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Die Welt · 1903-03-06 · 10 (6.3.1903) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
10 (6.3.1903)
Article
Jaffa [Nachricht]
Date
1903-03-06
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 10 „Die j> Weifet Seite 9 1000 jüdischen Flüchtlinge betrifft, so hat der General- Agent der Kapkolonie zugesichert, sich für ihre bedingungslose Zulassung einzusetzen. Es dürften dies, wenn nicht eine durchgreifende Aenderung der Einwanderungs-Bestimmungen, zumindest ihre mildere Handhabung eintritt, die letzten Juden sein, welche südafrikanischen Boden betreten dürfen, Palästina. Jaffa. Der Zionismus hat hier eine neue Schule ins Leben gerufen. Die Schule heisst „Die Makkabäer-Schule", die Unterrichtssprache ist Hebräisch. Man unterrichtet Englisch, Französisch und Arabisch. Die Gründer und Leiter der Schule sind die Herren Hayim Zerur und Moses L e v e n e.Die Chassidim widersetzten sich auch dieser kulturfördernden und in jeder Hinsicht nützlichen Sache und suchten, durch Verleumdung, Denunziation u. s. w. sie unmöglich zu machen. Es gelang ihnen aber nicht und die Schule ist doch gegründet worden. Russland. Warschau. Auf Vorschlag der polnischen und jüdischen - Intelligenz wurde die Gründung einer Heilanstalt für bedürftige Lungenkranke mit Beiträgen von Juden und Christen erwogen, aber in den letzten Tagen beschloss das Gründungskomitee, nur christliche Kranke in die zu gründende Anstalt aufzunehmen. Daraufhin haben die jüdischen Mitglieder vorgeschlagen, eine Summe zu sammeln behufs Gründung eines ausschliesslich jüdischen Sanatoriums, welches auch wahrscheinlich vor dem christlichen zu funktionieren beginnen wird. Petersburg. Das neue Kolonisationsprojekt der „Ica", von dem wir in der vorigen Nummer bereits gesprochen haben, beschäftigt die hiesige jüdisch-russische Presse lebhaft. Alle Journale aber sprechen sich über das neue Unternehmen der „Ica" äusserst ungünstig aus. Besonderes Interesse bietet jedoch das Urteil, welches die Petersburger russisch-jüdische Wochenschrift „Buduschznostj" (Zukunft) über den neuen Kolonisationsplan der „Ica" fällt. Das Blatt schreibt unter anderem: „Die jüdische öffentliche Meinung in Russland begleitet die neuen Pläne und Projekte der Machthaber der „Icatt mit völliger Gleichgiltigkeit. Für diese Meinung ist Brasilien ein ebenso fremdes Land wie Argentinien. Der „Ica" steht es frei, die Summen, die Baron Hirsch hinterlassen hat, noch vielen anderen Nationen der romanischen Rasse zu geben, welche das jüdische Geld stets mit viel grösserer Freude empfangen als die jüdischen Emigranten. Ganz anders wäre es aber, wenn an der Spitze der „Ica" andere Männer ständen. Dann hätten sie wissen müssen, dass mit den grossen Kapitalien der „Ica" die Wiedergeburt Palästinas herbeigeführt werden könnte, um dort einer arbeitsamen jüdischen Bevölkerung ein Heim zu schaffen. Mit diesen Kapitalien hätte man für die Sache der Wiedergeburt und der Einigung des ganzen jüdischen Volkes noch vieles tun können. Die jetzigen Projekte der Ica" aber wecken wenig Interesse.. Tiflis» Die von uns registrierte Meldung der „Nowoje Wremja" von der angeblichen Reise einer jüdischen Deputation aus Tiüis nach Petersburg, welche angeblich für die Einreihung des Kaukasus in das jüdische Niederlassungsgebiet plaidieren sollte, hat sich als Manöver des russischen Antisemitenblattes herausgestellt, um die wahren Motive der Petersburger Reise der kaukasischen Juden zu maskieren. Das wirkliche Motiv ist folgendes: Bereits vor vielen Jahren hatte das russische Ministerium des Innern, in Erfüllung der Fürbitte des Chefs der Verwaltung des Kaukasus, sämtlichen imKaukasus lebenden Juden aus dem jüdischen Niederlassungsgebiete, welche der Ausweisung aus dem Kaukasus entgegensehen, das Wohnrecht bis auf weiteres, und zwar „bis zur Lösung der Judenfrage auf dem W<*sreder Legisative*, eingeräumt. Diese Verordnung wurde später auch von d&i anderen Ministern bestätigt. Nunmehr