Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 18 (1.5.1903)
- Article
- Jassy [Nachricht] / Israelowici
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Die $ Welt" Nr. 18 Weise sein Referat erstattete. Der Kongress war sehr besucht, wenn auch die „Elite" der Jassyer Juden ganz fern blieb. Israelowici. London. Am Sonntag den 22. März wurde in King Hall von dem Verein „Dorsch ei Zion* ein Meeting veranstaltet zum Zwecke der Unterhandlung mit den Vorständen der Synagogen des East-End über die Verbreitung der zionistischen Idee in den Synagogen. Vorsitzender war Reverend Dr. M. Gast er. Er schilderte in einer klaren und eindringlichen Rede die Lage der Juden in England. Er wies darauf hin, dass der Zustand der englisch n Juden ein kritischer sei, dass in den Händen der Einwanderungskommission das Geschick der englischen Juden liege. Denn wer kann die Grenze festsetzen, wer der „unerwünschte" Jude ist, wenn dieser Begriff schon einmal eingeführt ist. Können denn nicht schliesslich die meisten Juden Englands als „Fremde*, als „Unerwünschte" betrachtet werden? Es gibt mir eine Hilfe in dieser Lag* und das ist der Zionismus. Dieser aber soll überall und immerfort propagiert und verbreitet werden, vor allem aber in den Synagogen; dies würde auch dem immer wachsenden Entfremden der Juden zu der Synagoge und dem religiösen Leben einen Damm setzen. Die Propaganda des Zionismus in den Synagogen müsse aus dem Grunde genährt urd gefördert werden. In demselben Sinne sprachen sich die Herren Josef Co wen, Greenberg u. s. w. aus. Es wurde der Vorschlag angenommen, die Predigten in den Synagogen zionistische Themata berühren zu lassen, sowie auch den Unterricht in der hebräischen Sprache zu heben. Cardiff. Am 6. April 1. J. fand in Cardiff (Süd-Wales) eine Generalversammlung sämtlicher zionistischer Vereine in South-Wales zwecks Gründung eines zionistischen Bezirkskomitees statt. Vorsitzender war Stadtrat I. S. Abrahams on. Sekretär Herr Josef Lewis begründete in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit dieser Institution und ihre Bedeutung für die erfolgreiche Propaganda des Zionismus, Der Vorschlag wurde von allen Versammelten einstimmig angenommen und Cardiff als Hauptort des Bezirkskomitees bestimmt. Mitteilungen des österreichischen Landeskomitees. Die rückständigen Schekel sind unverzüglich zu verrechnen. Das ostgalizische (Lemberger) und Bukowinaer D.-K. werden nochmals dringend aufgefordert, behufs Vollendung des Vereins- und Vertrauensmänner-Katasters die rückständigen Rechenschaftsberichte endlich einzusenden. Dr. J. W. Marmorek kann wegen beruflicher Verhinderung seine Agitationsreise erst im Herbste antreten. Die Delegierten der Zionsvereine von Brzezany, Qliniany, Przemyslany, Pomorzany und Zloczow treten nach eingeholter Zustimmung des Lemberger D.-K. an einem noch zu bestimmenden Termine zu einer Besprechung zweckdienlicher Agitation zusammen. Starke Beteiligung erwünscht! Der III. Oesterreichische Zionistentag findet am 28. und 29. Juni in Wien statt. - In der ersten Vörie onferenz am 26. April wurde unter Berücksichtigung der seitens der D.-K's.-Vereine und Parteigenossen eingelaufenen Anträge folgende Tagesordnung und Referatszuteilung für den Zionistentag provisorisch festgesetzt: 1. Rechenschaftsbericht des ö. L.-K., erstattet vom Obmann; 2. Kassenbericht, erstattet vom Kassier und den Revisoren; 3. Budget und Parteibeitrag, Referent: Isid. Gewitsch-Baden; 4. A e n d e r u n g der Statuten des Verbandes „Zion" und Organisation der D.-K's., Referent Dr. Max Bernhardt-Wien; 5. Gründung eines Zentralorganes der österreichischen Zionisten. Referent: Dr. Sa!. Krenberger-Wien; 6. Kulturelle Fragen, Referent: Michael Berkowicz-Wien; 7. Gestaltung und Zukunft der österreichischen Kultusgemeinden : a) Programm, Referent: Dr. E. M. Zweig-Wien. b) Taktische Fragen, Referenten: Julius Bondy-Horowitz und Dr. Ludwig Goldwasser-Krakau; 8. Agitation (Minimalprogramm, Kolportage etc.), Referent: Nathan Gross-Wien: 9. Oesterreichische Nationalfonds - Kommission, Referent: Dr. Hugo Benedikt - Wien; 10. Stellungnahme zum Kongress und seinen Organen, Referent: Alfred Weissberger-Wien; 11. Neuwahl des Obmannes, der Mitglieder des L;-K. und dreier Revisoren; 12. Bestimmung des Ortes für den nächsten Parteitag. Auf der zweiten Vorkon f trr e n z am 24. Mai sind von den Referenten bereits die Thesen vorzulegen; Anregungen und Anträge für die Referenten sind an das L.