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Die Welt · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Article
Gemeindebericht aus Jassy
Date
1903-03-20
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 JM»'$:-'WeltP Nr. 12 verein erhalten wird, wurden ebenfalls einige Wohltätigkeits- Vorstellungen veranstaltet, welche mehr als 1000 Frcs. einbrachten, ebenso hat die unter Leitung des Herrn Dr. Lippe bestehende Lesehalle des Vereines der „Handelsgehilfen", des „Vereines jüdischer Studenten" und der „Stern-Verein" literarische und musikalische Abende zum Zwecke ihrer Erhaltung gegeben. Die Leitung des jüdischen' Krankenhauses, welches gegen 100 Betten hat, veranstaltet wie alljährlich einen Ball, der gegen 4000 Francs bringt. Bald beginnt die Sammlung für Mazzoth. Wenn man all das zusammenrechnet und sich vergegenwärtigt, dass die Masse der jüdischen Bevölkerung nichts geben kann, die wenigen Grosskapitalisten nicht allzu viel spenden und nur der eigentliche Mittelstand alles zu tragen hat und neben der öffentlichen Wohltätigkeit eine private, stille vorhanden sein muss, um — ohne Uebertreibung — die nach tausenden zählenden verschämten Armen vor dem Hungertode zu retten, so wird man es begreifen, dass für die jüdische Volksküche in der Stadt nur wenig aufzubringen ist. Die Volksküche, welche unter Leitung des Herrn Goldenthal steht, ist eine Notwendigkeit geworden, besonders für die zirka 300 Schüler, welche teils gratis, teils für %\ Cts. beköstigt werden* Auch die Familien, deren Häupter ausgewandert sind (deren Zahl sich täglich vermehrt), sind auf die Volksküche angewiesen. Leider sieht sich aber die „ AJlianee Israelite", welche diese Anstalt bisher unterstützt hat, gezwungen (?), dieselbe zu schliessen. Man hofft jedoch, dass diese notwendige Wohltätigkeitsanstalt bald wieder eröffnet werden wird. Wenn man im Dienste de& Judentums für die Hebung der jüdischen Kultur bei unserer Jugend sorgen will, was hier durch die Einrichtung unentgeltlicher Kurse über jüdische Religion und Geschichte durch Herrn Rabbiner Dr. Niemirower in der jüdischen Lesehalle geschieht, so muss man auch dafür sorgen, dass die armen Schüler Nahrung bekommen, was nur in der Volksküche möglich ist. Wenn man die Emigranten unterstützt, so muss auch an ihre armen Familien und Kinder gedacht werden, für welche die Volksküche eine notwendige Hilfe war. Die ausländische Philanthropie, welche für die Juden Jassys so viel geleistet hat, wird schwerlich den Untergang einer solchen Anstalt zugeben und die Volksküche wieder unterstützen, bis bessere Zeiten kommen, in welchen es den Juden Jassys möglich sein wird, dieselbe aus eigener Kraft zu erhalten. Israelowitz. Die Juden in den Vereinigten Staaten. Hierüber schreibt Herr Simon W. Hanauer folgendes: „Was der Jude für die Welt getan hat, bildet das Sujet einer Vorlesung, welche in einer der aristokratischesten protestantischen Kirchen in Philadelphia stattfand. Der Vorleser war Dr. Madison C. Peters, ein distingierter Prediger der Christenheit in der Union, Ein Teil seines Vortrages erstreckte sich auf die Tätigkeit der Juden im öffentlichen Leben der Vereinigten Staaten, wobei er unter anderem sagte: „Zur Zeit unseres Befreiungskrieges (1776—1783) gegen England waren nur wenige Juden in den dreizehn Kolonien, doch sie nahmen innigen Anteil an dem grossen Kampfe, der zur Gründung der grossen Eepublik führte. Unter den amerikanischen Juden, die sich damals unter den Patrioten auszeichneten, war Chaim Salomon in Philadelphia, der den revoltierenden Kolonien nahezu 600.000 Dollars für Verteidigungszwecke vorschoss, ohne Aussicht auf Rückerstattung. Salomon war ein intimer Freund der polnischen Generäle Pulaski und KosciuszkOj die für unsere Vorfahren fochten. Unser Washington, der Oberbefehlshaber im