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Die Welt · 1903-04-03 · 14 (3.4.1903) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
14 (3.4.1903)
Article
Das Jubiläum des "Bar-Kochba"
Date
1903-04-03
Page
5 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 14 „Die Welt** Seite 5 Das Jubiiium des „Bar-Kochba". Prag, 22. März 1903, Zwei Lustra sind ins Land gegangen, seit dde zionistische Idee, dar Gedanke der Renaissance unseres Volkstums in der jüdischen Studentenschaft Böhmens Eingang gefunden hat. Im Jahre 1892 wurde der Verein unter dem Namen „Maccabaea" ins Leben gerufen. Wer bedenkt, dass kurze Zeit vorher 1er Kampf zwischen Alt- und Jungtschechen begonnen hatte, dass kaum ein Jahr vorher ii« Deutschliberalen sichihre folgenschwerste politische Niederlage in den WahlgeW eten Deutschböhmens geholt hatten und dass durch diese beiden Umstände die Judenheitin Böhmen des lieben Brotes wegen gezwungen war, sich für die eine oder die andere Partei zu erklären, der wird <Us Wagnis ermessen tonnen, das die Konstituierung ein es jüdischen, den jüdischen Interessen allein dienenden Studenten Vereines b$«leutete, der wird aber auch begreif«» können, dass es nicMs weniger als Sympathien waren, mit denen der junge Verein von der Prager Judenheit empfogen ward. Dazu geseihte sich noch, dass der Verein, wollte er seinen Prinzipien nicht untreu werden, Hörer d er deutschen wie der Ischechischen Hochschulen aufnahm, demgemäss also von den massgebenden Faktoren schsel angesehen wurde. Anfangs schien es freilich, als sollte die Stimme derer, die dem Vereine nur ein Fiasko vorhersagten, reckt behalten. Erst der ICongress vom Jahre 1897 schaffte dem Vereine Ellbogenfieiheit. Unter dem Namen „Bai Kochba" übernahm der Verein tast die gesamte Last der Agitation in Böhmen, Wo seit dieser Zeit eine neue Ortsgruppe auf zionistischer Basis, ein neuer Verein entstand, da waren es immei die Mitglieder des „Bar-Kochba", deren tätiger Mithilfe die Neugründung in erster Retle zu danken war. Bei der Tätigkeit nach aussen liess es der Verein nicht bewenden. Der Pflege des Stammesbewusstseins, ier jüdischen Kunst und Literatur und der jüdischen Wissenschaft wendete er ebenso sein Augenmerk zu wie ier Agitation. Aus diesem Streben entstand die Bibliothek, die heute schon über 1300 Bände zählt und in neuester Zeit von der Prager Kultusgemeinde eine Subvention Ton 100 Kronen erhielt, eine Tatsache, die das erspriesslielie Wirken der Institution der Bibliothek in besonders heitern Lichte erscheinen lasst. So wurden die Vortragsabende des Vereines „Bar-Kochfoau der Sammelpunkt der zionistischen Intellektuellen Prags- Nicht unerwähnt mag ferner die Schaffung eines Unterstützungsfonda für bedürftige Mitglieder des Vereines bleiben, der im ersten Jahre seiner Aktionsfähigkeit eine beträchtliche Summe an Unterstützungen gewährt hat. Vor kurzer Zeit liess sich der „Bar-Kochba" anlässlich seiner Jubelfeier in das fäoldene Buch des Nationalfonds eintragen. Der Festkomimers nahm einen imposanten Verlwif. Den eleganten Saal des „Hotel Central* füllte ein wrnehmes Publikum aus allen Berufskreisen bis auf das letzte Plätzchen. Festesstimnnung lag über dem Saal. Alle kleine, Verbindungen-, Ortsgruppen Prags und Böhmens hatten starke Deputationen entsendet, viele Studentenverbindungen waren durch Abordnungen vertreten and ganz oben an der Stirnseite der Tafel hatte — die offizielle Vertretung der P_rager Kultusgemeinde ihren Platz, Viele gab's unter den Gästen, die ganz verwundert auf das prächtige Bsild blickten, das der Kommers bot, verwundert, dass si* einem jüdischen Studentenkomn e-rs beiwohnen