Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 16 (17.4.1903)
- Article
- Wien. Hilfsverein für die notleidende jüd. Bevölkerung in Galizien [Nachricht]
- Date
- 1903-04-17
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316013-3316037--39455-3331572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8 „KMfr.,.^ WfcÄÖ* Nr. 16 sich mit sehr ansehnlicher Mitgliederzahl die Ortsgruppe „Gablonz". In den Vorstand wurden gewählt die Herren: RabDiner Dr. Hermann Baneth, als Obmann, Adolf Schindler als Obmann-Stellvertreter, Isidor Unger als Schriftführer und J. E p s t ein als Zahlmeister. Um die Bildung dieser Ortsgruppe haben sich in hervorragender Weise die Herren Dr. Emil H o tm a n n, Rabbiner in Reichenberg und Dr. Hermann B a n e t h, Rabbiner in Gablonz, verdient gemacht. Die Ortsgruppe zählt jetzt schon 70 Mitglieder. Am 26. März d. J. fand die konstituierende Versammlung der Ortsgruppe „Pilsen und Umgebung* statt. In den Vorstand wurden gewühlt die Herren: JUDr. Josef Schanzer als Obmann, Alfred Erben als Obmann-Stellvertreter, Wilhelm Arnstein als Schriftführer, Leopold N e u m a n n als Schriftführer- Stellvertreter, Moritz Blei er als Kassier und Adolf Burg als Kassier-Stellvertreter, Die Bildung dieser Ortsgruppe ist dem Einflüsse und den ausdauernden Bemühungen des von den anderen Herren, die in den Vorstand gewählt, wurdes, bestens unterstützten Herren Doktor Josef Schanzer zu verdanken. Die Zahl der Mitglieder ist jetzt schon auf 88 angewachsen und wird noch auf einen namhaften Zuwachs gerechnet. Der Israelitische Humanitätsverein „Union" B'n ei B'rith in Pilsen hat anlässlich des zehnten Jahrestages seiner Gründung dieser Ortsgruppe eine Spende von K 20J gewidmet. Den Herren Dr. Simon Stern, Rabbiner und Dr. Adolf Anspach, Kultusvorsteher in Saaz ist es zu verdanken, dass daselbst 52 Mitglieder mit ansehnlichen Beiträgen gewonnen wurden. Die Mitglieder haben sieb vorläufig noch nicht konstituiert. Der Hilfsverein zählt jetzt 41 Ortsgruppen mit zirka 4000 Mitgliedern. Demnächst werden sich die Ortsgruppen: „Böhmisch-Leipa", „ Pardubitz *, „Olmüiz", „Prossnitz" und „Jägerndorf" konstituieren. Wien. In der Lehr mittel-Ausstellung, die gegenwärtig im Museum am Stubenring zu sehen ist, sind in der Abteilung „Keligion" einige interessante Objekte ausgestellt. Der erste Raum, der Lehrmittel des katholischen Religionsunterrichtes aufweist, zeigt eine Anzahl interessanter Bilder aus Palästina (meist aus dem Verlag Pichler), so Tiberias, Jerusalem, Nazareth, Bilder des salomonischen und herodianischen Tempels, ein Bild des toten Meeres etc. Die jüdische Ausstellung besteht fast ganz aus Objekten des Museums für jüdische Altertümer. Auch hier gibt es eine Anzahl von Reproduktionen biblischer Bilder, wie Ruth und Boas (Schopin), die Vernet'sche Judith, Simson, Salomos Richterspruch, Menasse, Ben Israel etc. Auch ein Bild des Berges der Seeligkeiten (Bergpredigt) ist zu sehen. Nächst den Kupferstichen sind es besondeis die Bilder der Illustrationen der Hagadah von Sarajevo, die prächtigen acht Aquarelle zum „hohen Lied" und die Palästinakarte von Löwi, die Interesse erwecken. Betritt man die protestantische Abteilung, so fällt vor allem