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Die Welt · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Article
Berlin [Nachricht]
Date
1903-05-01
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 18 .Die Wer Seite 9 Deutschland. Berlin. Der Deutsche Palästina\erein lässt mit Unterstützung der deutschen Orientgesellscliait an der Stätte des Etlten. in der Ebene Jesreel gelegenen IVUeggido Grabungen vornahmen. Technischer Leiter ist der Ingenieur Dr. Schumacher ia Haifa. Berlin. Die „Kreuz - Zeitung" . schreibt aus Palästina: „Die aus Württemberg nach Palästina ausgewanderten Templer zählen in ihrer ältesten Kolonie Haifa (gegründet 1869) iwch 70 flamilien mit 360 Seelen, in Jaffa 43 mit 234 Seelen, in dfcm nahe gelegenen Sarona 52 mit 23<6, in Jerusalem selbst 20-6 Seelen, also zusammen 1116 Seelen, Eine neue Kolonie ist in Ramie an der Bahn von Jerusalem nach Jaffa im Entstehen. Ute Templer sind weitaus das stärkste evangelisch-europäische Dement in Palästina. Ihr zäher Fleiss, Llir landwirtschaftliches (ieschick, ihr wirtschaftlicher Aufschwung werden allseitig aneikannt. Auch Kaiser Wilhelm II. hat l)ci seiner Palästinafahrt sich sehr lobend über sie ausgesprochen!. Der allerdings nur geringe Export Palästinas liegt in ihren Händen; er beschränkt sich in der Hauptsache auf die Erzeugnisse ihrer Pflanzungen in Palästina, besonders Wein und Orangen. — Infolge des vachsenden Handels mit Moab ist auf «dem toten Meere eine Diaimpfbarkasse in Verkehr gesetzt, die Qiiter und Passagiere na-ch der Missionsstation Kerak (dem alten Kir Moab) befördert. Diese an sich abgelegene Station ist dadurch mit dem Weltverkehr in Verbindung gebracht. Luch die längs der Pil- KCistrasse von Damaskus nach Mekka im Bau begriffene Tele- Siaphenlinie ist bis Kerak fertig. Die in derselben Richtung geplante Eisenbahn schreitet langsamer vor, sie ist erst etwa östlich vom See Genezareth in Haurun angelangt; die unter den schlecht ernährten Arbeitern ausgekrochene Cholera hält den Bau auf. Von den ungefähr 50 000 Einwohnern Jerusalems üüid rund 30 000 Juden, 10 000 Christen und nur 10 000 Mohammedaner. Von den Christen gehörem etwa die Hälfte zur griechischen Kirche. — Der Zionismus ü&t derzeit die für das heilige Land wichtigste Bewegung. Bis zum Jahre 1875 belief skh die Zahl der Juden in Palästina auf nicht mehr als 30 000 Seelen, die fast ausschliesslich spanisch sprechen. Seitdem ist ein starker Zufluss aus Osteuropa gekommen, besonders aus dem südlichen Russland, so dass es heule 70—100 000 Juden in Palästina gibt. Für diese meist ein verdorbenes „Judendeutsch" sprechenden Einwanderer sind 51 450 Acker Land gekauft und darauf 20 Dörfer und 13 Pflanzungen angelegt worden. Der Zionismus plant nun nichts gelirigeres, als Palästina dem Sultan abzukaufen und dort ein mehr oder weniger unabhängiges Staatswesen spezifisch jüdische r Art einzurichten. Er rechnet dabei auf die beständige Geldnot! der Pforte einerseits und die unermesslichen Schätze der Rothschild, Hirsch, Montefiore usw. andererseits. Er ist lediglich eine national-jüdische Bewegung", bei der das religiöse Morimit kaum eine Rolle sutelt. Palästina ist aber nur für ein zllhes Ackerbauvolk ein wertvoller Besitz, und nur der Schweiss unermüdlicher Arbeit vermag die Wüste wieder in einen Gartem umzuwandeln. Deshalb sind alle jüdischen Kolonisationsversuche in Palästina s&ither gescheitert." — Unsere Leser bissen, dass die Bemerkungen der „Kreuz-Zeitung" über den Zionismus grossenteils nicht richtig sind. Das jüdische Volk hat von den angeblich unermesslichen Schätzen Rothschilds usw. bisher nicht viel gesehen. Leipzig. Der Redakteur der „Stattsbürger-Ztg." Dr. P. Bötticher und der Verleger Wilh. BruhiH sind bekanntlich am 11. Oktober v. J. von dem Berliner Landgericht I wegen Beleidigung der Konitzer Behörden und melrerer dortiger Juden zu einem Jahre beziehungsweise sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Reichsgericht hat die von ihnen eingelegte Revision am 17. d. M. verworfen. Pfalzburg. Dieser Tage feierte die hiesige Chewra Geniilus Chasodim das seltene Fest ihres hundertjährigen Bestehens. Gegründet 1803, hat der Verein in diesem langen Zeiträume viel Gutes gestiftet und manclie Träne getrocknet. Am Sabbat-Vormittag wurde der Festg-ottesdienst in würdiger Weise durch Gesang, Gebet und Psalmen abgehalten. In den' glänzenden Festpredigt gedachte Rab»b. Dr. Wiener der 24 frommen Männer, welche vor hundert Jahren den Verein gründeten, sowie der heimgegangenen Vorsteher und Prediger desselben. Ganz besonders gedachte er des edlen, langjährigen Vorstehers, Herrn David Weil, dessen in Paris wohnhafte Söhne in pietätvoller