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Die Welt · 1903-04-03 · 14 (3.4.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
14 (3.4.1903)
Article
Euer Hochwohlgeboren!
Date
1903-04-03
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 j$f$ $ w®m° Nr. 14 Bitte um gütige Unterstützung der „Israelitischen Volksküche" in Jerusalem. Die Cholera, welche Monate hindurch im heiligen Lande wütete, liess tiefe Spuren zurück. Viele, die sich früher selbst ernährten, sind brotlos geworden, so dass der Zuspruch in unserer Anstalt sich verdoppelte. Wir sind in erhebliche Schulden geraten und sollten wir gezwungen sein, die Anstalt zu schliessen, was wird dann das Los der Armen, die auf die Volksküche angewiesen sind?! Helfen Sie uns, geehrte Wohltäter, nach Belieben mit, damit wir auf dem Wege der Wohltätigkeit fortfahren können! Jede Gabe wird dankbar angenommen. Regen Sie auch Freunde und Bekannte zur Beteiligung an, auf dass wir nicht genötigt werden, die Tore der Barmherzigkeit während der nahenden Feiertage zu schliessen; auch wollen Sie, wenn unter Umständen möglich, geeignete Karten in der Synagoge am Sabbat und am Jemtow auflegen zum Wohle dieser Anstalt und der liebende Vater im Himmel möge es Ihnen reichlich lohnen! Der Vorstand der „Allgemeinen Israelitischen Volksküche* in Jerusalem: Leib Herschel Dajan. Oscher Leiser L e v y. Jüdische Eltern! Zu den Krebsschäden, die am Körper des Judentums nagen, gehört die krasse Unkenntnis unserer heiligsten Tr ad itionen, unser erGeschichte undLiteratur, die sich unter der jüdischen reiferen Jugend bemerkbar macht. Der jüdische Vater, die jüdische Mutter, die tagsüber von ihrer Erwerbs- und Haushaltungstätigkeit, von dem schweren Konkurrenzkampfe ganz in Anspruch genommen sind, erwarten von der Schule und dem Religionsunterrichte die Erziehung ihrer Kinder zum Judentum. Wie kann man sich aber einen Erfolg davon versprechen, wenn man bedenkt, dass der jüdische Religionsunterricht kaum zwei Stunden wöchentlich umfasst und dass sich die jüdischen Religionslehrer im übrigen um ihre Schüler gar nicht kümmern können. Die traurige Folgeerscheinung dieser Verhältnisse — der Indifferentismus unserer Jugend in jüdischen Angelegenheiten ist es, der das gefertigte Press-Komitee veranlasst, hier abhelfend einzugreifen. Wir wollen eine Monatsschrift gründen, die, der jüdischen Jugend beiderlei Geschlechtes gewidmet, ihr dasjenige ergänzt und ersetzt, woran es Elternhaus und Schule fehlen lassen. „Unsere Hoffnung", so wird unsere Zeitschrift heissen, soll unsere Jugend fühlen lehren, soll in ihr die von Elternhaus und Schule ausgestreute Saat hegen und pflegen, wacherhalten und stärken, sie soll belehren und anregen, das Interesse für das Judentum frisch erwecken, sie soll zünden und begeistern. Wir glauben, auf die materielle undmo raiische Unterstützung aller jüdisch denkenden und fühlenden Eltern mit Bestimmtheit rechnen zu dürfen, denn nur dann winkt uns ein Gelingen. Hochachtungsvoll DasPress-K oinite e. Geldspenden und Briefe für den Pressfonds beliebe man an die Redaktion der „Welt", IX., Türkenstrasse 9, zu richten mit dem Vermerke: Für „Unsere Hoffnung*. Die Geldspenden werden dann als Quittung in der „Welt* ausgewiesen. Löbliche Redaktion der „ W e 11"! Ich bitte um Aufnahme folgender Zuschrift: Vom Präsidium der „Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung der Denkmäler des Judentums" ist die Verfügung erflossen, den „jüdisohen" (soll heissen „zionistischen") Kreisen in Zukunft keine Karten zu den Vorträgen dieser Gesellschaft zu verabfolgen. Die Veranlassung zu diesem Schritte findet der Vorstand in einer Szene, die sich bei dem jüngst gehaltenen Vortrage des Schriftstellers M. Klausner ereignete. Der Vortragende stellte nämlich ganz unhaltbare und lächerliche Hypothesen über den Jargon auf und wünschte eine intensivere Pflege dieses „deutschen Dialektes'4, in welchem