Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 14 (3.4.1903)
- Article
- Jüdische Eltern!
- Date
- 1903-04-03
- Page
- 6 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 14 „Die # Welt04 Seite 7 Kassier, VIL, Linien gas:s«e la; Alexander K a t z, Kassier, VII., Mariahilferstrasse 8; lug. Isidor Löwenbein, Zeugwart, IX., Müllnergasse 3:; Gustav Löbl, VI, Millerg. 42; Richard Politzer, IV«, Grosse Neugasse 14; stud, ing. Emerich L ö w y, IL, Uifere Au garten Strasse 32. Korrespondenzisn und Telegramme. Oesterreich-Ungarn. Wien. „D r i n g 1 i c Ii De eitsantrag desAbgeordneteten Dr. StraueJier und Genossen, betreffend die Einleitung geeigneter Massnahmen zwecks Vorhaltung der königlich rumänischen urii kaiserlich türkischen Regierung zur Erfüllung der denselben in iem Berliner Staatsvertrage auferlegten Verpflichtungen. Seit dem Abschlüsse des Staatsvertrages zu Berlin de 'dato 1878 zwischen Oesterreich- Ungarn, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Russland und der Türk«! hat das Königreich ruimänien, dessen Unabhängigkeit die eben genannten vertragschliessenden Teile unter anderem von der Bedingung der durchzuführenden Rechtsgleichheit aller in Rumänien lebenden Konfessionen auf bihr^erlichem, politischem und wirtschaftlichem Gebiete anzuerkennen erklärt haben — entgegen dieser ihm auferlegten Verpflichtung, in einer grossen Anzahl von Gesetzen, im sogenannten Reglementen, Verordnungen und Erlässen äer Regierung und der Behörden die Juden in Rumänien] von dem Genüsse nahezu aller bürgerlichen, politischen and wirtschaftlichen Rechte ausgeschlossen, wodurch die Juden dortselbst politisch und bürgerlich zu Parias herasbgedrückt, wirtschaftlich aber zugrunde gerichtet und überdies infolge der gegen sie inszenierten gewalttätigem Exzesse zu massenhafter Auswanderung gezwungen werden. Die Rechtlosigkeit der Juden in Rumänien, die go'-ausame Behandlung und unsäglichen Leiden, die sie an erdulden haben, die von der königlich rumänischen Regierung, ihren Behörden und Organen systematisch U) Betriebene Verfolgung und Bedrückung, sowie ihre auf «ine völlige politische und wirtschaftliche Vernichtung cHesr Juden abzielenden Massnahmen sind ebenso barbarisch, -wie sie auch eine flagrante Verletzung der in den Artike lm 43 und 41 des zitierten Berliner Staats Vertrages dem damaligen Fürstentum Rumänien auferlegten Verpflichtungen bedeuten." Hierauf folgt die Besprechung der Lage de» Armenier und die Antragsteller erklären : „In der gesamtem zivilisierten Welt regte es sich mächtig, diese einer gesitteten menschlichen Gesellschaft und dem Völkerrechte hohnsprechenden Entrechtungen von Menschen und Verletzungen eingegangener internationaler Verpflichtungen) nicht weiter zu dulden, vielmehr das Gewissen der Regierunigen und aller gesitteten Völker zum wirksamen Schutze verfolgter, entrechteter, bedrückter und unterdrückter Volks stamme aufzurütteln. Da auch unser Reich ein Rechts- und Kulturstaat ist, überdies zu den Signatarmächten des Berliner Staatsvertrages gehört, und daher als Grossmachit berufen erscheint, dessen Bestimmungen Geltung zu erschaffen, nicht aber durch beharrliches Schweigen am den geschilderte» Verfolgungen und Vertragsverletzungen sich mitschuldig zu machen, stellen die Unterzeichnete den Antrag: Das hohe Haus wolle beschliessen: Die 1c k. Regierung wird dringend aufgefordert, den ihr auf die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten des Staates gesetzlich zustehenden Einfluss im Wege des k. k. Auswilligen Ministeriums dahin geltend zu machen, dass die köriiiglich rumänische und kaiserlich türkische Regierung zun' Erfüllung und Einhaltung ihrer in den Artikeln 44 und 61 des Berliner Staatsvertrages vom 13. Juli 1878 inbetreff der Juden und Armenier eingegangenen Verpflichtungen verhalten werden." Wien, 26. März 1902. Dr. Straucher. Nikolaj W a s s i 1 k ö, Josef H an n i c h, Dr. S k ed 1, Dr. O f n e r, Se i t z, H y b es, D a s z y n s k i, C z e r n y„ Basil J a w o r s k i, Dr. Koro), Rieger, Rosenzweig, Pernerstorfer, Breiter, Cingr, Dr. E 11 e n b og e n, Schuhmeier, Romanczuk, Dr. Kos, Choet," Berichtigung. Bedauerlicherweise haben wir in Nr 13 unseres Blattes von einenin sonst vollständig zuverlässigen Gewährsmanne über eine Spende des Herrn Lazarus eine Korrespondenz aus Krakau veröffentlicht, die nach uns nunmehr zugegangenen um zweifelhaften Informationen den wirklichen Vorgängen nicht entspricht. Es ist "zwar richtig, rtass Herr Lazarus eine namhafte Spende für das Kosciuszko - Denkmal amgeboten hat und dass