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Die Welt · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Article
Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
Date
1903-05-08
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „M* & Wel^p Nr. 19 Das ist aber auch unbedingt nötig, angesichts der grossen und schweren Aufgaben, die die Gesellschaft durchzuführen beabsichtigt. Zu Punkt 2 der Tagesordnung, die Zeitschrift betreffend, wurde beschlossen, mit dem Herausgeber der altbewährten „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", Herrn Dr. M. Braun in Breslau, in Verbindung zu treten behufs Uebernahme dieser Zeitschrift und eventuell Vergrösserung und Erweiterung. Da die Verhandlungen darüber noch im Gange sind, erscheint es nicht angebracht, etwas Weiteres darüber mitzuteilen. Nach Abschluss dieser Verhandlungen wird natürlich alles Nähere der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Von besonderer Bedeutung waren die sehr eingehenden und gründlichen Verhandlungen zu Punkt 3, der das eigentliche Arbeitsgebiet der Gesellschaft umfasst. Es wurde beschlossen, Ausschreiben betreffend die Einreichung von Manuskripten zur Veröffentlichung aus folgenden Gebieten zu erlassen: 1. »Geschichte der Juden*, 2. „Literatur und Religionsgeschichte41, 3. „Ethik und systematische Religionsphilosophie", 4. , Bibel exegese", 5. „Hebräische Sprachwissenschaft", 6. „Talmud und Codices", 7. „Apologetik lund Pädagogik". In Verbindung damit stand ein von Karpeles- Berlin eingebrachter weitgehender Antrag, der nach reiflicher Erwägung von der Versammlung einstimmig angenommen wurde. Er betrifft die Herausgabe eines gross angelegten Werkes, das den Titel fahren soll: „Grundriss der Wissenschaft des Judentums" und das in selbständiger Bearbeitung von tüchtigen jüdischen Gelehrten folgende Bände, von denen jeder für sich abgeschlossen sein würde, umfassen soll: 1. „Einleitung in die Bibel", 2* „Die Bibelübersetzungen", 3. „Die hebräische Sprachlehre", 4. „Die aramäische Sprachlehre", 5. „Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft", 6. „Systematische Theologie, Ethik, Religionsphilosophie des Judentums", 7. „Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie", 8. „Einleitung in die Talmude", 9. „Einleitung in die Midrasch- Literatur", 10. „Die hellenische Literatur", 11. „Die Apokryphen und Pseudepigraphen", 12. „Judentum und Christentum", 13. „Judentum und Islam", 14. „Die rabbinische Literatur", 15. „Religionsgeschichte", 16. „Geschichte der jüdischen Sekten", 17. „Biblische und talmudische Archäologie", 18. „Mosaisches und talmudisches Recht", 19. Grundriss der jüdischen Literaturgeschichte*, 20. „Geschichte der Juden in vier Abteilungen", 21. „Geschichte des Synagogen-Kultus", 22. „Apologethik",23. „Praktische Theologie", 24. „Homiletik", 25. „Pädagogik". Selbstverständlich ist dieser Plan nicht vollständig und es werden wahrscheinlich noch einige Nebenfächer dazu kommen. Die Hauptsache bleibt aber, dass der Beschluss einstimmig gefasst wurde, das Werk ernstlich in Angriff zu nehmen und, wenn möglich, in jedem Jahre einen Band herauszugeben. Zur Ausarbeitung des Planes wurde eine grössere Kommisson eingesetzt, die sofort in Wirksamkeit treten soll. Der Zweck der einzelnen Werke dieses Grundrisses soll der sein, jedem, der über die Wissenschaft des Judentums sich unterrichten will, vor allem aber Religionslehrern, Studenten und Gelehrten, das zum Verständnisse der einzelnen Disziplinen Wissenswerte in systematischer Weise vorzuführen, möglichst knapp, dabei aber klar und lesbar. Einige andere Anträge wie von Bloch (Posen), einen Gelehrten nach Rom zur Erforschung der päpstlichen Archive zu schicken, und von Kayserlin g (Budapest), der das Gleiche für Madrid hinsichtlich der spanischen Inquisitionsakten