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Die Welt · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · p. 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Article
Ich wandelte einsam...
Date
1903-05-01
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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Seite 18 »Die # Welt" Nr. 18 In meiner Seele spross junges Hoffen, Mut und Vertrauen und Siegesgefülü, Und vor dem BMcke lag weit mir und offen Das neue und schöne und lockende Ziel —! Stern meines Volkes! Sei mir gepriesen,. 0 mein Wappen — mein Leitstern — mein Schild — Stolz geh' ich den Weg, den du mir gewiesen, Das Herz von deinem Leuchten erfüllt---! Heinrich Grünau. Das Passah in Palästina. In den „Evangelischen Blättern aus Bethlehem" wird das Passah nach Aufzeichnungen des Judenrnissionärs Farhoud Kourban folgendermassen geschildert: „Da die Juden seit der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem das Osterlamm nicht nach der Vorschrift im Vorhofe des Tempels schlachten können, ist das Passahlamrn aus der Feier ausgeschaltet, bis Gott ihnen das Land der Väter und den Tempel zurückgegeben haben wird. Umso wichtiger ist das ungesäuerte Brot für ihre Passahfeier geworden. Schon in der Erntezeit, also etwa neun bis zehn Monate vor dem Fest, gehen die Rabbiner auf die Dreschtennen hinaus, um den Weizen für das Osterbrot einzukaufen, bevor die Tiere ihn ausdreschen, damit er nicht durch ihre Füsse verunreinigt werde. Der Weizen wird dann auf einer neuen Matte ausgeschlagen. Jede Familie kauft das so vor Verunreinigung sorglich bewahrte Korn und bewahrt es in neuen Säcken auf. Fast in jedem Hause kann man den Sack mit Osterweizen an der Decke hängen sehen. Vier bis sechs Wochen yor dem Feste lesen die Frauen diesen Weizen aui einem reinen Tuche sorgsam aus. Ihre Hände haben sie sauber gewaschen, Mund und Nase mit einem Tuche verbunden, damit das Korn nicht durch ihren vom Genuss des gesäuerten Brotes verunreinigten Atem berührt werde. In neuen Säcken wanden der Weizen dann in Mühlen, die vorher aufs genaueste von allem anderen Korn und Mehl gesäubert sind. Während dieser Zeit darf der Müller nur Weizen für Osterbrot mahlen. Auch die Backöfen müssen rein sein von jeglichem Sauerteig. Gewöhnlich mietet man einen oder zwei Oefen, um darin den ganzen Bedarf für die Gemeinde zu backen. Während die Bäcker das Osterbrot backen, sind die Frauen eifrig beschäftigt, die Häuser zu reinigen. Da dies gründlich geschehen muss, lassen sie es meistens damit für das ganze Jahr sein Bewenden haben. Welch eine Menge von Unrat dann vor Ostern zutage gefördert wird, kann man sich denken. Desto sauberer sieht es "nachher in den Wohnungen aus. Die Wände werden gekalkt, der Fussboden sorglich gescheuert, sogar die Fugen zwischen den Steinplatten mit Kalk bestrichen. Alle Hausgeräte, lische, Bretter müssen ausser dem Hause gereinigt werden. In Tiberias geschieht dieses am Ufer des Sees Genezareth. Ein buntes Bild bietet sich in diesen Tagen dem Auge. Ein Gemisch von Farben und Trachten, Frauen und Mädchen aller Altersstufen. Ein Rufen, Schelten, Schreien in den verschiedensten Judendialekten, ein Hasten, Laufen, Scheuern von früh bis spät .... Dieser Zustand dauert etwa drei Wochen an. Zur besonderen Vorsicht werden Kochtöpfe, Wasserkrüge und dergleichen für das Fest ganz neu angeschafft. Alle Getreide- und Feldfrüchte, auch Reis, Mehl, Zucker und alle Süssigkeiten müssen aus dem Hause entfernt werden. Sie werden meist an Mohammedaner oder Christen für die Festzeit verkauft. Schwer ist das für die Korn- und Mehlhändler durchzuführen. Aber da ist ein Weg: der ganze Vorrat wird durch Scheinverkauf — für eine Kleinigkeit, vielleicht fünf Pfennige — von einem Andersgläubigen erworben. Nach dem Feste kauft der Verkäufer es um denselben Preis zurück. Vorsicht in der Wahl dieser Käufer ist geboten, denn wenn diese nicht ehrlich sind, kann der Jude um sein Eigentum geprellt werden. Gegen Sonnenuntergang des 13. Nissan, des jüdischen Ostermonats, gehen Männer und Knaben durch das nördliche Stadttor mit neuen Wasserkrügen an den See. Die Kröge werden, mit durchseihtem Wasser gefüllt, in Reihen aufgestellt. Dann tritt der Rabbiner aus der Menge hervor und weiht das Wasser unter Gebeten, die alle nachsprechen, mit den üblichen Neigungen des Oberkörpers. Aus diesem Wasser werden die drei ungesäuerten Brote gebacken, die nach der Zahl der drei Klassen, Priester, Leviten und Laien, am ersten Abend des Festes gegessen werden müssen. Damit auch kein Stäubchen Gesäuertes im