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Die Welt · 1903-03-13 · 11 (13.3.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
11 (13.3.1903)
Article
Golusfeste
Date
1903-03-13
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr 11 „Die # Melt" Seite 7 18. Thamüz : Purim auf Kandia. 2. Elul: Purim in Marokko. Das Fest wird in Tetuari nach allen Regeln des traditionellen Purim gefeiert und heisst dort „Purim de lös Christianos"; in Tanger hersst es „Purim de los Bombas'V 10. Elul: „Purim de Bulla" in. Padua. 4, Cheschwan: Purina in Algier. 11. Tebeth: Purim k. Lcpanto. 21Tebeth: Vorhangs-Purim in Prag. 19. Schebat: »Purim-Saragossa* mit vorhergehenden 2 Fasttagen. Dieser Purim wurde noch bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch in Sizilien, Jerusalem und anderen Gemeinden des Orients gefeiert. 28. Schebhat: Purim in Avignon. 10. Adar: Powidel-Puiim der Familie Brandeis in Böhmen. 21. Adar: Purim iit Frankfurt a. M. mit vorhergehenden zwei Fasttagen. 27. Adar: Purim in Kai ro. Diese Purimtage sind! Feste einzelner Gemeinden oder auch Familien, die eine Rettung aus der Not, ein Wunder, durch welches sie von droDiiender Gefahr befreit wurden, feiern. Wie selten aber stellte sich leider dieses errettende Wunder ein! Wie viel zaUieicher, ja wie unzählig sind diejenigen Denktage, die wir ofcukfc „Purim", durch blosses Fasten begehen, Tage, an denen wir all der Martern und Qualen, des unschuldig vergossenen Blutes, der auf unzähligen aufflamlhenden Scheiterhuiffea verbrannten Märtyrer gedenken. Wer diese Gedenktage kennen will, sehlage unsere Geschichte auf, möge die mit dem Blute unserer Herzen geschriebene Tragödie unseres Goluslebens in der Fremde nachlesen. Wessen Herz iitlclht aufgehört hat, so grosse Leiden und Schmerzen eines ganzen, seines eigenen Volkes mitzuempfinden, der wird es in seinem Innersten fühlen, dass die höchste Siaifel der Leidensleiter, um bei Znnz' Gleichnis zu bleiben, erklommen sei, fühlen, welche Schmach es sei, dass sich am durch solche Leiden geadeltes Volk dem allmählichen Siechtum und Verfalle überlasse und wünschen, dass die anderthalb Jahrtausende währende Tragödie von den dichtenden und darstellenden Helden in ein freudiges, Schauspiel Terwändelt werde. Und wessen Hirn nicht verlernt hat nach den allermenschlichsten Denkregeln Schlüsse zu ziehen, wird einsehen, dass solche „traurige Freudentage", PmrihL mit vorausgehendem Fasten, eben nur Golusfeste sind, äi& ein Volk erleben muss, wenn es keine Heimat hat, wenm es nicht in der Lage ist, seine Geschicke selber zu bestimmen. Er wird einsehen, dass das Golus ein Ende nehmen müsse, und mithelfen an dem Befreiungswerke, welches den Golusfesten den Nährboden entzieht. H e n e s. Rumänische Täuschungen. In der Sitzung des nioiän. S en a t s vom 26. Februar wurde über die N a tu r aLis at i o n ein es j ü disc h en Apothekers namens Fr« n k e 1 verhandelt. Die Abgeordnetenkammer hatte die Naturalisation bereits bewilligt. Der Senator Gradisteanu erklärte, ein gewisser Züsman habe erzählt, dass Fr enk el sich gerühmt habe, eine bedeutende Summe bei eii«m Bankier deponiert zu haben, um Stimmen der Senatomi zu kaufen. „Angesichts einer solchen perfiden Insinuationa, bemerkte Gradisteanu, „haben wir das Recht, fcufzutreten und zu protegieren gegen denjenigen, der solcUie Erfindungen verbreitet. Ebenso müssen wir die Natur alisationen verschieben, bis eine Untersuchung veranstaltet worden ist»" Vergehens machten der Präsident und der Senator Irvoreanu geltend, dass solche Albernheiten die Senatoren nicht beeinflussen könnten. Die Naturalisation faurde mit 24 gegen 15 Stimmen verworfen, ebenso diejenige des jüdischen Arztes Züsm