wünscht, wurden vorläufig zurückgestellt. Ein Antrag Ziemlich (Nürnberg), die Apologetik besonders zu betreiben, war durch den vorhergehenden Antrag in zustimmendem Sinne erledigt. Hierauf gelangte man zu Punkt 4 der Tagesordnung: Bildung der Fachkommissionen. Es wurden für die einzelnen oben erwähnten Disziplinen zehn Fachkommissionen, bestehend aus den hervorragendsten jüdischen Gelehrten, gebildet. Alle wissenschaftlichen Angelegenheiten, die an den Verein herantreten (Beurteilung einzelner Manuskripte, Anfragen, Auswahl der Stipendiaten u. s. w»), müssen, diesen Fachkommissionen unterbreitet werden. Ein Antrag von Cohen (Marburg): Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und systematische Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten, wurde vorläufig zurückgestellt. Die Referate der Herren Cohen (Marburg) und May bäum (Berlin), über Religionsphilosophie und Pädagogik, wurden für die nächste Vollversammlung der Mitglieder der Gesellschaft reserviert, der auch die Anträge von Klausner (Berlin) auf Aenderung der Statuten vorgelegt werden sollen. Mit der Erledigung einiger formaler Anträge wurde die Sitzung des Ausschusses am Mittwoch nachmittag um 4 Uhr geschlossen. Es ist zuversichtlich zu hoffen, dass, nachdem nun das Arbeitsgebiet der Gesellschaft abgesteckt und die grossen Aufgaben derselben in Angriff genommen worden sind, weite Kreise innerhalb des Judentums sich für diese Aufgaben interessieren und der Gesellschaft Mitglieder und Jahresbeiträge zuwenden werden. Eine umfangreiche Propaganda in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands und Oesterreichs erscheint in dieser Beziehung dringend notwendig, ja unerlässlich, wenn es der Gesellschaft gelingen soll, etwas Erspriessliches für die Wissenschaft des Judentums zu leisten. Wir hoffen, schon in nächster Zeit in der Lage zu sein, Ausfuhrlicheres über die Propaganda und die Zeitschrift, sowie über die anderen wissenschaftlichen Fragen des Unternehmens der Gesellschaft berichten zu können. ^pibüoe. Löbliche Redaktion! Wien, 1. Ijar. 63. Einer Aufforderung des Vereines der jüdischen Hochschüler aus Rumänien „Erez Israel" folgend, haben sämtliche jüdisch-akademischen Korporationen Wiens ein Gesuch an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde unterfertigt, in welchem sie an denselben folgende Bitte richteten: Da nach der jetzigen Stundenordnung der Bibliothek der israelitischen Kultus gern ein de eine ernste wissenschaftliche Arbeit ganz unmöglich ist, möge der Vorstand geruhen, dass dieselbe an allen Tagen (Sabbat und nur jüdische Feiertage ausgeschlossen) während des ganzen Tages, wie alle öffentlichen Bibliotheken offen bleibt. Bar Giora, Bar Kochba, Erez Israel, JüdischeLese-undRedehalle,Ivria, Kadimah, Leo Pinsker, Libanonia, Makkabaea, Unitas, Vereinigung jüdischer Hochs c.h ü 1 e r, Theologischer Verein. Wir hoffen, dass unser Gesuch baldigst erledigt werden wird. Hochachtungsvoll phil. Beck. Es verlautet, dass dieses Gesuch baldigst erledigt wird, was wohl zum Vorteile der beinahe in Vergessenheit geratenen Bibliothek sein wird. Denn dadurch wäre der erste Schritt zur Besserung, der auch sonst reformbedürftigen Lage derselben geschehen. Unter Bezugnahme auf die Notiz in Nummer 7 der „Welt", betreffend das in Erwägung gezogene Auswanderungs-Bureau, möchte ich daraufhinweisen, dass — wie ja auch in der damaligen Notiz gesagt —■ dieses Bureau keinesfalls vor Herbst dieses Jahres in Funktion treten kann. Es wird desshalb nochmals daraufhingewiesen, dass Korrespondenzen zur Vermeidung von Verzögerungen und sonstigen Schwierigkeiten nicht an das ja noch nicht existierende Bureau, sondern an den Unterzeichneten zu adressieren sind. Davis Trietsch, Berlin, Grossbeerenstrasse Nr. 76.

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