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Die Welt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Article
Der erste sibirische Zionistentag
Date
1903-02-20
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 8 „Die & Welt" Seite 7 Der erste sibirische Zionistentag. Der erste sibirische Zionistentag, der Ende Jänner stattfand, bedeutet eine neue Etappe auf dem Siegeswege des Zionismus. In Sibirien sind zur Zeit 25 Vereine, die das Baseler Programm akzeptiert haben. Die Beratungen des sibirischen Zionistentages, die sich hauptsächlich auf die Organisation der zionistischen Arbeit in Sibirien bezogen, versprechen den besten Erfolg. Der sibirische Zionistentag richtete an Dr. Theodor Herzl folgende Depesche: »Wir sind ungeheuer glücklich, den edlen Führer unserer grossen Idee von der imposanten Eröffnung der ersten Versammlung aller Zionistischen Vereine Sibiriens aus beglückwünschen zu können. Das Präsidium/ Korrespondenzen und Telegramme. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die rühmlichst bekannte Konzertsängerin Frl. Grethe Modiinger, Tochter des verstorbenen hervorragenden Hebraisten und Schriftstellers Samuel Modiinger, veranstaltet Donnerstag den 26. Februar im Saale Ehrbar ihren diesjährigen Lieder-Abend. Die geschätzte Künstlerin bringt Arien und Lieder von Haendel, Pergolese, Schubert, Schumann, Chopin, Gr i e g und Mozart zum Vortrage. Wir empfehlen aufs wärmste den zahlreichen Besuch des Publikums zu diesem interessanten Lieder-Abend, zumal die junge Dame als mittellose Waise nur auf ihre Kunst angewiesen ist. Karten sind zu haben bei der Konzertsängerin, II/2, Wittelsbachsfcrasse 4, und am Konzertabende an der Kassa. Wien. Herr Bezirks-Rabbiner Dr. M. Rosenmann aus Floridsdorf hält Freitag den 20. Februar d. J. bei dem Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 30 Minuten beginnt, im Leopoldstädter Tempel, Tempelgasse, die Predigt und am Samstag den 21. d.M. bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Jugendgottesdienste im Stadttempel, L, Seitenstettengasse, die Exhorte vor den Mittelschülern. — Nächste Woche hält Herr Rabbiner Dr.* E. David aus Düsseldorf im Leopoldstädter Tempel am Freitag den 27. d. M. beim Abendgottesdienste, der um 5 Uhr 45 Minuten beginnt, die Predigt und am Samstag den 28. d. M. im Stadttempel, bei dem um 3 Uhr nachmittags stattfindenden Gottesdienste für Mittelschüler die Exhorte. Budapest. An den Chefredakteur der „Ungarischen Wochenschrift" richtete der Oberkantor Herr Jakob Bachmann folgendes Schreiben: „Wohlgeboren Herrn Julius Gabel, Chefredakteur der „Ungarischen Wochenschrift", Budapest. Verehrter Freund! Begeistert pm ^plfc (von meiner Jugend bis zum heutigen Tage) für die jüdischen Volksbestrebungen, mit ganzem Herzen, warmer Seele für den Zionismus, für Ihr begeistertes Wirken auf diesem Gebiete: will ich, auch mein Scherflein zum heiligen Zwecke auf dem jüdischen Altar niederlegend, beitragen. Seit vielen Jahren arbeite ich daran, die synagogalen Gesänge und Lieder meines Volkes nach meiner Auffassung, die zur Verherrlichung des jüdischen Gottes dienen sollen, in einen Band zu bringen. Nun denn, dieses Werk, diesen schweigenden Zeugen meinesinnigen Gefühles, stelle ich zugunsten des Nationalfonds — sobald dasselbe fertiggestellt ist — dem zionistischen grossen Aktionskomitee zur Verfügung, dessen Einkommen, mnfcS (bald in unseren Tagen), ein kleines Steinchen bilden soll in jenem herrlichen Bau, den wir mittelst genannten Fonds errichten wollen — und werden. Mit inniger Freundschaft und hoher Achtung Ihr Jakob Bachmann, Budapest.