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Die Welt · 1903-02-20 · 8 (20.2.1903) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
7 (1903)
Issue
8 (20.2.1903)
Article
König Carol über die rumänischen Juden
Date
1903-02-20
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die # Wel*? Nr. 8 mitteilen konnte, sind die Wünsche, welche Sie in Betreff Ihrer Glaubensgenossen hegen, schon erfüllt. Die Israeliten sind Gegenstand aller meiner Sorgen und derjenigen meiner Regierung und ich freue mich, dass Sie nach Rumänien gekommen sind, um sich davon zu überzeugen, dass die religiöse Verfolgung, von der Bosheit so viel Lärm gemacht hat, nicht existiert. Wenn Juden belästigt worden sind, waren das nur vereinzelte Zwischenfälle, für die meine Regierung nicht die Verantwortung übernehmen kann. Es wird mir stets ein Ehrenpunkt sein, Achtung vor der religiösen Freiheit zu sichern und ich werde unermüdlich über die Ausführung der Gesetze wachen, welche die Israeliten beschützen, zusammen mit allen anderen Rumänen, mit Bezug auf ihre Person und ihr Eigentum. Empfangen Sie, Herr Baron, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. Charles." Zu diesem Briefe bemerkt das „Roumanian Bulletinu mit Recht, dass er ein unangenehmes Licht wirft auf die „Hilflosigkeit eines konstitutionellen Herrschers in den Händen gewissenloser Minister", denn die Schilderung der damaligen Verhältnisse in Rumänien war ebenso unbegründet wie die Versprechungen illusorisch waren. — Das „Bulletin" teilt auch nachstehende Geschichte über d?ie Behandlung jüdischer Hausierer durch den Präfekten von Bukarest mit: „Der Polizeipräfekt von Bukarest verbot den Strassenverkauf von illustrierten Postkarten. Dieser Handel lag fast ausschliesslich in den Händen jüdischer Hausierer. Am 16. Jänner suchte eine Deputation der Postkartenhändler den Präfekten auf, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Verbot ungesetzlich sei, weil der § 20 des Gesetzes über das Hausierergewerbe ausdrücklich vorschreibt, dass Zeitungen und alle Drucksachen, einschliesslich Bilder und Photographien, auf der Strasse verkauft werden dürfen. Kaum hatte die Deputation bekannt gegeben, was sie wollte, als der Präfekt, Herr San Marin, ausrief: „Ihr verlangt Unmögliches. Geht!" Der Führer der Deputation wendete ein: „Aber das Gesetz gibt uns recht!" „Das. Gesetz gibt euch keinerlei Recht!" lautete die ärgerliche Entgegnung. „Was sollen wir denn machen? Wir werden verhungern!" „Was Ihr tun sollt?" erwiderte der Präfekt achselzuckend. „Schiesst euch tot, wenn ihr wollt, oder wenn euch das nicht passt, so geht nach Palästina." (Vide tfr. 5. „Die Welt", VII. Jahrgang.) Zynische Wahrheiten. Neben den terrorisierenden Antisemiten gibt es in Rumänien theoretisierende. Es ist Tatsache, dass die heute in ganz Europa geltenden antisemitischen Leitsätze rumänischen Ursprungs sind. Die Grundzüge der Drumontsehen und Stöcke r'schen Lehre sind schon in einem Entwürfe zu einem Gesetzprojekte— dem sogenanntenGesetzprojekt der 31 — enthalten, welches Projekt anno 1868 verfasst worden ist. Man spricht dort „von einer feindlichen Rasse, von der der rumänischen Rasse Gefahr droht". Und es. heisst dort weiter: „Diese feindliche Rasse ist allein Besitzerin des gesamten Kapitals der Erde und infolgedessen hat sie den Handel und das Gewerbe monopolisiert/ Ferner verlautet noch, „dass diese Rasse aus Rumänien einen jüdischen Staat machen will und dass sie der Geist der Zerstörung ist". Ich wage es zu sagen, dass in dieser Arbeit der 31 Abgeordneten von 1868 alles enthalten ist, was den antisemitischen Theorien der Modernen Glanz und Kraft gibt. Uebrigens ist das auch die Meinung der Kompetentesten unter den rumänischen Antisemiten, die die „Einführung und Begründung des europäischen Antisemitismus" als eine Heldentat der rumänischen „Rasse" betrachten. Ich führte die historischen Zitate nur deswegen an, um einen Beweis von der Bedeutung der theoretisierenden Antisemiten zu geben. Von dem Einflüsse des Wortes auf die Tat haben die Frtihjahrsereignisse des Jahres 1899 einen genügenden Beweis gegeben. Unter den theoretischen Antisemiten