Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 14 (3.4.1903)
- Article
- Der I. Zionistentag in Czernowitz [Nachricht]
- Date
- 1903-04-03
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 Die # Welt" Nr. 14 wurde Herr S. Weissglas, zu Stellvertretern die Herren Isidor Schäfer (Sadagöra), Dr. Geller (Kolomea) und Adolf L i p p a (Storozynetz) und zu Schriftführern die Herren cand. jur. Kassner (Senior der akademischen Verbindung „Hasmonea") und Reehtskandidat Kann er (Präses der Ferialverbindung „Bar Kochba*) gewählt. Nach Feststellung der Geschäftsordnung referierte Dr. Men cz e 1 über das Programm und entwarf in grossen Zügen ein Bild von der Bewegung, von der Tätigkeit des Zionismus und seinen Errungenschaften, wobei er insbesondere betonte, dass jede lokale oder wie immer geartete politische Frage von dem Delegiertentage, der sich mit rein zionistischen Angelegenheiten zu befassen habe, ausgeschaltet werden möge, wogegen phil. Balakan (Zephirah) und Genossen für die Betätigung einer jüdischen Realpolitik eintraten, welchen Antrag Dr. Mayer Ebner aufs Wärmste unterstützte. Schliesslich wurde die Resolution Dr. Menczels: Anschluss an die Bestimmungen des IL österreichischen Parteitages, angenommen. Ueber „Organisation" referierte ebenfalls Doktor Menczel und wurde ebenfalls die Annahme des Organisationsstatutes des II. österreichischen Parteitages beschlossen. Ueber „Agitation und Presse" referierte phil. Karl Klüger und beantragte eine gesunde Regelung des Agitationswesens, Gründung jüdischer MädchenundFrauenvereine, Schaffung eines zionistischen Organes und schliesslich und hauptsächlich genaue Regelung des jüdischen Religionsunterrichtes, was Dr, Menczel durch Einberufung eines Religionslehrer-Tages für erreichbar hält. Redakteur Reiner regte die Herausgabe einer unentgeltlichen periodisch erscheinenden Agitationsschrift an. Nachdem noch in sachlicher Weise Herr Weissglas über Wirtschaftsfragen referierte, die erst im Komitee beraten werden, erfolgte die Wahl ins Distriktskomitee, und zwar wurden gewählt die Herren : Dr. Bierer (Radautz), L a n g e r (Suczawa), Weissglas (Zastawna), Schäfer (Sadagöra), Gottesmann (Bojan), Lippa (Storozynetz), Dr. Menczel (Czernowitz), cand. jur. K a s s n e r („Hasmonea") und cand. jur. Holdengräber. Landeskonferenz der ungarischen Zionisten in Pressburg. (Von unserem Berichterstatter.) Sonntag den 22. v. M. fand in Pressburg die erste Delegierten Versammlung der ungarländisehen Zionistenvereine,. einberufen vom provisorischen Landes-Komitee, unter reger Beteiligung statt. Es waren über 30 Delegierte aus allen Gegenden des Landes anwesend. Unter anderen waren die Ortsgruppen Budapest, Besztercze (Bistritz), Klausenburg, Versecz, Nagy-Sa.ro s, Hethärs, Eperjes, Nyitra (Neutra), Nagy-Tapolesäny, Kismärton (Eisenstadt), Nagy - Szombat (Tyrnau) und N ä d a s, die meisten durch mehrere Delegierte vertreten. Der Vorsitzende Dr. Bela O e s t e r r e i c h er aus Neusiedel am See eröffnete die Konferenz mit einer herzliehen Begrüssung der Delegierten und berichtete als Mitglied des grossen A.-K. über den Stand der Bewegung im allgemeinen, über die im Oktober v. J. in Wien abgehaltene Jahreskonferenz, über den Nationalfonds und andere aktuelle Angelegenheiten der zionistischen Bewegung. Samuel Bettelheim (Pressburg) referierte über die Tätigkeit des provisorischen Landes-Komitees und seines Pressburger Bureaus. Er wies auf die Hindernisse hin, die einer gedeihlicheren Entwicklung unserer Bewegung in Ungarn noch immer entgegenstehen und betonte die Notwendigkeit des Zusammenschlusses unserer ungarischen Gesinnungsgenossen in einer straffen Organisation, die hierzulande doppelt nothie. Die Schaffung einer solchen Organisation werde die vornehmste Aufgabe der Landeskonferenz bilden. Im übrigen erstarke auch in Ungarn trotz der vielen Schwierigkeiten der Zionismus immer mehr. Im vergangenen Jahre ist die Zahl der organisierten Ortsgruppen durch Neubildungen vermehrt worden, weitere Ansätze zu Gruppenbildungen sind in den verschiedensten Landesteilen vorhanden. Eine ausgedehnte intensive Tätigkeit habe namentlich der Pressburger Verein „Ahawath-Zion" entfaltet, dessen Mitgliederzahl nahezu 300 beträgt. Der Verein habe sich insbesondere den Vertrieb der Shares unserer Kolonialbank angelegen sein lassen und