aber hat die Verwaltung des Kaukasus, wie der „Kawkaskij Listok" meldet, die Ausweisung von 121 jüdischen Familien aus dem Kaukasus verfügt... Die jüdische Deputation aus Tiflis üs.l nun nach Petersburg gereist, um für die zur Ausweisung bestimmten Unglücklichen einzutreten. Dem in Petersburg weilenden Chef des Kaukasus Fürsten Golitzyn hat di«e Deputation ihr diesbezügliches Gesuch bereits unterbreitet. Berdjansk. Eine äusserst charakteristische Gerichtsverhaiuilung hat vor kurzem, wie die „Odesskija Nowosti" meldet, vor dem Gerichtshofe zu Odessa stattgefunden. Der Jraäe Gurewitsch aus Berdjansk stand unter der Anklage, den Vizegouverneur von Taurien brieflich beleidigt zu haben. Der Sachverhalt war folgender: In Berdjuusk bestehen zwei Vereine zur Unterstützung von Handlungsgehilfen, ein christlicher und ein jüdischer. Zur Verstü riung ihrer Mittel hatten sich die Vereine an den VizegCDaverneur um Erlaubnis zur Veranstaltung eines Maskem balles gewendet. Dem Gesuche des christlichen Vereines gab der Vizegouverneur statt, jenes des jüdischen Hilfs verein es wies er aber ab . ♦ . Auch ein zweiter Versuch des jüdischen Vereines wurde zurückgewiesen. Da richteW der Präsident des jüdischen Vereines, Gurewitsch, an dem Vizegouverneur einen Brief, in welchem er sich über die Zurücksetzung der Juden bitter beklagte und zugleich erklärte, dass die Absage des Vizegouverneurs die Auflösung des Vereines herbeiführen würde. Der Gerichtshof sprach den Juden Gurewitsch schuldig und verurteilte) ihn zu einer Geldstrafe von 25 Rubeln. Gt. Petersburg. Der Senat verhandelte vor wenigen Tagen über ILe Beschwerde der Judenschaft der Stadt Berditschew gegen die seinerzeit erfolgte Verfügung des General- Gouverneurs von Kiew, 16 jüdische Gebethäuser in Berditis«chew zu schliessen. Der Senat hob die Verfügung nur hu Bezug auf vier Synagogen auf, jenen Teil der Verfügung aber, welcher die übrigen 12 Synagogen betraf, liess e r zu Recht bestehen. Ilekaterinoslaw. In der Zeitschrift „Wjestnik Juga" bericlittet ein hervorragender Kenner der Lage des Bergwesens in Südrussland über die Ursachen, welche es den jüdiscHiien Arbeitern unmöglich machen, in den Bergwerken und im den Kohlenschäcbten Arbeit zu finden. Der Ursachen gibt es nur zwei: der Hass der höheren und der niederen Beamt en gegen die Juden und die Maigesetze von 1883, wonac L den Juden der Aufenthalt auf dem flachen Lande und iiD den Marktflecken strenge untersagt ist. Marschau. Wie der halbamtliche „ Warseh awskij Dnewaik" meldet, haben die Zionisten-Vereine im Weichselgebietie unlängst den Beschluss gefasst, ein Institut von Agitatoren des Zionismus ins Leben zu rufen, welche die Aufgabe haben werden, Reisen zu unternehmen, um die Idee des Zionismus zu verbreiten und neue Anhänger zu gewinnen. Das Institut soll in Lodz eröffnet werden. Tschasniki (Gouvernement Witebek). Die ganze jüdische Famiiis des greisen Wächters des jüdischen Friedhofes von Tschasniki wurde, wie die „Nowosti" melden, von einem jungem Bauernburschen in später Nachtstunde überfallen und bestialisch ermordet. Die grosse Armut der Familie war allgemein bekannt, so dass der grässliche Mord von acht Menschen gar keine Erklärung finden konnte. Der Baueo-bursche hat sich vor dem Morde nur geäussert, dass «er „die Zahl der Juden in Tschasniki vermindern werdet ... Gt. Amerika. Mew-York. In dem hier entbrannten Kampfe um den Zwang der Sonntagsheiligung durch die Juden ordnete der Oberbürgermeister an, dass alle orthodoxen Juden, welche den Sabbat heiligen, die Vorschriften für die Beobachtung und Heilighaltung des christlichen Sonntags nicht zu beobachten brauchen und ihre Geschäfte schliessen oder öffne:n können, wie sie wollen. Der Oberpolizeimeister von New-Vork, General Greene, versetzte den Polizeikommissär in dem östlichen Stadtteil von New-York, wo die meisten Jude» wohnen, zur Strafe, weil derselbe die SonntagsheLligwug durch die Juden erzwungen hafte«

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