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Die Welt · 1903-03-27 · 13 (27.3.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
13 (27.3.1903)
Article
Rede an der Bahre des verewigten Herrn Moriz Karpeles
Date
1903-03-27
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 13 „Die # Welt" Seite 7 eingeleitet wurden, da legte sich der Sturm, und wie Eliah am Choreb, vernahmen auch wir in allen Bäumen unseres Hauses eine j-rfcöi b)p2h erne Stimme sanften Säuseins, welche uns das Psalmwort zuflüstert: ^ßj-j -»Jat^K D^1j?b3) •)b D3ö«D wm Auf ewig werde ich meine Gnade ihm bewahren, mein Bund soll bewährt ihn» bleiben. Ja, wem es im Leben vergönnt ist, der Gotteslehre eine Stütze zu sein, der kann sich de* ewigen Gottesguade versichert halten, der steht in einem unlösbaren Bunde mit seinem Gotte. Es ist eben eine aus lern Grundwesen des Judentums fliessende, eineausunseremeinheitlichen, jedwede Unterscheidung zwischen Geistlickan und Laien ausschliessendenVolkscharakteremporgewachseneAnschauung, dass die stützenden Förderer der Thora über deren Träger stehen, jm&ttfö bxbzz bw lfcti» aia pwü Dtr aifc4) •Hnmi lrittHMW p,1K bw Sex Name des Mannes, welcher für die Gesetzestafeln die Bundeslade gezimmert hat, ist weit klangvoller, als die Namen der mit Salböl geweihten Priester. Die Männer, weichte ein jüdisches Lehrhaus gründen und erhalten, erwarben sich ein noch grösseres Verdienst bei Gott, als äse Männer, welche in einem solchen Hause forschen umd wirken. Wer dafür Sorge trägt, dass Lehrer und Jünger im Schatten der Allmacht sinnend und forschend in dies ewigen Wahrheiten unserer heiligen Religion sich verliefen, der wird dem Künstler gleich geachtet, dessen Nanae durch die Verfertigung der Bundeslade verewigt wurde, ^k1?^ Ibtr ^pi MSsb5) 'btib bx rwjw ^er Name BezaleL, sagen unsere alten Lehrer, ist ein tiefsinniger, denn er belehrt uns darüfcer, dass sein Träger die Verbreitung d es Gotteslichtes am mächtigsten gefördert hat, indem er einem unendlich grossen Kreise die Möglichkeit gebokn, im Schutze Gottes, im Schatten des Ewigen zu weilen. Ein solcher Bezalel warst du, Moriz Karpeles. Als Enkel eines durch seine tiefe Gelehrsamkeit, durch seinen grossen Scharfsinn hervorragenden Meisters in Israel, eines Mannes, dessen Name heuÄe noch mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt wird, bisrt du von Gott dessen gewürdigt worden, war es dir von ihm beschieden, der hingebungsvolle Beschützer und Förderer eines modernen und doch wieder altjüdischen Lehrhauses zu sein. Du hast fast ein ganzes Jahrzehnt, zuerst als eifriger Kurator und dann als umsichtsvoller Präsident d«s Kuratoriums Sorge dafür getragen, dass wir, Lehrer ujud Hörer bü bxZt *m Schatten Gottes ungestört und ungah^mmt dem Studium der Thorah und der Wissenschaft ies Judentums uns widmen können. Wie im Hohelied die Sulamith ihrem Trauten, so ruft die israelitisch-theologische Lehranstalt dirzu-.vHBT irottH warn ibats o-aanps *ii p -im mens6) ^j-jL, pinfc. Wie ein Apfelbaum unter des Waldes Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhne*), den Söhnen Israels; in seinem Schatten sass ich so gern und seine Frucht war meinem Gaumen so süss. Es bleibt iein unvergängliches, dein ungeschmälertes Verdienst, dau du von vorneherein darauf bedacht gewesen, die vollkommenste Selbständigkeit, die möglich grösste Unabhängigkeit unserer Lehranstalt zu sichern, damit sie gegea alLe schädlichen und verderblichen Parteieinflüsse geschützt und gefeit sei. Du wusstest es am besten, dass man umso höher in den Himmel hin einbauen könne, je festei man auf Erden steht, je tiefer man im Boden wurzelt; deshalb erkanntest du die materielle Sicherstellung unserer Anistalt als deine erste und heiligste Pflicht. Wir wussten es, dass hinter den rrs ^iTD» hinter den Wänden unseres Lehrhauses 2) L Kön. 19, 12. 