der in seiner Mitte bestehende Shäre-Klub habe im jüngsten Jahre einen Umsatz von 456 Kronen erreicht. Cand. jur. Siegfried Steiner (Pressburg) referierte über Organisation und verlas nach einigen einleitenden Worten den von ihm verfassten Entwurf eines Organisations-Statuts der ungarländisehen Zionisten. Schuldirektor Adolf Reichenthal (Tyrnau) beantragte die Verschiebung der Spezialdebatte über diesen Entwurf und dessen Zuweisung an einen zehngliedrigen Ausschuss, der dem Plenum nach der Mittagspause Bericht erstatten sollte. Hierüber entspann sich eine lebhafte Debatte. Schliesslich wurde der Antrag Beichenthal" angenommen und in den Organisations-Ausschuss die Herren Siegfried Steiner, Simon H e r z 1 (Neutra), Julius Gabel (Budapest), Jeremias Engel (Nagy-Säros), jur. Gronich (Pressburg), A. Reichenthal, Hermann Steiner, (Nädas), Funk (Pressburg), Fleisehmann (Pressburg) und M. Zobel (Tyrnau) gewählt. In der Nachmittagssitzung erstattete Siegfried Stein er Bericht über die Verhandlungen des Organisations-Ausschusses, welche bis auf einige geringfügige Aenderungen vollinhaltliche Annahme des Entwurfes ergeben hatten. Nach einer lebhaften Spezialdebatte wurde das vom Referenten entworfene Organisationsstatut mit einem von Moriz Zobel vorgeschlagenen Zusatzparagraphen: („Die Landesorganisation der ungarischen Zionisten unternimmt nichts, was irgendwie gegen die religiöse Tradition des Judentums verstösst") auch von dem Plenum dar Landeskonferenz genehmigt. Die hauptsächlichsten Punkte des Organisationsstatuts sind folgende : Sämtliche Zionisten Ungarns bilden eine Landesorganisation, an deren Spitze das Landes-Komitee steht und deren Vertretuogskörper die Landeskonferenz ist. Die Landesorganisation gliedert sich in Zentralvereine,' Ortsgruppen, Vertrauensmänner und nichtorganisierte (keiner Ortsgruppe angehörende) Schekelzahler, Die Zentralvereine haben für die Ausbreitung der zionistischen Bewegung etc. in einem ihnen von der Landeskonferenz zugewiesenen grösseren Gebiete (Landesbezirke) zu sorgen und dem Landes-Komitee hierüber in gewissen Zeitabständen Bericht zu erstatten. Alljährlich haben die Delegierten der Zentralvereine und Ortsgruppen an einem vom Landes-Komitee zu bestimmenden Tage und Ort sich zur Landeskonferenz zu versammeln. Der Beschickung der Landeskonferenz durch die Zentralvereine und Ortsgruppen geschieht in der Weise, dass das Landes-Komitee je 25 Schekelzahlern das Recht der Entsendung eines Delegierten einräumt. Die Mitglieder des Landes-Komitees haben in der Landekonferenz Sitz und Stimme. Das Landes-Komitee ist der von der Landeskonferenz mit der Leitung der Geschäfte betraute Vorstand der Landesorganisation. Es besteht aus einem Präsidenten, einem Vize-Präsidenten, einem Sekretär, einem Kassier und je einem Mitgliede aus jedem Landesbezirke. Ferner ist das jeweilige Aktions-Komiteemitglied für Ungarn ex offo Mitglied des L.-K. Die Tätigkeit des L.-K. besteht in der Unterhaltung eines geregelten Verkehrs mit der Zentralverwaltung und Verrechnung der Schekeleinnahme und der zur Erhaltung der Landesorganisation dienenden Sonderbeiträge etc., in der regelmässigen Berichterstattung an das A.-K. in Wien, in der Entgegennahme und Beratung der von gesinnungsgenössischer Seite ihm zukommenden Anregungen und Vorschläge, in der Vorbereitung und Einberufung der Landeskonferenz und in der Leitung der Delegiertenwahl für den Kongress. — Das Bureau des Landes-Komitees befindet sich in Pressburg. Die Publikationen des L.-K. erfolgen im offiziellen Parteiorgan. fAls solches wurde nach einer stürmischen Debatte die „Ung. Wochenschrift* bestimmt.) Nach Beendigung der Organisationsdebatte referierte Emil Neum ann (Neutra) über Agitation. Er gab auf Grund langjähriger Wahrnehmungen in der zionistischen Propaganda verschiedene sehr beachtenswerte Anregungen, stellte aber keine positiven Anträge. Moriz Krausz (Nagy-Tapolcsäny) beantragte, das Landes-Komitee möge sich mit dem Vorstande des Verbandes „Misrachi* in Russland ins Einvernehmen setzen, damit dieser durch massenhafte Verbreitung seiner hebräischen Agitationsschriften unter den orthodoxen Juden Ungarns die Agitation fördern helfe. Für die Kosten dieser Agitation habe selbstverständlich das ungarische Landes-Komitee aufzukommen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen.