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Die Welt · 1903-03-27 · 13 (27.3.1903) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
13 (27.3.1903)
Article
Krakau [Nachricht]
Date
1903-03-27
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Mr.- 13 „Die jfr WeW* Seite 9 Krakau. Flerr Lazarus, der gewesene Direktor der LernbergerBypothekenbauk, hatte sich angeboten, das Kapital für das projektierte, hier au zu fertigen de Koszciuszko- Monument aus eigenen Mitteln durch 100.000 (hunderttausend) Kronen zu ergänzen. Da aber sämtliche polnische Blätter das Erfrechen eines Juden grimmig rügten und die hiesigen Polen über das Protzenhafte eines Juden, der wagte, den Polen zu spielen, empört, ihre Stimmen erhoben, beschloss das Koszciuszko-Komitee einstimmig, diese Spende „dankend" abzulehnen und den offerierten Betrag für das Monument des polnischen Helden von denn grossen polnischen Patrioten nicht anzunehmen. Deutschland. Berlin. (Der Verein für Arbeitsnachweis) hat im abgelaufenen Jahre insgesamt 2160 Arbeitsuchende in Stellungen untergebracht. Von diesen waren 694 aus Berlin, 733 aus den preussischen Provinzen, 69 aus dem übrigen Deutschland, 142 aus Oesterreich-Ungarn, 23 aus Russland, 9 aus Rumänien, 6 aus Amerika. 4 aus England, 3 aus Serbien, °2 aus der Schweiz, je 1 aus Holland und Palästina. Insgesamt hat der Verein während seines nunmehr sechsjährigen Bestehens 10.178Personen Stellungen vermittelt. Die Einnahmen des Berichtsjahres betrugen 7770-25 Mk., die Ausgaben 705P53 Mk. Berlin. (V e r e in für jüdische Krankenpflegerinnen.) Der neunte Jahresbericht konstatiert eine gute Entwicklung des Vereines. Ende Dezember 1902 verfügte der Verein über 42 gut ausgebildete Schwestern. Im abgelaufenen Jahre wurden 20 Schülerinnen neu aufgenommen. Von den Schwestern des Vereines wirken 1 als Oberin des deutsch-israelitischen Siechenheims in Hamburg, 1 Oberschwester und 3 Schwestern in München, 3 in Nürnberg, 4 im Berliner jüdischen Krankenhause (1 Operationsschwester, 3 auf. der inneren Frauenabteilungj. 2 im jüdischen Kurhospital in Kolberg und 3 im Genesungsheim zu Lehnitz. Im Schwesternheim wurden im Berichtsjahre 9846 Personen mit einem Kostenaufwande von 11.280,70 M. verpflegt, was einem Einheitssatze von 1,15 M. pro Tag und Kopf entspricht. Den Ausgaben des Vereines im Gesamtbeträge von 43.377,80 M. stehen Einnahmen in der Höhe von 59.984,75 M. gegenüber. Der Ueberschuss von 16.607,05 M. konnte dem eisernen Fonds zugeführt werden, welcher als Schwesternpensionsfonds betrachtet wird und bereits die Höhe von zirka 200.000 M. erreicht hat. Anmeldungen nimmt der Vorstand und die Oberin, Fräulein Auguste Blau, Augustenstrasse 17, entgegen. Berlin. Frau Staatsminister Dr. Studt besuchte am 12. März das israelitische Heimatshaus Gormannstrasse Nr. 3. Empfangen und geleitet von den Begründern des Hauses, Herrn und Frau Abraham, besichtigte sie die Anstalts-Synagoge, sowie die Wohlfahrtseinrichtungen des Hauses, Volksküche, Haushaltungsschule, Kindergarten, Alten- und Mädchenheim, und sprach sich über die segensreichen Einrichtungen sehr wohlwollend aus. Frankfurt a. M., 9. März. Der fünfte Bericht der Jüdischen Haushaltungsschule ist erschienen. Die Anstalt ist nun bereits in ihr neues Heim gezogen. Seitens einiger Freunde wurden der Anstalt grössere Spenden zugewiesen. Zuvörderst haben die Hauseigentümer, die Barone Alphons und Albert V.Rothschild und Lord Rothschild, Zuschüsse im Gesamtbetrage von 10.000 Mk. zu den Umbaukosten gegeben. Eine Spende von 5000 Mark Hess der Schule Jakob H. Schiff in New-York zukommen. Herr Charles L. Hallgarten spendete 1000 Mark. Der zweite Stock enthält eine geräumige Küche mit drei Herden und eine Kaffeeküche, links davon Aufenthalts- und Speisezimmer für die Zöglinge, sowie ein Bügelzimmer, rtchts das Zimmer der Verwalterin, Vorstandszimmer, Speisezimmer der Pensionärinnen und Speisekammer. Im dritten Stock befinden sich die Schlafzimmer der Pensionärinnen, ein Badezimmer und ein Krankenzimmer mit Bad; im vierten Stock die Schlafzimmer der Zöglinge und die Waschküche. Die Einnahmen der Anstalt beliefen sich auf 20.869*86 Mark, die Ausgaben auf 20.660 Mark. Mit Zustimmung der Hauseigentümer wurden mehrere Zimmer im ersten Stock, einstweilen auf ein Jahr, dem neu errichteten jüdischen Mädchenklub unentgeltlich überlassen. Der Klub ist eine Schöpfung der Abteilung „Weibliche Fürsorge" des „Israelitischen Hilfs verein es". Von 24 Zöglingen, die die Kurse im