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Die Welt · 1903-02-27 · 9 (27.2.1903) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
9 (27.2.1903)
Article
[Kommentar] / -r.
Date
1903-02-27
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 ^Die # Welt" Nr. 9 lichste Land, das der Jude bewohnt, yon seiner eifrigen: Mitarbeit an dtm materiellen, moralischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Fortschritt dieser StiefVaterländer. Nordau weist weiter nach, dass bei keiner Betrachtung des Verhältnisses von Zionismus und Patriotismus irgend ein Gegensatz gefunden werden kann. Selbst den Vorwurf, den nur Böswilligkeit erheben köante, der Patriotismus der Zionisten sei etwa bloss eine Art Patriotismus auf Zeit, weiss er gründlich zu widerlegen. Mit einer sehr guten Bemerkung schliesst No r d au seinen Artikel, indem er erklärt, er sei fest überzeugt, dass unsere jüdischen Gegner, die uns die angebliche Inkompatibilität unseres Zionismus und Patriotismus vorhalten, selbst nicht im entferntesten daran glauben. Ueber das Projekt der jüdischen Hochschule berichtet eingehend Doktor Raskine. Dr. Jakob söhn erzählt seine Reiseeindrücke. Dann folgt eine Zeitschriften- und Bücherrundschau, Chronik und zum Schlüsse Rokeaehs „Ein Original". —r. Die „Archives Israelites" haben jetzt schwere Zeiten. Die angekündigte Wiederaufnahme der Dreyfus-Affäre hat alle nationalistischen, klerikalen und rein antisemitischen Blätter natürlich zu noch heftigeren Beschimpfungen der Juden geführt als bisher. So müssen denn die „Archives Israelites" den so oft geführten Feldzug gegen Antisem nochmals unternehmen. Ach, sie und ihre wackeren Nachbeter, die immer die mosaische Konfession betonten und ihr Galliertum hochhielten, sind wieder in schwerer Sorge. So oft haben sie den herrschenden Antisemitismus abgeleugnet oder Zumindestens totgesagt; diese „vorübergehende Krankheit" — sie geht hübsch langsam vorüber; 2000 Jahre ist sie bereits auf dem Wege! — will aber noch immer nicht zu Ende gehen. Wir fürchten, dass auch diesmal die scharfen Artikel der „Archives Israelites" und ihresgleichen nicht viel nützen werden, auch wenn sämtliche Oberrabbiner Frankreichs die schönsten Briefe an Drumont schreiben sollten. Ein Gutes kann dabei immerbin herauskommen : die Einsicht nämlich, dass die Heilung der „Krankheit" auf anderem Wege versucht werden müsse. Wir würden uns freuen, wenn wir den verehrten Kollegen der Archives dabei helfen könnten. —r. Viel Leben, viel wahres Bestreben, sich über das Leben und die wirklichen jüdischen Verhältnisse klar zu werden, bemerken wir in den neuen hebräischen Zeitungen, So bringt zum Beispiel der „Hasman" in Nr. 8 einen sehr interessanten Artikel von Dr. S. Lewin über die Frage der Gemeindeverwaltung in dem „Ansiedlungsrayon". Er zeigt, dass dort gar keine Rede von einer Gemeindeverwaltung sein kann, da es keine eigentliche Gemeinde gibt. Der Verfasser scheint einen kleinen Fehler zu begehen, indem er die juristische, staatliche Sanktionierung der jüdischen Gemeinde mit deren tatsächlichem Bestand verwechselt. Es gibt keine nominelle, aber eine faktische, eine reale. Aber jedenfalls entwirft uns der Verfasser ein düsteres Bild der immer mehr um sich greifenden Desorganisation des jüdischen Volkes — eine Folge seines Goluslebens. Dass der Jargon eine grosse und reale Bedeutung besitzt, beweist uns der „Freund*, der geradezu glänzend redigiert wird. So populär, so inhaltsreich und dabei so knapp war noch kein jüdisches Blatt. Man erkennt sofort, dass die Zeitung von lebendigen Dingen zu zeitbewussten Menschen spricht. So finden wir in Nr. 25 einen höchst bemerkenswerten Artikel über die Stellung der jüdischen Arbeiter zum Zionismus. Der Verfasser des Artikels betont — wie es seinerzeit Issersohn in der „Jüd. Volksz." getan hat dass die Arbeiter vom Zionismus etwas Besonderes für sich erwarten, dass er für sie eine spezielle Bedeutung besitze. Auch belehrende Artikel bringt der „Freund" in Fülle. So zum Beispiel bringen Nr. 24 und 25 einen sehr guten, warm und innig geschriebenen Artikel über Per e z Smolensky aus Anlass seines aehzehnten Todestages (Smolensky starb am 14. Februar 1885). Die zweite Jargonzeitung Jüd. Volksz." bringt in ihrer letzten Nummer (Nr. 7) einen Leitartikel über die ökonomischen Verhältnisse der Juden in Lodz. Er zeigt die Verelendung und Verarmung der jüdischen Industriellen bei scheinbarer Ausbreitung und Wachstum ihrer Zahl den polnischen und deutschen Industriellen gegenüber. Aber im allgemeinen ist die „Volkszeitung" viel weniger gut redigiert als früher. Es fehlen die energischen, tiefsinnigen und fruchtbaren Gedanken, die man früher in der „Volkszeitung" fand. Ueber die jetzt beginnende Spaltung im Lager der sozialistischen Partei in Galizien und dem immer deutlicheren Bestreben der jüdischen Sozialdemokraten, sich national zu organisieren, berichtet uns der „Wschöd" (Nr. 121). Die jüdischen Arbeiter fordern die Anerkennung ihrer nationalen Rechte, die „Partei* weigert sich und „wir Zionisten schauen ruhig dem Verlaufe der Dinge zu und erblicken schon in dieser Erscheinung selbst eine Wiederkehr der jüdischen Arbeiter zum jüdischen Volke". Wie der „Haschofar" aus Philippopoli (spanioliseh) uns meldet, hielt der bulgarische Schriftsteller, Doktor Michailow, am 19. Jänner 1. J. im Vereine der Professoren ein Referat über die „Nationale Verteidigung", worin er sich auch über den Zionismus äusserte. Seine Meinung ist interessant als der Ausdruck der Meinung der bulgarischen Intelligenz über unsere Bewegung. Er betrachtete die Bewegung in ihrem Prinzip und in ihrer Geschichte und schloss seine sympathische Rede mit den Worten: „Die Realisation dieser Idee (des Zionismus) erfordert viel Energie und starken Willen seitens der Juden und die Arbeit der Zionisten ist aller Nachahmung wert." Schliesslich haben wir das erste Heft des „Haschüoah" (das Jänner-Heft 1903) zu besprechen. Die Zeitschrift hat ihren Redakteur gewechselt und das bedeutet ungemein viel. Anstatt Achad-Haams ist Dr. J. Klausner zur Leitung berufen worden. Die ganze Zeitschrift nimmt eine neue Färbung an, schlägt eine neue Richtung ein. Schon in dem Leitartikel spricht der neue Redakteur in einem ganz anderen Tone, als es Achad-Haam tat, von seinen Plänen und Bestrebungen, die dahingehen, die jüdischen Interessen mit den allgemein-menschlichen zu vereinigen, die neue jüdische Belletristik zu fördern u. s. w. Im Gegensätze dazu tritt Achad-Haam in seinem „Briefe an den Redakteur" mit einem bitteren sarkastischen Lächeln all diesen schönen jugendlichen Träumen entgegen. Seine Kritik schmerzt uns, aber auch ihm tut sie hoffentlich weh. Die neue Nummer ist nicht glänzend. Die Erzählungen sind nicht bedeutend, am wenigstens die von Nomberg „Die Briefe", die eine psychologische Analyse sein soll und nur Phrasen zutage fördert. Das Gedicht von Ka hn „Der Sonnenuntergang" ist nicht hervorragend, dagegen das von Bialik „An Achad-Haam" glänzend, wenn auch holperig in der Form. Auch die Revuen, am meisten diejenige, welche von Grünbaum geleitet wird, sind minderwertig. Dagegen ist die Revue über Leben und Literatur von Perez geistvoll. Noch sehen wir die Früchte der neuen Richtung nicht. Hofifen wir, dass in den nächsten Monaten die Versprechungen des Dr. Klausner in Erfüllung gehen werden, C—k. Briefkasten. D. S., Ottynia. Dr. K., I., Graben 28. H. Rabinovici. P. Türe. Wir haben Ihnen sofort brieflich geantwortet. Herrn Ing. B. K„ Kothen. Wir haben Ihrem Wunsche entsprochen und nur eine kleine Kürzung vorgenommen. Gruss. Frl. Anna Brümann. Wir begreifen Ihre Ungeduld, wollen Sie auch begreifen, dass in einer Redaktion ein so grosser Einlauf von Schriftstücken ist, dass die Erledigungen nicht so prompt erfolgen können, wie es die P. T. Einsender wünschen. Uebrigens erhalten Sie nächste Woche brieflichen Bescheid. J. L. Berhomet. Das Thema ist zu abstrakt und macht den Artikel wertlos. Vielleicht etwas anderes über einen Stoff aus dem Leben. Lodz. Wird besorgt. Herrn Grausz Mör, Nagy-Talpolcsany. Wir danken für die Zusendung. Wenn Sie interessante Nachrichten haben, werden wir sie gerne publizieren. Gruss. Herrn M. Led . . . jur. Wenn das „Neue Leben" in neuer Versform ersteht, dann werden wir gerne daran teilnehmen. Gegenwärtig nicht. Vielleicht etwas anderes. Gruss. Rodosi Mör. Wir haben Ihr Sehreiben dem Sekretär des österreichischen Landeskomitees, Herrn A. Pollak, /übergeben, der Ihnen eine ausführliche Antwort geben wird. Frau B* Lesser, Berlin, wird höflichst um Angabe Ihrer Adresse ersucht. Prager Ortsgruppe. Herzlichen Dank. An die P. T. Vereine. Die Redaktion bittet nochmals dringend, die Vereins berichte auf das Tatsächliche zu beschränken. Berichte, die erst am Mittwoch einlaufen, können in der Nummer der laufenden Woche nicht mehr berücksichtigt werden.

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