Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 13 (27.3.1903)
- Article
- Was will der Zionismus? [Rezension]
- Date
- 1903-03-27
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 14 £Die # Welt" Nr. 13 Bücherwelt. „Was will der Zionismus?" Herausgegeben von der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland", Berlin, 1903, Ein Beobachter unserer Bewegung müsste derzeit den lobenswert auffallenden Agitationsfleiss unserer reichsdeutschen Gesinnungsgenossen konstatieren. Der Lobens wertesten einer ist des langen schon Dr. A. Friedemann (Wiesbaden). Seine neueste Arbeit ist eine Agitationsschrift mit obigem Titel, 39 Seiten Grossoktav. Eine etwas weit getriebene Bescheidenheit lässt den Autornamen nirgends finden. Wir haben ihn aber doch herausgefunden* Keine halbe Phrase und überall durchscheinend ein glühendes Herz; ein geduldiges, ehrliches Pflügen auf dem Felde der Argumente. Die zionistischen aufwerfend, die anderen begrabend; ein Gedächtnis, das vom fleissig lesenden Auge starken Gewinn zog, und ein reichsdeutscher Doktor aus Wiesbaden, der den Talmud kennt. Das Buch an sich ist in drei Hauptteile — 1. Geschichte, 2. Wesen, 3. Organisation des Zionismus — und in drei Anhänge — zionistische Presse und Literatur, rumänische und russische Judengesetze geteilt. Wir haben beim Lesen niemals den Gedanken gehabt, dass hier etwas zu viel, dort zu wenig gesagt sei. Natürlich, es ist nur ein Alphabet des Zionismus, die Anfangsgründe des Zionismus für die Willigen, aber gewissenhaft Neugierigen. Und dem Niveau des Neulings entspricht das Gebotene im vollsten Masse. Die Broschüre ist an vielen Stellen speziell auf die deutschen Juden zugeschnitten. Jedes Assimilantchen hat sein Pläsierchen — die deutschen eine Menge. Denke aber niemand, dass Dr. Friedemann humanitären, verdünnten Zionismus predige. Ein mannhaft Wort fiod't seinen Ort. Also Glück auf dem Buche und seinen Propagateuren. U—y. Elise Orzeszko. „Der starke Simsen und Anderes." Berlin 1903. Verlag Siegfried Cronbach. Ein guter alter Bekannter, dieser starke Simson. Eigentlich ist er gar nicht der starke Simson, sondern der schwache Schimschel. Nur für eine kurze Spanne Zeit träumt er sich stark.. Aber der kurze Traum genügt, dass er über sich selbst klar wird. Und wie sein ganzes Leben bis zu dieser Stunde dahinfliesst, als ob es von ihm geträumt würde, so wird ihm nun der Traum zum Leben, zur Entdeckung des Lebens. Schimschel ist aber zu schwach, um dies Leben zu erobern. Nur sein Kind hält er dem Himmel entgegen und bittet, dass sein Knabe werden möge, was ihm versagt bleibt — der starke Simson. Das ist sehr zart und mit einer wunderbaren Kenntnis des jüdischen Lebens beschrieben. Zu zart beinahe. Man sehnt sich nach einem kräftigen Wort. Es will nicht kommen. Weder Schimschel spricht es, noch Gedalje, der arme Hausierer, der so gut zu erzählen versteht und der dem groben, wenn auch gutherzigen Bauern Karejba und dem schuftigen Verwalter gegenüber doch so leicht ein männliches Wort finden könnte. Ja, wenn er eben nicht der im Innersten gebrochene, sklavisch gewöhnte, arme GedaJje wäre. Selbst der prächtige Janek und die gutherzige Judwiga vermögen ihn nicht aus seiner ängstlichen Zurückhaltung herauszulocken. In beiden Geschichten wird dem Leser mit wenigen Strichen die furchtbare materielle und ethische Not der Juden gezeichnet, aber so weich und fein, dass man nicht davor zurückschreckt, sondern beinahe meint, es könne eben nicht anders sein, es müsse so bleiben, bis die Zeit der „ En gelmenschen" kommen wird, die „hinaufgehen und herunterschreiten, um Milde und Weisheit auf der Erde zu säen, auf der es [einst keine Not und keinen Hass, keine Klagen und keine Jammernden geben werde . . .tt — Viel zarter noch und doch viel straffer geführt ist die Erzählung „Die Uhr,,. Auch sie ist bereits öfters übersetzt worden. Die Schilderung des Zusammenseins der beiden Alten, des Juden Berek uud des Grafen Xaver, wird wohl zu den besten der Orzeszko gezählt werden müssen. Ueber all den Erzählungen liegt es aber bereits wie feiner Staub, wie der Staub, der sich in lange verschlossenen Räumen ablagert. Der Brokat, auf dem er schon so lange liegt, ist brüchig. Wie lange noch, und der Brokat zerfällt. Kaum eine schön gestickte Blume, kaum ein