-K. zu leiten. Aus den Rechenschaftsberichten des böhmischen D.-K. an das österreichische L.-K. Sogleieh nach dem Bielitzer Parteitage, noch im Mai 1902, tagte die böhmische Distriktsversammlung und wählte ihr neues D.-K. Dieses besteht derzeit aus neun Personen unter der Leitung Karl Eeseks, Prag-Weinberge, Karlsgasse 15 nnd hat sein Lokal: Prag, Jerusaleragasse 4. ~ Zur Förderung der Agitation in den tschechischen Gegenden liess das D.-K. Nord aus Brochüre „Der Zionismus* ins Tschechische übersetzen und versandte sie in einer Auflage von 1000 Stück an alle tschechischen Abgeordneten, Hochschulprofessoren und sonst geeignete Adressen. Ferner versandte das D.-K. an alle Vertrauensmänner zweimal verschiedene andere Broschüren, etwa 2500 an der Zahl, und zur Schekel woche samt den Schekelblocks 3000 Schekelflugblätter. Schliesslich liess das D.-K. anlässlich dex MakkabäerundPurimfeier, die fast in allen Vereinen abgehalten wurden, eigene „Mitteilungen" erscheinen, die neben einemfeuilletonistischen einen gemeinverständlichen Agitationsartikel enthielten und schickte diese „Mitteilungen" in einer Auflage von je 1500 Stück den Vereinen gratis. Die Kosten wurden durch Aufnahme von Inseraten gedeckt. Diese Agitation, die bloss durch den Mangel an Eednern gehemmt war, blieb nicht erfolglos. Zu den zehn alten Vereinen, hievon sechs in Prag, ferner in Eger, Horazdowitz, Kolin und Kuttenberg entstanden neue in Prag, Pilsen und Pisek mit etwa 300 Mitgliedern, so dass derzeit bereits dreizehn Vereine bestehen, neben diesen ständige zionistische Tischgesellschaften in Kaudnitz, Pilgram, Wittingau* Gemäss Parteitag-Beschluss wurden im Sommer in den Kurorten Karlsbad und Marienbad mehrere Agitationsversammlungen abgehalten, weitere Versammlungen fanden von Prag aus in Eger, Pilsen, Pisek, Raudnitz und Sehlan statt. Fast alle Vereine sammeln, behufs ihrer Eintragung ins goldene Buch des Nationalfonds; der „Ziontt und die „Bar-Kochba"-Pragsind bereits eingetragen. Nationalfondsmarken hat das D.-K. für 340 K verkauft Ueber Anregung des D.-K. hat der Prager jüdische Frauenverein die Gründung. einer jüdischen Koch- und Haushaltungsschule durchgesetzt Die sechs Prager Vereine werden einheitlich geleitet durch ihre unter Vorsitz des Distriktsobmannes stehende Obmänner-Konferenz. Behufs Besprechung der Provinzagitation tagte im Oktober 1902 eine zweite Distrikts Versammlung. Die Administration war mühevoll, doch ist eine kräftige Aufwärtsentwicklung unverkennbar. Zeitschriften - Rundschau. „Hakes&heth." Illustrierte hebräische Monatsschrift für Kunst, Literatur und Leben. Heft II. Druck und Verlag: L e m e n t fsche Buchdruckerei. Berlin SW. 68, Lindenstrasse 93. Abonnementspreis: M 7 jährlich. Das IL Heft des „Hakescheth" zeigt, dass die Redaktion mit Erfolg bestrebt ist, dass junge Blatt reichhaltig und geschmackvoll auszustatten. Sowohl inhaltlich wie äusserlich ist die 2. Nummer durchaus vornehm und würdig. Eingeleitet wird sie mit einem femenapfundenen Gedicht „Was fliegst Du, o Nachtigall! von dem jungen hebräischen Poeten N. P i n e s, dessen Gediehtesammlung "pvjn nn?» seinerzeit berechtigtes Aufsehen erregte. Sodann folgt der I. Teil einer Artikelserie von R. Brainin, „Betrachtungen über unser Sein" benannt. Wie der erste Aufsatz schliessen Iässt, will sich der bekannte hebräische Schriftsteller in seinen Betrachtungen hauptsächlich mit dem Zionismus, seinem Wesen und seinen Aussichten beschäftigen. Zunächst beleuchtet er den im jüdischen Volke auf Kosten der energischen Tatkraft und des positiven Handelns zu sehr entwickelten krittelnden Sinn. Durch positive Leistungen, meint Brainin, werden selbst die Negationen in positive Werte umgewandelt. Und auch das jüdische Volk müsste seine ganze Kraft den positiven Bestrebungen des politischen Zionismus widmen,