das vier Meter frosse Panorama von Jerusalem und das Hohepriesterbild /2 natürliche Grösse) ins Auge. Beide stammen aus der reichen Sammlung des Prof. William H. Hechler. Dann sieht man Modelle der Stiftshütte, der beiden Tempel, Jerusalem zur Zeit Davids, Salomos, Christi und das heutige Jerusalem. Interessant sind auch die beiden Hieroglyphen-Bibeln und die ebenfalls von Prof. Hechler ausgestellte Reproduktion der Warnungstafel aus dem Tempel zu Jerusalem. (Wir bringen eine bildliche Reproduktion dieser Tafel.) Der Besuch der Ausstellung ist daher schon in Anbetracht dieser Teile für jüdische Kinder und Lehrer interessant. Deutschland. Berlin, Wie sehr der vor wenigen Monaten begründete ,Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" einem tief empfundenen Bedürfnis entspricht, wird durch die erfreuliche Tatsache erwiesen, dass ihm bereits jetzt ohne persönliche Propaganda — jährliche Beträge in der Höhe von 7.040 Mk. zu Gebote stehen. Die Gemeinden Berlin, Frankfurt a. M. und Breslau haben jede 1000 Mk. gezeichnet, 30 andere Gemeinden Beträge je zwischen 200 und 8 Mk., der Deutsche Israelitische Gemeindebund ist mit jährlich 200 Mk., mehrere Bne-Berith-Logen und viele Vereine für jüdische Geschichte und Literatur sind ebenfalls beigetreten. Die bereits zugesagten Zeichnungen verschiedener Gemeinden und Vereine stehen noch aus. An 200 Privatpersonen haben sich angeschlossen — hier steht der Propaganda freilich noch ein weites Feld offen. Am 21. und 23. April wird der Ausschuss tagen, um nunmehr die Tätigkeit des jungen Vereines zu beginnen. Berlin. Der Verein Israelitisches Heimathaus und Volksküche, Gormannstrasse 3, begründet von Hermann und Johanna Abraham, hielt am 31. März seine Generalversammlung ab. Darnach sind im letzten Geschäftsjahr 19G2 verteilt worden: I. In der Volksküche: 1. Mittägsportionen von lü—20 Pf. 40.028Portionen, unentgeltlich 7907 Portionen; .zusammen 47.935 Portionen. 2. Abendportionen von 10—20Pf. 13.254 Portionen, unentgeltlich 5542 Portionen; zusammen 18.796 Portionen; das ist im ganzen 66.731 Portionen. iL In der Kochschule: 1. Mittagsportionen von 10—40 J?f. 33.325 Portionen, unentgeltlich 10.599 Portionen; zusammen 43.924 Portionen. 2. Äbendportionen von 10-30 Pf. 14.305 Portionen, unentgeltlich 8070 Portionen; zusammen, 22.375 Portionen; das ist im ganzen 06.299 Portionen oder in der Volksküche und Kochschule zusammen 133.030 Portionen, Während des Berichtsjahres bildete die Anstalt 18 Köchschülerinnen aus* Das Altenheim beherbergte im Jahre 1902 durchschnittlich 48 Greise beiderlei GescMechts. ImMädehenheim fanden 119 junge Mächen ihr Unterkommen^ Von diesen waren: 20 Schneiderinnen, 25 Verkäuferinnen, 2£ Wirtschafterinnen, 10 Schülerinnen der Handelsschule und Akademie, 2 Kassierinnen, 3 zur Kur hier, 2 Pflegerinnen, 1 Expedientin, 11 Buchhalterinnen, 1 Kunkelstepperin, 3 Putzmacherinnen, 4 Lehrerinnen, 2 Stenographistinnen, 3 Musikstudierende, 6 Lehrmädchen, 2 Zigaretten- Arbeiterinnen, 2 Zuschneiderinnen. Potsdam. Die Frage des SchächtsVerbotes auf dem städtischen Schlachthofe zu Potsdam beschäftigte am 3. April abermals längere Zeit die dortige Stadtverordneten- Versammlung, nachdem früher der