Weise das Andeuten ihres unvergesslicüien Vaters dadurch ehren, dass sie jälrilch am Jahr-zeittag desselben der Kasse des Vereines eine« beträchtlichen Zusctiwss zuwenden. Rumänien. Bukarest. Das rumänische Kassatie)nsgericht in Bukarest hat anlässlieh eines Rechtsfalles beschlossen, dass Kinder von in Rumänien geborenen El* ern aus dem Lande nicht ausgewiesen werden dürfen.. Der Rechtsfall bestand nämlich darin, dass ein rumänischer Jude, der des Vagabundentums beschuldigt, aus Rumänien ausgewiesen worden war, nach dreijähriger Wanderung durch verschiedene Länder, wo er weder Arbeit noch Wohnrecht bekommen konnte, nach Rumänien zurückkam. Er wurde von der Polisei festgenommen und das Gericht verurteilte ihn zu secks Monaten Kerker und nachfolgender Ausweisung. Der Jude appellierte an den oberen Gerichtshof, legte seine Grründe, seine Lage dar, und der Gerichtshof sprach ihn frei .. . Dies wäre ein höchst wichtiger Präzedenzfallin jedem anderen Land e; aber in Rumänien? England. Johannesburg (Transvaal). Am 2. April fand hier eine imposante.zionistische Versammlung statt, die eine Kundgebung der Sympathie und der Dan k'barkeit für den Führer der südafrikanischen Zionisten Ml« S. Gold reich zum Zwecke hatte, Der Versammlung präsidierte Mr. J. Caplan; eine überaus grosse Menge von Zionisten füllte den Saal, so dass zweihundert bis dreihundert Leute keinen Platz mehr finden tonnten. Der Vorsitzende hob die Verdienste des Mr. G ol d r e i c h um den Zionismus in Südafrika, seine unermüdliche, rastlose Tätigkeit für das Wohl seiner Glaubensgenossen hervor, erzählte, dass nur dank Mr. Goldreich und seinem Einfluss die Zionisten in Südafrika zur Geltung und hohem Ansehen bei der Regierung gelangt seien, dass sogar der Premier von USfatal Mr. H im e dem H. Gold reich es überlassen hat, über die Zulassung von einwandernde» Juden nach seinem Outdünken zu verfügen. In Erwägungaller dieser unleugbaren Verdienste schlug der Vorsitzeade vor, dem Mr. Gaidreich ein Dankesvotum auszusprechen, ihn ins Goldene Buch einzutragen und sein Bild in der zionistischen Halle anzubringen. Der Vorschlag wuide einstimmig angei-ommen. Es wurde auch der Regierung, die unparteiisch umd milde die jüdischen Einwanderer behandelte, sowie deiL beiden Sekretären der Südafrikanischen Zionistischen Föderation Mr. Marks uud Mr. Josephson ein Dankesvotum ausgesprochen. Auch die Jokannesburger Zeitungen legen dieser Versammlung, die zugleich eine Propaganda für den Zionismus und eine nationale Kundgebung war, grosses Gewicht bei. Davidson. Russland. Petersburg. Zur Lage der Juden im sogenannten Niederlassun^sgebiete schreibt «1er bekannte Fürst Meschtscherzkjj in seinem antisemitischen „Graschdanin" folgendes: „Die jüdischen Volksra fissen in den Grenzen der ihnen zur Ansiedlung bestimmten Gebiete besitzen meine vollen Sympathien. Die Lag-« dieser Juden ist eine fast unerträglich schwere, jeder Versuch, ihre Lage zu verbessern, besitzt deshalb mein rolles Mitgefühl, umsomehr, als die örtlichen christlichen! Bewohner von diesen Juden sagen, dass sie ihnen sehr nützlich sind und ihnen gleichfalls zu leben helfen . . .u Man kann sich leicht vorstellen, was im jüdischen Niederlassungsgebiete vorgeht, wenn der notorische Judenfeind Fürst Meschtscherskij plötzlich so iLoasattelt ... Petersburg. Die „Nowoje Wreitrja" meldet, dass der Petersburger «Gemeinderat beschlossen hat, die Zahl der jüdischen Grundbesitzer und Wohmangsmieter in Petersburg sofort festzustellen. Dieser Beschluss ist auf die neuen Massnahmen zurückzuführen, welche auf dem Gebiete der Einschränkung der Rechte der Juden auf den Erwerb von I immobilen geplant wenden. Postow. Der Polizeimeister vcdd Postow hat mittels Tagesbefehles den j ädischen Bäclt-srn untersagt, die an russischen Feiertagen gebrauchten Gebäcksarten zu backen und zu verkaufen. Tiflis. I>ie Gesuche der Juden in Tiflis und die persönliche Bitte der nach Petersburg gereisten jüdischen Deputation aus dem Kaukasus uim Rückgängigmachung der ergangenen Ausweisuugs-Ordre gegen die Juden in Tiflis haben Uider zu nichts geführt. Wie der „Tifliskij Listok" meld«!, hat die Verwaltung des Gebietes die genannten Gesuche dahin erledigt, dass die Ausweisung der Juden aus Tdflis auf den Monat September verschoben, aber nicht aufgehoben wurde . . . Kiew. Wir haben seinerzeit mitgeteilt, dass die Gouvernements- Verwaltung von Kiew die Ausweisung sämtlicher in Kiew lebender Zünfte der Fleischhauer, der Steinklopfer, der Strassenpflasterer, ier Zimmerer und der Stukkateure anordnete. Ihr Gesuch um Aufhebung dieser Massnahme wurde nur abgewiesen. V£ie der

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