Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 14 (3.4.1903)
- Article
- Israel Zangwill über die "Ica"
- Date
- 1903-04-03
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 „Die # Welt" Nr. 14 zur Ausführung ihrer eigenen Pläne auszunützen, dass man es nach dem Gesetze und nicht gegen dasselbe tue. Da die Pläne des Baron Hirsch veraltet und bankerott sind, so wäre umsomehr eine Parlamentsakte erwünscht, die die Verwendung der beiläufig zehn Millionen für bessere Ziele ermöglicht. Es ist aber angesichts des jüdischen Einwanderungsproblems doch eine schwierige Aufgabe für die britische Gesetzgebung eine solche Summe verschwenden zu lassen, die die Lösung der Judenfrage herbeiführen könnte. Wenn die Politik des Barons Hirsch veraltet ist so ist das nur durch den Mangel an Sachkenntnis seinerseits hervorgerufen worden. Seine Grundidee von der Transplantation aus den Ländern der Bedrückung ist auch jetzt der Schlüssel zur Lösung der Frage. Er beging einen Irrtum, indem er die Emigration zersplitterte, anstatt sie zu konzentrieren, indem er glaubte, dass die Agrikultur eine Panacee sei und dass die Juden sich mit ihr ausschliesslich beschäftigen können; er irrte, indem er die Liebe für Palästina missachtete. Diese Mängel seiner Politik sollten durch eine Parlamentsakte gutgemacht werden. Dass aber die Komitees den Plan ganz und gar umstürzen wollen, ist nicht zu entschuldigen, umsomehr weil seit dem Tode Tode Hirsch's im Judentum ein mächtiger Enthusiasmus für die Emigration erwacht ist, was zu ignorieren nicht nur dem Geiste, sondern auch dem Buchstaben des Statuts zuwiderläuft. Ich verliere aber nicht die Hoffnung, dass sie mehr politische Einsicht bekommen werden, geradeso wie sie weniger taub b. züglich ihrer legalen Stellung waren, als sie sich stellten. Denn die zionistische Bewegung gibt ihnen die Kraft des quellenden, lebendigen Wassers, ohne welche sie in ihrer Dürre umkommen werden. Einstweilen glaube ich, dass die Mitglieder des Parlamentes diese Bill nicht passieren und die Zersplitterung der Millionen des Baron Hirsch nicht zulassen werden. Denn das Ziel der Kolonisation ist Kolonisation, und wenn die Komitees nicht fähig sind mit Erfolg zu kolonisieren, so mögen sie sich zurückziehen und praktischeren Männern das Feld räumen. Budapester Idyll. In der Bocskay-, Bethlen- und Räköczy-Epoche hatten die Kuruczenkämpfe protestantische,ja,entschieden religionsfreiheitliche Färbung. Heute nennt sich „Kuruczenbrigade" jener Bund von Universitätshörern, deren Dressur und Organisation vom Klerus und dem agrarischen Hochadel versucht wird und die in den letzteren Jahren unter dem „Zeichen des Kreuzes0 Raufskandale und eine Menge blutiger Duelle inszenierten. Derselbe Jugendbund ist seither zivilisierter, gewitzigter und erfahrener geworden. In sittsamen Formen wurde dieser Tage eine feierliche Deputation vor den Universitätsrektor geführt, in gelassener Weise an die Traditionen des Kreuzes erinnert. Und Seine Magnifizenz geizte nicht mit seinem Wohlwollen. In der Mensa academica wurde dann ein Bankett veranstaltet, an dem klerikale und — äusserst linke Zelebritäten, wie Graf Aladar Zichy, die Deputierten Stefan Rakovszky, Nikolaus B a r t h a u. a. teilnahmen. Letzterer hielt dort eine längere Aussprache, in der er die Grundsätze: „Liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst41 und „Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem andern zu" — als ausschliesslich christliche Erfindung darstellte und im weiteren Verlaufe folgendes verkündete: „Die Geschichte bezeugt, dass die