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Die Welt · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · p. 27

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Article
Jüdischer Gesangverein "Schir Zion"
Date
1903-04-10
Page
27 (sequence 2)
Language
German
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— 27 — Mit starker iiaad will es dich selbst sein Schicksal schmieden. Und dieser Wille, der die besten Kräfte auslöst, der den Starken begeistert und den Sch^ achen ermutigt, er belebet aufs neue — die jüdische Kunst. Nicht flehentlich und klagest!, wie ehedem, voll banger, scMkhterner Hoffnung, nein, kraflbewusst und hoff nun gsfr endig ertönt heute das j ü di sch e Lied. Und dieses Lied eingedenk seines hohen Wertes zu pflegen, hat sich der Jüdische Gesangsverein „Schir Zion" zur wesentlichen Aufgabe gemacht Wer itns in Erfüllung dieser Aufgabe unterstützen will, wen der Gesang erfreut, wer SLnn und Verständnis für die edle Kunst des Gesanges bei unserer Volksgenossen vreeken und nähren wil'J, der sclüiesse sich uns an! Wien, im März 1903. Für die Vereinsleitsang : L e o]>. S it z m an n, Herin. Reisberg, Obmann. Schrjftführer. ing. Emil Fried, Dr. Arthuir Immerglück, Sangräte. Uebutkgen unter Leitung des Chormeisters Herrn Prof. LoeTrenstamm jeden MitU-och ab 3/48 Uhr abends, UebüDgslokal: „Bureau des Zionis-Un-Kongresses", IX., TürkeEsferasse 9. Aufnahme und Anmeldungen bei den Uebungsab&aden. jüdischer Nationalfonds. Das Goldene BucfcL Verein „S c h o 1 e m Zi o nÄ in L e n in . . .Pfd.St. 10.— Von der Arbeitern der Paretzkischen Fabriken....... . . . Kronen 252.-— Sectia ,Benoth Zion Est»raÄ in VasLui (Komitee: J. Isepoivici, T. Laxer, R. Segall, R. Segall, S. Gall, R L&eser, J. Seifer, A. Alterovici, O. Cohen, Cl. Gross)...........Lei 253.— A.Bernstein............ . . . Kronen 252.— Verein „ZLon" in Nadworna . . . . ... „ 240.— Verein „A^udas Zion" in Winnifcza ... „ 239.70 Verein „Bk ei Zio ntf in Winnitza .... , 239.70 „Thora iVl'Zion" in Tg.-Neamtz..... „ 239.70 Zum Andenken an Johanna Neutnirger, geb. Grinker, gestorben am 7. Februar 1899 in Lioau............. „ 240.— Richtigstellving: In Nr. 10 soll es statt Nissenbein richtig Nissenbaum beissen. In Nr. 8 soll es statt Leiser MoscLkowitz richtig heissen : Leiser Moschkowitz A feldmann, gestorben am 9. November 1*902 im 70. Lebensjahre, Laut einer testamentarischen Verfügung. Frau Katharina Brüll Dienstag, 10. Nissan (7. April) ist nach langem schwerem Leiden Frau Katharina Brüll in Wien gestorben. Sie entstammte »einer hoehangesehenen jüdischen Familie in Prossnitz (Mähren), die der dortigen jüdischen Gemeinde eine grosse Zahl der herverragendsten Männer gesehentt hat. Die Verewigte war eine geistvolle Frau, deren innige Liebe zur Musik auf ihrem Sohn, den rühmlichst bekannten Komponisten Ignaz Brüll, überging. Mit unendlicher Liebe war sie ihrem Volke ergeben. Es gibt wenige Frauen, die mit gleicher Begeisterung dem Zionismus anhängen, wie die Verstorbne es getan. Noch auf ihrem Totenbette, als sie schon ihi Ende herannahen fühLte, bat sie, man möge für sie den Schekel entrichten. Allen Fortschritten unserer Bewegung folgte sie mit freudiger Teilnahme und die Berichte über die Kongresse Las sie nicht nur, sie studierte sie förmlich. Es war ihr eine hohe Genugtuung, ihren Söhn für die zionistische Bewegung gewonnen zu haben, und zu ihren grössteH Freuden zählte sie es, wenn Ignaz Brüll einen jüdischen oder zionistischen Text vertonte. Leider war sie schon lange durch schwere Krankheit ans Bett gefesselt. Der Tod bedeutete für sie die Erlösung von den Qualen, die sie mit seltener Standhaftigkeit und Ergebenheit ertrug. A_n ihrer Bahre trauert nicht nur ihr Sohn, nicht nur ihre Enkelin —die Frau des Aktions-Komitee-Mitgliedes Oskar Marmorek — sondern auch eine grosse Anzahl von Freunden und vor allem die zionistische Organisation Wiens, 4er sie seit deren Entstehen angehörte. Möge die Erde ihr leicht sein! $fas de* J|e^eg(ii)$. Gedenket des Schekeis! Wiin. (Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulim".) Sonntag* den 22. März hielt Herr Dr. Sieglnund Werner im Schulsaale der israelitischen Kultusgemeinde einen Vortrug über „DieFrauen und die Krankenpflege", Der Redner beklagte es, dass im Gegensätze zu Deutschland, wo aus cten besseren bürgerlichen Kreisen, sowohl christlichen wie jüdischen, so viele junge Mädchen sich dem Berufe der Krankenpflege widmen, wir in Oesterreich in dieser Beziehung noch sehr weit zurück seien. Der Vortragende kamdannmuf die hingebungsvollen Bemühungen der Frau Henriette Weiss zu sprechen. Der Vortrag bot einen historischen UeV&rblick der öffentlichen Krankenpflege seit den ältesten Zeiten bis in die jüngste Zeit. Mit diesem Vortrage schloss der Verein die Vorträge dieser Saison. .Die Präsidentin Frl. Gisela K o hn besprach nochmals die segensreiche Tätigkeit des Vereines und bat um allseitige Unterstützung. Eine grössere Anzahl von Damen trat an diesem Nachmittage <tam Vereine bei. M. B. Karlsbad« (Einz elverein „Zion*, Rezitation sabend.) In unserem Vereine (Hotel „Terminus") rezitierte am Sonntag den 29. März vor einem äusserst zahlreichen und distinguierten Publikum Herr Schauspieler Egon Brecher vom Staittheater in Eger „Das neue Ghetto* von Theodor HerzL Mit bewundernswerter Meistarschaft und grossartiger Technik verstand es der Vortragende, jede einzelne Figur des Stückes plastisch und lebendig vor dem geistigen Auge der Zmhörer erstehen zu lassen, und liielt so alles von Anfang bis Ende in gespannter Aufmerksamkeit. Das Stück übte sichtlich einen tiefen und nachhaltigen Eindruck, der sich nach den einzelnen Aktschlüssen und auch an manchen anderen Stellen in minutenlangem Applaus äusserte. Kolin. Das vomHiiesigen Vereine ,Z i o n" am 15. d.M. veranstaltete Purimi-Kostümkränzohen nahm einen glänzenden Verlauf. Der Saal war durch kolossale, eigene zu diesem Zweoke gemalte Wandbilder, Landschaften aus Palästina darstellen d„ prachtvoll dekoriert, der Besuch ein ungemein grosser, so» dass trotz der ziemlich hohen Kosten ein Reinerträgnis erzielt wurde. Für den Nationalfonds wurden bei diesem Anlasse durch die Fräuleins Frieda Eisner, Irene Fried und die Herren Münk und Bauer 52 Kronen gesammelt. Horazdowjtz. Am Abend des 12. März fand in den Räumlichkeiten des Inesigen Kultusgemeindehausea anlässlich des Purimfestes eine ebenso gelungene wie erhebende Feier statt, an welcli-er sich die gesamte jüdische Schuljugend, der Vorstand der Kultusgemein de und der Chewra Kadischa mit ihren Damen, sowie die meisten Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde beteiligten. Der grosse Lehrsaal war zum Erdrücken voll. Um 8 Uhr eröffnete Herr Rabbiner Friedmunn als Veranstalter die Feier, indem er die Erschienenen hegrüsste, die Bedeutung des Purimfestes erklärte und den Zweck der gegenwärtigen Feier ausführlich schilderte, worauf dann der Schöna Choral ai-rH'»*? von ^en SchtiLkindern sehr wirkungsvoll vorgetragen wurde. Auf Ersuchen des Redners übernahm Herr Kultusvorsteher Gottlieb K o h n den Vorsitz und entledigte flieh seiner Aufgabe mite gewohntem Takte und grossem Geschicke. Die zum Vortrage gebrachten Piecen erfreuten sich seitens des zahlreichen Publikums eines ungeteilten Beifalls und die jugendlich»n Sänger und Rezitatoren wurden mit stürmischem Applaus ausgezeichnet. Nachdem die Kinder mit Backwerk, Gefrorenem und Spielsachen aus der reichbeschickten Tombola beteilt worden, wurden dieselben nach Absolvierung des Programmes nach Hause geleitet. In zwang-

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