dieselbe vom Denkmal-Komitee nicht angenommen wurde, jedoch hat einerseits das Denkmal-Komitee die Ablehnung damit motiviert, «lass das Denkmal von der ganzen Nation errichtet werden solle und deshalb nur Spenden bis zu einem Maximaift-etrage angenommen werden dürften, andererseits ist es nicht richtig, dass die polnischen Zeitungen Herrn Lazarus deswegen gerügt haben, im Gegenteile, es wurde ihm seitens der vornehmsten polnischen Blätter und des Denkmal-Komitees Dank und Anerkennung gezollt. Deutschland. Berlin. Der „Zent raiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat in einem Run dschreiben an die Handelskammern gebeten, durch Vermittlung der Reichsregierung auf eine gieichniässige Behandlung aller deutschen Kaufleute in Russland hinzuwirken. Nach den in Russland geltenden Pass- und Steuerbestimmungen haben deutsche Handelsreisende iix Russland für ihre Firmen Gewerbescheine zum Preise uon 150 Rubeln, wenn dieselben aber jüdischer Konfession sind, zum Preise von 500 Rubeln zu lösen und ausserdem noch einen Personalzuschlag von 50 Rubeln zu bezahlen. Von einer grösseren Anzahl von Handelskammern hat das Rundschreiben wohlwollende Berücksichtigung erfuhren. So erst dieser Tage von der Heidenheimer Handelskammer. Bekannt dürfte auch sein, dass dieser Wunsch bereits bei der Zusammenstellung, beziehungsweise Erneuerung der Handelsverträge durch den deutschen Handelstag zum Ausdrucke gebracht ist. Berlin. Die Vorstandsmitglieder des „Hilfsvereines ier deutschen Juden", die Herren James Simon und Dr. Paul Nathan, hatten vor einigen Tagen eine Audienz beim Reichskanzler Grafen B ü 1 o w in Sachen der ru m änischen Juden. Ueber den Verlauf und das Ergebnis (ILeser Audienz ist Näheres bisher nicht bekannt geworden. Es liegt darüber nur die kurze, allerdings erfreuliche Mitteilung der beteiligten Herren vor, dass man alle Veranlassung habe, dem Herrn Reichskanzler für sein Entgegenkommen dankbar zu sein. Berlin. Die erste ordentliche Mitgliederversammlung les „Vereins jüdische Arbeiterkolonie und Asyl" hat am l b. März unter dem Vorsitze des Herrn Maurermeisters Adler stattgefunden. Auf die Verlesung des im Druck vorliegenden Rechenschaftsberichtes wurde verzichtet. Zur Genugtuung der Anwesenden konnte festgestellt werden, dass die anfänglich sehr beträchtlichen Schwierigkeiten der Arbeitsbeschaffung überwunden sind und dass die Kolonisten s i<ih über Erwarten anstellig, arbeitsfreudig und hinsichtlich der Disziplin mit verschwindenden Ausnahmen musterhaft bewiesen. In 10'/2 Monaten sind für 10.23$ Verpflegstage 5724*83 M. ausgegeben worden. Es sind durch einmalige Zuwendungen 20.276*73 M., Mitgliedsbeiträge 10.609-20 Arbeitslöhne 4004-60 M. vereinnahmt und 17.732-14 M. ver- VE,, ausgabt worden. Der innere Betrieb, V erpfiegung, Löhne, Peuerung und Wasserverbrauch erforderte nur 12.000 M. Die Zahl der Insassen betrug 188, von denen bis 31. Dezember v. J. 128 entlassen wurden, so dass am 1. Jänner cL J 60 sich in der Anstalt befanden. Nur ein einziger wurde wegen Arbeitsscheu, nur 3 wegen Uebertretung der Hausordnung entlassen; 62 haben Stellung erhalten, 6 haben sich in der Heimat in dem erlernten Handwerk etabliert. Uon den anwesenden Kolonisten sind SOGalizier, l2Deutsche, S Ungarn, 5 Böhmen, je 4 Russen und Bukowinaer, 2 Oesterreicher, je 1 Slavonier, Mähre, Türke, Bulgare und Rumäne. Schliesslich wurde dringend gebeten , der Anstalt zu U/eissensee. Wörthstr. 20, Telephon-Amt Weissensee 192, getragene Wäsche und Kleidungsstücke zu überweisen. Ems. Auf Anregung des Rabbiners Dr. Rosenak- Bremen wurde ein „Hilfsver ein für unbemittelte j üdischeNervenundGeistesk ranke* gegründet. Der Vorstand erliess folgenden Aufruf: „Aufallen Gebieten re^t sich die jüdisch© Wohltätigkeit und Menschenliebe, um den Bedürftigen, den Kranken, den Bedrückten und Verfolgten zu Hilfe zu eilen. Es gibt aber ein Feld der Fürsorge, für das von jüdischer Seite noch gar nichts getan ist, obwohl berufene Männer die Aufmerksamkeit auf diesen Notstand gerade in letzter Zeit mehrfach hingelenkt haben. Es gilt die Fürsorge für die Aermsten der Armen, fiir die unbemittelten Nerven- und Geisteskranken. Die wenigen zur Zeit vorhandenen jüdischen Privatanstalten sind nicht Imstande, gegen so geringe Entschädigung, wie sie unbemittelte Familien leisten können, Aufnahme zu gewähren, so dass man sich bisher in fast allen Fällen genötigt sah, die jüdischen Nerven- und Geisteskranken in staatlichen Anstalten unterzubringen. Der Aufenthalt daselbst ist aber für alle derartigen Kranken mit grossen Nachteilen ver-