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Die Welt · 1903-04-17 · 16 (17.4.1903) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
16 (17.4.1903)
Article
[Nachricht]
Date
1903-04-17
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Die D.-Ks. und alle Parteigenossen werden aufgefordert, ihre diesbezüglichen Vorschläge rechtzeitig dem L.-K. bekanntzageben. — Zur Vorkonferenz selbst entsenden die D.-Ks. ihre Delegierten nach freier Wahl. Wegen Verschleiss-Artikel (siehe letzte Umschlagseite) wende man sich an Sekretär Adolf Po Hak. Stern peui liefet). )r. Salomon Rubin (zu seinem 80. Geburtstage.) Nur sehr wenige Namen von Bedeutung hat die hebräische Literatur des letzten Jahrhunderts in Galizien zu verzeichnen, trotzdem hier ihre Wiege gestanden hat und trotz des hervorragenden Anteils, der Galizien an dem Aufblühen der Literatur und Wissenschaft des Judentums zuerkannt werden muss. Wenige nur sind es, deren Schriften, wie die von Krochmal, Rapoport, Erter und Schorr über die Grenzen ihrer Heimat hinaus dauernden Ruf erlangt haben, und diesen wenigen reiht sich würdig die ernste und ehrwürdige Gestalt Salomon Rubin's an, der am letzten Tage des Passahfestes in Krakau seinen 80. Geburtstag feiert. Die Leistungen Rubin's auf den einzelnen Gebieten des jüdischen Schrifttums verdienen eine grössere und eingehendere Würdigung, als es im Rahmen eines Zeitungsartikels möglich ist. Es sei hier uur erwähnt, dass er einer der festesten Stützen von . Sm o len s ki's „Haschachar" war, wo er seine fruchtbare! wissenschaftliche Tätigkeit zur höchsten Blüthe | entfaltete. In einem kleinen galizischen Städtchen D o 1 i n a, geboren, eignete er sich einen enormen Schatz von talmudischer und kabbalistischer Gelehrsamkeit an und als er, im Alter von 20 Jahren, als Autodidakt Europa und dessen Kultur kennen lernte, vertändelte er nicht, wie seine zeitgenössischen Haskala- Literaten, die schöne Gabe seiner glänzenden hebräischen .Feder zu zwecklosen und unmethodischen Mutmassungen in der Bibelexegese oder dichterischer Nachäffung von Schiller und Goethe, wie sie damals Mode war. Er begann zwar mit einer Uebersetzung von Schillers philosophischen Briefen, [deren Inhalt ihn wohl angezogen haben mag; er übersetzte auch Gutzkow's „Uriel Acosta", dem er ein begeistertes Vorwort über religiöse Intoleranz und ihre Schäden voran schickte. Aber auch dieses Werk ist dem Drange zuzuschreiben, Licht und Aufklärung in die finsteren Ghettomauern zu bringen. Damit ist auch seine Haskala-Tätigkeit abgeschlossen und Rubin fand sein Arbeitsgebiet in der jüdischen Wissenschaft, das er seither voll und ganz ausfüllte. Er unternahm es, anstatt Lobeshymnen auf die Aufklärung zu singen, philosophisches Denken in die verschlossenen Mauern der Jeschiwos und Talmud-Lehrhäuser einzuführen und durch eine Reihe von Schriften, unter denen seine Uebersetzung von Spinoza's „Ethik" den hervorragendsten Platz einnimmt, gelang es ihm, sich einen unvergänglichen Namen in unserer Literatur er dem deutschlesenden Publikum durch seine von übersetzte „Geschichte des Aberglaubens* bekannt. Und nicht nur im „Haschachar*, sondern in fast allen hebräischen Journalen und Sammelschriften gehörten R u b i n's Beiträge zudem Besten und Lesenswertesten. Noch heute, trotz seines hohen Alters, hat Rubin nicht die Feder aus der Hand gelegt, die er mit jugendlichei Geistesfrische und der Kraft einer staunenswerten tiefen Gelehrsamkeit zu führen weiss. Selten ist ein Mann von solcher Gelehrsamkeit wie Rubin so „weltlich gesinnt" gewesen, wenn man sich so ausdrücken darf. Er bekundet ein grosses Interesse an den Tagesfragen, wenn er sich auch nicht politisch in denselben betätigt und in einem seiner letzten Aufsätze im „Haeschkol* (I und II) beschäftigte er sich mit der neuerwachten nationalen Bewegung im Judentum. Als Mann von Charakter sucht Rubin seines Gleichen. Man muss ihn über S. D. L u z a 11 o, der ihn jahrelang ob seiner spinozistischen Gesinnung befehdete, sprechen hören, man muss hören, wie viel des Lobes und der Anerkennung er für diesen seinen fanatischen literarischen Gegner hat, und man gewinnt ihn lieb, man sieht zu ihm mit Ehrfurcht und Hochachtung empor. Seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr, seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit in der Beurteilung von Menschen und Dingen sichern ihm die Anhänglichkeit und Verehrung aller, die in seine Nähe kommen. Harte Schicksalschläge, die den greisen Gelehrten in seinem Lebenslauf trafen, vermochten nicht seine philosophische Ruhe und stoische Denkungsart zu stören. Ich übergehe diesen traurigen Punkt, um nicht einen Tropfen Bitterkeit in das Gefühl der Freude zu mischen, von dem ich und mit mir eine grosse Schar von Freunden und Verehrern an dem Geburtstage des ehrwürdigen Lehrers beseelt sind. Möge er uns noch recht lange in derselben geistigen Frische erhalten bleiben, in der ich ihn vor wenigen Wochen sah, als ich mich von ihm verabschiedete! Wien. M. Berkowicz.

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