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Die Welt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Article
Zur Wiener Rabbinerwahl
Date
1903-03-20
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 12 „Die # Weit44 Seite 7 die „Zionssache" missdeutet. Dem gesgenüber halte ich es als ein Mann des Friedens gewisserniassen für eine Berufspflicht, Sie dahin aufzuklären, dsa-ss es mir nicht beifallen konnte, in einem Gotteshause politische Anschauungen zur Sprache zu bringen. Ein Rabbiner kann imGotteshause nur religiöse Momente zum Gegenstande der Betrachtung und Belehrung machen, insbesondere wenn er zur Jugend spricht. Dementsprechenl habe ich lediglich von der weltgeschichtlichen religiösen Mission Israels gesprochen und dabei, wie leicht erklärlich betont, dass diese religiöse Mission weder in der politischen Wiederherstellung des jüdischen Staates noch in der Eroberung der Weltherrschaft, sondern nur in der Pflege, Erhaltung und Verbreitung der wahren Gottesidee und der damit zusammenhangenden Wahrheiten und Ideale bestehe. Ob und inwieweit ich im übrigen flen zionistischen Bestrebungen anhänge, konnte und sollte aas dieser Ausführung nicht erschlossen wer den. Es erscheint nibr aber auch nicht angezeigt, aus diesem Anlasse hier meine Meinung darüber des Weiteren zu entwickeln, wenn ich es auch nicht verhehlen will, dass ich mit vielen aaäeren Kollegen seit geraumer Zeit nicht mehr auf dem ursprünglichen Standpunkte der sogenannten „Proksi-Rabbiner" stehe. Ich überlasse es Ihrem Ermessen, ob Sie dieses Schreiben veröffentlichen oder lediglich zur Kenntnis nehmen wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. E. Davi d." Wir geben dieser Berichtigung gerne Raum. Für uns erhellt daraus das eine, dass Herr Dr. David die Empfindung hat, dass eine nachträgliche Korrektur und Interpretation seiner Predigt nötig sei. Dass er auch in dieser Erklärung sich wieder sehr veiiHausuliert und sich nicht entschliessen kann, ein entschiedenes Ja oder Nein zu sagen, ist offenkundig, Wir sini daher nicht in der Lage, unsere Meinung über Herrn Dr, David zu ändern. Uebrigens ist es uns dabei nicht um Li« Person des Herrn Dr. David zu tun, sondern darum, die massgebenden Personen zu warnen, die jüdisch-nailonalen zionistischen Mitglieder der Wiener Kultusgemeinde mutwillig zu einem rücksichtslosen Kampfe zu provozieren. Jüdische Volksversammlung! Samstag den 21. März, präzis* 8 Uhr abends, findet im „Hotel Central", IL, TaborStrasse, eine Grosse öffentliche jüdische YcIksYersammlüng statt. Tagesordnung: Die demnächst stattfindende Rabbinerwahl und die Forderungen der jüdischen Bevölkerung. PS. Die Ordner werden ersucht, sich präzise 7 Uhr einzufinden. Das Dfetrikts-Komitee. $*ibäi)e* Anregung zur Förderung des lUtionalfonds* Sehr geehrter Herr Redakteur! Es sind unter dieser Rubrik bereits verschiedene Vorschläge gemacht worden, welche alle ausführbar zu sein scheinen, aber meist nur die pekuniäre Seite in Betracht ziehen; ich möchte es mit;, einem Vorschlage versuchen, welcher ausser dieser die Propaganda und das Erziehliche in unserer Bewegung fördern soll. Wie wär's, wenn wir die Kinder zu „edlem Tun" heranzögen und diese allmichtigen Bundesgenossen als Hilfskräfte verwerten würden? Ich bin überzeugt, dass unsere kleinen Lieblinge (1 &bei keinen Schaden nehmen, sondern ethisch in hohem Grade gewinnen werden. Vor allem sollen sie uns die säntmigen Mütter zuführen. Das denke ich mir wie folgt: Ein Verein von zionistischen Frauen und Mädchen unter der Oberleitung einer Dame, wie es unsere unermüdliche, wackere Gesinnungsgenossin Frau Dr. Sidonie Kahn ist, macht es sich, zur Aufgabe, die Kleinen anzuwerben. Vorerst