Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-02-27 · 9 (27.2.1903) · p. 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
9 (27.2.1903)
Article
An die Gesinnungsgenossen!
Date
1903-02-27
Page
9 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316030--38116-3329651
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Die # Welt'> Seite 9 An die Gesinnungsgenossen! Zum Purimfeste wird die erste Nummer des jüdischen Witzblattes „Der Schlemihl14, Zentralorgati für die gesamten Interessen etc. erscheinen« Das reichillustrierte Heft kostet 20 Pfennig und ist durch die Expedition der „Jüdischen Run dschau" (E. G.m. b. EL), Berlin C 22, Auguststrasse 49a, zu beziehen. (Bei grösseren Bezügen entsprechender Rabatt.) — Alle Freunde, die sieh, literarisch und künstlerisch an dem modernjüdischen Scherzblatte beteiligen wollen, werden gebeten, ihre Adresse und eventuelle Beiträge an die Expedition der „Jüdischen Rundschau" umgehend zu senden. Korrespondenzen und Telegramme. Oester reich-Ungarn. Wien, (Jüdische Toynbee-Halle.) Am 18. d. M. fand die statutarische jährliche Generalversammlung statt. Nachdem seitens des Obmannes Rektor Dr. Ad. Schwarz die zahlreich Erschienenen begrüsst worden waren, erstattete Herr Professor Dr. Kellner den Jahresbericht. Er wies im Eingange auf die Zurückhaltung hin, die seitens des wohlhabenden Teiles der Wiener Judenschaft noch immer der so überaus segensreich wirkenden Institution gegenüber geübt wird. Wenn in 3 Jahren während 5—6 Monaten je 150 Vorträge gehalten werden, die durchschnittlich von 150—200, an Samstagen und Sonntagen von über 350 Personen besucht seien und von denen einige als Haupttreffer, viele als Treffer und nur sehr wenige als absolute Nieten sich herausstellten; wenn an 8 Kindernachmittagen über 1500 Kinder, den ärmsten Klassen angehörend, mit einer Jause bewirtet, mit Jugendspielen unterhalten und beim Nachhausegehen beschenkt werden; wenn eine Institution dieses leiste, dann habe sie den Beweis geliefert, dass sie notwendig sei und ihre Fortexistenz gesichert werden müsse. Dazu sei aber in allererster Linie * die Lösung der Lokalfrage nötig und dies könne nur dann in zweckentsprechender Weise geschehen, wenn die Toynbee-Halle im eigenen Heim sich befinde, das selbstverständlich auch anderen philanthropischen Zwecken dienstbar zu machen wäre. Die innere, d. h. die erziehliche Lage sei eine zufriedenstellende und dürften Vorstand und Ausschüsse mit grosser Genugtuung auf ihr wahrlich nicht leichtes Werk zurückblicken. Schon in allernächster Zeit werde der Posten eines Sekretärs geschaffen, in dessen Händen namentlich die Aufstellung der Vortragslisten ruhen solle. Dafür sei ein Mann ausersehen, der alle Gewähr dafür biete, dass sein Wirken segensreiche Spuren hinterlassen werde. Nach Erstattung dieses mit ungeteiltem Beifall aufgenommenen Referates wurde aus der Versammlung der Antrag gestellt, der Leiterin der Musikabende. Frau Rosa Feigenbaum einen besonderen Dank zu votieren, welcher Anerkennung auch Herr cand. theol. M. Th. Mehr er, Hörer der Isr. theol. Lehranstalt, teilhaftig wurde für die ausgezeichnete Art, in der er sich der Freitag-Abend-Vorträge entledigte. Beides geschah unter dem Beifalle der Anwesenden. Den Kassabericht erstattete Herr Joh. Kremenezky. Der Bericht ist nicht günstig, aus Gründen, die Herr Professor Kellner hervorgehoben. Hoffentlich wird das vorhandene Defizit in naher Zeit getilgt sein, um auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Das Budget für das laufende Jahr wurde wie folgt veranschlagt: Bewirtung K 1500, Miete K 2800, Gehälter K 1100, Beleuchtung und Beheizung K300, Drucksorten, Porti, Inkasso und Sicherheitsdienst K 1300, im ganzen K 7000. Ein wahrlich geringer Betrag für die „grösste jüdische Gemeinde der Welt\ Nachdem auch Herrn Kremenezky für seine wahrhaft selbstlose Mühewaltung und Arbeit der Dank abgestattet und das Absolutorium erteilt war, wurde zu den Wahlen für das Ikünfüge Vereinsjahr geschritten. Sie ergaben die einstimmige Wiederwahl des alten Vorstandes. Für zwei die Wiederwahl ablehnende Herren wurden die Herren Dr. Josef Jerusalem und Dr. S. Herz und zu Revisoren die Herren Landesschulrat Dr. Gustav Kohn und Dr. jur. J. Bernstein gewählt. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende schloss ile Versammlung mit dem Wunsche und der Hoffnung, dasas die Toynbee-Halle weiter der Erfüllung ihrer hohen Aufgaben gewachsen sein möge. B-r. Budepest. Das Gefürchtete hat sich eingestellt. Die drakonisch* Tarif-Verordnung (siehe vorletzte Nummer der „We]^) ist dieserTage inKaschau mit der ganzen Strenge des Gesetzes zur Ausführung gelangt. Sämtliche jüdischen Inhaber von Trafiken, die der Heiligung des Sabbats wegen sich weigerten, ihre Geschäfte an diesem Tage offen zu halten, wurden behördlicherseits ihrer Trafiklizenz verlustig erklärt. Das Trafik-Komitee, das gelegentlich der in Budapest jüngst abgehaltenen grossen Rabbiner-Konferenz gewählt wurde, wird hoffentlich bei dem Finanzminister petitionieren, was von vielen, fast brotlos gewordenen jüdischen Familien begreiflicherweise mit Sehnsucht erwartet wird. Herr Oberrabbiner B. Fis ch e r-Eperjes, ebenfalls Mitglied des genannten Komitees, hat bereits in dieser Angelegenheit Schritte gethan. Auch vom Einschreiten des Reichstagsabgeortoeten Dr. Visontai Sorna verspricht man sich viel. Deutschland. Nürnberg. In fler Angelegenheit der Entfernung zweier jüdischer Lehrkräfte aus der hiesigen Simultan- Volksschule ist man jetzt auf Seiten der Regierung, da man dem Variangen nach Aufrechterhaltung des christlichen Charakters der Volksschule entsprechen will, andererseits dochmicht die beiden Lehrkräfte in Ruhestand versetzen kann, zu clem Vermittlungsvorschlage gekommen, die beiden Lehrlcräfte an städtische Mittelschulen zu versetzen. Nun stehen die seminaristisch gebildeten Lehrkräfte der städtischen Mittelschulen an Rang und Gehalt denen an der Volksschul« gleich, aber man betrachtet doch die Versetzung eines Volksschullehrers an eine städtische Mittelschule als eine Art Beförderung, da — um nur einen Punkt anzuführen — die grossen Ferien an den Mittelschulen 14 Tage liiniger währen als bei der Volksschule. Die Mitglieder dei städtischen Kollegien sehen aber in der Angelegenheit eine Prinzipienfrage und wollen durchaus keinen Grund anerkennen, jetzt eine Versetzung der beiden jüdischen Lehrkräfte vorzunehmen, da durch deren Lehrtätigkeit an einer Simultan - Volksschule, wo der Religionsunterricht durch Geistliche erteilt wird, den religiösen Gefühlem der Kinder kein Eintrag geschieht. Russland. Petersburg. Di« Leitung der jüdischen Angelegenheiten in Russland lag Iiis jetzt im Departement für geistliche Angelegenheiten dar fremden Kulte. Unlängst wurde diese Leitung dem Departement für allgemeine Angelegenheiten unterstellt. In beiden Ressorts wurden diese Angelegenheiten nicht immer von «inem nur polizeilichem Standpunkte behandelt. Gegenwärtig aber ist das Polizei-Departement mit der Leitung alLer jüdischen Angelegenheiten in Russland betraut... Das kündigt eine strammere Handhabung der Ausnahmsgesefeae gegen die Juden in Russland an .. . Minsk, Die Petersburger „Nowosti" enthalten folgende Korrespondenz aus dem Städtchen Staryja Dorogi, im Gouvernement Minsk: „Am 27. Februar 1. J. müssen fünfzig jüdische Familien, mehr als 250 Personen, auf Verfügung der Behörden die Ortschaft Staryja Dorogi verlassen, wo sie länger als zwölf Jahre lebten. Fast alle der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.