Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 16 (17.4.1903)
- Article
- Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1903-04-17
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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„Die $ Weht" Seite 9 seine Ke«clinuiig rituell beköstigte- Die Ansprüche an diesen Verein sind gegenwärtig so grosse, wie sie seit dem Jahre 1892 . nickt gestellt wurden. Der Vorstand sieht sich daher mit Rücksicht auf das stattgehabte Passahfest veranlasst, an die jüdischen Mitbürger mi t der Bitte heranzutreten, ihm zur Linderung der Not mit Gaben reichlich an die Hand zuLgehen. Es handelt zieh liier um eine Angelegenheit, die die gesamte Judenschaft angeht. Russland Petersburg. Die russischer Behörden haben in der Angelegenheit der Ermordung des Christen knaben Rybal«e.nko in Dabossary alLas getan, um das Lügengewebe am zeigen, welches die antisemitischen Blätter von Petersburg und Kischinew gesponnen haben, um aus diesem Morde 'dae'n jüdischen RitualmcwsL zu machen. Dem Gouverneur von Cherson, Kamin erheriLn Lewasche w, gebührt das Verdienst, die Verleumder von der antisemitischen Presse genötigt zu haben, das vom ihnen verbreitete Gerücht von ein *m angeblich in Dubosflary vollbrachten Ritualmorde öffentlich zu dementiren, Wie die „Nowosti" nämlich melden, hat die Kischinewer Zeilschrift „Bessarabetz",jenes verlogene Blatt, das die Ermordung Rybalenko's zu seinen j adenfeindlichen Zwecken in schamlosester Weise ausgebeutet hat, nunmehr die Erklärung abgegeben, dass seine frühere Meldung von einem Ritualmorde in Dubossary absolutfaisch wäre. Es verlautet &ber noch, dass die Behörde die Leiter des „Bessarabetz* wegen Verbreitung falscher und beunruhigender Gerüchte unter Anklage zu stellen beschlossen hätte. Petersburg. Das russische (Unterrichtsministerium hat dieser T&ge der „Petersburger G esellschaft zur Verbreitung von Biliung unter den Juden in Russland" gestattet, eine Filiale euich in Kiew eröffnen zu dürfen. Nunmehr besitzt die Petersburger Gesellschaft Filialen in Odessa, Riga und Kiew. Diese Errungenschaft verdanken die Juden in Russland dem Zionismus, welcher im den letzten zwei Jahren für die Hebung des Bildungsniveaus unserer Volksgenossen in RussLand sehr viel getan hat Da aber auch diese Zahl der Filialen nicht ausreicht, um (Len kulturellen Bedürfnissen «er jüdischen Bevölkerung in Eussland zu entsprechen, so besteht die Absicht, Vertretungen der Petersburger Gesellschaft cur Verbreitung von Bildung unter den Juden in allen grösseren Städten des ]Niederlassungsgebietes zu errichtem- -Wlna. Im „Ssewero Sapainoje Slowo" wird offiziell bekanntgegeben, dass der Gen«ral-Gouverneur von Wilna im Einverständnis mit dem Ministerium des Innern den Juden ien freien Aufenthalt in den der Stadt Wilna angrenzenden Ortschaften Kaminj, Nowy Swjet, Lipowka, Nowy <*orod, Bellematte und Pospeschka gestatte. Diese Erlaubnis beweist aber nur, wie schwer es unseren Volksgenossen im Niederlassuagsgebiete fällt, sogar ihre beschränkten Wohnrechte vollauf geniessen zu können. Denn die genannten Ortschaften gehören der Stadt Wilna an, wo die Juden unbeschränkt wohnen dürfen. Allein die lokalen Behörden legten das Veil>ot der jüdischen Ansiedlung auf dem flachen Lande so aus, dass sie auch aus diesen Ortschaften verwiesen wurden. Und es bedurfte einer Verfügung der höchsten Behörde im Gebiete, um den Juden ihr gute s Recht wiederzugeben. Vfilna. Der „Ssewero Sapadmoje Slowo" berichtet über einen Worfall, der in seiner Rohheit vereinzelt dasteht, aber auf die Lage unserer Brüdeir merkwürdige Streiflichter werfen dürfte. Der Polizei aufseh er des vierten Bezirkes des Wilnaer Kreises, Putschkosrskij, passierte auf einer Amtsrei.se das Gut Woronka, Hier erblickte er den Zimmermann Leib Golub, de* dort Arbeiten verrichtete. Er fragte den armen jüdischen Handwerker nach seinem Reisepässe. Da Golub seinen Pa»ss zu Hause vergessen hatte, liess der Pristaw (Polizeiaufseher) ihn verhaften. Hierauf setzte sich dezr Polizeibeamte in seinen Wagen und ordnete an, dass der Verhaftete von einem Bauern ihm nachgeführt werde. Ohne Widerrede fügte sich Golub dieser Weisung. Da er a.ber ein alter Mann war, rar mochte Golub mit dem Wagen des Polizeiaufsehers nicht Tempo zu halten. Durch Schimpifworte wollte der wackere Polizeimeister den armen Juden atim Schnelllaufon anspornen, als aber dies nicht half, sprang er vom Wagen mnd suchte den alten Mann durch E?sustschläge auf den Rücken und Peitschenhiebe auf den Kop-f anzueifern. Als aber auch dieses drakonische Mittel ohne Erfolg blieb, befahl der Pristaw dem Bauern, den Verhafteten am Barte in die Polizei Verwaltung zu schleppen. Und