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Die Welt · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Article
[Kommentar] / C-k.
Date
1903-03-13
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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Seite Ii 4>fe & Welt" Unglück geläuterte Seele in die erste Reihe der Soldaten gegen das Elend, Sie hat zwei Bndziele: den Tuberkulösen will sie Heilstätten, den anderen Kranken erlesene Pflege schaffen, indem sie die Krankenpflege in Schulen, Pflegerinnen-Schulen gelehrt haben will. Diesen Zielen geht sie mit seltener, idealer Energie nach. Durch Studien, Reisen, Vorträge, Sammlungen, Besuche .arbeitet sie mit Leidenschaftlichkeit und Aufopferung am Werke jener Edlen mit, die die Gesunden für die Kranken aufrufen. Mit männlichnüchterner Sachlichkeit und weiblich-feiner Psychologie tritt sie an das Denken und Fühlen der Angerufenen heran und trotz der Bescheidenheit der Verfasserin können wir sagen, dass manches Bestehende in der Volkswohlfahrt ihr den Ursprung verdankt. Sie hat an sich selbst die Schule durchgemacht, die sie für andere verlangt,. und die beste Pflegerinnen-Schule am Kontinent frequentiert. Gegenüber dieser Selbstlosigkeit und diesem Idealismus wirkt es tragisch, dass eine dumpfe Gesellschaft fast nichts von den Plänen der Verfasserin verwirklicht. Die Lungenkranken Oesterreichs gehen, wenn sie arm sind, noch immer in ihrem freudlosen Heim zugrunde und quälen und bedrohen ihre Familie. Die Spitalskranken sind noch immer von der Strasse geholten Pflegerinnen ausgeliefert. In einem Falle hat sich aber die Wiener Kultusgemeinde als die Gemeinde des Unwahrscheinlichsten bewiesen. Henriette Weiss will am Rothschild-Spital eine Pflegerinnen-Schule ins Leben rufen. Sie hat ausgesuchtes Menschenmaterial. Sie tut das Aeusserste und schafft Geld. Die Kultusgemeinde bewilligt die Schule am Rothschild-Spital nicht. Henriette Weiss sagt, sie sei müde und ziehe sich zurück. Ihr Arbeitstag aber wird noch kommen. Wir sind stolz darauf, diese schöne Seele unser nennen zu dürfen. Es wird die Zeit kommen, wo das Beste für die. Volkswohlfahrt gesucht werden wird. Es wird die Zeit kommen, wo das Ghetto wird geheilt werden müssen. Da wird Erfahrung, und Schaffenskraft gesucht werden. Dann wird die Ruhe Henriette Weiss' zu Ende sein. y. Druckfelllerberichtigung. Seite 15, zweite Spalte, Zeile 35 der vorigen Nummer soll es in meiner Besprechung richtig heissen: „ Volks - Renaissanzen werden von der Literatur nicht gemacht, sondern* u. s. w. A. S. Zeitschriften-Rundschau. Wie abnormal Wanderleben und Elend das Judenleben gestaltet haben,;geht aus einem Artikel des Londoner „Standard" hervor, der über jüdische Ehescheidungen im Armenviertel Londons spricht. Ein jüdisches Ideal, das Familienleben, ist im Wüten der Not untergegangen. Der Mann verläset die Familie, zwar mit den besten Vorsätzen, aber die Not macht ihn zum Deserteur, er kehrt nie wieder. Dadurch ist aber seine Frau zur Ohnmacht verdammt. Denn sie entbehrt einer männlichen Stütze, kann aber eine solche nicht wieder erhalten, bevor sie nicht von ihrem ersten Manne geschieden ist. Und so wimmeln die jüdischen Blätter im Annoncenteil von Bitten verlassener Frauen, ihnen den Ghet zu geben — den Scheidungsbrief einzusenden. Gewissenlose Männer treiben da wohl auch mit dem Zwange Missbrauch und erpressen in ihrer Erbärmlichkeit noch Geld für die Erlaubnis. Wie die Heirat dieser Paare spielt sich auch die Trennung ohne Inanspruchnahme der Staatsgewalten nur in jüdischem Rahmen ab. Getraut wird von einem Rabbiner; der Scheidungsbrief, die nach jüdischem Rechte giltige Aufsage, könnte auch vom Manne im eigenen Wirkungskreise erlassen werden. Aber dieser „Ghet" muss traditionell in ganz bestimmten Formen abgefasst sein, in ganz bestimmten Formen übergeben werden. Und so leitet die Abfassung und Uebergabe wieder ein Rabbi oder Chassid gegen Erlag eines Betrages von 3—18 Schilling. Und die Versicherung des „Standard", übrigens eine bekannte Tatsache, dass viele Rabbiner und Rabbinchen aus dem Gelde für die Scheidung einen grossen Teil ihres Einkommens ziehen, zeigt von der Häufigkeit der Scheidungsfälle, von der Grösse der Not, die sie hervorrief. — y. Die Nr. 10 des „Corriere Israelitico8 in Triest bringt als Leitartikel den Aufsatz Dr. No r daus: „Patriotismus und Zionismus", — Herr Riccardo Curiel bespricht in