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Die Welt · 1903-02-27 · 9 (27.2.1903) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
9 (27.2.1903)
Article
An die österreichischen Gesinnungsgenossen!
Date
1903-02-27
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr; 9 „Die # Welt*4 Seite 13 Zur Stärkung der zionistischen Frauen- und Mädchenorganisationen sei diesen vornehmlich die Erörterung von wirtschaftlichen Erziehungs- und spezifisch weiblichen Fragen, sowie die Kolportage jüdischer Familienliteratur nahegelegt. Der III. österr. Zionistentag findet endgiltig am 28. und 29. Juli 1903 in Wien statt. Die erste Vorkonferenz ist am 25. März, die zweite am 12. April 1903. Wegen Verschleiss-Artikel (siehe letzte Um Schlagseite) wende man sich an Sekretär Adolf P o 11 a k. Mitteilungen des i.-ö* D.-K. Die Donnerstag den 12. d. M. stattgefundene Delegierten-Versammlung war von nachfolgenden 20 Vereinen beschickt : I. Kurie, Bürgervereine: „ Innere Stadt*, „Leopoldstadt", „Landstrasse", „Mariahilf-Neubau", „ Fünf haus", „Brigittenau". IL Kurie, Frauenvereine: „Fünfhaus*, „Moriah*. III. Studentenvereine: a) schlagende: „Kadimah", „Libanonia", „Maccabaea"; b) nichtschlagende: „Bar Giora", „Bar Kochba", „Erez Israel", „Vereinigung*. IV. Arbeitervereine: „Allgemeiner«, „Jüd.-nationaler", Jugendlicher", „Handelsangestellter", „Brigittenau". Einleitend referierte der Vorsitzende Dr. Bernhardt über die Tätigkeit des D.-K. im verflossenen Halbjahre, berichtete über die Ergebnisse der Pressburger Zionistenfahrt, der Kultuswahl-Agitation, der Makkabäer-Feier; über die Gründung von sechs neuen zionistischen Vereinen in Wien. Das von der Tätigkeit des D.-K. und der demselben derzeit angehörenden 35 Vereine entrollte Bild zeigte, dass die Bewegung in Wien, insbesondere in den Kreisen der ^studierenden und arbeitenden Jugend in erfreulicher Entwicklung begriffen ist. Nach zum Teile sehr lebhaften Debatten gelangte man zu nachfolgenden Beschlüssen: Ersatzwahlen : I. Kurie: Dr. Landesberger, Seeleniried, Walltuch; II. Kurie: jur. Littmann; IV. Kurie: Strauss, Wassermann. Im Sinne des Beschlusses des österr. L.-K. wurde beschlossen, alle Vereine zu verpflichten, bis 13. März das Schekelin kasso zu beendigen und in derSchekelwoche (7.—14.) öffentliche Veranstaltungen abzuhalten, deren Besucher zum Schekelzahlen zu verhalten sind. Hinsichtlich der Parteisteuer wurde der ßeschluss gefasst, dieselbe auf Grund eines Selbstbekenntnisses der respektiven Vereine in vier vierteljährlichen Raten einzuhebeu. Zur Organisation der zionistischen Bezirks-Kultusräte und Vorberatung der ihnen zugewiesenen Agenden wurde aus den Herren Dr, Rosenthal (X. Bez.), Markus (IIL Bez.), Pick (XV. Bpz.), Deicher (IX. Bez.) und dem Fachreferenten Herrn Direktor Weber ein Subkomitee gebildet. Zeitschriften-Rundschau. Fortsetzung der eingelaufenen Antworten auf die Umfrage des Berliner „Generalanzeiger" Uber den Zionismus. 1. Was halten Sie vorn Zionismus? 2. Erhoffen Sie vom Zionismus eine Lösung der Judenfrage? 3. Erblicken Sie im Zionismus einen Kulturfortschritt? Wien. Sehr geehrter Herr! Hiermeine Antworten auf Ihre drei Fragen: 1. Alles. 2. Ja! 3. Gewiss. Sie haben von mir keine andere Antwort erwartet. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Th. Herzl." „Sie haben die Freundlichkeit, meine Meinung über den Zionismus einzuholen. Ich kann und muss diese Frage mit dem Hinweis auf meinen 1896 in der Beilage zur „Münchener Allgemeinen Zeitung'* gedruckten Aufsatz „Der Grün der-Prospekt einer jüdischen Schweiz" und einen 1897 in der „Nation" veröffentlichten Artikel „Trutz-Juden" beantworten (beide wiederholt in einem Buche „Acta diurna" Wien, 1899). „Zum Judenstaat41, so schloss ich damals, »fehlen den Zionisten vorläufig nur zwei Kleinigkeiten, der nötige Staat und die erforderlichen Juden. In den mittlerweile verflossenen fünf Jahren haben die Herren trotz aller „Tage", Zeitschriften und utopischen Eomane das jüdische Schlaraffenland noch immer nicht ermittelt, geschweige denn erobert und besiedelt. Hoffentlich wird ihr törichtes Spiel mit dem Gedanken eines eigenen Juden Staates den bedrängten Juden in Russland und dem Orient nicht gefahrlich und verderblich. Uener die Verkehrtheit des Planes, aus dem vermeintlichen Staats-Ghetto der Kulturwelt verfassungsmässig regierter europäischer und aussereuropäischer Länder in einen bisher nur auf dem Papier stehenden Ghetto-Staat JPalästina oder Argentinien sich zu retten, scheint jedes weitere Wort überflüssig. Die wahren Befreier des abemdländischen Judentums von Spinoza bis auf Gabriel Riessesr, Führer und Meister auch in der Schule politischen D&akens, wurzeln nicht im Lande Kanaan. Ibr Lebenslauf und Lebenswerk bleibt untrennbar verknüpft mit der Heimat ihres Herzens, mit ihrem heissgeliebten Wahl-Vaterlamdj das ihnen und dem sie zum dauernden Segen geworden. Anton Bettelheim.