Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 15 (10.4.1903)
- Article
- Die Millionen des Baron Hirsch
- Date
- 1903-04-10
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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— 15 — und wenn die Hirsch-Kornitees wirklich über die Frage aufgeklärt sein wollen,, so können wir alle zusammen darüber beraten. Es ist eines erfahrenen politischen Schriftstellers wie Mi: Lucien Wolf unwürdig, zu spötteln, weil delikat« Versuchs-Verhandlungen noch nicht der Oeffentlichieit übergeben werden. Schliesslich nimmt Mr. Wolf zu der Behauptung Zuflucht, dass der ßarun Hirsch „die ganze Bewegung missbilligte*. Da aber die ganze Bewegung erst nach Baron Hiichs Tod begonnen hat, sj ist das höchst merkwürdig, Mr-Wolf habe 1894 zweimal die Frage mit ihm besprochen und ihn gegen den politischen Zionismus unversöhnlich feindlich gestimmt gefunden. Der „politischeZionismus* stammt aber erst aus dem Jahre 1897, seit dem Tfongress, der auf den „Ju dens t aa tu des Dr. H e rz 1 folgte. Vor dieser Zeit war er bloss eine poetische Abstraktion. Viel Wasser ist unter der Jordan-Brücke seit dem Jahre 1894 geflossen. Gerade der Unterschied zwischen dem chaotischen Israel vom Jahre 1894 und dem grossorganisierten vom Jahre 1903, das ein Mittel der Einigung im Kongresse besitzt, der in j edem Winkel der Erde zionistische Vereine besitzt, die iereit sind, der Arbeit der Hinüberwanderung beizustehen, gerade dieser Umstand lässt uns wenigstens nautmassen, was Baron Hirsch — der auch in seinem Memorandum Palästina, nicht ausgeschlossen hat—heuzutage denken würde. Als der Oberst Goldsmid, der eigentliche Organisator der Hursch-Kolonien in Argentinien, im Jahre 1902 hinkam, um die Kolonie Garmel, die er gegründet hat, zu besuchen, da kamen ihm 25 Reiter auf ungesattelten Pferden mit der Zionsfahne in der Hand entgegen. Vielleicht würde es der Baron besser verstehen, die Zeichen der Zeit zu lesen, als seine Komitees. Ketzertum. Du willst nicht glatuben, Dass ein Blüten st rauch der Wehmut Auf jenen alten Gräbern liegt, Und nicht verstelio, Warum der Stola der Väter Den Söhnen ist geblieben unbesiegt. Du willst nicht glauben, Dass der letzten Enkel Traum einst nocli zu den letzten Sternen fliegt . . . Und doch: — Auf deiner Stirne trägst du Wehmut, Trägst diesen Stolz auf deiner Lippen Saum, Und magst du spotten uns'rer Sonnenträume — Aus deinen Augen jubelt unser Traum. Wien. Alexander Mercy. Erziehung dar Jugend zum Zionismus/) Von Frau Hermine Hartmann. Wenn man über die Tätigkeit der Frau im Zionismus nachdenkt und disputiert, so hebt man vor allem einen Wirkungskreis nachdrücklich hervor, dem sich gerade die Frauen mit besonderer Aufmerksamkeit und liebevoller Hingabe widmen sollten. Dieser Wirkungskreis heisst: Er- *) Aus dem Berichte der „ Sektion für Kindernachmittage" des Zionistischen Frauen-und Mädchen Vereines Wien XV"* Ziehung der Jugend: zum Zionismus. „Wollt ihr Li« zionistischen Ideen für die Zukunft sichern", heisst es allgemein, „so erzieht die Kinder zum Zionismus*. — Beseelt von dem Willen, in diesem Sinne zu wirken, gingen wir gern auf dem Vorsehlag ein, die Jugenderziehung in uns^r Programm aufzunehmen. Die zu dem Zwecke gesammelten Mittel, zu de nen viele unserer lieben Gesinnungsgenossini