einem interessanten Artikel die „Lieder aus dem Ghetto" von M. Rosenfeld. Zwai ist die biographische Skizze, die er gegeben hat, sehr unvollständig. Auch nennt er unrichtigerweise den Jargon ,1a lingua ebraica moderna*, was bei den unkundigen italienischen Lesern den Gedanken erregen könnte, dass Neuhebräisch und Jargon dasselbe seien. Schon die dritte Nummer bringt gan^ze Seiten über den getauften angeblichenRabbiner von Genua. Es wäre schon wirklich einmal Zeit, die Sache der Vergessenheit, die sie verdient, zu übergeben. Soviel Lärm um nichts! Dieselbe Nummer bringt eine interessante Notiz über die bevorstehende Publikation eines religiösen Werkes des berühmten Exministers Luigi Luzzatti, das bei Barbera erscheinen wird. Das Werk wird heissen „Gott in der Geschichte der Gewissensfreiheit" — ein freisinniges Seitenstück zu BUnsens „Gott in der Geschichte", Die Antwerpener Zeitung „Le Matin" bringt in Nr. 61 (3. März) einen kleinen Artikel unter dem Titel „Une singuliere controverse" (Ein eigentümlicher Streit). Die zionistisch gesinnten Studenten von Antwerpen haben nämlich die behördliche Anerkennung ihrer Nationalität verlangt. Nun wundert sich der „Matin" ungemein darüber und findet es höchst kurios, dass Leute die Anerkennung einer Nationalität fordern, die noch nicht existiert. «Das Reich Zion existiert nur als Projekt, es ist noch so unsicher, dass seine Verfechter — meist „Rabbiner und israelitische Philanthropen* — noch nicht einmal darüber im klaren sind, wo das Reich eigentlich sein wird." Nicht die völlige, krasse Ignoranz des „Matin" in zionisticis wundert uns — das ist ja Zeitungsart — sondern sein schwaches Gedächtnis. Erst vor einigen Monaten schrieb dieselbe Zeitung in einem Artikel „Vers Jerusalem" mit voller Sachkenntnis und Sympathie über unsere Bewegung und gebrauchte unter anderem ungefähr folgende Worte : „Der Zionismus, der gestern eine Chimäre war, ist heute e ine ernste Bewegung u,nd wird morgen vielleicht ein fait accompli sein." Hat der „Matin" seine eigenen Worte schon vergessen? C—k. Die Nr. 9 des „Hamagid" bringt eine der letzten Erzählungen des verstorbenen Schriftstellers R. A. Brandes: „Mischloah Monos* (Purimgeschenke). Die Erzählung, die schon vor sechs Jahren zum erstenmale erschien, ist in echter Braudes-Art geschrieben.: fein, zierlich, humoristisch . . , Die letzte Nummer (9) des „Oiam Katan* bringt wie immer schöne und unterhaltende Kindererzählungen. So ist zum Beispiel die Erzählung des bekannten Schriftstellers J. Berschadski „Erzählungen des alten Onkels", eine der schlichtesten und besten, die „Olam Katan* überhaupt gebracht hat. — k. Briefkasten. Dr. Edelstein, Bonn: Ihr Schreiben werden wir brieflich behandeln. Ein Missverständnis ist ausgeschlossen. Dass der betreffende Herr nachträglich bereut und interpretiert, zeigt, dass er selber einsieht, wie unklug er gehandelt hat. Näheres brieflich. Gruss. Dr. Jeremias, Posen: Dankend akzeptiert. Ein Teil wird von uns besorgt, ein anderer Ihnen übergeben werden. Gruss. Hr. A. Mercy, Wien, wird höflichst um Angabe seiner Adresse ersucht. Hr. H. Regner, Berlin: Der betreffende Abgeordnete ist nicht jüdischer Abkunft. Hr. M. Katz: Wir hoffen, darüber ausführlichen Bericht zu bekommen. Gruss. Hr. K., Freiburg: Besten Dank für Ihre Anfrage. Wir wollten sie publizieren. Da wir aber damit eine endlose Debatte zu entfesseln fürchten, haben wir es schliesslich doch unterlassen. Senden Sie uns doch bei Gelegenheit wieder etwas ein. Freundlichen Gruss. „M. C.": Die Höhe der Dividende wird von der nächsten Generalversammlung, die gleichzeitig mit dem Kongresse stattfinden wird, bestimmt werden. Heirn l Mayer: Dank. Wurde, wenn auch nicht so ganz, wie Sie wünschten, gebracht. Herrn ML Igel: Den Vorschlag, ebenso wie den Schekei für die Agitation, so auch einen Schekei für den Nationalfonds von jedem Zionisten zu erheben, werden wir dem Nationalfonds-Kommissär unterbreiten. Das üebrige wurde publiziert. Alte Abonnentin, Tuckum: Wir können Ihnen leider keine Adresse angeben. Wir werden urs aber am zuständigen Orte erkundigen und Ihnen dann antworten. Herrn Wölpe, Frankfurt: Herzlichen Dank iür ihr Telegramm. Wir haben ohnedies die Absicht gehabt, davon Notiz zu nehmen. Wie Sie aus unserer dieswöchentlichen Nummer ersehen werden, ist Ihr Wunsch erfüllt worden. Freundschaftlichen Qruss.

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