Stück zarten Musters erinnern dann noch an die Zeit, wo sein duftiger Glanz das Auge erfreute! Und die alten Leute blicken wehmütig darauf Wie lang ist es schon her, dass das alles frisch war und sie entzückte! Wir hören achtungsvoll zu, wenn sie erzählen. Auch uns wird das „Vorüber" nicht erspart bleiben. Aber jetzt, jetzt lockt uns noch das frische Leben. Starker Simson! Du bist uns kein Traum geblieben. —r. Der Talmud als Betrüger. Von Samuel M e i s e 1 s. Berlin, 1903. Verlag Siegfried Cronbach. Dem geschmackvollen Titel entspricht so ziemlich der Inhalt des 206 Seiten aufweisenden Buches. —r. ♦win rrcnn ,*.win. «am ,m n«ö ♦tamöD Erzählungen von Schalom Asch. 2. Bände. Warschau. Verlag „T us ch i j ah" 1902. Vierzehn grössere und kleinere Erzählungen und Skizzen hat uns der Dichter, der sich schon in der jüdischen Literatur einen Namen erworben hat, zum Besten gegeben. Wie in allen seinen Erzählungen, finden wir dieselbe Stimmung, dieselben Ton- und Lichtnüancen. Der Autor wählt seine Stoffe meistens aus dem düsteren trüben Leben der Ghetto-Kinder in den kleineren und grösseren Städten, in den höheren und niedrigeren Kreisen. Wenn man die Erzählungen liest, fühlt man eine dumpfe Atmosphäre über sich, einen trüben Herbsthimmel, und im Gemüt eine dumpfe Schwermut. „Obdachlos* heisst eine seiner besten realistischen Skizzen. Es wird in ergreifender, packender Weise der Seelenzustand eines jungen armen Lehrers geschildert, der aus seiner Wohnung wegen unbezahlter rückständiger Miete verjagt wird, ohne einen Pfennig in der Tasche, ohne Aussicht, ohne Strahl von Hoffnung. Und in seine Seele beginnt sich Wahnsinn zu schleichen; und diese psychische Grenze zwischen Verzweiflung und Wahnsinn ist meisterhaft skizziert. In der Erzählung „Der Dieb" wird die Psyche eines professionellen städtischen Diebes, wie man sie in den kleinen russischen Städtchen trifft, analysiert. Es ist eine Erzählung, die einen rein realistischen Charakter trägt. Und das ist überhaupt der dominierende Teil des Asch'schen Talentes — der Realismus. Er nähert sich sehr den russischen Schriftstellern. So zum Beispiel ist in der Erzählung „Am Wege" der Einfluss Tschechows zu spüren. Die liebliche Skizze „Die Metamorphose eines Buches", die eine Bearbeitung der „Metamorphose einer Melodie" von Perez ist, gibt einem schönen Gefühl, das auch bei anderen jüdischen Schriftstellern zu finden ist, wie zum Beispiel bei Bialik, der Sehnsucht nach dem altjüdischen Leben Ausdruck. Wir können von As c h sehr vieles erwarten, wenn er nur seine Kunst noch mehr vertiefen, vergeistigen wird. C—-k. Briefkasten. Herrn M. Lamberg, Wien: Für die betreffende Nummer sind wir reichlich versehen. Vielleicht für eine andere. Löbf. Verein „Bar Kochba", Prag: Da Ihr Bericht erst nach Schluss der redaktionellen Teiles eintraf, können wir ihn erst in der nächsten Nummer publizieren. Gruss. Herrn Simon Olesker, Brody: „L'Echo Sioniste, Paris, 24, ßoul. Arago; „L'Univers Israälite", Paris, Rue de Navarin 7; „Archives Israelites", Paris, 26 Rue Baudin. Herrn H. Sternbach, Wien : Dankend abgelehnt. Manuskripte werden nicht retourniert, wie es am Titelblatte der „Welt* ausdrücklich vermerkt ist. Herren Ginsburg, Rappoport, Lurie, Hurwitz, Frischmann, Sachs: Wir bestätigen hiermit den Empfang Ihrer Depesche. Sie gestatten, dass wir nicht Ihrer Meinung sind. Herrn Ludwig Behr, Berlin: Besten Dank für die beiden Ausschnitte. Das Buch werden wir selbst besprechen. Das andere zu bringen, verbietet uns die Bescheidenheit des Dichters. Gruss. Ungarische Landeskonferenz. Herzlichen Dank und Zionsgruss. H. Bukowinaer Distriktsversammlung. Herzlichen Dank und Zionsgruss. H. Magyar Czionisfäk Ertekezlete Pozsonyban. A szerkesztöseg legjobb köszönetet nyilvänitja. Herrn A. E. Gordon und Genossen, Darmstadt: Wir haben Ihren Brief erhalten und dem A.-K. zur Kenntnis gebracht. Herren Dr. S. Goldberg und N. Teitelbaum: Wir haben Ihre Anregungen Herrn Kremenetzky übergeben. Herrn L. Str., London: Wir bitten, wenn Sie auf Veröffentlichung Ihrer Berichte reflektieren, uns nur mit dem Vereinsstempel und der Nationalfonds-Marke versehene Einsendungen zu schicken. Briefkasten der Administration. Einsender von Koupons der Colonialbank-Aktie[wolle gefälligst seine Adresse hierher bekannt geben.