Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 10 (6.3.1903)
- Article
- Lord Roberts und die jüdischen Soldaten
- Date
- 1903-03-06
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 „Die fr Welt" Seite 11 sind, die einen so wertvollen Besitz unserer militärischen Macht bedeuten. Ihr sehr ergebener Roberts, F.-M." Zehn Gebote für Antisemiten. In einem christlich-sozialen Bezirksblättchen „Wiener Volksbote" finden sich folgende zehn Gebote für Christlich-Sozia.1« : 1. Taufet alle eure Hunde auf den Namen Isaak und alle eure Hündinnen auf den Namen Rebekka % Verfluchet unter allen Völkern nur den Namen des Juden, 3. Tapeziert alle eure Wände mit Bildern von Juden, auf dass ihr stets an die Judengefahr erinnert werdet. 4. Boykottiert alle jüdischen G^&chäfte. 5. Gebrauchet niemals Judenblätter oder höchstens zu ganz anderen Zwecken als zu politischen. 6. Wenn ihr eure Kind prügelt, saget ihn en s t e t s : „Dies sind jüdische Liebkosungen." 7. Erschreckt eure Kleinen nicht mehr mit dem „Wauwau1, sondern drohet den unartigen Kindern mit den Worten : „Der Jude kommtl" 8. Die Raubvögel nennet hinfort nie anders als „Ju denvögel". 9. Zeiget an und verfolget hinfarfc unbarmherzig jeden jüdischen Wucherer und Schwindler- 10. Schliesset hinfort aus all«n euren gesellschaftlichen Vereinigungen und Vergnügungen den Juden aus, denn er ist nicht euresgleichen ... Eine vormärzliche Judenbolfette für Wien. Bekanntlich war vor dem Jahr 1848 fremden Juden der Aufenthalt in Wien in der Regel nur von vierzehn zu vierzehn Tagen gestattet. Wir teilen nachstehend den Wortlaut einer diesbezüglichen Aufenthaltsbollette mit. Nr---- Aufenthaltserlaubnis. Von der k. k. Polizei-Oberdirekbion wird dem . . . ., wohnhaft . . . ., auf gehorsamstes Ansuchen der hiesige Aufenthalt von heute bis ... . das ist durch .... Tage hiermit gegen dem zugestanden, dass , . . . sich nach dem unterm % Jänner 1782 ergangenen Judenpatente genau verhalten, die hier während des gestalteten Aufenthaltes zu verändernde Wohnung bei der k. k. Polizei-Oberdirektions- Judenkommission jederzeit anzeigen und nach verflossener bestimmter Aufenthaltszeit entweder von hier alsogleich abreisen oder um Verlängerung des Aufenthaltes bei sonst für jeden unbefugten in Wien zugebrachten Tag zu erlegender Strafe von drei Reichstalern und wirklicher Abschaffung in einem oder andern Uebertretuig&falle, ansuchen und den Tag vor der Abreise diese Bollette bei obiger Strafe wieder zurücklegen soll. Daher ist «liese Bollette dann bei der k. k. Polizei-Oberdirektions-Jude*akommission zurückzulegen oder um längeren Aufenthalt anzusuchen. Wien, den....., . . . Von der k. k. Polizei-Ob«rdirektion. Auf der Rückseite der Bollette! stand: Mit jenseitiger Aufenthaltsbollette darf kein Israelit unter Strafe von sechs Gulden Wiener Währung von hier abreisen wie denn auch die Polizeilinien wachen strenge angewiesen sind, keinen mit einer weissen Bollette versehenen Israeliten zur Linie hinauspassieren zu lassen. Wenn demnach der Inhaber dieser Bollette vor Ablauf der ihm jenseits bewilligten Frist von Mer abreisen will, so hat derselbe diese Bollette am Tage de* Abreise im Judenamt zurückzulegen und dafür eine blaue Abreisebollette, welche unentgeltlich erfolgt wird, zu erheben und sonach an den Linien abzugeben. Uebrigens ist es unter einer Strafe von fünfzehn Gulden Wiener Währung, bei Unvermögenden unter Arreststrafe verboten, gegenwärtige Bollette unter welch immer für einem Vor wand an einen anderen zu überlassen. Ein Besuch in Argentinien. Der „Jewish Chronicle" bringt einen Reisebericht eines Herrn E. N. A. über die jüdischen Kolonien in Argentinien. Der Reisende war zwar entzückt von dem tropischen Klima des Landes, von der Schönheit und dem malerischen Aussehen der Gegend und der Kolonien, hat aber im allgemeinen einen