sollten. Und dann kam ein Moment voll flammender Glut, ata Hugo Bergmann seinen — wie er es nannte — Ree htenSchaftsbericht unter grossem Beifalle geschlossen hatte. Da fiel plötzlich vom Präsidium ein scharfes Kommando wort, donnernd üelen die Schläger auf die Tische, alles erhob sich und "von der Jugend angestimmt, brauste das Lied der Jugend, die „Halikwah", durch den Raum. Die letzten Takte Ier zweiten Strophe, die deutsch gesungen wurde, gingen in dem rauschenden Applaus unter. Gleich starken Beifall gabs nach dem glänzenden Vortrage Otto Abel es ^Brünn) über die jüdische Kunst und nach dem herzlichen Toaste des Obmannes des zionistischen Distriktskoinitees Karl R e z k, der dem jubilierenden Vereine wünschte, er möge das 20jährige Stiftungsfest nicht mehr im Golus feiern. Frau Roubitschek vom Frauen vereine, welche die Mitglieder des „Bar-Kochba" als die Intelligenz fetarte, die das Zionsideal in stürmender Jugendkraft in das Land hinausgetragen hätte, weckte mit iiixen Wouten langanhaltende stürmische Zustimmung. Die Verlesung der nachhunderten zählenden Telegramme und Begrüssun gsschreiben, die zu dem Feste eingelaufen waren, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Der Kommers schloss nach vierstündiger Dauer um Mitternacht. Einen mächtigen Eindruck hat das Fest auf alle, speziell die nichtzionistischen Gäste, g«eübt, die ihm beiwohnten, und man konnte zu wiederholtenmalen sehen, mit welcher Ergriffenheit die bis dahin Indifferenten diesen Eindruck in Worte zu fassen suchten. Ein Beispiel für viele: Der Vertreter des (nichtzioaLstischen) Vereines „Anke Jehuda" schloss seinen Trinkspriaeh mit den Worten : „Dieser begeisterten jüdischen Jugend, die ich nie sah und kennen zu lernen nie Gelegenheit hatte, bringe ich mein Glas!' Ob der Eindruck nachhaltig sein wird? Wir hoffen's Julius Löwy. ^FihütK* Nationalfonds-Kommissioti. Da das engere Aktions-Komitee den Wunsch ausdrückte, in corpore der Sitzung der Nationalfonds- Kommission beizuwohnen, so wird auf Wunsch des Aktions- Komitees die Sitzung, die am 9. und 10. April d. J. in Zürich stattfinden sollte, verschoben. Die Sitzung dürfte gegen Ende Mai in Wien abgehalten w-erden. Zürich, den 30. März 1903. Der Präsident der Nationalfonds-Kommission : Dr. Farbstein. Anregung für den Nationalfonds. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich erlaube mir folgende Anregung für den Nationalfonds zu geben: Das Mitglied eines jeden zionistischen Vereines, insbesondere aber die Mitglieder der jüdischen Studentenvereine, die sich sonst für den NationaLfonds fast gar nicht betätigen, mögen allwöchentlich zwei Hkller (respektive den entsprechenden Wert in der betreffendenLandesgeldwährung) steuern. Die Beträge sind allmonatlich an das örtliche Distrikts-Komitee oder an hierzu ernannte Vertrauensmänner abzuführen und unter den Nation Ufondsspenden auszuweisen. Es würde sich hoffentlich, ein reger Wetteifer unter den Vereinen entwickeln, nicht hinter anderen zurückzustehen. Da aber kein höherer Betrag als die normierten zwei Heller eingehoben werden dürfte, so wäre die Erreichung einer grösseren Monatssuraine nur durch Vergrösserung der Mitgliederzahl möglich.. So würde nicht nur der Nationalfonds Nutzen haben, sondern auch die Agitation immer angeregt werden. Schliesslich spreche ich noch den Wunsch aus, dass die zahlreichen Anregungen auch befolgt werden mögen. Ich zeichne mit Zionsgruss als ihr ergebener S. J. Kolisch. Euer Hoch wohl getooren! Der Not gehorchend, wendet sicki der unterzeichnete Vorstand an Euer Hoch wohlgeboren mit der inständigsten

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