<c „Noch sei Zion nicht verloren. Wer nur einmal fromme Juden Hört an Zions Mauer klagen, Dessen Herz wird voll 7on Mitleid Für die Tiefbetrübten schlagen. — Und mit denen, die da jammern, Und mit denen, die da weinen Um Jerusalem, das hehre, Wird er in dem Wunsch sich einen, — Dass das Volk der Patriarchen, Dass das Volk erhab'n&ir Seher, Dass das Volk der grossen Dulder, Und der tap(«ern Makkabäer, — Das Jahrtausend seinen eig'nen Gott bekannt in allen Zonen, Möge durch Jehovas Gnade Wiederum in Zion wohnen. — Zions Name war die Hoffnung, DL& das Elend ihm versüsste; Zion ist sein ew'ger Leitstwn Und sein Manna in der Wüste! Johannes Fastenratlh. Köln." „Sehr geehrter Herr! Dank für Ihre freundliche Aufforderung, atwer von dieser Frage verstehe ich ganz und gar nichts, nmd wenn unter den Herren, die Ihre Enquete beantworten, einer oder der andere sein sollte, der auch nicht mehr duron versteht, so würde das, scheint mir, eine Antwort meimerseits auch noch nicht rechtfertigen. Mit Hochachtung wgebenst F. Avenarius. Dresden-Blasewitz, den 7. Februar 1903." „Sehr geehrter Verlag des „General-Anzeiger"! Ihrer freundlichen Aufforderung entsprechend beantworte ich die gestellten Fragen: 1. Der Zionismus erscheint mir als der Traum schwärmerischer Geister, denen die exakte Vorstellung historischer Möglichkeiten fehlt. 2. Keineswegs. Es gibt keine Judenfrage, sondern nur eine Antisemitenfrage. 3. Nein- Die Kultur kann nur durch Realitäten, nicht aber durch phantastische Projekte gefördert werden. Hochachtungsvoll Alexander Moszkowski." „Es gibtt Leute, die reden über das am meisten, Von dem sie am wenigsten verstehen. Und wollt* ich ob „Zion" mich erdreisten, So würd' ich denselben Fehler begehen! Alfred Friedmann." Inhalt dies Februar-Heftes der Jüdischen Turnzeitung". Monatsschrift für die körperliche Hebung der Juden. Herausgegeben vom Jüdischen Turnverein „Bar-Kochba"-Berlin. Dr..med. Alfred Waldenburg: Die Grundlagen des Rassenphänonnens. Zur jüdischenRassentatsache.—LRichard Soldin: Turnerische Erinnerungen aus Transvaal. (Schluss.) —• Notizen: Bedeutung und Verhütung körperlicher Missgestalt. — Frauenturnen. — Aus der jüdischen Turnerwelt. —- Fürs praktiische Turnen : Frieda Cohn: Schaukelringe (sprunghoch) für Frauen. — Offizielle Bekanntmachungen. In der Februar-Nummer des „Echo Sioniste" setzt sich Max Nordam mit dem Teile unserer jüdischen Gegner auseinander, der einen Gegensatz zwischen Patriotismus und Zionismus konstatieren will. Mit Recht bemerkt er, dass, die Antisemiten etwa ausgenommen, noch kein Nichtjude auf die gloriose Idee gekommen ist, dass der Zionismus und der Patriotismus sich in . einem gegensätzlichen Verhältnisse befinden. Nord au zerlegt den Patriotismus in seine zwei Hauptbestandteile, den Gefühls- und den Verstandesteil. Eüesem gerechten Patriotismus, den kein Mensch von Vernunft, und Herz jemals verleugnen kann und wird, steht allerdings eine hässliche Abart, der Hurra-Patriotismus, der Fetischismus alles dessen gegenüber, was unter nationaler Marke auf denn Markte des öffentlichen Lebens feilgeboten wird. „Diesen Pseudopatriotismus", sagt er, „weise ich mit all der moralischen Kraft ab, die ich aufbringen kann (je le reponsse de toute la force morale que je peux avoir). Und das keimeswegs in meiner Eigenschaft als Zionist, sondern ganz einfach als ein Mensch, der über das Leben und seine Probleme nachgedacht hat. Von diesem stupiden, fremdehschenerj, ungerechten, grosssprecherischen, rückschrittlichen Patriotismus will ich nichts wissen und indem ich ihn ablehne, weiss ich mich in der besten Gesellschaft der Welt." loa den folgenden Ausführungen weist er unter anderem auf das heftige Heimweh hin, das selbst solche Juden empfinden, die aus den Ländern, wo man sie brutal bedrückte uiid verkommen liess, in eine freundlichere, gastlichere neuelHeimat gekommen sind. Gar nicht zu sprechen von der stremgen Pflichterfüllung selbst gegen das ungast-

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