Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 7 (1903)
- Issue
- 9 (27.2.1903)
- Article
- Wien
- Date
- 1903-02-27
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die £ Welt*4 Nr. 9 sowohl das Wesen der ersten Hilfeleistung als auch das Anlegen der ersten nötigen Verbände aus. Mit ganz besonderen) Beifall würden seitens des den Ausführungen mit Spannung folgender! Publikums die vorgeführten Beispiele des provisorischen Krankentransportes aufigenommen. Halberstadt. Am 9. d.M. sprach Herr Dr. Klee in der hiesigen zionistischen Ortsgruppe über das „Wiedererwachen des jüdischen Volkes". Nur wenige Mitglieder der Gemeinde waren ferngeblieben; einige sandten, wie der Vorsitzende Herr Winter, bezeichnend hervorhob, wenigstens ihre Frauen. Ueber den Vortrag unseres verehrten Redners brauchen wir nicht viel zu berichten. Wer Herrn Dr. Klee gehört hat, kennt die fesselnde, kernige Art und Weise seines Vortrages, die klare, durchsichtige Natürlichkeit seiner Worte. Die Zuhörer hingen förmlich an den Lippen des Referenten, dessen markiger Schluss-Appell reichen Beifall entfesselte. Schon während der darauffolgenden Pause meldeten sich 29 neue Mitglieder schriftlich zur Ortsgruppe an. In der Debatte ergriff zunächst unser altehrwürdiger Klaus- Rabbiner und Mitglied des hiesigen R a bbinats-Kollegiums, HerrSalomon Cohn das Wort. Mit bewegter Stimme gab er die wörtliche Erklärung ab: „Ich habe bis vor kurzem aus religiösen Bedenken der Bewegung ferngestanden. Diese Bedenken sind heute geschwunden. Ich habe daher den Schekel entrichtet, ich bin Zionist." Diese wenigen Worte des ehrwürdigen Rabbiners riefen den stürmischen Beifall der ganzen Versammlung hervor, sie sind als ein entschiedener Fortschritt unserer grossen Sache für Halberstadt zu betrachten und werden ihre Wirkung hier und anderswo nicht verfehlen. Darauf sprach unser Freund Herr Zahnarzt Abraham Auerbach, der Mitglied des „Misrochi" ist. Er verfocht in lichtvoller Weise die Ziele des Zionismus, speziell mit Rücksicht auf die Bestrebungen des .Misrochi". Die Einwände der nun folgenden Redner, der Herren Dr. med. Auerbach und Siegfried Oppenheimer, bewegten sich in den bekannten Ausführungen, dass sie es mit ihrem religiösen Gewissen nicht vereinbaren können, sich der zionistischen Bewegung, deren Gutes für einen gewissen Teil der Juden sie entschieden anerkennen, selbst anzuschliessen. Herr Doktor Auerbach lehnt es sogar ab, sich dem „Misrochi" vorläufig anzuschliessen. Herr Dr. med. Crohn, der hierauf sich zum Wort gemeldet hatte, ist einer der Führer der hiesigen Sozialisten und bekleidet eine führende Rolle in dieser Bewegung. Er erklärt, dass er dem Zionismus beitrete, weil er Volksjude sei. Er erkennt die Wahl Palästinas für unsere Bestrebungen als durchaus richtig an, wisse allerdings nicht, ob dies erreichbar sei, aber anstreben müsse es jeder Jude. Schon aus diesem Grunde verwirft er die Einwände der Orthodoxen. Dann nimmt Herr Dr. K1 e e wiederum das Wort zu einer Entgegnung auf die Einwände, die meisterhaft genannt werden muss und die Herzen der Zuhörer, die bis 1 Uhr vereint beisammen blieben, im Sturm mit sich fortriss. Er dankt Herrn Dr. Crohn, der im Gegensatze zu manchem seiner Parteigenossen eine durchaus richtige Stellung zum Zionismus einnehme, für seine Mitarbeit an der gemeinsamen Sache, und geht dann mit den Orthodoxen, die von ihrem Schmollwinkel aus den Zionismus angreifen, scharf ins Gericht. Der Zionismus könne nicht orthodox sein, wenn er nicht zerfallen wolle, denn er müsse sich auf alle Juden stützen, aber nicht auf eine religiöse Partei. Entweder müsse die Orthodoxie ihren Einfluss in den Dienst des Zionismus stellen oder sie dürfe sich nicht darüber beklagen, wenn der Zionismus ohne sie seine Arbeit durchführe. — Nach der meisterhaften Replik von Dr. Klee brach ein Sturm der Begeisterung los, und wir konnten verkünden, dass sich über 30 neue Schelzahler an diesem Abend der zionistischen Bewegung angeschlossen hatten. Die Halberstädter Ortsgruppe zählt jetzt insgesamt 70 Schekelzahler. Am 16. Mai 1902 begründet, hat sie bisher recht gute Erfolge aufzuweisen. Sie hielt 15 Verseinsabende ab und drei grosse Versammlungen. Referate hieltan die Herren Barth, Hugo Blum, Samuel Blum, Freund, Lehrer Neuwirth-Jerusalem, Moritz und Lehrer Stern, ausserdem sprachen in den drei grossen Versammlungen die Herren Ref. G r on em ann, Dr. Sandler