Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 18 (1.5.1903)
- Article
- Hakescheth [Rezension]
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 „Die <[-Wefr8 Seite 13 «tatt sich mit ewigem Kritteln und Philosophiere» abzugeben Darauf folgen „Geisterschau" betitelte Betraclrkingen aus der Feder des talen. tvollen Redakteurs, Herrn Josef Lion, der zu den besten Stilisten unter den Junghebräisten gehört. Seine Ausführuiigen, — die sich Zunächst imit dem Plane zur Gründung eines p*nn3D (jüdische Akademie) beschäftigen, um sich sodan» gegen den von Ach ad Haam verursachten „Pessimismus4 in der hebräischen Liteiartur zu wenden —■ gehen von grossen Gesichtspunkten aas und fesseln sowohl durch ihren geistvollen Schwung, wie auch durch ihre geradezu klassische Form. , Sehr geistreich ist auch das sich mit der „Jargonfrage* beschäftigende Feuilleton „Bibel und Babel" (L h. Hebräisch und Jargon) von R. Radler. Der publizistische Teil enthält noch eineui fachmännischen, populär geschriebenen Aufsatz übe* „Die nationalökonomische Literatur im 19. Jahrhundert und ihre Stellung zur Judenfrage" von F. Lifschitz. S&lir gediegen ist auch der belletristische Teil, welcher die (resdichte „Bootfahrt" von J. L e w in und „ Aus den Liedern desTodes", von A. L i b o s c hitzk^, und die Skizzen „Eine Jüdin" des Rr B r ainin, „Einsam" von F. Ra b in owitz, „Die Hauptsache" s von J. Stein berg, und „ Miniatur m * von A. M. Gonzer enthält Den Kunstteil schmücken Illustrationen von Lesser Ury, Pilicho wsky, Hirszenb e r g nnd Lilie n. Der gesamte Inhält des zweiten Heftes des „Hakescheth" liefert den. unbestreitbaren Beweis, dass in der aufblühenden hebräischen Literatur eine FüLLe von begabten Talenten vorhanden ist. A. M. G. . „Jung Juda", Zeitschrift für unsere Jugend. Erscheint alle 14 Tage. Prag, Mpslikgasse -Nr. 14. — Nr."1& vom 10. April a. c. Inhalt: Zum Seckrabend. — Chad Gadja. -r Israels Zug durch das Schilfme^r. ~ Katuscha. — Eine heldenmütige Tochter. — Märclhen aus dem Ghetto. — Biblischer Zitatenschatz. — Verschiedenes. — Rätsel. — Jung Judas Plauderecke. Die Zeitschrift ist gut redigiert. Die Prager Gesinnungsgenossen haben sie mit vielen Opfern ins Leben gerufen. Es wäre gut, wenn sie Ton unseren Gesinnungsgenossen besser unterstützt würde, damit die Redaktion die geplante Erweiterung und eventuelle Umwandlung in eine Wochenschrift — jetzt erscheint sie alle 14 Tage — durchführen könnte. Jüdischer Verlag, Berlin SW. Grossl>eerenstrasse 75, ,»Palästina", Zeitschrift für die kulturelLe und wirtschaftliche Erschliessung des Landes. Mit dem vorliegenden Hefte 5/6 schliesst d&r erste Jahrgang. Inhalt: Das landwirtschaftliche Werk der Alliance, D. Haym. Eine kalifornische Kolonisationsmethode., Ben- David. Die Handelstaktik der Amerikaner in der Levante, Konsularbericht. Die ägyptische Mittelmeerküste vom Suez- Kanal bis Refa, Major Rycrqft. Gartenbau-Gm ossensehaften, Louis Brise Ii, Die wirtschaftlichen Verhältnisse von Akka und Haifa im Jahre 1901, Konsularbericht. Bericht über eine Informationsreise nach Seida, Dr. S. S os kin. Olivenkultur für Palästina, Davis Trietsch. Die Verwendbarkeit der Feldbahnen im der Landwirtschaft, Aus den Anfängen der kalifornischen Kolonisation, Titus Fey Cronice. Die Ernte Kleinasiens und Syriens im Jahre 1900, Deutscher Konsularbericht. Die schwäbischen Ansiedlungen in Palästina, Hugo Grothe. Kleinere Notizen: Eine italienische Kolonisationsgesellschaft für Tripolis undKyrenaica.—Wirtschaftliches aus Aegypten (Goldschürfungen — Schiwammfischerei). — Die Burg eies Königs Salome. — Gniindung eines Institutes für Altertumswissenschaft in Jerusalem. — Die Mohnkultur im Vilajet Brussa, — Bekämpfung der Malaria. — Die russische Palästinagesellschaft. — Die Einnahmen der Jaffabahn. — Die Cholera in Palästina. Eine ägyptische Agrikulturbn-nk. — Eine schwimmenie Ausstellung. — Englische Zukunftsplane für WestaraT>ien. — DieDaniaskus-Mekka-Bahn. -— Die Niederschläge inKypern. — Auswanderung von Kolonisten aus Palästina. „Politisch-anthropologische Revue", Monatsschrift für das soziale und geistige Leben der Völker. Thüringische Verlagsanstalt. Eisenach-Leipzig. April 1903/ > I n hä 11: Franz yt. Wag n e r: Die Probleme der Deszendenztheorie. Ludwig W o 11 m a n n : Die anthropologische Geschichts- und Gesellschaftstheorie. Gustav Kraitschek: Die Menschenrassen Europas. Chr. von Ehrenfels: Die aufsteigende Entwicklung des Mönschen. Maxim Borchers: Stufen und Arten der KultumitWicklung. Karl Pelmann: Str afrech t und verminderte Zurechnungsfähigkeit. August Porel: Monismus und Psychologie. Eberhard Kraus: Anthropologisches aus der Romanliteratur. — Berichte. — Besprechungen, Bücherwelt. Prof. Dr. Adolf S ch war s, Rektor der isr.