Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Article
Ethnologisches von den marokkanischen Juden [Nachricht]
Date
1903-02-20
Page
9 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316013-3316029--37932-3329368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

S „Die # Weit" Seite 9 altkastilischen Dialekt, mit einzelnen hebräischen und arabischen Worten gemengt, sprechen. Die Juden des Innern Marokkos sprechen zumeist arabisch. Die Ethnographen erzählen auch von mehreren freien, jüdischen Stämmen in der Sahara. Die theologische Gelehrsamkeit, die einst unter den Juden Marokkos einen hohen Grad erreicht hatte, ist, wie die hebräische Literatur, unter den gedruckten Umständen fast gänzlich verkommen. Horowitz erwähnt, dass im ganzen Lande dort überhaupt keine Druckereien in irgend welcher Sprache existieren. Frfther stan<J es um die Wissenschaft unter den kulturfreundlichen Kalifen anders. Während die Mauren durch die Mischung mit den marokkanischen Negern immer mehr degeneriert sind, sind "die Juden hellfarbig, einzelne von ihnen wahrhaft athletisch gebaut; meist von kräftiger Gesundheit unterziehen sie s-ich den schwersten Arbeiten. — In der Provinz Tafilet sollen sich jüdische Grabsteine befinden, die unzweifelhaft beweisen, dass daselbst bereits zur Zeit des Selbständigesa jüdischen Reiches Juden wohnten. Bei der früheren Um zugänglichkeit Marokkos dürften indes diese Grabsteine, die eine wissenschaftliche Untersuchung wohl verdienen, bisher noch nicht genügend erforscht sein. Juden in Tunesien. Laut Bericht des italienischen Konsuls befanden sich im verflossenen Jahre rund 80.000 italienische Untertanen in Tunesien, darunter 14.500 Juden. Ausgrabunjen in Palästina. In G e z e r in Palästina werden bereits seit läng^ier Zeit Ausgrabungen vorgenommen. Aus einem Briefe des Leiters der Ausgrabungen, des Rev. Stewart Macalister, vom 15. Jänner an das Athenäum ist zu ersehen, dass in jüngster Zeit sehr wertvolle Funde gemacht wurden. Die unterste zutage liegende Schichte enthielt sehr alt« Töpfereireste, die aus der Zeit 3000—2500 vor Christi stammen. Auf diese voramoritische Lage folgen dann zwei amoritische und auf diese zwei jüdische aus der Zeit vor dem Exil und eine Lage aus der Zeit nach dem Exil. Der Tempelplatz aus der Amoriterzeit war in der jüdischen Periode mit zahlreichen Wohnhäusern überbaut. Die zweite jüdische Stadt, die der Königszeit, war viel kleiner. DuFch diese Ausgrabungen werden 2 Bibelstellen illustrier t9 nämlich JosuaXVI. 10: „Ephraim vertrieb nicht die Kan&aniter, die in Gezer wohnten. So blieben die Kanaanitei* inmitten Ephraims wohnen" und 1 Buch Könige IX. 16: „Der Pharao hatte Gezer erobert und die Kanaaniter niedergemetzelt und hatte die Stadt seiner Tochter, der Gattin Salomos, zur Mitgift gegeben." . •** Eine Krankh *it der Weinrebe. An die französische Akademie der Wissenschaften wurde eine interessante Mitteilung über die Phtiriose, eine in Palästina herrschende Krankheit der W einleben, gemacht. Sie entsteht durch die Verbindung einer Raupe und eines Pilzes. Die Raupe legt unter dem Schutze des Pilzes ihre Eier und die von den Raupen hervorgerufenen Verwüstungen sind von unglaublicher Schnelligkeit. Die Krankheit war schon zur Zeit der Hebräer bekannt und wurde damals mit Erdharz von Judäa behandelt. Es scheint, das dies auch heute noch die beste Methode ist. Ueber die Behandlung jüdischer Auswanderer hinsichtlich der Kost auf den Schiffen der „Hamburg-Amerika-Linie" wird von der Gesellschaft geschrieben: Eine ausschliesslich koschere Kost kann weder auf unseren, noch auf den Schiffen irgend einer anderen Linie verabreicht werden. Um das zu tonnen, müsste man eine besondere Küche bauen und besonderes Personal halten, was unter Berücksichtigung der obwaltenden Verhältnisse auf einem Schiffe unmöglich ist. Auf dem Lande dagegen, das heisst in den von uns erbauten Auswandererhallen auf der Veddel, haben wir eins