letzten Jahre durchgemacht haben, sind bis jetzt 23 in Stelle gegangen. Die Zahl der Pensionärinnen schwankte zwischen 12 und 19. Russland. Potersburg. Das Manifest des Zaren über die Einführung von Reformen in Russland hat insofern auch für unsere Volksgenossen im Zarenreiche Interesse, als es die Befestigung der religiösen Toleranz im Reiche verfügt. Bis jetzt begegneten unsere Volksgenossen auf dem Gebiete der freiem Verrichtung des Gottesdienstes grossen Hindernissen. Fast alle Gesuche der jüdischen Gemeinden im Innern RussLamds um Erlaubnis zum Baue von ßethäusern werden nicht nur von den lokalen Behörden, sondern sogar vorn Ministerium des Innern zurückgewiesen. Die jüdische Gemeinde von Tjumen in Sibirien bemüht sich seit sieben Jahren vergebens, die Genehmigung zur Errichtung eineir Synagoge zu erreichen. Sogar alljährlich während der liehen jüdischen Feiertage werden in Russland unzählige Jaden dem Sti afgericht überantwortet, weil sie es wagen, ohne behördliche Zustimmung einen „Minjan" zum ausschliesslichen Zwecke der Abhaltung von Gottesdiensten nsran stalten. Wer weiss es endlich nicht, dass in Moskau die mit Genehmigung der Behörde erbaute Synagoge seit beinahe zehn Jahren geschlossen dasteht, ohne dass es den Juden gelingen konnte, die Zustimmung der hohen Obrigkeit zur Oeffnung des Gotteshauses zu erwirlren. Hoffentlich wird es dem Manifeste des Zaren gelingen,, diese Uebel abzuschaffen und unseren Volksgenossen lie freie Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen. Kischinew. Die „Nowoje Wremja" und das neue in Kischnew ersch.ml ende antisemitische Blatt „Bessarabez" enthalten Depiescheii aus Kischenew, welche eine regelrechte Belagerung der im Gouvernement Cherson liegenden jüdischen Stadt Dubossary melden. Einzelheiten dieser Hetze gegen unsere Volksgenossen fehlen zwar, aber die Motive derselben sind lehrreich, weil sie beweisen, dass die Judenfeinde alle Hebel in Bewegung setzen, um kurz vor Eiirtritt des jüdischen Passahfestes das Blutmärchen aufzufrischen und dadurch unseren Volksgenossen neuen Kummer zu bereiten. Der Sachverhalt dieser merkwürdigen Geschichte war folgender: Ein Bauernbursche namens RybuLenko aus Dubossary verschwand aus dem Elternhause, und wie immer, fand sich auch diesmal ein „Augenzeuge", der gesehen haben wollte, wie Ryba* lenko eine jüdische Trödlerbude betrat, ohne diese wieder zu verlassen. Später wurde jedoch der Leichnam des Rybalenko im (Sarten seines Elternhauses gefunden. Dies genügte, um urfter der christlichen Bevölkerung von Dubossary den Glauben an einen Ritualmord zu wecken. Zwar traf aus Odessa der Staatsanwalt Sacharewitsch in Begleitung «ünes Arztes und einer Kommission ein, und stellte am 15. März amtlich fest, dass Rybalenko in einem Raufhsiiidel ermordet wurde, aber das half nichts: Die christliche Bevölkerung schenkte lieber jenen böswilligen Gerüchiten Glauben, welche in dem Tode Rybalenkos einer Ritualmord erblicken wollten. Und nun sprachen die Telegramme der antisemitischen Blätter Russlands von einer Belagerung der jüdischen Bevölkerung von Dubossary, welche die Bauern der umliegenden Dörfer unternommen haben. Gewiss, den russischen Behörden wird ös gelingen, unsere Volksgenossen zu schützen und auch Blutvergiessen zu verhüten, aber ein trauriges Merkmal der Zeit bleibt die Belagerung von Dubossary immerhin . . . Temir-Khan-Schura (Dagestangebiet im Kaukasus). Nach vielen Bemühungen ist es den Zionisten von Temir-Khan- Schura gelungen, die e r st e j ü d i s c h e Schule zu eröffnen. Der Eröffnung wohnte unter anderen hervorragenden Persönlichkeiten auch der Militär-Gouverneur von Dagestan bei. Es wurden yiele Lieder in hebräischer Sprache vorgetragen und begeisterte Reden gehalten. Tiflis. Auf Anordnung des Ministeriums des Innern wurde den Juden in Grusien verboten, sich in offiziellen Aktenstücken nmd Dokumenten verschiedenen Charakters als grusisch«e Juden zu bezeichnen, Dieselben müssen sich einfach Juäen nennen. Gt. Warschau. Wie der „Warschawskij Dnewnik" meldet, befasst sich die höchste Behörde im Weichselgebiete mit der Frage der Reorganisation der jüdischen Elementarschule. Es soll die Absicht bestehen, die Eröffnung von jüdischen Religion s schulen (Cheder) endgiltig zu verbieten . . . Diese Einmischung in die jüdische Religionsschule ist umso trauriger, als ja bekanntlich den Juden der Zutritt zu den allgemeinen Elementarschulen völlig versperrt ist, Gt.

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