Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 18 (1.5.1903)
- Article
- Kiew [Nachricht]
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316039--39804-3332058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
Seite 10 Me. & Welt" Jär, 48 „Kiewljanin" nämlich meldet, wurde im Auftrage des Polizeimeisters den Juden mitgeteilt, dass sie am 28. April Kiew verlassen müssen, da sie widrigenfalls polizeilich ausgewiesen werden. Jarosiawl. Die jüdische Gemeinde von Jaroslawl hat an die Zeniral-Begierung schon seit geraumer Zeit die Bitte gerichtet, die Errichtung einer Synagoge zu gestatten. Nunmehr ist, wie der „Sjewerny Kraj* meldet, die Entscheidung in dieser Sache herabgelangt: sie erlaubt den Juden die Eröffnung eines Bethauses, das nur während der hohen jüdischen Feiertage offen bleiben darf. Gt. Kiew. Laut der Meldung der „Kiewskaja Gaz." haben einige jüdische Zuckerfabrikanten beschlossen, eine speziell jüdische technische Schule mit einer Abteilung für Zuckerfabrikation zu gründen. Die „lea" wird die Hälfte der Ausgaben auf sich nehmen. Man glaubt, dass die Schule in Belaja-Zerkow (Gouvernement Kiew) ihren Sitz haben wird. K. Welt-@broDik' Personalnachrichten. Unser Gg. Herr Nathan Lipschütz, Mitschef der Firma J. L. Lipschütz & Golm in Lemberg, hat sich mit Frl. Toni Schönfeld aus Stryj verlobt — Maria Eichhorn - Dolorosa, Schriftsteller Wilhelm Fischer-Heliogabal Verlobte« Judenehen in Deutschland im Jahre 1902. In der vom deutschen statistischen Zentralamt herausgegebenen Vierteljahrsschrift finden wir die nachstehenden5dieEheschliessungen von Juden in Deutschland während des Jahres 1902 betreffenden Daten: Staaten und Landesteile Bekenntnis der Frau evangelisch röm. kath. sonst. Benennt. israel. Summe 5 65 70 3 "l 125 129 Stadt Berlin..... 98 14 6 618 736 Brandenburg ..... 28 7 5 152 192 2 Ä 61 63 2 260 262 8 *4 326 338 8 35 43 Schleswig-Holstein . . 6 . 10 16 Hannover....... 6 . 103 109 2 3 167 172 Hessen-Nassau .... 4 7 344 356 Rheinland....... 17 5 300 322 m 1 4 5 Bayern rechts v. Rhein 1 15 2 334 352 Pfalz......... . , 80 80 Königreich Bayern . . 1 15 *2 414 432 Königreich Sachsen . . 14 3 57 74 1 77 78 6 3 188 197 3 2 163 168 Mecklenburg- Sch w erin 3 14 17 Sachsen-Weimar . . . m 12 12 Mecklenburg-Strelitz . . 3 3 Oldenburg...... , 10 10 4 10 14 Sachsen-Meiningen . . . 8 8 Sachsen-Altenburg . . . . Sachsen-Coburg-Gotha 1 2 3 3 11 14 Schwarzburg-Sond ers- „ , . Schwarzburg-Rudol- . Waldeck....... 8 8 Reuss ä. L....... , . 1 1 Schaumburg-Lippe . . 2 2 6 6 2 2 1 5 6 26 1 3 98 128 Elsass-Lothringen ... 6 1 217 224 Summe . . . 258 67 17 3878 4220 Diese Ziffern besagen, dass 8 Prozent aller Judenehen Mischehen sind; in Berlin beträgt der Prozentsatz der Mischehen 17 und die Zahl derselben beläuft sich auf ein Drittel sämtlicher überhaupt mit Nichtjüdinnen geschlossenen Ehen. In Schlesien und Posen, Provinzen» die ja von Juden sehr stark bevölkert sind, sinkt das Verhältnis von konfessionellen und von Mischehen doch bis auf 3, respektive unter 1 Prozent der in diesen Ländern eingegangenen Ehen. Berlin verleugnet seine Vergangenheit nicht! Ueber das Religionsbekenntnis der Bevölkerung der im österreichischen Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder bringt die „Statist. Korr.'4 auf Grund der Volkszählung von 1900 eine Aufstellung, aus der hervorgeht, dass sich im Jahrzehnt von 1890 bis 1900 die Evangelischen Augsburger Konfession am stärksten, die Juden am schwächsten vermehrt haben. Von der Gesamtbevölkerung, die 26 150 708 Personen betrug, waren 1224 899 (4,68 v. fi.) Juden. Die Bevölkerungszunahme seit 1890 betrug im Staatsdurchschnitt 9,44 v. H., bei den