viele reine Urformen der deutschen Sprache enthalten seien, im Interesse und zur Förderung der deutschen Sprache, sowie des Deutschtums überhaupt. Nichts ist begreiflicher, als dass solche vage Behauptungen die orientalische Heissblütigkeit einiger Gesinnungsgenossen zu Protestrufen und einem ironischen Lachen herausforderten. Und dieser kleinliche Anlass bestimmt den obigen Verein, uns ei» fach den Zutritt zu den Vorträgen zu verwehren und sich plötzlich nach aussenhin abzuschliessen. Wir können es den Herren nicht verwehren, die Karten für ihre Vorträge in Zukunft zu „kon servieren % aber wir fordern im Namen der jüdischen Oeffentlichkeit, dass diese 'ohnehin vereinzelten und schwachen Zeichen jüdischen Lebens nicht einer kleinen Anzahl von Neugierigen reserviert, sondern der breiten jüdischen Masse und vor allem der jüdischen Jugend, in der heute ein mächtiges Interesse für alles Jüdische lebt, auch fernerhin zugänglich bleiben. Mit Zionsgruss jur. Josef Meisl. Wien, am 27. März 1903. Löbl. Redaktion der «Welt« in Wien. In Ihrer jüngsten Nummer bringen Sie unter dem Titel: „Der judenreine Schulverein" die mich überraschende Mitteilung eines Herrn Novotny, Wanderlehrers des Deutschen Schulvereines, dass letzterer nunmehr judenrein sei; da ich aber bis zur Stunde Mitglied dieses Vereines bin, daher befürchten muss, dass besagter Herr Novotny durch meine Mitgliedschaft desavouiert werden könnte, habe ich schleunigst meinen Austritt angemeldet und wende diesen Mitgliedsbeitrag einem nach meinem Sinne wirklich judenreinen Vereine zu. Mit Zionsgruss Jos. Barkan. P. T. Samstag den 4. April findet in Wiener-Neustadt im Kasinosaal, Bahngasse 17, um 8 Uhr abends, eine vom Lokalkomitee des innerösterreichischen Distriktskomitees veranstaltete .Schekelfeier statt. Festredner : Herr Dr. Leopold Kahn. Die Wiener Gesinnungsgenossen werden aufgefordert, sich zahlreich zu beteiligen. Personenzug ab Südbahnhof 4 Uhr 30 Min. nachmittags, Schnellzug 7 Uhr abends. Erster Wiener jüdischer Turnverein. Der Ausschluss der Juden aus den deutschen Turnvereinen hat sich im Verlaufe des letzten Jahrzehntes vollzogen. Die antisemitische Gesinnung der deutschen Turnerschaft war damit auch offiziell bekundet. Wir hielten es von jeher für unvereinbar mit unserer Anschauung über persönliche Ehre, als Juden einem Vereine oder Verbände anzugehören, der antisemitischen Tendenzen huldigt, auch wenn er Juden — aus durchsichtigen Gründen — etwa noch dulden wollte. Wir müssen es daher auchperhorreszieren, dass sich Turnvereine mit der Mehrheit nach jüdischen Mitgliedern den deutschen Turnverbänden trotz alles Vorgefallenen auch heute noch aufzudrängen versuchen. Die Selbstachtung muss uns vor solchem Tun bewahren. Sie hat uns den einzig richtigen Weg gezeigt: Die Gründung eines jüdischen Turnvereines. Wir wollen nicht demonstrieren und nicht provozieren. Wir wollen eine Stätte haben, wo jeder Jude die gerade für die Juden so dringend notwendigen Leibesübungen pflegen kann — ohne Opfer des Intellekts und der Ehre! Nun veranstaltet der „Erste Wiener jüdische Turn* verein" nach vierjährigem Bestände sein erstes grösseres Schauturnen. Jeder Jude, der den hohen Wert des Turnens, insbesondere für unser Volk, zu schätzen weiss, sei uns willkommener Gast!. Programm: 1. Stabübungen; 2. Damenreigen; 3. allgemeines Riegenturnen; 4. Kürturnen am hohen Reck; Tanzkränzchen. Exekutiv-Komitee: Ehrenpräsident: Hermann König, Fabrikant, VIL, Seidengasse 28. D er Turnrat: jur. Dr. Ludwig W e rn er, Obmann, IL, Rueppgasse 37; Karl Plowitz, Obmann-Stellvertreter, VIL,Lindengasse37; Rudolf P o 11 ak, Turnwart,XVL Bez., Ottakringerstrasse 129; Dr. Max J erusalem, Turn wart, III., Fasangasse 27; Dr. Josef W e i n r e b, Schriftführer, IX., Aiserstrasse 4; Frl. Thilda Frankfurter, Schriftführerin, IX., Fuchsthallergasse 15; Hugo Spitzer,

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