-thooi. Anstalt in Wien. Die Frauen der Biftel. Drei Vorträge, gehalten in der „Jüdischen Toynbee-Halle6' in Wien. Preis 1 Krone. (Das Reinerträgnis fällt der „Jüdischen Toynbee-Halle" in Wien zu.) Wien, L ö w i t 1903. Nie im Leben werde ich den Abend vergessen, an dem Rektor Schwarz in der Toynbee-Halle den ersten Vortrag über „Die Frauen der Bibel" hielt. Es war ein Sonntag, und die Halle war bis in die letzten Winkel gefüllt. An solclien Abenden hat es der Leiter immer schwer, denn es ist Veranlassung zu Reifelingen und Zwistigkeiten in Hülle und Fülle vorhanden, üs ist Not an Raum! Die .Besucher, weLche ganz hinten sitzen müssen, recken die Hälse und möchten am liebsten auf die Sessel steigen, am besser zu sehen und zu höreii; draussen warten viele Männer und Frauen, die sich trotz der ausgehängten Tafel „Komplett", nicht entfernen, weil sie, Gott weiss was erhoffen um doch in die Halle zu gelangen; die Hoftür, durch welche nur Diensthabendem der Eintritt gestattet äst, wird von Unberufenen belaereit, die unter irgendeinem Vorwande Einlass begehren. In «Liese Unruhe hinein fallen die ersten Werte des Vortragend e?n wie Oel auf stürmische Wogen — im Nu tritt andächtige Stille ein. Der Rektor spricht stehend, ohne jede Notiz, gemessen, ruhig, anfangs ohne jegliche Geste. Das im Rahmen der weissen Haare doppelt jugendliche Gesicht und die lebhaften Augen allein verraten die innere Bewegung, die geislige Arbeit EineJcurze Einleitung, und uns ist, als würde vor uns auf notier Wand ein weisser Schirm ausgespannt, bereit, aus irgendeiner unsichtbaren Zauberkammer Licht- und Schatteuiisse zu empfangen, Noch einige Worte, und das Bild ist da : edle Linien, ein berückendes Profil, und ein geh eimaiss volles, schieksaLschweres Etwas in den rätselhaften Augen — das Urweifo Eva. Eine kurze Atempause. Das Bild verschwindet ron der weissen FläcTie. Wieder spricht der Rektor, und ein neuer Frauenkopf erscheint. Blühende Frische tr otz der aus den Augen blickenden Weisheit der Jahr«, bestrickender Liebreiz neben seelischer Tiefe und unbeugsamer. Charakterstärke — unsere Sttmnamutter Sarah, die erste Frau, die bewnsst ihre Rechte urahrt, weil diese Rechte ihrem Kinde, dem Erben ihres Mannes, zugute kommen. Dieses Bild wird Von einem neuen abgelöst: o3n klassischer Kopf mit weisser Stirn e und entschlossenem Mund — Rebekka, die Jakobs Bedeutung besser kennt aLs ihr Mann, und in dieser Erkenntnis es darauf ankommen lässt, den Vorwurf des Betruges auf sich zu nehmen. Und nun erscheint ein Bild von rührender, zart-hingehauchter Schönheit, ein Gesicht, das schon auf Erden von überiTdischer Liebe verklärt ist — Rahel! Wir können uns nicht satthören an den Worben, die uns die Mutter Josefs vor die Seele zaubern; der Redner ist sshon eine Weile bei einem anderen Bilde, und unser Herz kann sich noch immer nicht von ihr losreissen, der zärtliche», opferfreudigen, Jfrühverwaisten Schwester, dieser verkörperten Poesie.--- Und sc folgt Bild auf Bild, Jochebed, di« grosse Mutter des grossen Moses, Hann ah, die andachtstrunkene Beterin, Bathseba, die Mutter Salomos, von einem Künsfelermund auf eine ideale Leinwand gebannt, und als der Redner schliesst, und wir bedauernd merken, dass wirklich nichts mehr kommt, da braust ein Dankessturm durch riea Saal, wie in» selbst die Toynbee-Halle lange nicht prell ort hat. Wir waren in jener Stimmung, die zu den seltenen, zu den auserlesenen Stunden des Lebens zählt, in jener Stimmung:, d i« nur ein grosser Künstler erweckt. Auf diesen unvergesslicken Abend Hess Rektor Schwarz «sinen zweiten und dritten folgen; es waren, wie das Publikum sagte, Festtage in der Tojnbee-H&lle, Und nun liegen die drei Vorträge in Buchform vor uns nnd ich hör* wieder die mächtige Stimme und sehe den Charakterkorjf des Rektors vor mir : die ganze starke Persönlichkeit des Mannes spricht mit metallener Ziiüge zum Leser. Geh' hinaus, du schönes Buch, und erzähle den jüdischen Freuen in Nah und Fern von dem traulichen Heim, das sich in Wien allen jüdischen Wesen aufg-etan hat, melde ihnen von den herrlichen Abenden der ToynT>ee- Halle: sie sollen kommen, hären und sehen» Vielleicht treffen sie ssaf einen Abend, Tie Rektor Schwarz ihn uns dreimal beseheert hat, danin werden sie freiwillig jene Werbetätigkeit entfalten, deren die im steten Wachsen begriffene Toynbee-Halle dringend bedarf. —r.