die Kinder der eigenen Bekanntenkreise, durch dies& wieder Frauen und Mädchen aus weiteren Kreisen, welche immer neue Kinder zuführen bis ins Unendliche. Jedes neu anzuwerbende Kind vom sechsten fahre, dem schulpflichtigen Alter, angefangen, erhält als Aufforderung ein Schreiben, in welchem ihm zu Gemüte geführt wird, dass es die Pflicht auf sich nehme, zur Verbesserung les Loses seiner Mitgeschöpfe sein Scheaflein beizutragen, indem es einmal wöchentlich in eine hierzu bestimmte Sparbüchse 2 Heller, respektive 2 Pfennige, 72 Penny, L/a Sou, lj2 Soldo, lj% Kopeke u. s. w. zu dem beregten Zwrecke hineinwirft, dazu ein Zettekhen mit Namen und Datum. Aber ja nicht mehr als die genannte Summe, danoit auch die armen Kinder sich an dem grossen Werke beteiligen können und weil weder die Eitelkeit noch der falsche Ehrgeiz bei unseren Kindern gezüchtet, vielmehr ein Gefühl der Gleichheit erzeugt werden soll. Hinzufügen darf es nur jene Pfennige, welche ebenfalls bloss ei nm al wöchentlich Eltern und erwachsene Freunde beisteuern. Diese Büchsen sollen einmal im Jahre, und zwar an einem bestimmten Tage des Chanuka - Festes, in einem zu diesem Zwecke festlich geschmückten Lokale von. den kleinen Spendern übergeben werden, bei welcher Gelegenheit sie durch eine Feier belohnt werden. Kinder, welche drei Jahre hintereinander der übernommenen Pflicht pünktlich nachkommen, sollen zum Andenken ein zionistisches Abzeichen erhalten. Selbstverständlich müsste die Organisation in dien Ländern eine stramme und einheitliche sein, wenn das Ziel erreicht werden soll. Florenz, in der Purim- Woche 5663. Bertha Markos. * Jüdische Kommilitonen! Uaser Ansuchen um Anerkennung der jüdischen Nationalität'wurde von Seite des Wiener akademischen Senates mit dem Bescheide beantwortet, dass es der jüdischen Studemtenschaft niemals yei wehrt gewesen sei, „innerhalb der Grenzen der akademischen Gesetze ihren Anschauungen in Bezug auf ihre Nationalität Ausdruck zu geben". Im Sinne dieser Erledigung unseres Ansuchens hat die Vetxetung der zionistischen Studentenschaft beschlossen, eine Aufforderung an die gesamte jüdische Studentenscliaft Wiens ergehen zu lassen, schon im kommenden Sommersemester die Rubrik „Muttersprache" beziehungsweise „Nationalität" im Nationale m it „jüdisch" auszufüllen; denn nur auf diese Weise können wir', im Rahmen der akademischen Gesetze verbleibend, verhindern, dass wir gegen unseren Willen, unter Zugrundelegung dei' in unserem Falle nicht ausschlaggebenden Muttersprache4 anderen Nationen zugezählt werden. Jüdische Kommilitonen! Diesen Schritt müssen wir unternehmen, wollen wir nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Was wir von euch verlangen, ist nur ein weiterer notwendiger Schritt unserer auf Grund der Massenversammlung vom 27. November und 4«. Dezember 1902 eingeleiteten Aktion. Jüdische Kommilitonen! Wer von der Wichtigkeit dieser Aktion überzeugt und durchdrungen ist, wem die berechtigten Forderungen unseres Volkstums am Herzen liegen, wird uns auch jetzt folgen, um den akademischen Behörden auch fernerhin durch die numerische Stirke unsere Solidarität in dieser Frage zu beweisen. Jüdische Kommiiitonen! Wir setzen unser vollstes Vertrauen in eure Ueberz^ugungstreue S Akademische Verbindung „Kadimah". Akademische Verbindung „Ivria". Akademische Verbindung „Uni las", Akademisches Verbindung „Libanonia". Akademische Verbindung „Maiecabaea". Akademischer Verein „Bar Giora". Akademischer Verein ,,Bar-Kochba\ Akademischer Verein „Erez Israel"-. Akademischer Verein „Leo Pinsker". Akademischer Verein „TheologiaV „Vereinigung zionistischer Hochschülerfc.

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