Revolutionskriege, hatte zwei Juden in seinem Stabe: den Major Mordecai Noah und Oberst Isaak Franks. Im zweiten Kriege gegen England (1812—1814) zeichnete sich ein J ude — der General Joseph Bloomfield — aus. Zur gleichen Konfession gehörte der tüchtige General David de Leon, welcher ein Armee-Kommando in unserem Kriege gegen Mexiko hatte. Auch unsere Kriegsmarine hat verdienstvolle Juden aufzuweisen, darunter vornehmlich den Flag-Offizier (Admiral) Ulrich Philippo Le vy. Ungefähr 800 Juden dienten als Freiwillige in unserem Bürgerkriege (1861—1865) und mehr als 4Ö00 unserer Freiwilligen - Armee im letzten Kriege gegen Spanien waren mosaischer Religion.* Das amerikanische Einwanderungs-Gesetz, Der amerikanische Kongress hat am 3. d.M. den Bericht der gemeinsamen Konferenz beider Häuser, betreffend die Ein w and er un g s-Vo r 1 a ge, angenommen. Unter den beschlossenen Bestimmungen sind solche, welche die Einwanderungs-Inspektoren ermächtigten, fremde Länder zu besuchen. Der Nach weissem es bestimmten Bildungsgrades ist nicht in das Gesetz aufgenommen. Die Erhebung einer Kopfsteuer bis zu zwei Dollars wird eingeführt; diese Steuer ist aber von jedem ins Land kommenden Reisenden, nicht nui von Auswanderern, zu erheben. Im allgemeinen scheint es, dass die Bestimmungen der neuen Einwanderungsbill für die Juden nicht gerade ungünstig sind. Einzig und allein der § 5 des Gesetzes könnte auf sie angewendet werden. Nach diesem sind von der Landung ausgeschlossen: Personen, die sich in einem solchen körperlichen Zustande befinden, dass sie offenbar unfähig sind, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und deshalb dem Gemeinwesen dauernd zur Last fallen müssen, also „Paupers*. Als „Paupers* gelten aber keineswegs alle, die über kein bares Geld verfügen, sondern nur solche, die offenbar völlig mittel- und hilflos sind, auch keine Freunde und Verwandte besitzen, die so lange für ihren Unterhalt sorgen können und sich auch dazu verpflichten, bis sie imstande sind, selbst für sich zu sorgen. Es liegt nun in der Natur der Sache, dass Fälle vorkommen, in denen einzelne Einwanderer vielleicht mit Unrecht unter einzelne Rubriken gerechnet werden. Damit aber tunlichst derartige Missgriffe vermieden werden, bestimmt das Gesetz, dass 1. die Reedereien keine Personen an Bord nehmen sollen, die nach den amerikanischen Gesetzen nicht landen dürfen. Jedem, der Passage nach Amerika nimmt, ist des* halb ein ausführlicher Fragebogen vorzulegen, in dem alle Hinderungsgründe speziell berücksichtigt sind. 2. Der Fall jedes einzelnen Ankömmlings kommt vor eine Behörde, die unter Zuziehung von Dolmetschern eine Spezialuntersuchung vornimmt. Die Abweisung darf nur erfolgen, wenn diese Behörde in dem betreffenden einen wirklich unerwünschten Einwanderer erblickt, der nach dem Gesetze nicht landen darf. 3. Gegen die Beschlüsse des Spezial-Untersuchungsamtes ist Appellation zulässig. Die Ankömmlinge dürfen sich einen Anwalt engagieren, der nicht mehr als 5 Dollars für die Vertretung liquidieren darf, ihre Freunde und Verwandten zuhilfe rufen, auch an die verschiedenen Gesellschaften zum Schutze der Einwanderer rekurrieren, die eigens hierzu von den verschiedenen Nationen ins Leben gerufen wurden. Man wird zugestehen müssen, dass bei diesen Kautelen ein Fall schon ziemlich krass liegen muss, wenn einem Einwanderer von rechtswegen die Landung untersagt wird. Zur Wiener Rabbinerwahl. Herr Rabbiner Dr.. E» David, Düsseldorf, sendet uns folgendes Schreiben: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Wie ich einem Artikel in Nr. 10 Ihrer geschätzten Zeitschrift nachträglich entnehme, wird ein von mir in der Exhorte im Jugendgottesdienste ausgesprochener Satz zu meinem nicht geringen Befremden als ein Angriff auf

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