Juden nur 7,14 v. Ii Die russisch-orthodoxe Palästinagesellschaft unterhält jetzt in Palästina und in Syrien 67 Schulen mit 10.000 Schülern; davon kommen 4 auf Judäa, 18 auf Galiläa, 28 auf Südsyrien und 17 auf Nordsyrien. Alle diese Schulen wurden von der Regierung anerkannt und erhielten Steuerfreiheit. Die russischen Spitäler in Jerusalem, in Bethlehem, ßethgaia, Nazareth und Damaskus pflegten im ganzen 100,000 Kranke. Jeder Zögling kostet 20 Rubel und jede Krankenvisite 12 Kopeken. Im letzten Jahre pilgerten 1)279 Russen nach Jerusalem- Jetzt wird ein Hospitz für 1300 Pilger erbaut. In Haifa hat die Gesellschaft ein grosses Haus und einen geräumigen Garten gekauft, um daselbst ein Hospiz für Pilger zu errichten. Die Einnahmen der Gesellschaft beliefen sich im abgelaufenen Jahre auf 419.040 Rubel, die Ausgaben auf 407.160 Rubel, Ende 1901 besass die Gesellschaft Realitäten im Werte von 1,763.994 Rubel und 153.441 Rubel Bargeld. — Im Juni passierten 302 Rubel und 153.441 Rubel Bargeld. — Die Einnahmen der Jaffabahn beliefen sich im Jahre 1901 auf 763.169 Francs, 34.000 Francs mehr als im Jahre 1900. Die Ausgaben betrugen 331.000Francs, 13.000 Francs mehr. Im Jahre 1899 betrugen die Einnahmen 735.000 Francs, 1900 sogar nur 729.000 Francs, bei einer Län ge von 87 Kilometer. Auch die Eisenbahn Beirut-Damaskus steht ungünstig bei einer Einnahme von 2,216.000 Francs auf einer Länge von 250 Kilometer. Aus der Zeitschrift „Palästina", Heft 5 und 6. Die Juden in Tetuan, die durch die Erfolge der Aufständischen in Marokko bedroht sind, suchen die Stadt zu verlassen. Die europäischen Juden, die in Tetuan ansässig sind, haben bereits um Entsendung eines Dampfers angesucht, da sie der Meinung sind, dass Tetuan bald in die Hände der Aufständischen fallen werde. Der Thronprätendent befindet sich angeblich in der Nähe Melillas. Die Koscherfleisch-Frage. Die strenggläubigen Juden essen bekanntlich bloss das Fleisch von solchem Vieh, welches nach gewissen traditionellen Regeln von den Schächtern oder „Hahams", wie man sie in Rumänien nennt, geschlachtet wird. Nun ist in der Stadt Ploiesti seit dem 1./14. März ein Reglement in Kraft, welches allen Fleischhauern befiehlt, das Vieh mit dem Apparate „Demetrian" zu schlachten, welcher den. sofortigen Tod des Viehs herbeiführt. Den jüdischen Fleischhauern, welche mit Rücksicht auf ihre Kundschaft dieses System des Schlachtens nicht anwenden konnten, da das Fleisch sonst nicht mehr „koscher44 gewesen wäre, wurde das Schlachten von Vieh in der traditionellen Weise verboten, so dass die jüdische Bevölkerung eine Zeitlang kein Rindfleisch hatte. Dieser Tage brachte nun der Vorstand der israelitischen Gemeinde der Primarie von Ploiesti in Erinnerung, dass nach Art. 21 der Verfassung alle Kulte frei sind, soweit sie nicht gegen die guten Sitten Verstössen, und dass das Verbot des „Schächtens4* eine Einschränkung der freien Religionsübung darstelle. Die Primarie wies diese Beschwerde an den städtischen Sanitätsrat, welcher antwortete, dass das von den jüdischen Schächtern geübte System des Schlachtens gegen die guten Sitten Verstösse und dass sie deshalb mit dem Apparate „Demetrian" schlachten müssten.. Angesichts dieser Entscheidung sind die Ploiester Juden entschlossen, sich das Rindfleisch aus Bukarest zu verschaffen. („Bukarester Tageblatt44.) Schächtverbot. Der Magistrat von Stendal hat für das städtische Schlachthaus ein Schächtverbot erlassen. Die jüdische Gemeinde wird dagegen Beschwerde erheben. Das Judasschiessen in Lissabon. In einem Berichte aus Lissabon schreibt der Korrespondent der Wiener „Zeit" über einen Karsamstagsbrauch folgendes; „Am Karsamstag be-