an mit 32 gegen 7 (Stimmen. Beide hatten mit den von Gradisteanu erwähnten Gerüchten nichts zu tun gehabt und die Mehrheit des Senats hat nur gezeigt, dass sie einen Vorwand haben wollte, um die Naturalisationen von Juden zu verwerfen. Statt der 100 Naturalisationen, die in einer Session bewilligt werden sollten, sind in dieser Session nur —-3 gewährt worden. „Wenn die Regierung" — sagt das Blatt „Egalitatea8 treffend — überzeugt davon wäre, dass es gut ist, etwas für die Lösung der Judenfrage zu tun, würde sie sich nicht auf das Indigenat beschränken, sondern etwas Dauerhafteres schaffen: sie würde die beschränkenden Gesetze entfernen und die Juden auf denselben Fuss der Gleichheit wie die Rumänen setzen." Das will eben die rumänische Regierung nicht, sondern sie wünscht nur, durch einige Naturalisationen die öffentliche Meinung der zivilisierten Welt für sich günstiger zu stimmen, aber selbst hierbei stösst sie auf Widerstand in den gesetzgebenden Körperschaften* Jedenfalls sollte sich niemand durch solche Machenschaften täuschen lassen. '[ („Frankf. Ztg.") ^ribui)«. Anregungen für den Nationalfonds. Sehr geehrter Herr Redakteur! Herr Davidowicz berichtet in der Nummer 10 dea „Welt* über eine Einrichtung In dem Cheder von Alt- Autz, die ich zur Nachahmung seitens der Gesinnungsgenossen dringend empfehle. Auf jedes Schreibheft der Schule ist nämlich eine Nationalfondsmarke geklebt. Die ausgeschriebenen Hefte werden gesammelt, verkauft und der Erlös wieder de n Nationalfonds zugewiesen. Das Messe sich nicht nur in den Chedarim, sondern in allen jüdischen Schulen durchführen. Jeder Vater sollte dafür sorgen, dass in jedem Hefte und auf jedem Buche seines Kindes die Nationalfondsmarke angebracht werde. Der Erlös aus dem Verkauf der gebrauchten Hefte und Bücher sollte von den Kindern selbst gesammelt und dem Nationalfonds abgeführt werden. Alle Marken-Albums, Ansichtskarten-Sammlungen etc. sollten mit Nationalfondsmarken abgestempelt werden. Durch diese und ähnliche Einrichtungen würde nicht nur unseren Kindern von früh auf unsere Idee fest eingeprägt, sondern auch unserem Nationalfonds eine beträchtliche Summe zufliessen. Hochachtungsvoll Wien, 8. März 1903. Jochanan Mayer. *• Wien, 10. März. Löbliche Redaktion! In Wien werden meines Wissens ein Dutzend Schekelfeiern abgehalten, abgesehen von den zahlreichen Purim- Unterhaltungen von Vereinen und in Freundeskreisen. Das österreichische Distrikts-Komitee oder die „Welt" sollte keinen Bericht über diese Versammlungen zur Kenntnis nehmen, in dem nicht die Zahl der Teilnehmer angegeben und für jeden Teilnehmer mindestens ein Betrag von 2 Hellern an den Nationalfonds abgeführt wird. Natürlich muss jede verkaufte Karte mit einer Nationalfondsinarke versehen werden. Ich halte das einfach für eine Pflicht der Gesinnungsgenossen und empfehle diesen Vorgang auch den Gesinnungsgenossen an anderen Orten für jede andere Versammlung oder wie immer geartete Veranstaltung. Mit Zionsgruss Ihr ergebener M. Igel. Verehrte Gesinnungsgenossen! Der „Verein jüdischer Handelsangestellter Wien" veranstaltet Samstag den 21. März 1902 im Festsaale des ,Hotel Continental", ü., Taborstrasse, sein Gründungsfest. Ihre freundliche Mitwirkung haben zugesagt: die Herren Heinrich P re ch tler, k. k. Hofburg-Schauspieler, Arthur Guttmann, Mitglied des Josefstädter Theaters, Professor J. Auber; die Damen Mila Thoren, Mitglied des Theaters an der Wien, Gisa Golden, Konzertsängerin etc. etc. Die Ballmusik besorgt die Kapelle des Musikdirektors Emil Bauer, Tanzarrangement Professor J. Singer. Das Komitee hat nach allen Kräften darnach getrachtet, den Abend zu einem

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