nicht sehr günstigen Eindruck bekommen. Die Juden in Argentinien sind keine guten Ackerbauer, ziehen gerne in die Stadt — und e?s ist auch begreiflich, da der Ackerbau nicht einträglich ist und da sie zugleich unselbständig sind. Der Berichterstatter scheint zwar keinen tieferen Einblick gewonnen zu haben, aber in seinen Schlussworten hat er völlig recht: „Die Hoffnung Israels liegt nicht in Südamerika." Ünd die^Ica" macht trotzdem Experimente auf Experimente, die ganz fruchtlos sind und sein werden, kauft wieder Bodem in Argentinien und Brasilien. Die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen fand unter reger Beteiligung im Beisein eines landesfnirst- Kommissärs in Prag slatt. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnet. Nachdem der Präsident Dr, K u r r e i n-Tepiitz den Präsidialbericht erstattet hatte, in welchem die Erfolge, welche auf Grund des Einschreitens des Verbandes für die israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen erreicht wurden, mit lebhaftem Beifalle aufgenommen und der Kassenbericht des Rabbiner Dr. S ehernst e i n-Leitmeritz zur Kenntnis genommen worden war, trat der Verband in den eigentlichen Gegenstand seiner Tagesordnung, die endgiltige Festsetzung des LehrpHanes für die k. k. Staats-Mitteischulen, ein. In zweitägiger, ernster Arbeit gewidmeter Beratung wurde der Rahmen des Stoffes auf Grund aller bisher gesammelten Erfahrungen lux jede Klasse besonders festgelegt und ein engeres Komitee behufs endgiltiger Fixierung des detaillierten Textes des nun von autoritativster Seite, von den Rabbinern selbst, vorliegenden Planes eingesetzt. Hiermit ist einem in den weitesten jüdischen Kreisen gefühlten Bedürfnisse Rechnung getragen. Bei den Neuwahlen wurde das bisherige Präsidium wiedergewählt mit der Modifikation, dass an Steile des Dr. Ziegler, der eine Wiederwahl nicht annahmen wollte, Herr Professor Kisch als Vizepräsident eintrat. Die Vorboten. Der sozialdemokratische „Vorwärts" (Berlin) bringt bei Gelegenheit eines Zivilprozesses zwischen zwei jüdischen Aerzten und ihrer Oberin ein kleines harmlos-antisemitisches Artikeichen „Die beleidigten Juden". Das ist der Tribut der Redaktion an die judenfeindlachen „Genossen". Solche Tribute bemerken wir in letzter Zeit öfters. In Wien zum Beispiel hatte die „Arbeiter-Zeittung" für die Verhandlungen in einem Industriellen-Zirkel beinen anderen Ausdruck als: „Es ging zu wie am Schotten ring,, (eine notorisch fast nur von Juden bewohnte Strasse), Viele Redakteure der Arbeiter-Zeitung müssen das von Geburtswegen wissen. Den Vogel aber schiessen die sozialdemokratischen „Neuen Glühlichter" ab. In einem Bilde „Der Triumphzug des Kapitals" sitzen auf einem Beptil (der Presse) vier Jünglinge, alle wie aus einem antisemitischen Witzblatt abgezeichnet, zwei noch mit Pajes, und grinsen vor Freude über den Geldsack, den der erste, offenbar als Belohnung für schmutzige Dienste, in der Hand hält, Wir fragen: warum gerade jüdische Karikaturen? Seit Jahren beschäftigen Schmutzprozesse nur antisemitischer Journalisten die österreichischen Gerichte. Also, echtrassiger Arier, Genosse und Chefredakteur Heller, warum sich selbst ohrfeigen? Die englische Einwanderungs-Kommission hat ihre Sitzungen am 18. Fe bruar wieder aufgenommen. Palästinawein in Ungarn. In Budapest wurde eine Palästinawein-Importgesellschaft gegründet. Zum Repräsentanten wurde Herr Ludwig Herzog (Erzsebetkörut 4SI) ermannt. Rabbiner-Kongress in Holland. Die Oberrabbiner der verschiedenen Konsistorien Hollands sind kürzlich im Haag zu ihrem Jahres-Kon grosse beisammen gewesen. Zm den Beratungsgegenständen gehörte die Errichtung einer jüdischen Zentralirrenanstalt und die Versorgung der jüdischen Patienten der Lungenheilstätten mit koscherer Nahrung. In Amsterdam besteht bereits eine jüdische Irrenanstalt.