten Memorandums auf den Plan ein und spendete 80 000 Kronen zum Bau der Anstalt unter der Bedingung, dass auch aus Oesterreich mindestens die gleiche Summe gespendet werde. Dr. Ziegler fuhr nach Wien und es glückte ihm, von dem Bankhause Rothschild 80 000, von Herrn D. y. Gutmann 20 000 und von Baron Springer 10 000 K zu erhalten. Erst nachdem diese von der Baronin Hirsch geforderte Summe beisammen war, beschloss die jüdische Gemeinde in Karlsbad, an die von Dr. Ziegier angeregte Errichtung der Anstalt zu schreiten. Dr. Ziegler unterzog sich dann der Mühe, in den verschiedenen Metropolen Europas bei den ihm teils befreundeten, teils bekannten jüdischen Philantropen vorzusprechen. Dank der offenen Hand dieser Wohltäter gelang es Dr. Ziegler, im Laufe von zwei Jahren mehr als 500 000 Kronen aufzubringen, so dass nicht nur das Haus unbelastet im Besitze der Gemeinde, sondern auch noch ein kleiner Stammfonds ihr geblieben ist, der hoffentlich mit der Zeit die notwendige Höhe zur Bestreitung der Erhaltungskosten erreichen wird. Vorläufig werden im Hospital 32 Personen monatlich aufgenommen und die Erhaltungskosten durch Spenden der Kurgäste und die Jahresbeiträge der Mitglieder der Karlsbader jüdischen Gemeinde gedeckt. Die Eröffnungsfeier vollzog sich in üblicher Weise. Nach einem kurzen Chorgesange übergab der Architekt Baurat S t i a s s n y dem Vorsteher der Gemeinde mit einer Ansprache den Schlüssel, worauf der Vorsteher Herr Ludwig Moser eine Darstellung der Entstehung des Hospitales gab. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Z i e g 1 e r die Weiherede, der sich eine Ansprache des Chefarztes Dr. Rosenfeld anschloss. Mit einer Besichtigung der Räume endete die Feier. Todesfall. In Jaffa starb dieser Tage einer der ersten Begründer der Kolonie „Rischon Lezion" Herr Josef Feinberg. Er musste infolge seiner Reibereien mit der Rothschild'schen Administration und seiner Kämpfe für die Selbständigkeit der Kolonisten die Kolonie verlassen und sich in Jaffa niederlassen. In seiner Eigenschaft als gewandter Chemiker hat er viel zur Hebung der Oelindustrie in Palästina beigetragen. Er war ein wahrer Jude und ein heisser Zionist. — Friede seiner Asche! — Unser geehrter Gesinnungsgenosse Med. Dr. H. G o 1 d b a u m ist Samstag den 2. Mai nach kurzem schweren Leiden in seinem 57. Lebensjahre gestorben. Unsere Gesinnungsgenossen werden dem wackeren, bescheidenen und gesinnungstreuen Manne ein ehrendes Andenken bewahren. Dr. Th. Herzl hat für zionistische Zwecke 1000 Kronen gespendet. Jüdischer Nationalfonds. Das Goldene Buch. Verein „Misrochi" in Pinsk . ..... . Kronen 240.- Sammlung in Germiston (Südafrika) anlässlich der Hochzeit Jakob und Berta Kimmel in Schaulen....... „ 240.- Verein ,AgudasHazionima in Skidel (durch Rabb. Rabbinowitsch in Sopotzkin)............... „ 240.- Verein „Scheiris Israel" (Präsident M. Schulmann) in Bukarest . . . Lei 255.- Verein „Agudas Hazionim Hamisruchis Ohawei Zion" in Smolewitsch.................Kronen 240.- Verein „Darkei Zion« (Präs. A. Horowitz, Sekr. M. J. Antomir) in Bivolari............... Lei 250.- Verein „BeneiZionuIbnosenuuin Schaulen (durch Rabbinowitsch in Sopotzkin)..............Kronen 252.- Kus de* J£*ifreg(ii)g. Gedenket des Schekels! Voranzeigen. Wien. Der Einzelverein „Innere Stadt* des „Zion" hält Freitag den 8. d. M. präzise 8V2 Uhr abends im Cafe Habsburg, I., Rothenthurmstrasse, eine zwangslose Besprechung über Vereinsangelegenheiten ab. Gäste herzlich willkommen. Wien. Der Einzelverein „Wien" des „Ziontf gibt hiermit bekannt, dass er am 16. d. M. —- bei ungünstigem Wetter am 23. d. M. — eine Lagbeaumer-Feier im Restaurant „zum schwarzen Bären" im Prater veranstaltet. Die Mitwirkung durchaus hervorragender Kräfte wurde für diese Feier, die jüdisch-national im schönsten Sinne des Wortes zu werden verspricht, gesichert. Beginn des Festes 8 Uhr abends. Näheres in den Einladungen und in der nächsten Nummer der „Welt". Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung österr.- schles. Hochschüler „Ivria17 teilt allen Freunden und Bekannten der Verbindung mit, dass die Promotion ihres i. a. B. cand. med. Siegfried Fr an kl Dienstag den 12. Mai 12 Uhr 45 Minuten im grossen Festsaale der Universität stattfinden wird. Wien. (»Verein jüdischer Handelsangestellter Wien«) Samstag den 9. Mai 1903, 8 Uhr abends, findet in unserem Vereinslokale IL, Stephaniestrasse 8 ein Vortrag des Herrn Karl Schächter „Ueber die Gleichberechtigung der Empfindungen der Menschen" statt. Gäste, auch Damen, willkommen. Wien. Die Einschreibungen zu den unentgeltlichen Kursen der Jüdischen Toynbee-Halle finden (mit Ausnahme von Freitag und Sonntag) an jedem Abend von 7—9 Uhr, XX., Karajangasse 20, statt. Beginn der Kurse: Montag 18. Mai, Das Sekretariat. Berichte. Wien. Der lit. Geselligkeitsverein jüd. Mädchen „Moria" hat Sonntag den 3. d. M. seine diesjährige Schlussversammlung abgehalten und den Beschluss gefasst, jeden zweiten Sonntag Ausflüge in die Umgebung Wiens zu veranstalten. Näheres hierüber bei der Präsidentin Berta H e rr m an n, VIII., Josefstädterstrasse 9. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien.) Die Wahl für das XX. Vereins-- semester ergab folgendes Resultat: Herr Dr. G.Eosenm a n n, Präses; Herr G. Sicher, Vizepräses; Herr V. K u r r e i n, Kassier; Herr A.Frankfurter, I. Schriftführer; Herr H. S c h w e n g e r, II. Schriftführer; Herr S. A r j e, Herr M. G. M e h r e r und Herr I. S. S t ö s s 1 e r Ausschussmitglieder. Pilsen. Der jüdische Volksverein BZiona veranstaltete am 25. v. M. einen Vortrags-, respektive Damenabend unter Mitwirkung des Vereines jüdischer Hochschüler ÄBar- Kochba" aus Prag, der sehr gut besucht war, so dass der kleine Waldeck-Saal sich als ungenügend erwies. Zuerst erstattete Herr cand.jur. Gütig in längerer Rede ein erschöpfendes Referat über die zionistische Bewegung, sodann sprach Herr cand. ph. Bergmann über jüdische Kultur und beide Vortragende ernteten für ihre gediegenen Ausführungen wohlverdienten Beifall. Hierauf folgten Vorlesungen moderner jüdischer Dichter durch Mitglieder der „Bar -Kochba", welche auf die Zuhörer von mächtiger Wirkung waren. Beim Singen von Studentenliedern und gemütlicher Unterhaltung verstrichen die Stunden und Mitternacht war es bereits, als der Obmann, Herr Massarek, in warmen Worten den Prager Gästen den wohlverdienten Dank ausdrückte und unter lebhaftem Beifall die Reihe der Toaste eröffnete. Hierauf folgte eine Kneipe, die die Teilnehmer bis 2 Uhr nachts vereinigte. Hochbefriedigt von dem Gebotenen verliessen die Anwesenden den Saal. Der junge Verein kann mit dem erzielten Erfolge zufrieden sein. Raudnitz. Am 19. v. M. veranstaltete das D.-K. für Böhmen in Raudnitz a E. eine Agitationsversammlung. Nachdem Herr Epstein namens der Einberufer dieselbe eröffnet hatte und Herr P ö 11 ak zum Vorsitzenden gewählt worden war, erstattete Herr Filip Lebenhart das Referat: „Was will der Zionismus V An der folgenden Debatte beteiligte sich unter anderen Herr Rabbiner Dr. R e a c h. Für den zu gründenden Verein meldeten sich am selben Tage etwa 30 Personen als Mitglieder. Krakau. Am 21. März 1. J. feierte der jüdisch-akademische Verein „Przedswit - Hasch ach ar* das Fest seines fünfjährigen Bestandes. Unter der energischen Leitung der Kollegen Dr. G old w a ss e r, Dr. Wahrhaftig und Hilfstein schuf er eine ganze Reihe nützlicher, schöner und dem Wohle des jüdischen Volkes dienender Institutionen in Krakau, welche den besten Beweis hiefür liefern, dass der „Haschachar" seinen Prinzipien und Endzielen; treu und