und Dr. Klee. Möge die Ortsgruppe der Halberstädter Gemeinde in gleicher Weise fortschreiteu zum Heile des Zionismus. London. In der Versammlung des Exekutivkomitees der „E. Z. F." wurde beschlossen, dass der nächste Schekeltag am 17. Mai stattfinden solle, wobei ein Massenmeeting abgehalten werden wird. Sitzung des Federations-Komitees der Rumänischen Zionisten. N G a 1 a t z, im Februar 1903. Am 15. Februar fand hier eine Sitzung der Mitglieder des Federationskomite es der Zionisten Rumäniens statt. Es waren anwesend die Herren: Aus Galatz: Samuel Pineles, M. H. Schein, Doktor Helfant, Heinrich D i n e r m a n, N. Steinberg, Professor Goldenthal, Simon Kohn, M. Weishut; aus Jassy: Rabbiner Dr. Niemiro wer; aus ßr aila: Dr. Mosko vitz, Josef Reis eher, J. M. Br o c in e r; aus Bukarest: Horia Carp; aus Pitesti: Adolf Netzler; aus Focsani: Linden. Herr Pineles referierte über das abgelaufene Jahr 1902 und den Nationalfonds, Herr Dr. Moscovitz über Organisation und Propaganda seit dem letzten Delegiertentage in Focsani im Mai 1902. Herr Rabbiner Dr. Nie mir o wer über die Kuiturfrage in langer, sehr interessanter Auseinandersetzung, wornach auch die Berichte der Herren M. S c h w a r z f e 1 d-Bukarest, Dr. Nacht (Fokschan) und B. S am s ony-Piatra N., die zu kommen verhindert waren, verlesen würden. Der nächste Delegiertentag ist für den 7, (20.) und 8. (21.) April d. J. nach Jassy einberufen und ist es zu wünschen und zu hoffen, dass die Zionisten der nördlichen Moldau sich dort zahlreich einfinden werden und wir noch zahlreiche Gesinnungsgenossen gewinnen, da in den letzten Jahren infolge der schlechten Lage unserer Brüder in Jassy die Arbeit daselbst ins Stocken kam. Der allgemeine Schekeltag wurde für den 2. Adar festgesetzt. Herr Rabbiner Dr. N i e m ir o w e r hat auf Einladung der verschiedenen Komitees Samstag den 14. d. im grossen Tempel einen Vortrag über „Wiederbelebung des Judentums* bei übervollem Hause und zur allgemeinen Zufriedenheit gehalten; desgleichen abends im Zionistenklub über „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Judentums"; wie auch am 15. d. abends in dem Handwerkertempel über «Handwerk bei den Juden*. Am 16. d. besuchte er unsere Knaben-, Mädchen- und Handelsschulen, das neue Spital, die Volksküche etc. Mitteilungen des österreichischen Landes-Komitees. An die österreichischen Gesinnungsgenossen! Das österreichische Landes-Komitee hat die vor das Purimfest fallende Woche 8. bis 15. Adar, beziehungsweise 7. bis 14. März 1903 als Sehekelwoche festgesetzt. Zur Hereinbringung des Schekels empfehlen sich: a) Sammlungen unter den Zionisten von Haus zu Haus. b) Versendung von Schekel-Flugblättern, eventuell unter Beilage von Posterlagsscheinen. c) Veranstaltung von Festen (eventuell Verbindung mit der Purimfeier). d) Veranstaltung von Agitationsversammlungen. Das vom L.-K. edierte Schekel-Flugblatt wird in einer deutschen Auflage von 15.000 Exemplaren gedruckt und versendet. — Behufs Bestellung des Flugblattes, Anmeldung und Austausch von Rednern wende man sich an die Distrikts- Komitees. Die Schekeleingänge werden in dem Rechenschaftsberichte des L.-K. an den nächsten Parteitag veröffentlicht. Gesinnungsgenossen! Tut Euer Möglichstes und bewähret die Stärke der österreichischen Organisation! Die Sitzungen des L.-K. finden jeden Montag abends im Kongressbureau statt. Zur selben Zeit^ind die Mitglieder ebendort zu sprechen. Briefe und Geldsendungen für das L.-K. sind an den Sekretär Adolf Po IIa k, IX., Türkenstrasse 9 zu adressieren. Herr Dr. J. W. Marmorek unternimmt zwischen Purim und Pessach eine Agitations-Rundreise und gedenkt, in Prag, Berlin, Breslau, Krakau und Czernowitz zu sprechen. Von den am Bielitzer Parteitage kreierten 7 Distrikts- Komitees sind 6 längst konstituiert. Mit der sofortigen Einberufung der Bukowinaer Distriktsversammlung behufs Bildung eines D.-K. wurde nunmehr Herr Sigmund Weissg 1 a s, Kultuspräses und Obmann des Vereines „Schiwas Zion* in Zastawna betraut. Die Firma C. S c h a r f & Sohn in Bielitz, die einen „Zion-Liköra führt, steht mit keiner zionistischen Organisation in Verbindung. Den Distrikts-Koraitees und allen Gesinnungsgenossen wird der Bezug und das Studium des bei der „Jüdischen Volksstimme*, Brünn, verlegten Referates Lederer sUnsere Stellung zu den nichtzionistischen Vereinen" (ä 20 h) zur Vorbereitung für den Parteitag warm empfohlen.