ungarische Rasse, als sie nach unbekannten Fährlichkeiten ihre Urheimat verlassen und sich auf dem heutigen Boden angesiedelt, einen Staat gegründet hat mit allen Institutionen eines solchen. Zahlreiche Wandervölker taten das gleiche. Was tat aber das Volk, das von den römischen Legionen besiegt und dessen Tempel zerstört worden? Die Juden meine ich. Die Juden zerstreuten sich in der Welt. Zweitausend Jahre sind seither verstrichen. Wfa ist aber das Vaterland, das diese kluge, energische und arbeitsame Rasse seit jener langen Zeit geschaffen hat? Es existiert nirgends. Dies bedeutet, dass es einerseits staatengründen de, anderseits solche Rassen gibt, die es vorziehen, an anderen Völkern zu schmarotzen. Warum hat der Jude kein Vaterland gegründet? Weil er hier zu kein Bedürfnis fühlt. Dürfen wir nun diesem Volke, dem der staatenbildende Trieb abgeht, das Schicksal des ungarischen Vaterlandes anvertrauen? Es gibt kaum einen Zweig der menschlichen Gedankenwelt, auf dem nicht irgend ein Jude Bedeutendes geleistet hätte.....Aber einen grossen jüdischen Juristen hat es bisher noch nichtgegeben.(!?) Warum? Weil das Recht eine Grundwissenschaft der Staatenbildung ist. Welchem Volke dieser Trieb fehlt, dem muss natürlich und notwendigerweise auch die hierzu nötige Grundwissenschaft fehlen. Allein was gibt es denn noch, was der Jude hervorbringt und für den Staat von höchster Wichtigkeit ist? Die Destruktion. Jedes grössere sozialistische Werk, das die Auflösung des Familienlebens (!!) anstrebt, rührt von einem jüdischen Verfasser her. Und wer die ungarische Journalistik beobachtet, wird finden, dass — wie vernünftig und kenntnisreich die jüdischen Journalisten auch sein mögen — sie an jenen Punkten, wo es sich bereits um den Bestand des Staates handelt, wo die Zukunft durch die Gegenwart mit derVergangenheit Verknüpftwerden soll, entweder straucheln oder geradezu einen vaterlandswidrigen Standpunkt einnehmen." Der äusserstlinke Redner vergisst, dass Petöfy, der Tyrtäus von 1848, durchaus nicht für die aristokratische Vergangenheit schwärmte. Die hier angeführten Stellen sind in dem vom Redner redigierten Tagblatte „Magyarorszäg" und dessen Klausenburger Trabanten „Ellenzek" vermieden und verschwiegen, was — wie der Reichstagsabgeordnete und Antizionist Josef Veszi entdeckt hat— „Meister" Nikolaus aus Rücksicht auf seine jüdischen Leser (!) verfügt hat. Herr J. Veszi (dem intime Beziehungen zum Ministerpräsidenten nachgesagt werden) nennt dies eine „Schmuggelpolitik", weil — „um das Land zu schwächen" — die konfessionelle Verhetzung im Gewände des „Nationalismus" aus der Fremde importiert worden sei. Herr V6szi übersieht, dass er und ähnliche Assimilanten es waren, die den Dampfkessel des unduldsamen Chauvinismus überheizt haben. Auch wird merkwürdigerweise vergessen, dass, als Nikolaus Bartha vor etwa zwei Jahren den Argonautenzug ins „Chazarenland", d; h. in die nordöstlichen Komitate, wo das Ruthenen- und Judenelend haust, unternahm, um sich das goldene Vliess, den Schein der Berechtigung des Antisemitismus der Tat, zu holen und hierüber ein phrasenklingendes Buch schrieb, dem selbst unser Antipode!„Egyenlös^g" grobe Lügen nachwies, es derselbe Herr Josef Veszi war, der in kollegialer Verzückungeine pan egyrischeRezension vorbrachte, die Bartha als Reklame- Aufputz verwertete. Zum Danke hierfür wird nun gewissen jüdischen Journalisten, nicht ganz mit Unrecht, der Vorwurf ins Gesicht geschleudert, „dass sie die Zukunft mit der Vergangenheit zu verbinden nicht vermögen, daher herumirreh und straucheln, Dr. J. Eönai,