der Jetztzeit spielt Herr A. C. Cuza eine grosse Rolle. Herr Cuza ist Schriftsteller und seit kurzem Universitätsprofessor. Ein antisemitisches Winkelblatt, „Vocea Tutorei", publiziert nun seit einiger Zeit Meine Artikel des Herrn Cuza, „Unzeitgemässe Betrachtungen*, und hier onacht Herr Cuza unter sehr vielen blifczneuen Entdeckungen auch die eine, dass man in Rumänien den Juden nichts antun kann. — Nichts tun kann! Es ist noch zu wenig getan worden! Aber die rumänischen Antisemiten sind mit der rumänischen Gesetzgebung, was die Juden betrifft, noch immer nicht zufrieden* Ach, diese Juden! Ein Skandal, wie sie nicht sterben wollen! Und warum kann man den Juden in Rumänien nichts antun? Na ja, weil sie1, Protektionskinder sind, weil sie — weil sie „sich 'des mächtigen Schutzes des Advokatenstandes in Rumänien erfreuen14. „Ich habe selbst Advokaten," schreibt Herr Cuza, „gehört, die genug Zynismus besassen, offen zu sagen, dass, wenn die Juden nicht da wären, sie vor Hunger sterben müssten." Es sterben aber nicht die Advokaten, sondern die Juden vor Hunger. Das sagt aber Herr Cuza nicht, sondern setzt ein mächtiges Rufzeichen noch seiner Konstatierung hinzu und ergeht sich in Lamentationen. Was aber bedeutet wirklich die Feststellung des Herrn Cuza? Dass die Juden fortwährend Advokaten brauchen, weil sie fortwährend mit Prozessen verfolgt werden und dass dieser löbliche Stand des rumänischen Volkes hauptsächlich von den Juden erhalten wird. Zahl! Jud, Zahll heisst es in Rumänien trotz 1903 und der Jud zahlt: dem Staate Geldsteuer, dem Vaterlande Blutsteuer, dem Beamten Zusteuer, ihren Frauen Aussteuer, den Advokaten Gerichtssteuer. Noch einige wahre Zugeständnisse des Herr Cuza und die Welt wird wissen, dass die ganze Kaste der rumänischen Bojaren und Parvenüs ihre Haupteinnahmen von den Juden zieht. Aus den Kellern von Bukarest stammt der blutige Kitt zu neuen Bukarester Palais, Bleichröder borgt — es ist nicht der schlechteste Witz der Geschichte, dass Rumänien lebt, weil die Juden leben. Es sind zynische Wahrheiten, diese Aeusserungen, die verschiedene Rumänen in der letzten Zeit gemacht haben. Wenn ein jüdischer Schriftsteller sich erlaubt hätte, zu behaupten, dass die hochehrwürdigen Rumänen, die sich des Advokatentitels erfreuen (und sie alle sind Bojarensöhne, wenn diese überhaupt einen Titel haben), von Judengeldern leben, was für einen Entrüstungssturm es da gegeben hätte! Diese jüdischen Verleumder! Diese Vaterlandsverräter! Aber Herr Cuza sagt es. Cuza, der führende Judenfeind. Dass er weiter von der „Protektion, der sich die Juden in Rumänien erfreuen", erzählt, darf uns nicht weiter wundern. Derselbe Herr Cuza meint auch, dass die Juden „ein Paraaitenvolk seien!" Parasiten, auf deren Kosten der ganze Stand der rumänischen Advokaten lebt — das sind jedenfalls brauchbare Parasiten. Und wenn sich vielleicht ein Leser findet, der behaupten möchte, „er verstände das nicht", so soll er sich erinnern, dass die theoretisierenden Antisemiten Rumäniens nicht zu jenen gehören, die das Schiesspulver entdeckt haben, sondern nur eben die «Begründung des europäischen Antisemitismus". Th. P1 e b e. ^f>i*ibäi)e. (Für diese Rubrik tiberlässt die Redaktion die Verantwortung den Einsendern.) Prag, den 15. Februar 1903. Löbliche Redaktion „Die Welt" Wien, IX., Türkenstrasse 9. In letzterer Zeit mehren sich in riesiger Zahl die Zuschriften an mich von denjenigen Gesinnungsgenossen, welche sich bei der Volks-Vorschusskassa in Prag um ein Darlehen bewerben. Ich bitte nun die Herren Gesinnungsgenossen, von diesen Briefen an mich abzusehen tund in Darlehensangelegenheiten nur mit der Volks-Vorschusskassa zu korrespondieren, welche alle bei derselben anlangenden Kreditgesuche auf das eingehendste würdigt, und kann sich dieselbe,beziehungsweise der aus 11 Personen bestehenden Ausschuss bei Erledigung der Kreditgesuche hauptsächlich nur vom kaufmännischen Standpunkte leiten lassen, obwohl auf gewisse, hier nicht näher zu erörternde Verhältnisse stets Rücksicht genommen wird. Hochachtungsvoll mit Zionsgruss Karl Rezek.

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