* Deutschland. Nürnberg. An der Nürnberger Simultahvolksschule muss nach der seinerzeit getroffenen Vereinbarung der Religionsunterricht durch Geistliche erteilt werden; bei der Anstellung der übrigen Lehrkräfte sehen die städtischen Kollegien, denen das Präsentationsrecht für diese zusteht, nicht auf Konfession, sondern auf Tüchtigkeit. So kam es im Laufe der Jahrzehnte vor, dass auch israelitische Lehrkräfte der Regierung präsentiert und von dieser auch angestellt wurden. Vor etwa Jahresfrist kam plötzlich an den Magistrat das Verlangen der Regierung, die israelitischen Lehrkräfte aus der Volksschule zu entfernen. Der Magistrat weigerte sich. Jetzt aber ist von der Regierung neuerlich dasselbe Verlangen gestellt worden. Palästina. Jaffa. Eine erfreuliche Nachricht habe ich heute zu melden. Die „J. C. A.tf hat den Orangeriebesitzern in Petach Tikwah 60.000 Francs als Darlehen gegeben. Die Summe soll binnen 25 Jahren zurückgezahlt werden. Diese Hilfe ist umso wichtiger, weil eine Anzahl der Besitzer bereits hart zu kämpfen und für die bisher von ihnen aufgenommenen Kapitalien 12—18°/0 an Zinsen zu zahlen hatte. Auch den Weinbauern kam die „J. C. A." entgegen. Sie erhalten auf die nächste Ernte 50°/0 Vorschuss gegen 3% Verzinsung. Es scheint, dass die „J. C. A.u jetzt doch die palästinensischen Kolonien mit etwas mehr Freundlichkeit behandeln will als bisher. L. W. Russland. Petersburg. Aus zuverlässiger Quelle erfährt die Petersburger Zeitung „Woskhod", dass die „Icaa sich mit einem neuen grossen Kolonisationsprojekt befasst. Die „Ica" soll nämlich beabsichtigen, grosse Ländereien in der brasilianischen Provinz Rio-Gran de zu erwerben, um in diesen subtropischen Landstrichen jüdische Ackerbau-Kolonien für unsere Volksgenossen aus dem jüdischen Niederlassungsgebiete in Russland zu gründen. Das neue Experiment der „Ica" mit den russischen Juden soll nunmehr darin bestehen, dass die Juden in Rio Grande nicht in Farmers, wie es in Argentinien der Fall war, sondern in bescheidene Ackerbauer verwandelt werden sollen, die sich mit einem kleinen, aber sicheren Verdienste begnügen. Diese Meldung ruft in dem der „Ica" freundlichen „Woskhod" Betrachtungen hervor, die beachtenswert sind. Das russische Blatt wendet sich nicht nur gegen das neue Kolonisationsprojekt, sondern gegen die kolonisatorische Tätigkeit der „Ica4* überhaupt. „Die Ergebnisse der abgelaufenen zehnjährigen Tätigkeit der „IcaV sagt das Blatt unter anderem, „entsprechen den übermässigen Hoffnungen nicht, welche man auf dieses Unternehmen gesetzt hat. Bis jetzt leben in den Kolonien (in Argentinien) im ganzen nur 1082 Familien. Die ökonomische Lage der grössten dieser Kolonien ist noch immer unsicher. Wir werden uns kaum irren, wenn wir sagen, dass das neue grandiose Unternehmen der „Ica" unter den denkenden Juden keiner Sympathie begegnen dürfte." Petersburg. Die blosse Nachricht von der angeblich im Ministerium des Innern bestehenden Absicht, das jüdische Mederlassungsgebiet in Russland zu erweitern, hat die antisemitische Presse des Zarenreiches in grosse Aufregung versetzt. [Die Anführerin dieser Presse, die „Nowoje Wremja", veröffentlicht einen Artikel unter dem Titel „Das jüdische Spinnengewebe", in welchem nachzuweisen gesucht wird, dass Russland dem Ruin verfallen würde, wenn nicht scharfe Massnahmen ergriffen werden, um die Juden von allen Erwerbsquellen, welche in irgend welcher Verbindung mit der Landwirtschaft stehen, fernzuhalten. Dass dieser gehässige Artikel der tonangebenden russischen Zeitung die gewünschte Wirkung nicht verfehlt hat, kann man aus dem Schicksal der jüdischen'Niederlassung in Port Arthur und Charbin ersehen. Aus ökonomischen Rücksichten hat sich die russische Regierung veranlasst gesehen, den Juden das Wohnrecht in Port Arthur und in der Mandschurei einzuräumen, um in diesem fernen Weltteile Handel und Industrie zu heben. Aber kaum hat die „Nowoje Wremja" ihren Giftpfeil gegen die Juden in Russland im allgemeinen abgeschossen, als auch die in Port Arthur erscheinende neue russische Zeitschrift „Nowy Kraju (Das neue Gebiet) Protest gegen die Ansiedlung der Juden in

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