3) Psalm 89, 29. 4) Tanchuma zu Wajakhel. 5) ebenda 6) Hohelied 2, 3. ein Mann mit -weitblickendem, weil von Liebe geschärftem Auge steht, ein Mann, von dem wir wieder mit der Sulamith sagen konnten p^g mbm p nwb i&rD in* wir m ruv) D^nn sieh', er steht hinter unseren Mauern, späht durch die Fenster, blickt durch die Gitter. Ja, deinoffenes Auge war überall; du kanntest die Vorzüge, aber amch die Fehler unserer Lehranistart; das konnte auch gar nicht anders sein; denn dir lag ihr Heil und Wohl am Herzen; dein Sinnen und Demtken war darauf gerichtet, sie immer mehr zur Höhe empcizubringen. Du hast dir das Wohlergehen unserer Hörer mit väterlicher Liebe angelegen sein lassen; dir war jfceine Mühe zu viel, keine Arbeit zu gross, wenn es galt, den aus unserer Lehranstalt hervorgegangenen jungen MännerJi zu ihrem Ziele zu verhelfen. Und was deinem Schaffen und Wirken die Krone aufsetzte, war die Tatsache, dass du dein Ehrenamt in altjüdischem Sinne auffasstest, im Gegensatze zu so vielen unserer Grossen, die unter Ehrenamt etwas verstehen, dem sie mit ihrem Namen zur Elu:<e gereichen, und nicht etwas, das ihnen und ihrem Namen zur Ehre gereicht. Du setztest eine Ehre, eine grosse Ehre darein, der Präsident unseres Kuratoriums ziu sein. Diese Auffassung ehrfce dich und ehrte uns; darum kann ich nicht umhin, diz jetzt sowohl in meinem eignen, wie auch im Namen unseres ganzen Lehrkörpers aU Scheidegruss das Wort des Propheten Jesaia zuzurufen: ^mnu ,3K1 mM3 vw nnpn nBKö8)- Dieweil du dich geehrt fühltest, in unseren Augen wert zu sein, liebten wir dieh, werden wir dir unsere Ldebe stets bewahren. Ich sage dir in meinem Namen, im Hamen meiner Kollegen, im Kamen unserer Hörer, der jetzigen wie aller früheren, Dank, herzinnigen Dank für alle Liebe und Güte, die du uns erwiesen, für den grossen und reichen Segen, den du in unsw«r Mitte und, ich darf es wohl aussprechen, auf lange, lange Seit hinaus im Judentum gestiftet hast. Wir werden dir ein treues, liebevolles, dankerfülltes Gedenken bewahren. Nimm aber auch die Ueberzeugurg ins Jenseits mit, das«, solange die israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien besUlten wird, sie bei der Nennung deines Namens mit dem Psalmisten ausrufen wird: -fe -iöpk übtyb )b ri3öK3 Wim vtorv Ewig werde ich meine Liebe ihm bewahren, mein Bund mit ihm soll ein bewahrter bleiben. —• Amen! ^Fibui)*. Anregung für den Nationalfords. Sehr geehrter Herr Redaktesnr! Gestatten Sie, dass ich unsere werten Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam mache, dass man für die Nationalfonds-Sammlungen leicht viel aufbringen könnte, wenn man bei allen Ankündigungen von Verlobungen und Hochzeiten jed& Anzeige mit einer Nation alfondsmarke frankieren würfle. Wenn das aus irgend welchen Gründen nicht geschehen kann, so sollte ein Pauschalbetrag, pro Anzeige 2 Heller (2 Pfennige, l/? Kopeke, '|a Sou & tc.) gerechnet, an den Nationalfonds abgeführt werden. Auch so-llten alle wohlhabenderen Gesinnungsgenossen ihre verstorbenen Familienangekörigen zum ewigen Andenke» in das Goldene Buch des DTationalfonds eintragen lassen, Fürwahr, jede jüdische Familie wird bei einem solchen schmerzlichen Anlasse gern* eine Mehrausgabe von 10) Pfd. SterL auf sich nehmen, um das Andenken des verewigten Familienmitgliedes zu ehren. Ich hoffe, sehr geehrter Herr Redakteur, dass Sie diese Anregungen unseren Gesinnungigenosssn durch Ihr geschätztes Blatt übermitteln werden. Im voraus bestens dankend Hochachtungsvoll Brünn. G„ A b e 1 e s. 7) ebenda Vm 9. 8) Jesaia 4£, 4.

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