Hause bleibe, staubt kurz vor Anbruch des Passahabends der Hausvater noch alle Ecken und Winkel des Hauses ab. Dann legen alle Festtagskleidung an. Den Kopf ziert der Sabbath-Deckel, eine aus zwölf Stücken, nach der Zahl der Stämme, zusammengenähte Sammetmütze mit Pelzverbrämung. Der von den Sabbath-Lampen erleuchtete Tisch ist mit allem Notwendigen besetzt. Das Osterlamm vertritt ein Stück gebratenes Fleisch. Neben ihm finden sich die drei ungesäuerten Brote und der beste rote Wein. Die bitteren Kräuter ersetzt arabischer Lattich. Nicht zu vergessen ist ein .irdenes Gefäss mit „Lehrn" zur Erinnerung an die Backsteine, welche die Israeliten in Egypten verfertigen mussten. Während der Hausvater diesen Teil der Festgeschichte liest, nimmt er ein Salatblatt und hüllt darein einen Mund voll von diesem „Lehm", es jedem Tischgenossen darreichend. Es ist das kein übler Bissen, der „Lehm", er besteht aus gestossenen Datteln, Nüssen und Mandeln, mit Zucker vermengt. Dann setzen die männlichen Glieder der Familie mit etwa eingeladenen Verwandten und Freunden sich zu Tische. Die Frauen und Mädchen sitzen seitab. Der Hausvater spricht den Segen und reicht den ersten Becher Wein. Dann liest er die Geschichte des Auszuges aus Egypten. Die Kinder fragen ihn, was* der Hergang des Mahles zu bedeuten hat, und erhalten Antwort und Erklärung nach den Worten des vor ihm liegenden Gebetbuches. Dann folgt der zweite Becher und das Mahl selbst. Nach dem Essen wird der dritte Becher gereicht. Er ist der beste und am meisten gesegnete. Vor und nach ihm singen sie das grosse Haliel aus den Psalmen von 113 bis 130. Zum Schluss, nach vier bis sechs Stunden, spendet der Vater den vierten und letzten Becher. Dem Abend, an welchem das Passahmahl genossen wird, folgt der erste, grösste Festtag der Ostern, der 14. Nissan, welcher nach morgenländischem Brauche alter und neuer Zeit mit Sonnenuntergang der vorhergehenden Nacht beginnt. An ihm und dem letzten der sieben Feiertage darf niemand ein Werk tun. An den dazwischen liegenden Tagen dürfen nur Handwerker nicht arbeiten. Kaufläden sind nur halb geöffnet. Der Sabbath-Deckel wird auch an diesen Tagen getragen. Ungesäuertes Brot wird alle sieben Tage gegessen. Der Tag nach dem Fest ist einem lustigen Abschied der ernsten Feiertage gewidmet. Da zieht Jung und Alt schon früh aus, an die Ufer des Sees. Mit Mundvorräten wohl versorgt, lagert die bunte Menge längs des Ufers, andere lahren auf den See. Ueberall klingt Lachen, Singen zwischen den summenden eintönigen Klängen einer Art Mandoline aus ihren Reihen hervor. Bis spät am Abend dauert die Fröhlichkeit. So lieben es die Juden nicht allein, nein, jeder Morgenländer ohne Unterschied der Religion, bei seinen Festen. Genau nach der Vorschrift, ernst und andächtig, hält er die religiösen Uebun&en aufrecht. Aber hat er Gott gegeben, was Gottes ist, so erholt er sich von dieser Anstrengung umso lebhafter und sucht dem Leben die lichte Seite abzugewinnen. Jedem das Seine!" Briefkasten. B. D. Wien. Wollen Sie uns freundlich aufklären, worin die „Uebelstände" bestehen. Hr. Dr. phil. M,.. Wien. „Das Meer träumt" dankend abgelehnt Hr. Gr. Pomor... Gedicht dankend abgelehnt. P. T. Verein Zion, Przemyslany. Unseres Wissens wird in der Wiener Israelitischen theologischen Lehranstalt kein Hörer aufgenommen, der sich nicht mit einem Maturitätszeugnis ausweisen kann. Hr. A. S. in B ... „Dankies Passah* und II. Lied eines ... Mädchens dankend abgelehnt. Hr. D. Buchband, Przemysl. S. Calvary, Berlin N. W., Neue Wilhelmstr- 1. Hr. J. Berker, Bern. Wurde redaktionell besprochen, erscheint in einer der nächsten Nummern. Wir müssen daher dankend ablehnen. Hr. M. Lifschütz, Plock. Ihre Anfrage wurde an das betreffende Komitee geleitet, das Ihnen die Antwort zugehen lassen wird. Hr. W. B. Sehr. Ser;.. Besten Dank. Wir werden in der nächsten Nummer auf diese und ähnliche Dinge näher eingehen. Spenden» Für den jüdischen Nationalfonds: K Aron, Josef und Haschel, Maskergeid......... 2.— R. Gutlmann, Prag, zum Andenken an seine Barmizweh 1.20 Benzion Kluger, Skole................ 3.— Leop. Löblowitz, Jablunkaü,'beim Aufruf zur Thora . . . 1.— Verein „Zion", Mühlhausen in Elsass......... 240.— Sammlung Morgenstern und Knieh.......... . 5.— Sal. Wassermann, Tomaszow ............. —.84 Gustav Pomeranz, Jaworow, anlaschen se'ner Verlobung mit Frl. Rachel Roseet, Rzeszow.......... —.88 S. Pasweg, Horodenka, Spende beim Maftir...... 1.— Sammlung Aschkenasi, Stanislaü ............ 1.—

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