Magistrat durch Beschluss der Versammlung ersucht war, die Schlachthofsordnung dahin abzuändern, dass das Schächten nicht mehr gestattet sei. Der Magistrat war diesem Beschlüsse bisher nicht nachgekommen, weil er zunächst erst eine Oherverwaltungsgerichts-Entscheidung, die in derselben Angelegenheit die Stadt Angermünde betrifft, abwarten will, hiergegen wandte sich der Bauunternehmer E n d e r s, der beantragte, den Magistrat im Klagewege zur Ausführung des Stadtverordnetenbeschlusses zu zwingen. Nach längerer Debatte, die diesmal leidenschaftslos geführt wurde, beantragte Geheimer Regierungsrat Hinze namentliche. Abstimmung über den Antrag, zog den Antrag aber auf Veranlassung des Stadtverordneten Töpfer, welcher der Sache keinen politischen Anstrich geben wollte, zurück. Schliesslich wurde ein Antrag des Justizrates Dr. Friedländer, die Sache bis zum 15. Juni zu vertagen und das Urteil bezüglich Angermündes abzuwarten, mit 20 gegen 17 Stimmen angenommen, Aschersleben. Am 1. April, an welchem das neue Fleischbeschaugesetz in Kraft getreten., wurde dem hiesigen Vorstande der israelitischen Gemeinde vom Magistrat der Stadt amtlich mitgeteilt, dass nach Magistratsbeschhiss das Schächten im hiesigen Schlachthofe vom 1. d. M. verboten sei. Der Vorstand wird gegen diesen Beschluss Schritte tun; ob dieselben aber von Erfolg sind, ist sehr fraglich, da der hiesige Schlachthofdirektor von Seiten des Heidelberger Tierschutzvereines im Sinne des Schächtverbots bearbeitet wurde. Auf den Ausgang ist man sehr gespannt Hannover. Der unter Leitung der Frau Landrat^bines Dr. Gronemann stehehende „Verein ehe m a 1 i g e r Religions-Schülerinnen der Synagogen- Gemeinde Hannover41, welcher vor zirka 13 Jahren begründet wurde, hat mit seinen geringen Mitteln eine überaus segensreiche Tätigkeit entwickelt. Besonders hat der Verein seine Fürsorge den zu Hause unbeaufsichtigten Schülerinnen der mit der Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer verbundenen Uebungsschule zugewendet. Die Kinder, zur Zeit etwa 30, wurden an drei Nachmittagen der Woche in einem zu diesem Zwecke von dem Herrn Seminar- Direktor zur Verfügung gesteilten Schulzimmer mit Milch und Brötchen erfrischt, bei den Schularbeiten beaufsichtigt und nach Erledigung derselben zu fröhlichem Spiele angeleitet. Der Erfolg dieser Beaufsichtigung war, dass die Leistungen der Kinder in der Schule bessere sind und ihr Betragen gesitteter wurde. Seit ' Jahren werden ausserdem während der Sommer-Ferien mit denjenigen. Kindern, die nicht nach ausserhalb in die Ferienkolonien gesandt waren, täglich Ausflüge gemacht und, nachdem sie Milch und Gebäck erhalten haben, im Freien .gespielt. Hamburg. Der Andrang der Auswanderer, besonders aus den osteuropäischen Ländern, ist in Hamburg gegenwärtig so stark, wie kaum zuvor. Die Äuswandererhallen genügen nicht mehr zu ihrer Unterbringung, so dass ein ausser Betrieb stehender Dampfer als LogierschifT eingerichtet werden musste. Welche Aufgaben angesichts solcher Verhältnisse der jüdischen Wohltätigkeit erwachsen, erhellt aus der Tatsache, dass der »Israelitische Unterstützung-Verein für Obdachlose* ah manchen Tagen der letzten Wochen zwischen 400 und 500 personeh 'für