so wurde d^r aLUMann auf der Landstrasse geschleift und blutüberströmt Dach dem Polizeihause gebracht, Dort überfiel der Pristaw den armen Juden nochmals und schlug ihn mit den Fäusten ins Gesicht ...... Infolge der Beschwerde des Juden Golub wurde der russische Polizeiaufseher zu einer vier wöchentlichen Kerkerhaft T-erurteilt . . . Aber dieses Urteil dürfte die unter der christlichen Bevölkerung Russlands verbreitete Ansicht von der völligen Rechtlosigkeit der Juden kaum erschüttern ... Petrowsk (Dagestan-Gebiet). Wieder „Tiüisskij Listok" meldet, hat der Gemeinderat von Petrowsk die Ausfolgung von Kandels- und Gewerbescheinen an die Juden dieser Stadt eingestellt, weil die Behörde des Dages.Un-Gebietes in Erfüllung der Entscheidung des Senates die Ausweisung sämtlicher in Petrowsk wohnenden Juden abgeordnet hat. Den z «r Ausweisung Bestimmten wurde eine dreimonatliche Frist zur Liquidierung der Geschäfte gewährt . . . Gt. Warschau. Diese Tage wurde hier ein4 rührende erwähnenswerte Feierlichkeit begangen. Gerade vor zwölf Monaten ist einer der besten jüdischen Schriftsteller A. Seh. Friedberg (Har-Schalom) zu «Grabe getragen worden. Und nun versammelten sich an sdnem Grabe zu seiner ersten „Jahrzeit* viele Freunde un d Verehrer des Verstorbenen, die hebräischen Schriftstell ei, und zwar um das Grabdenkmal, welches ihm zu Ehren errichtet wurde, zu wdhen. Das Denkmal ist nachdem ModelLdes Denkmals des bekannten, in voller Jugendkraft gestorbenen russischjüdisdien Rechtsgelehrten und Publizisten Orschanski auegeführt worden, das seinerzeit von A n t okolski entworfen wurde. An dem Grabe sprach ier älteste der Warschauer hebräischen Literaten Herr S. P. ]£a b in o wifc s c h, ein persönlicher Freund des Verstorbenen. Er schilderte mit v armen, inniggefühlten Worten die geistige Tätigkeit des Schriftstellers Friedberg wie auch seine liebenswerte Persönlichkeit. Die besten Werke Friedbar gs sind die poetische Erzählung „Beemek Hoanosim" (ImTale der Zedern), die in einem bilderreichen Hebräuch geschrieben ist un d die „Siehronoth Tbeth Dawid" (Memoiren des Hauses David ).Friedberg war auch ein bewährter, formgewandter lieber* etzer uud Nachempfinder. Er entfaltete zugleich eine emsige Tätigkeit als Lehrer und pädagogischer Schriftsteller. Und die ganze schriftstellerische Tätigkeit F rLe d be r g e war ein Ansfluss seiner glühenden Liebe zum jüdischen Volke, seiner genauen Kenntnis des jüdischen Lebens und seines starken Nationalgefühls. So haben wir in A. Sch. Friedberg nicht nur einen hebräischen Schriftsteller, sondern einen Mitkämpfer in dem Emanzipationskampfe unseres Volktea zu betrauern, P. A 1 m o n i. Odessa. Am 12. d. M. verschied im 43. Lebensjahre einer der Mitausbauer der Odessaer Organisation, Mitbegründer der ersten zionistischen Synagoge „Jabne", früherer Vorsitzender des Odessaer Vereines „Bnei Zion", Teilnehmer an den ersten „Chowewe-Zionkonferenzen", Herr Jakob Goldstein. Nach dem ersten Baseler Kongresse begann er den Zionismus durch zündende Reden und Artikel zu propagieren. Charakteristisch für seine Tätigkeit ist die Tatsache, dass er in einer der grössten hiesigen Synagogen (Ekaterininskaja), wo zionistische Redner nicht zugelassen wurden, am «Osterfeste 1899, bei überfüllter Synagoge, sich während der ÄSchmoina-Essre"-Stille" auf die Bank stellte und ungeachtet der Proteste der Synagoger-Vorstände eine zündende zionistische Rede hielt. Der Eindruck war ungeheuer. Die Odessaer Zionisten, wie auch diejenigen von Kischinew haben dem Verstorbenen ^iel zu danken. Herr Professor Sap.eschko (Christ) verzichtete auf sein HonoT&r für die Behandlung, als er erfuhr, welche ideale Persönlichkeit er vor sich hatte. Im Namen, aller Odessaer Zionismen sei ihm und dem edlen Dr. Se\ara für die aufopfernde Pflege des Verstorbenen hiermit unser herzlichster Danlc ausgesprochen. Ein grosser Teil der zionistischen Organisation stellte sich trotz des Werkeltages zum Begräbnis ein. Voran schritten die Chedarina der Vereine „Iwrim" und „Beiss-Zion" und die SchuLe Dr. Awinowitkkis, dann folgten die Vorstände der Frauenvereine, darauf die Vorstände der Mann er vereine und endlich die zionistische Organisation, je drei Personen in eimer Reihe (über 1000 Mann). Die Leiche des Verstorbenen wurde in die Synagoge „Jabn^ getragen, wo zuersl Dr. Sapir und dann Dr. Awinowitzki dem Verstorbenen warme, herzliche Worte nachsagten. Darauf bewegte sich der Zug in derselben Ordnung dem Friedhöfe zu, wo noch mehrere Reden gehalten wurden. Die Kischinewei" Zionisten sandten ihren Vertreter; auch der Vorsitzemde des Chersoner Zentralvereines, HeirTs c h er t o k, war anwesend. Dank den von uns gewählten 10 Ordnern,