ihr SeherfMn beitrugen, wofür wir ihnen nicht herzlkli genug dantaem. können, ermöglichten es uns, 65—80 Kindern eine Chanulra und Purim - Feier, letztere sogar mit (beschenken, uicd jeden Mittwoch sogenannte KindernachmittfLge mit Jause zu veranstalten. Es soll dies Wenige der Anfang einer grösseren Tätigkeit werden, zu welcher uns leiler noch die Mittel fehlen. Vorläufig haben sich auch diese kleinen Veranstaltungen trefflich bewährt. Eitern und Lehrer waren damit einverstanden; denn erstere wussten ihre Kinder an den freien Nachmittagen, während sie selbst beschäftigt waren, gut aufgehoben; letztere aber konnten die Schüler und Schülerinnen durch das Versprechen, sie an der Jause teilnehmen zu lassen, zu Fleiss und guUm Benehmen anspornen. Und was die Kinder selbst anbetrifft, so ist es beskannt, dass sie gern, sehr gern zu uns komm &n, um in angenehmer Beschäftigung die freien Nachmitlsage zu verbringen. Aber nicht nur die armen Kinder! Die kleinen Angehörigen der Damen, die sich für unsere Sa-che interessiertem, waren regelmässig in grosser Anzahl bei uns zu sehen und beteiligten sich mit grösster Freude an «Un Spielen unserer Schützlinge, sowie an deren Belehrung und Unterweisung seitens der Vereinsdamen. Wir legten Gewacht darauf, diesen Verkehr von Kindern der verschiedensten Stände zu pflegen, damit von allem Anfang an das Gefühl der völligem Gleichheit aller den Kindern eingeprägt warde. Es ging aber auch an jedem Mittwoch fröhlich mnd heiter zu. Gesang, Vorlesen und Klavierspiel wechselte mit Deklamationen, Turnen, Gesellschaftsspiel und anderen Spielen ab und wenn die Zeit vorbei war, so gab es ein allgemeines- Bedauern über das schnelle Auseinandergehen. Natürlich wurde unser Hauptzweck, die Kinder in entsprechender Weise über die zionistischen Ideen aufzuklären? streng im. Auge behalten. Vor den Spielen wurde den Kindern entweder eine passende Geschichte erzählt «oder Schilderungen und Reisebeschreibungen aus Palästina vorgelesen, palästinensische Produkte gezeigt und ihnen dabei in einfacher Weise erklärt, was die Zionüsten anstreben Die Kleinen interessierten sich schliesslich so sehr für unser Projekt, dass sie endlich selbst mit Fragen, die von vollem Verständnis zeugten, an uns herantraten und sich gern über die Tätigkeit der jüdischen Bauern in Palästina berichten Hessen. Ich glaube also, wir kaben in diese j angen Seelen Keime gepflanzt, die, wenn sie weiter gepflegt und genährt werden, einmal zu Früchten aufgehen müssen. Ich möchte aber noch einer Hoffnung Raum gfeben, die mir die Tätigkeit, wenn möglich, noch lieber und angenehmer macht. Ich hoffe nämlich, dass unsere Schützlinge zu Hause ihren sorgenvollen Eltern erzählt feiaben von dem Völkerfrühling, der durdi die Lande zieht; und ich hoffe weiter, dass er in den Aermsten FrühlingahÖffnungen erweckt hat auf ein glücklicheres Leben im unserem schönen Zukunftslande, wenn niclit für sie selbst, so doch für ihre Kinder. Und ich glaube, wenn wir weiter nichts erreicht haben, als dass diese Hoffnungen ihnen ihr schweres Leben leichter und lieber mach«», so wäre auoli schon viel erreicht. Wir wollen es aber dabei nicht bewrenden lassen. Mit allen Kräften wollen wbr uns in dem Wirkungskreise weiter betätigen, der da lieisst: „Erziehung der Jugend zum Zionismus6.