derartige Einrichtung bekanntlich getroffen. Strenggläubigen Israeliten sind wir während der Fahrt dadurch "entgegen zu kommen bereit, da^s wir denselben auf Wunsch neues emailliertes Kochgeschirr zur Verfügung stellen und ermöglichen, dass, nachdem für die Uebrigen gekocht, durch sie selbst oder durch den Schiffskoeh ihnen zusagende Speisen bereitet werden können. Ausserdem werden denjenigen Schiffen, auf welchen eine grössere Anzahl jüdischer Passagiere reist, Fischkotelettes mitgegeben, welche unter Aufsicht eines Rabbiners koscher eingekocht worden sind. Zur Zeit der Osterfeiertage geben wir ein reichliches Quantum Mazzos mit, die uns vom hiesigen Jüdischen Komitee besorgt werden. Naturalisierte Juden in Rumänien. Das letzte „Rumanian Bulletin" veröffentlicht .eine Liste der Juden, die seit dem Berliner Traktat (1883) bis zur gegenwärtigen Stunde zur Naturalisation zugelassen wurden. Es waren 883 jüdische Soldaten, die in dem Freiheitskriege mitkämpften, von denen aber 600 im Kampfe fielen, die übrigen 200 aber nur pro forma naturalisiert wurden und in ihren Rechten geschmälert blieben. Sonst aber genossen diese seltene Gnade 92 Personen, von denen nur 60 die Autorisation erlebten. Also führte das Blut, das die Juden für Rumänien im Kampfe für die Unabhängigkeit-vergossen haben, und die Künste der Diplomatie im Jahre 18S3 am Berliner Kongress bloss zu der lächerlichen Folge, dass 62 Juden von den 250.000, die in Rumänien wohnen, naturalisiert wurden! Eine jüdische Schule in Shanghai. Da die zur Errichtung einer jüdischen Schule in Shanghai nötige Geldsumme durch eine Sammlung bereits gesichert ist, so dürfte die Schule in kurzem eröffnet werden. Antihebräisch. Das königliche Provinzial-Schulkollegium hat das Gesuch der Berliner jüdischen Gemeinde um Aufnahme des Hebräischen in den Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht in der Volksschule abschlägig beschieden. Es soll die gesamte städtische Behörde gegen den Unterricht im Hebräischen grundsätzliche Bedenken geltend gemacht haben. Ausserdem greife die Einführung des Hebräischen über die der Volksschule gesetzten Ziele hinaus. Als weiteren Hauptgrund gibt das Provinzial-Schulkollegium an, „dass auch in jüdischen Kreisen vielfach auf den Unterricht im Hebräischen kein Gewicht gelegt wird". „Indem wir", fährt der Erlass fort, „dem Vorstande anheimstellen, durch Umgestaltung und Unterstützung der jüdischen Religionsschulen das von einem Teile der jüdischen Bevölkerung anerkannte Bedürfnis einer Unterweisung im Hebräischen zu befriedigen, legen wir im übrigen entschiedenes Gewicht darauf, bei der Zusammenstellung eines einheitlichen Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht der Gemeindeschulen uns der Mitwirkung des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu versichern. Wir überreichen daher den uns von der städtischen Schuldeputation vorgelegten Entwurf zur gefälligen Kenntnisnahme und mit dem Ersuchen etwaige Bedenken geltend zu machen, gez. Lucanus.fc Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde beschloss, die Frage einer gemischten Deputation zur nochmaligen Beratung zu überweisen. Aus diesem jüdischen Religionsunterricht soll aber das Hebräische endgiltig ausgeschlossen bleiben. Dem Vorstande wird es überlassen, aus eigenen Mitteln für die etwaigen Wünsche der jüdischen Bevölkerung in Bezug auf Hebräisch Sorge zu tragen. Oeffentliclikeitsrecht einer jüdisch n Schule in Deutschland. Die israelitische Schule in Weiden ist von der Regierung als öffentliche Schule bestätigt worden. Ein Seehospiz itir jüdische Kinder. Der „Verein zur Pflege schwacher israelilisch er Kinder" in Hamburg, der, ausser dass er einer grösseren Anzahl jüdischer Kinder einen vier wöchentlichen Aufenthalt an der See verschafft, auch noch in verschiedenen Schulen die Kinder nach ärztlicher Vorschrift mit Miicli und Eiern verpflegt, hat in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.