Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 16 (17.4.1903)
- Article
- Dringende Bitte an meine Glaubensgenossen in Wien
- Date
- 1903-04-17
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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^#^"weit€ß Seite 7 ^fcre *lü glücMi^ Brüder zu *8inxer;wlftr$i{. ßälämität ^:;Wer(ienfdt'^^b; sp hat dennoch;ludisfeiies Mftgefätil uütf jederzeit noch 'blsh'elr'liÖttfei^ und? Äuöwege gefundeBf, 'dieseii Armen weiterzuhelfen, bis sie eine Stätte gefunden, wo sie den1 Daseinskampf aussichtsreicher als früher aufnehmen können. Wenn mmn auch die giossen jüdischen Hilflsgesellschaften bemüht Bind, diesen vielen Tausenden zu helfen, so genügt ihre Beihilfe dennoch nicht, dem Massenelend, das diese Menschen mit sich schleppen, zu steuern. Wie überall, wo eine Musenkalamität entsteht, muss die private Wohltätigkeit mit einsetzen« Leider hat diese private Wo hl täti gkeit^sich in Wi^n nicht in dem Masse entfaltet, Wiedas notwendig und möglich gewesen wäre, um <üe Klagen der armen, durch Wien passierenden Emigranten verstummen zu machen* Während diese Auswanderer über die ihnen in Budapest zuteil werdende Beihilfe voll Lobes sind, beklagen sich alle in Basel, Paris, Bremen etc. eintreffenden Emigranten, dass in Wien sich uiemand ihre?r annehme. Es bedarf gewiss nur dieses Hinweises,, um auch in Wien edir Hilfskomitee erstehen zu sehe»., das, wie in Bremer,, Basel, Paris und Havre, die unglücklichen Auswanderer empfängt, bewirtet, bekleidet, geleitet und beratet Durch ehe solche Organisation würde uns. unser Hilfswerk ia den Durchgangsstationen ausserordentlich erleichtert werden. Darum wende ich mich, auch namens imeiner Freunde in Breinum, Basel etc. an euch, meine Brüder und Schwestern, mit der herzlichen Bitte, in eurer Stadt ein Hilfskomitee zu rer-ricJhier. Du' jüdischen Mütter und Frauen, die ihr eure Kinder In einer sicheren Heimstätte vor Fat und Elend geschützt wisset, nehmet euch der armen jüdischen Mütter, die heimatlos durch eure Tore ziehen, liebreich an, schon um ihre? unschuldigen-Kinder willen, die mit ihren Eltern durch «tue lieblose Fremde ziehen müssen. Und ihr, jüdischen T»ter und Männer, die Ihr selber Obdach, und Heimat geniessfct uod euren Familien Nahrung und Kleidung Meten könnt, entziehet euch nicht euren Brüdern und stehet ihnen bei für die kurze Zeit, in der ade eurer Gastfreundschaft bedürfen. Kleidet diese Nackten, speiset diese Hungrig, tröstet diese Niedergebeugten, nehmet euch dieser Verlassenen liebreich an. Denn nidib nur als Angehörige einer altehrwürdigen Gemeinde, sondern auch als Juden lubfc ihr diese Edelpüicht zu erfüllen, Dass ihr sie gerne und reichlich erfüllen werdet, dessen sind wir alle, in deren Namen ich zu euch spreche, gewiss. Dr. med. Arthur Kahn, Bonn a. Rh. * Anregung für den Nationalfonds. Sehr geehrter Herr Redakteur! G&statten Sie, dass ich unseren werten Verwalter des -Nationahfonds aufmerksam mache, dass man die Zahl der im „Goldenen Buche* Eingetragenen leicht vergrössern könnte, wenn man wenigstens zweimal jäMich Auszüge der Nanieoi der Vereine und Gesinnungsgenassen, die im „Goldene» Buche" schon eingetragen sind, an alle Ortsgruppen versenden würde. Es wird meiner Ansicht nach als starke Agitation dienen. Icli hoffe, dass Sie diesen Vorschlag in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen werden. Im Voraus bestens dankend hochachtungsvoll Koto. J. Wilner. *. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Ifor. 13920) bietet d«e3i P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste ffi3i. Brieflicher oder telephoriischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualifizierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen, zu erhalten. Ami 11. April 1903 standen in Vormerkung: I. Klasse. Ma nüelle Ar b e it ex : 7 Anstreicher, 4 Aufpapper, 7 Bäcker, S Buchbinder, 2 Drechsler, 6 Elektromonteure, 6 Fleischhauer, 3 Friseure, 6 Glaser, 8 Goldarbeiter, 28 Hausknechte, G^chäfts- und Bureaudiener, 34 Hilfsarbeiter, 4 Hutmach«F3 4 Kellermeister, & Kellner, 3 Kürschner, 5 Kutscher, L Laufbursche, 7 Lehrlinge, 2 Magazineure, 3 Maschinisten und Heizer, 4 Metallarbeiter,. 16 Monteure. 43 Schlosser, £ Schmied«», 5 Schneider, 4 Schriftsetzer, 7 Schuhmacher,- 13 Spengler, 1 Ätiailmeister, 13 Tapezierer, 4 Taschner, 15 Tischler, 7 ülirmacher, 2 Zeichner, 5 Zimmeimaler, 2 Ledergälanterieärberter, 1 Krankenpfleger, 2 Lithographen, L Werkmeister für Margarine, 2 Photographien, tüchtige und v e rr las s Ii che Hausbesorger. II. Klasse. Kaufmännische Angestellte: 4 Branntweinverschleisser, L2 Buchhalter und Korrespondenten, 128Kommis diverser Branchen, 58 Kontoristen und Strazzisten, 5 Inkassanten, 17Xanzlisten und Schreiber, 6 jtomipulanten und Expedienten, 6 Platzagenten und -Vertreter, 3 Reisende» Weibliche Abteilung: 4 Bonnen, 40 Kontoristiiuien und Kanziistinnen, 12 Espedien tinnen und Man i pul an innen, 1 Hilfsarbeiterin, 1 ICassafräulein, 15 Praktikantinnen, 59 Verkäuferinnen, 5 Verschleisserinnen, 10 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausifrau. III. Klasse. Geistig* ArbeH: 44 Hauslehrer und Hofmeister (meistens Hochschüler, welche Gymnasiasten und Realschüler unterrichten), 5 Lfclirerinnen. Das ßureau des Vereines hat seit seiner Eröffnung im November 1899 bis inklusive 11. April 1903 0210 Vermittlungen durchgeführt, und zwai: 2854 in der I. Klasse (manuelle Aroeiter), 1479 in der iL Klasse (Handelsangestellte), 1750 in der weiblichen Abteilucg, 127 in der III. Klasse (geistige Arbeit), Jüdisch-nationaler Arbeiter-Verein. Einladung zu d«em am S o n n t a g den 26. April, bei ungünstiger Witterung am .3., respektive 10. oder 17. Mai stattfindenden Grossen Ausflugsfeste nach H ü 11 e 1 d o r f - ICm ö d e 1 hü 11 e verbanden mit heiteren Vorträgen, Gesang, Damen-Preiswettluifen, Sacklaufen, Topfschlagen, Gesellschaftsspielen, KorUndoli etc. und Tanzkränzchen. — Aenderuogen im Programm vorbehalten. Zusaiiimenkunft 2 Uhr im Vereinslokale, XIV., Ullmannstraeaa 31, Hauerhof, 10. Stiege. — Im Falle ungünstiger Witterung findet dortselbst während des Sommers der . Tanzkurs statt. Karten ä 30 h sind im Verein slolcal jeden Sonntag beim Tamlcurs, jeden Montag und Donnerstag bei den Turnabenden von 7—9 sowie im Cafe „Schwenderhof zuhaben, * Professor Dr. Moriz Lazarus b% Einer der grössten Männer der Wissenschaft, der Stolz des jüdischen Volkes und lessen treuer Sohn, der berühmte Philosoph Geh. Regierimgsrat Prof. Dr. Moriz Lazarus ist nach langem uni schwerem Leiden im Alter von 79 Jahren zu Meran (Tirol) in seiner Villa Ruth gestorben. Seine Frau, die bekannte Schriftstellerin Nahida Ruth Remy, die ganze gebildet» Welt, und am meisten die g-anze Judenheit, betrauern seinen Tod. — Friede seiner Asche! Korrespondenzen und Telegramme. Oesterreich-Ungarn. Wien. In der Mittwoch den 15. April abgehaltenen Versammlung des Kultusvorstandes wurden, wie man bereits seinejseit bei Beginn der Probepreiigt-Komödie mitzuteilen in dfer Lage war, die Herren Di- David, Dr. Feuchtw a n g und Dr. Grunwald zu Rabfcinern in Wien gewählt. Die ganze, unsäglich anwidernde Farce der sogenannten Rabbinerwah 1 hat damit den ihr«- und ihrer Regisseure würdigen Abschluss gefunden. Sie sind eioander vollkommen würdig — dieser Vorstand und diese Rabbiner. 'Wien. Hilfsverein für die notleidende |(id. Bevölkerung in Galizien. Die Entwicklung und Organisierun g dieses Vereines macht erfreuliche Fortschritte. Am 24. März 1. J; konstituierte